Auf Umwegen nach Thailand und zurück (oder: via BKK, ADD und INN dann halt doch wieder zum SEN)

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spremmse

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
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BER
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Für manche, insbesondere meine Kollegen in NYC, mag es Luxuriös erscheinen - für mich ist es über die letzten Jahre unverzichtbar geworden: Ein doppelter Winterurlaub. Dafür gibt es drei Gründe:
  1. Ich verzichte gänzlich auf längeren Sommerurlaub - in der Zeit bin ich gerne zuhause, oder wo auch immer mich die Arbeit hintreibt. Warum sollte ich mich an Schulferien halten, habe ich doch keine Kinder? Q1 ist bei mir beruflich meist weniger los, daher ist die Sache klar: Urlaub gibt's im Winter.
  2. Der Winter im Nordosten Deutschlands ist Brutal: meist (außer in diesem Jahr) nicht wegen Kälte oder Schnee, sondern wegen der Dunkelheit. Würde ich nicht in die Sonne fliehen, ich wäre Depressiv.
  3. Ich liebe, schon immer, den Bergsport. Daher führt es für mich im Winter immer auch für eine Woche in die Berge - seit längerem schon in fester Ski-Runde.
In diesem Jahr war die Planung allerdings anders als erwartet: Aus dem geplanten längeren Pauschalurlaub (wäre für mich das erste mal gewesen) wurde aufgrund von beruflichen Komplikationen meiner +1 erst eine Woche, und dann nur zwei Tage. Nun hatte ich aber schon Urlaub eingetragen, und auch der Ski-Trip stand fest: in meiner letzten Urlaubswoche mitte Februar würde es nach Tirol gehen.
Als es so aussah als würde ich mit meiner +1 eine Woche in Ägypten verbringen, habe ich mich nach Ideen für die verbleibende Woche umgeschaut - und Flüge von CAI nach BKK mit ET in C via ADD für nur 1100€ gefunden. Neue Flugline, Interessanter Stopover in ADD, guter Preis - warum eigentlich nicht. Und dann sind da ja noch die Meilen!
Mein SEN läuft 02/26 aus, und aufgrund der veränderten politischen und wirtschaftlichen Lage in den USA hat sich mein Reiseprofil in 2025 drastisch geändert - es gab für mich kaum einen Grund den Status zu verlängern, bei nur noch 1-2 Fernreisen und 20-30 Kurstrecken im Jahr. Da dieses Routing allerdigns (so dachte ich zumindest) 800 Points bei MM einbringen würde habe ich mich also mit meinem in BKK wohnenden Cousin sowie weiteren Bekannten die dort überwintern verabredet. Denn was gibt es besseres, als ein wenig durch die Gegend zu fliegen, um doch nochmal fast zwei Jahre SEN-Privilegien mitzunehmen, und sich zwischendrin mal das Stopover-Programm in ADD anzuschauen.
Im weiteren Verlauf wurde mir aber klar, dass das Angebot für 1100€ in BK P bucht - und somit keine Punkte auf M&M kommen. Noch während ich versucht habe das Ticket in BK D zu buchen, eröffnete sich bei +1 dass alles anders kommt als erwartet. Die Woche in Ägypten war somit futsch. Nach viel hin und her habe ich festgestellt, dass ich ein ähnliches Routing zu einem für mich sinnvollen (aber nicht mehr supergünstigen) Preis ab WAW buchen kann - direkt in BK D. Zusammen mit meinem regulären Flugprofil und den verschiedenen aktuellen Points-Aktionen erwarte ich somit den SEN im März oder April wiederzuerlangen.

Somit stand dann der Reiseplan:
  • BER-POZ (per Zug) - dann 2 Tage Poznan mit +1
  • POZ-WAW (per Zug, da unpassende Flugzeiten mit LO, leider)
  • WAW-(VIE)-ADD - dort dann 17h Stopover, ET bietet hier Hotel, Verpflegung und eine Optionale Stadtführung (dazu später mehr)
  • ADD-BKK - mit Cousin und Familie in Bangkok
  • BKK-KBV-BKK - mit Freunden auf Koh Lanta
  • BKK-ADD - dort wieder Stopover, diesmal 19h
  • ADD-VIE-(WAW) - ET verkehrt auf der WAW-Route via VIE, und mein Plan ist es, in Wien auszusteigen
  • VIE-INN - dann Ski fahren
  • MUC-BER
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So sieht das ganze dann im Great Circle Mapper aus

Da vermutlich 90% aller Menschen einen solchen Reiseplan für nicht nur grenzwertig dekadent, sondern vollständig wahnsinnig halten, dachte ich mir dass es sicherlich für einige der verbleibenden 10% (in anderen Worten, die Insassen dieses Vorums) ein durchaus spannender Reisebericht werden könnte. Daher möchte ich euch im folgenden semi-live auf diesen Wilden Ritt mitnehmen 🤠

Vorab: Dies ist mein Erster Reisebericht - und auch mein erster Thailandaufenthalt. Mir geht es hier primär um das spannende Routing und die Details zum Stopover in ADD, sowie andere Reise-Themen. Was die Aktivitäten vor Ort angeht bin ich mir sicher finden sich hier im VFT viele Berichte von den Thailandexperten mit denen mein Reisebericht nicht konkurrieren kann. Über die Zeit mit Familie und Freunden bin ich im Internet zudem lieber eher schweigsam. Wer allerdings Freude am chaotischen Fliegen hat wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.
 
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spremmse

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08.09.2012
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BER
Teil 1: Vorgeplänkel in Europa gen Osten mit Zug und entsprechenden Komplikationen

Da es nun also nicht nach Ägypten gehen wird, haben +1 und ich uns für einen gemeinsamen Stop in POZ entschieden. Wir beide kennen Poznan noch nicht, es liegt auf halbem Weg nach WAW und ist von Berlin super mit dem Zug zu erreichen - dachten wir zumindest.

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Mit 40 Minuten Verspätung durften wir dann in den Berlin-Warszawa Express am Berliner Hbf steigen. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Der Zug blieb in Frankfurt/Oder einfach stehen. nach 1h erfuhren wird: Es wird mit dem Bus weitergehen nach Rzepin. Dort wartet dann der Ersatzzug. Fotografisch leider nicht festgehalten durften wir dann aus dem Bus heraus auch sehen woran es lag: Auf der Strecke befand sich der vorherige Zug, im Stillstand auf einem Bahübergang - laut DB-Auskunft "Notarzteinsatz". Mehr Details möchte ich hier wirklich nicht wissen, und hoffe mal das beste.

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Als wir in Rzepin ankamen war klar dass es ca. 4h Verspätung werden wird - da hilft nichts mehr, außer Pierogi und Bier im Speisewagen. Mit über 4h Verspätung dann Ankunft in POZ dann direkt das Fahrgastrechteformular ausgefüllt - und auch drei Tage später 50% des Ticketpreises erstattet bekommen. Einen halben Urlaubstag direkt mal verschwendet.


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Da uns beiden mehr nach Natur und Sauna als nach Stadt war haben wir uns für das Regatta Hotel im Vorort Kiekrz entschieden. Hier gab es eine gute Rate mit Spa-Zugang, und einen Bahnhof, 5 Minuten zu Fuß entfernt. Das Hotel war nichts besonderes, aber für uns völlig ok.
Ein anderer Gast hat uns fürs nächste mal das Hotel Navigator in Zbaszyn (auch an der Strecke des Berlin-Warszawa Express) empfohlen - das probieren wir bestimmt auch bald mal. Nach den letzten enttäuschenden Radisson-Erfahrungen möchte ich meinen VIP-Status eigentlich nicht mehr als Entscheidungsgrundlage in der Hotelwahl heranziehen.

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Das Hotel liegt am See Jezioro Bledno, welcher fest zugefroren War. Wir haben uns einen kleinen Spaziergang auf dem Eis getraut, wobei wir ein paar Anglern beim Eisfischen begegnet sind. Einen schönen Wald zum Spazieren gab es auch, und sogar ein geöffnetes, sehr nettes und leckeres Ital. Restaurant (Trattoria OMG).


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Vom Bahnhof Kiekrz ging es dann (mit 20-Minütiger Verspätung) per Pendlerzug ins Stadtzentrum von Poznan. Und das hatten wir wirklich unterschätzt: Poznan ist Wunderschön!

Nun hatte ich eigentlich vor die Weiterreise zum WAW per Flugzeug anzutreten, liegt der Flughafen POZ doch gleich bei Kiekrz. Allerdings gibt es am Tag nur wenige Flüge, und für meinen Abendabflug nach ADD hätte ich 5h am Flughafen in WAW verbringen müssen - Zeit, die ich lieber mit +1 in Poznan verbracht habe. Daher ging es per Zug nach WAW. Ich habe hier aus eben jenem grund den Puffer recht knapp kalkuliert. Als schon wieder eine 40-Minütige Verspätung angekündigt wurde kam ich dann am bitterkalten Poznaner Hauptbahnhof doch ganz schön ins schwitzen. Nächstes mal dann doch per LOT, ist immer günstig, und die QP sind gern gesehen.
Im Zug dann noch schnell die letzten E-Mails erledigt, die letzten MAs gebrieft - für die Zeit in Thailand sollte diesmal wirklich ALLES auf der Arbeit erledigt sein.

Fazit: Kurztrips nach Polen - Immer wieder gern, wenn nur die Züge besser funktionieren würden.



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Angekommen in WAW am Check-In: Rechtzeitige 90 Minuten vor Abflug, keine Schlange weit und breit. Endlich ab ins Warme!
Die Check-In Agentin war überrascht, als sie mir die Bordkarte überreichte. "Bangkok?" war ihre Frage - offenbar bin ich wohl der Einzige Passagier auf diesem wilden Routing. Wild war es ja auch bis jetzt schon - und so sollte es dann auch weitergehen...
 

spremmse

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08.09.2012
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Teil 2: Erstmal nach Süden

Nun also zum Kernstück dieses logistischen Abenteuers: einfach mal ET fliegen. Ethiopian Airlines ist schon öfter mit guten C Raten aufgeploppt bei verschiedenen Routen nach Afrika und Asien, und teilweise sind diese so gut, dass ich fast schon zugeschlagen hätte, wie z.B. die 1100€ CAI-BKK. Ausschlusskriterium waren für mich oftmals die wirklich harten Flugzeiten (foreshadowing ... dazu kommt gleich noch was), oder auch dass die Kosten egal waren wegen Dienstreise. Aufgrund meines spontanen Buchungsverhaltens waren auch Meilentickets oft eine bessere Option. Gereizt hat es mich trotzdem immer, nicht nur wegen der günstigen Möglichkeiten auf MM Meilen/Points zu sammeln, sondern auch weil ich die Ostafrikanische Gastfreundschaft sehr zu schätzen weiß, und ich generell Freude an etwas ungewöhnlichen Erfahrungen habe. ET bietet, wie ihr gleich lesen werdet, viele "Quirks & Features" - ob nun gut oder schlecht.


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In WAW ging alles flott, der Flughafen ist angenehm klein und Effizient, gemessen an den guten Connections die er bietet. Die Non-Schengen Lounge ist kleiner als die Schengen-Lounge, und war glücklicherweise auch weniger voll als ich die Schengen kenne. Das Angebot würde ich mal als "okay" klassifizieren.
Aus dem Fenster konnte ich schon unsere ET-AXS erkennen - mit der Maintenance Crew auf einer Leiter am Triebwerk am schrauben... Das Boarding startete dann aber trotzdem mit nur 20 Minuten Verzögerung - trotzdem: Kein gutes Omen.


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Meine Flugzeit von WAW nach BKK betrug laut Buchung schlappe 36h - der Weg ist das Ziel, dachte ich mir und drückte den Bezahl-Button. ALLE legs wohlgemerkt: Nachtflüge. Spätabendliche Abflüge, frühmorgendliche Ankünfte - wer sowas in Y abfliegt hat meinen Respekt verdient.
Außerdem waren sowohl der erste wie der zweite Flug jeweils mit einem Stopp geplant: Auf dem Hinweg hielten wir in VIE (ohne ausstieg), der Weiterflug nach BKK endete dann erst in CGK.
Mir scheint das bei ET so üblich zu sein: man hat sich dort ein riesiges Netz aufgebaut, und versucht mit den ME3 zu konkurrieren. Der Preis: Oftmals muss zwischendrin nochmals angehalten werden, was wertvolle Zeit kostet, und umgestiegen wird gerne auch mal mitten in der Nacht, oder zumindest zu den Tagesrandzeiten. Der Flughafen in ADD kann zu den Connection Wellen unfassbar voll werden - aber zu alldem später mehr.


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Bei der Buchung wurden alle Legs mit 789 in einer 2-2-2 Anordnung angezeigt. Da ich einen Sitznachbarn vermeiden wollte schaute ich am tag des Abflugs nochmal in die App - siehe da, für WAW-VIE-ADD wurde auf 1-2-1 Bestuhlung gewechselt. Auf den Bulkhead im Super Diamond Sitz freute ich mich doch gewaltig, wenn auch das "Fußloch" in der 787 auf den Fensterseiten eher klein ausfällt. Solche kurzfristigen Wechsel der Bestuhlung sind hier bei ET wohl an der Tagesordnung - und es gibt mehr unterschiedliche Sitztypen in der C als andere Airlines Flugmuster haben. Von allen Optionen ist der Super Diamond sicherlich die Beste.
Zwischen Boarding und Abflug gab es dann O-Saft oder Champagner, hier gibt es auch Pre-Departure "echten" Champagner, wenn auch die Marke "Trouillard" mir bis dato gänzlich unbekannt war (ich würde sie im unteren Segment anordnen).
Nette Geste: Ähnlich wie bei anderen Airlines in F wird am Platz eingeschenkt.
Unschön: Es gibt keine richtige Begrüßung, weder Namentlich, noch anderweitig, die Schampusrunde wird erst gemacht wenn (fast) alle sitzen.
Lobenswert: Neben dem unspektakulären Amenity Kit (Socken, Lip Balm, Zahnbürste, Schlafmaske, Ohropax, Stift) gab es Schlappen - das sollte es m.M.n. immer geben (für den Gang zur Toilette).


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In WAW wurde Catering von Do & Co geladen, und es schmeckte entsprechend durchaus lecker. Auf dem Leg von WAW nach VIE (man muss in VIE nicht aussteigen) gab es Canapés, auch einen Campari-Soda konnte ich dazu bestellen - nett
Ansonsten war die Crew leider weder besonders freundlich (was sagte ich noch über Ostafrikanische Gastfreundschaft?) noch besonders schnell, noch besonders zuvorkommend. Es wurde nur ein Getränk mit dem Essen serviert, und für ein zweites Glas Wasser musste ich aktiv nachfragen (als der Hauptgang kam) - geliefert wurde es dann nachdem der Meal Service abgeschlossen war. Hier habe ich eindeutig mehr erwartet.


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Gesättigt ging es dann in dem ganz akzeptablen Bedding nach durch eine (kurze) Nacht nach ADD. Es gab keine Matratzenauflage, aber mit zweiter Bettdecke als Unterlage und zusätzlichem Kissen konnte ich es mir bequem machen. Das Melatonin hat den Rest getan.
 

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Erfahrenes Mitglied
06.01.2015
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1.408
BER / COR
Solche kurzfristigen Wechsel der Bestuhlung sind hier bei ET wohl an der Tagesordnung
Für die meisten Strecken (also alles was nicht ULR ist) teilt ET erst 14-7 Tage vor Abflug den Flieger zu. Das sorgt dann dazu, dass auf einer Strecke an einem Tag eine Dash 8 und am nächsten Tag eine 777 auftaucht. Diese doch recht kurzfristigen Kapazitätseinplanungen sind auch das grosse Geheimnis von ET - die sind Schichtweg unfassbar flexibel. Die meisten Buchungen kriegt ET auch erst in diesem Zeitfenster.

Das sorgt aber leider auch dazu, dass es ein komplettes Fliegerroulette gibt, und dementsprechend viele Seatchanges auf der Langstrecke.