Auf dem Weg nach Istanbul
von am 01.12.2010 um 03:25 (1364 Hits)
Nach dem Start gibt es erneut Getränke – erst jetzt bemerke ich, dass nur wir etwas zu trinken bekommen. Nicht einmal der Trolley wird in die Kabine gerollt. Ramadan – wie konnte ich das nur vergessen! Wir sind im vorderen Teil der Maschine die einzigen "Ungläubigen". Für das Essen ziehen wir in Reihe eins um. So sind wir nicht direkt umringt.
Das Essen ist schmackhaft und bietet einen Querschnitt der türkischen Küche. Der Service ist sehr gut, aber etwas mechanisch. Alles wird wie aus dem Lehrbuch durchgeführt, und deshalb bekommt das Ganze keine persönliche Note. Die Flugroute führt uns von Kairo nordwärts über das Mittelmeer, ehe der Pilot kurz vor der türkischen Küste in Richtung Westen abbiegt. Wir passieren einige griechische Inseln und erreichen schließlich über Izmir das Marmara-Meer. Viele Schiffe liegen vor Anker. Sie scheinen auf die Durchfahrt ins Schwarze Meer zu warten.
Planmäßig landen wir in Istanbul. Ich liebe diese Momente: Man geht auf einen vollkommen fremden Menschen zu, der offensichtlich jemand ganz anderen erwartet. Schon an der Flugzeugtüre steht der Herr mit einem Schild. Er trägt eine rote Uniform. Auf einem goldenen Schild in Höhe seiner Brust steht "Prime Class". Er zupft sich noch schnell seine Krawatte und das Sakko zurecht, bevor er zu einem professionellen "Meet and Greet"-Gesichtsausdruck wechselt. Ich steuere direkt auf ihn zu. Ganz kann er sein Erstaunen nicht verbergen. Er fühlt sich offensichtlich ertappt. Schnell guckt er noch einmal auf seinen Zettel. Auch dieser scheint ihm keine befriedigende Antwort zu liefern. So richtig scheint er nicht zu wissen, was er zu mir sagen soll. Er ringt sich aber letztendlich zu einer freundlichen Nachfrage durch und nimmt sich unser an. Der Dame nimmt er freundlich lächelnd den Koffer ab, und spricht einiges in sein Walky-Talky. Außer unseren Namen verstehen wir nichts.
Der Erlebnis "First Class" nimmt seinen Lauf. Wir sind seine einzigen Gäste aus Kairo und werden zu einem Golfcart gebracht. In flottem Tempo fährt man uns zur Einreise, wo wir an der Schlange wartender Menschen vorbei geführt werden. Dank eines Flughafenmitarbeiterausweises öffnet sich für uns ein Drehkreuz, wo alle anderen Passagiere ihre Pässe vorzeigen müssen. So sind wir nach Verlassen des Flugzeugs in nicht einmal fünf Minuten in der Lounge.








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