Groundhopping

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mm_aa_ii_kk

Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
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Groundhopping? Was ist eigentlich Gorundhopping? Wikipedia spuckt die folgende Bezeichnung aus: "Groundhopping bezeichnet die Absicht, möglichst viele Stadien, Arenen oder Hallen einer bestimmten Sportart zu besuchen."

Bei mir ist es die Absicht, sofern es meine freie Zeit erlaubt, Fußballspiele zu sehen und da ich auch für ein anderes Forum Berichte darüber schreibe, möchte ich Euch diese auch (leicht abgewandelt) zur Verfügung stellen, damit Ihr einen Einblick in fremde Fußballkulturen bekommt.

Da am vergangenen Wochenende mein Verein bereits am Freitag abend spielen sollte (das Spiel wurde dann aber abgesagt), war das Wochenende frei für eine kleine Tour. Also schnell Spiel- und Flugpläne gewälzt und schon stand mein Ziel fest. Zum zweiten Mal in diesem Jahr sollte es nach London gehen. Bereits im Mai hatte ich mir das Länderspiel England-Mexiko in Wembley angesehen, nun standen Ligaspiele auf dem Programm.

Gebucht wurden Flug und Unterkunft via binoli, da ich noch einen Gutschein von Groupon hatte. Der Hinflug HAJ-STN ging mit Air Berlin in einer A320. Dank Online-Check-In und dem damit verbundenen Platz 2A war ich innerhalb von 10 Minuten aus dem Flughafen draußen und unterwegs Richtung London. Kurz das Gepäck im Hotel abgegeben und direkt auf den Weg zum Boleyn Ground gemacht zum Spiel

West Ham United-Manchester City 1:3
Das Stadion liegt nur fünf Minuten von der U-Bahn-Station Upton Park. Ein Besuch bei West Ham war für mich Pflicht, da hier der 1.FC Magdeburg vor 45 Jahren einmal im Europapokal gespielt hat und bei West Ham derzeit Überlegungen angestellt werden, dass man eventuell nach den Olympischen Spielen in das Olympiastadion umziehen wird. Dagegen gab es vor dem Stadion eine Unterschriftsammlung der "Hammer-Fans". Mir wurde bereits im Vorfeld angekündigt, dass ich von West Ham (wie von den meisten englischen Fans) stimmungsmäßig nicht viel erwarten kann. So war es dann auch, drei mal sangen die West Ham-Fans unter den 32.813 Zuschauern die eingespielte Vereinshymne mit, das war's. Besser drauf waren da schon die ca. 2.000 City-Fans, die vor allem durch einen kuriosen Torjubel auffielen. Nach einem kurzen Jubeln drehten sich alle Fans mit dem Rücken zum Spielfeld, hakten sich gegenseitig ein und hüpften rum. Sah echt witzig aus. Nach dem 0:3 zehn Minuten vor Schluss verließen die Heimzuschauer in Massen dieses Stadion:
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Ich tat es ihnen gleich, verpasste somit noch ein Tor, da bereits kurze Zeit später das Spiel

Chrystal Palace-Hull City 0:0
angepfiffen werden sollte. Ca. 25 Minuten nach Spielbeginn kam ich am Selhurst Park
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an. Kurioserweise waren zu diesem Zeitpunkt bereits alle Kassen geschlossen. Ich bin dann zu einem Ordner und fragte, wo es noch Karten gäbe. Der schickte mich zum nächsten Ordner, der mich wieder weiter usw. Der fünfte Ordner empfahl mir, mal im Eingang des VIP-Bereiches zu fragen. Die beiden Damen am Einlass (Loungedrachen? :p ) verneinten, dass es noch Karten gäbe, bis von hinten ein älterer netter Herr um die Ecke kam und fragte, was los sei. Ich ihm die Situation erklärt, dann hat er den Damen einen Wink gegeben und mir kurzerhand eine Karte für die traditionsreiche Haupttribüne geschenkt. Neben mir waren noch 13.341 beim Spiel der First Division dabei, davon 699 Gästefans aus Hull, die aber weitestgehend ruhig blieben. Die Palace-Fans stellten einen recht aktiven und lautstarken Fanblock, so dass sich der Besuch trotz eines 0:0 gelohnt hat.

Nach dem Spiel ging es auf indirektem Weg in St. Georgio Hotel an der U-Bahn-Station Gant's Hill. Es ist ein 3-Sterne-Hotel und eigentlich ganz in Ordnung, wenn nicht 20 Meter links und rechts des Eingangs jeweils ein Diskothek gewesen wären, was auf einem Samstag abend nicht wirklich von Vorteil ist.

Am nächsten Morgen stand ein relativ spontanes Highlight auf dem Programm. Ich hatte vor kurzem in einem Fußballmagazin von den "Hackney Marshes" gelesen. Dies ist ein Gelände in der Nähe des neuen Olympiaparks, auf dem über 50 Fußballplätze in Originalgröße zu finden sind, siehe hier.
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Sonntags morgens spielen dort etliche Mannschaften aus Freizeitligen gegeneinander. Bei meiner Ankunft begann gerade ein Großteil der Spiele, ich entschied mich spontan für

Angels-Wolvercalmes 5:2
Allerdings war es schon schwierig, den Namen der Gästemannschaft herauszufinden. Die zwei Wechselspieler der "Angels" konnten ihn mir nicht sagen und der Trainer der Gäste war noch halb betrunken, so dass ich vermute, er könnte "Wolvercalmes" gemeint haben. Auch ein paar Spieler seiner Mannschaft hatten am Abend zuvor wohl etwas tiefer ins Glas geschaut, da zu Spielbeginn nur neun Mann auf dem Platz standen. Dennoch gelang den Wolvercalmes mit 2:0 in Führung zu gehen, was den Kapitän der Angels
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in der Halbzeit, in der eine A380 von Emirates über die Plätze flog, zur Ansprache "We played a fucking bullshit" veranlasste. Von den Wolvercalmes tauchten im Verlauf des Spiels noch die zwei fehlenden Spieler auf. Allerdings nutzte ihnen das gar nichts. Ganz im Gegenteil, die Angels drehten gegen die nun vollzählige Gästemannschaft das Spiel und gewannen am Ende verdient mit 5:2. Zuschauer bei dieser Partie: 2. :D

Zu guter letzt führte mich mein Weg nach Tottenham. Zunächst galt es aber noch ein Problem zu lösen: Wohin mit meinem Koffer, den ich natürlich noch bei mir hatte. Am Bahnhof Tottenham Hale gibt es leider keine Schließfächer oder ähnliches und auch nette Fragen an Mitarbeiter der Läden blieben ohne Erfolg. Bis ich beim Station Manager landete, der eine Aufbewahrungsmöglichkeit zunächst verneinte, bis er mitbekam, dass ich zum Fußball wollte. Da lernte ich das zweite Mal die Gastfreundschaft der Engländer an diesem Wochenende kennen. Ich durfte den Koffer bei ihm im Büro lassen. Dann ging es schnellen Schrittes zur White Hart Lane zum Spiel

Tottenham Hotspurs-FC Chelsea 1:1
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35.787 Zuschauer, darunter 2.945 Chelsea-Fans, hatten das gleiche Ziel. Die Stimmung war um einiges besser als Tags zuvor, vor allem, wenn fast das ganze Stadion "When the Spurs go marching in" sang, wurde es schon verdammt laut. Von den Chelsea-Fans waren etwa die Hälfte fast ständig am Singen, kamen in der Lautstärke aber natürlich nicht an Spurs ran. Das Spiel war ganz gut und in der ersten Halbzeit hätte ich nicht einen Penny auf Chelsea gesetzt, da sie unterirdisch schlecht waren. Nach der 1:0-Pausenführung für die Spurs gelang Chelsea leider noch der Ausgleich und fast sogar der Siegtreffer, als nach einem Foul des Spurs-Torwarts Gomez in der dritten Minute der Nachspielzeit Didier Drogba zum Elfmeter antrat. Doch Gomez machte seinen Fehler wieder gut und hielt den Schuss, was natürlich nochmal einen Jubelorkan durchs Stadion fegen ließ. Vor allem der Typ hinterher war happy und rief laut: "Gomez! I love you! You can fuck my wife!" Seine Frau saß dabei direkt neben ihm und freute sich mindestens genauso.

Leider war die Fußballdosis des Wochenendes damit vorbei und ich ging schnellen Schrittes zum Bahnhof, um mein Gepäck abzuholen und den Stansted-Express zu erreichen. Für den Rückflug STN-HAJ mit AB wollte ich im Laufe des Tages bereits online einchecken. Allerdings sagte mir die Internetseite, dass ich bitte am Schalter einchecken sollte, was mich doch wunderte, da ich ja für den Hinflug auch online eingecheckt hatte. Am Schalter wollte ich dann den Grund wissen, den mir den Mitarbeiter aber nicht sagen konnte. Am Dienstag abend erhielt ich die Antwort bei Mail: binoli verwendet trotz eines einheitlichen Buchungsvorgangs unterschiedliche Reservierungssysteme für den Hin- und Rückflug. Daher ist einmal ein Online-Check-In möglich und einmal nicht. Weiter ging es zur Sicherheitskontrolle. Ich hatte meine Zahnpasta und ein Mini-Duschgel in einer durchsichtigen Melitta-Frühstückstüte. Auf dem Hinflug ging das so durch, aber in STN wurde ich zurückgewiesen, da der Druckverschluss an der Tüte fehle. Also musste ich mir eine Druckverschluss am Automaten ziehen. Dumm nur, dass ich zwei Minuten vorher meine restlichen englischen Münzen ausgegeben hatte und so nochmal zum Wechselschalter dackeln musste, um einen Schein zu tauschen. Nun gut, irgendwann war auch das geklärt und mit einer B737 ging es in Windeseile zurück nach HAJ, wo die Maschine 20 Minuten vor Plan landete.


Wenn Fußballberichte auch weiterhin gewünscht sind, kommen in unregelmäßigen Abständen gern weitere dazu.
 

berlinflyer

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
1.484
0
Unterwegs in der Welt
Vor allem der Typ hinterher war happy und rief laut: "Gomez! I love you! You can fuck my wife!" Seine Frau saß dabei direkt neben ihm und freute sich mindestens genauso.

Einfach genial, ich liebe englische Fussballfans (y)

Zum Thema Groundhopping: Das mach eich auch ab und an, wenn es sich bei meinen Reisen irgendwie ergibt. Habe so schon diverse Spiele in den oberen und vor allem unteren Ligen sehen koennen, im Grunde ist das der "perfekte" Ulraub fuer mich: fliegen, Fussball gucken, wieder fliegen, wieder Fussball gucken :)

Hier ein Beispiel aus Prag aus dem Juli 2010, Qualifikation zur Champions-League, Sparta Prag - Lech Posen

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mm_aa_ii_kk

Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
312
0
Freut mich, dass der Bericht so gut angenommen wurde. :)

Dann werde ich zu gegebener Zeit weitere Berichte einfließen lassen. Ein Ziel, was seit kurzem auf meiner "Zu-Besuchen-Liste" steht, ist Bilbao, da der 1. FC Magdeburg dort auch mal im Europapokal gespielt hat und aufgrund eines Neubaus das jetzige Stadion ab 2013 abgerissen werden soll.

PS: Ja, ich liebe Fußball sehr! ;)
 

buffy0407

Erfahrenes Mitglied
07.03.2009
811
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Bische ( Nähe SXB)
Ich mache das zwar auch ab und zu mal ( nicht so profimäßig wie mm_aa_ii_kk ), aber im April 2010 habe ich die Fußballtour meines lebens gemacht:


ChampionsLeague Auslosung Viertelfinal Bayern - ManU
Ich sofort blind 10 Minuten nach der Auslosung für mich und meinen Junior einen Flug nach Manchester gebucht.
Spiel war am Mittwoch abend und ein Tag später war das Europa League Spiel Liverpool - Lissabon angesetzt.

Dann hieß es hoffen auf Tickets.....:confused:

Die Tickets ManU - Bayern habe ich von Bayern bekommen ( das war mehr Glück als Verstand ) und die Tickets Liverpool - Lissabon habe ich von dem genialen Fußballforum Startseite - tooor.de - Tickettausch, Fantreffen, Blogs bekommen.

Mittwoch,07.04. ging es los nach Manchester und abends zum Spiel ManU - Bayern
Hier ein paar Eindrücke:

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Das Spiel war ein absolutes Highlight, besonders als Robben das entscheidenden 3:2 erzielte..... das war unbeschreiblich


Am nächsten Morgen dann mit dem Zug nach Liverpool und obwohl die Stadt dicht war ( wegen irgedeinem so blöden Pferderennen ... ) konnte ich kurzfristig das Hilton Liverpool mit 30.000 Punkten buchen.

Hotel echt klasse - direkt am zweitgrößten Shopping Center Englands und direkt am Meer / Docklands mit TateGallery / Echo Arena und Beatlers Museum

Hier 2 Bilder aus dem beatles Museum - mit dem Flieger sind die Jungs damals nach USA geflogen:

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Abends dann zum Spiel Liverpool - Lissabon - ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Minuten vor Spielbeginn denke, wenn 40.000 Verrückte " you never walk alone " gesungen haben.
Wenn ihr jemals in der Nähe seit und Liverpool spielt - geht hin und lasst euch das nicht entgehen!!

Fish and Chips vom Feinsten ( natürlich stilecht mit vinegar )

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Und die altehrwürdige Anfield Road

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Grüsse


Jürgen
 

derpierreder

Erfahrenes Mitglied
30.03.2010
405
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Danke für den Bericht.

Wenn dann irgendwann mal der FCM gegen den RWE im Wembley Stadion spielt, können wir ja gemeinsam von AOC hinfliegen;-)
 

asahi

Erfahrenes Mitglied
08.04.2010
2.612
5
Wismut Aue
Na dann will ich auch mal meinen Senf dazugeben.

Stadion (oder eher Sportplatz) in Luang Prabang / Laos. Leider kein Fußball bei meinem Besuch.
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Nationalstadion von Laos in Vientiane.
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Irgend ein Spiel bei Hoi An in Vietnam.
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Seoul World Cup Stadion in Südkorea.
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Wembley in London
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Estadio Santiago Bernabéu in Madrid
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Und vor 14 Tagen mit dem Aue-Mob im Berliner Olympiastadion.
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kingair9

Megaposter
18.03.2009
22.100
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Unter TABUM und in BNJ
In MAD bin ich auf der Rückseite des Stadions immer wieder überrascht, wie sehr das in einem Wohngebiet und wie dicht das an einer vielbefahrenen Hauptstraße steht. Tribünenausgang bis Bordstein einer 8spurigen Straße = 2.5m.
 

AroundTheWorld

Erfahrene Nachgeburt
08.09.2009
3.852
1
Zählt es auch als Groundhopping, wenn ich als Mitglied der Sponsoren-Reisetruppe eines der besten europäischen Fußballvereine immer zu den Champions League - Auswärtsspielen fahre? :)
 

asahi

Erfahrenes Mitglied
08.04.2010
2.612
5
Wismut Aue
Im Januar war ich mit ein paar Kumpels in Thessaloniki.
Haben uns das Spiel ARIS - PANIONIOS ATHEN reingezogen. Die Heimelf hat Sang und Klanglos 2:0 verloren. War dennoch eine Geile Stimmung im Stadion.

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mm_aa_ii_kk

Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
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Am vergangenen Wochenende war ich in Frankfurt eingeladen und da kann man ja das angenehme mit dem nützlichen verbinden. ;) Also kurz geschaut, was für Spiele in der Nähe sind, Sachen gepackt und los ging es, zunächst zum Spiel

1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg 2:1
Die Anreise erfolgte relaxt mit der Bahn, wobei die letzten 50 km in der S-Bahn schon ziemlich eng waren. In Kaiserslautern angekommen, musste ich feststellen, dass es sich wirklich nur um eine Provinzstadt handelt. Wie bei anderen Spielen üblich, wollte ich meinen Koffer am Bahnhof im Schließfach deponieren. Dumm nur, dass es gerade mal ca. 30 Schließfächer am Bahnhof gibt, die komplett belegt waren. Eine Nachfrage beim Bahnhofspersonal ergab, dass es keine weiteren Möglichkeiten gibt. Dann kam mir die Idee, vielleicht gibt es ja ein Hotel, das meinen Koffer auch so aufbewahrt. Also einen Taxifahrer gefragt, wo denn ein Hotel sei. Er meinte, in Bahnhofsnähe nicht, aber auf dem Betzenberg, hinter dem Stadion. Nun gut, also bin ich mit meinem Koffer (der für sieben Tage mit Anzügen, Laptop etc. gepackt war, da ich nach dem WE gleich auf eine Dienstreise musste) auf den Berg, am Stadion vorbei Richtung Novotel. Und dort gab es echt nette Mitarbeiter, die den Koffer auch für mich aufbewahrten. Zurück zum Stadion, Karten geholt und auf einen Freund gewartet. Beim Einlass dann der nächste Schock. Obwohl ich vorher an der Tickethotline gefragt hatte, ob ich meine Spiegelreflexkamera mit ins Stadion nehmen kann und dies bejaht wurde, verweigerte mir der Ordner den Einlass mit dem O-Ton "Mir doch egal, was die an der Ticket-Hotline sagen! Die Kamera kommt hier nicht rein!" Auf meine Frage, ob ich die Kamera dann hinterlegen könnte: Nein, da wir nur bis 50 € haften. Daraufhin ich: "Gut, dann wird für die Kamera eben nicht gehaftet." Ordner: "Nein!" Na, super. Einzige sinnvolle Möglichkeit, zurück zum Hotel und die Mitarbeiter waren genauso freundlich und deponierten auch noch die Kamera. Dementsprechend kann ich Euch leider auch keine Fotos präsentieren.
Pünktlich zu Spielbeginn waren wir neben 41.000 anderen Zuschauern, darunter ca. 3.000 Freiburger, im Stadion. Das Stadion gefällt mir ziemlich gut, nur die "Türme" mit den VIP-Logen in den Ecken wirken arg deplaziert und passen überhaupt nicht ins Stadion. Die Stimmung war auf beiden Seiten in Ordnung, aber auch nicht überragend. Von der in der Presse vielfach zitierten Hölle war nur ein minimaler Ansatz zu spüren. Zum Spiel. Drücken wir es mal positiv aus: ich weiß jetzt, warum die beiden Mannschaften nicht in der oberen Tabellenhälfte stehen. Dementsprechend war es mehr Not gegen Elend. Fünf Minuten vor dem Ende verließen wir das Stadion, da wir ja noch den Koffer aus dem Hotel holen mussten und der Zug relativ zeitig nach dem Spiel fuhr. So verpassten wir auch den Siegtreffer der Lauterer in der Nachspielzeit. Nun ja.

Nach einem unterhaltsamen Abend in Frankfurt folgte am Sonntag noch ein weiteres Bundesligaspiel, nämlich

Mainz 05 - Bayer Leverkusen 0:1
Bevor Mainz in der nächsten Saison ins neue Stadion umzieht, wollte ich mir das alte Bruchwegstadion noch einmal ansehen. Doch wie an Karten kommen? Der freie Kartenvorverkauf in Mainz startete erst gar nicht, da sämtliche Tickets über Dauerkarten und Mitglieder ausverkauft waren. Na gut, dann probieren wir es über Bayer. Und da diese ja nicht über die ganz große Masse an Fans verfügen, klappte das problemlos, so dass sich einer Freundin und mir aus dem Gästeblock der folgende Stadionblick bot:
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Vom Stadion war ich sehr begeistert. Ich mag diese alte Stadien, die ein gewisses Flair ausstrahlen und Geschichten erzählen können. Ohne Frage, das Bruchwegstadion erfüllt sicherlich nicht mehr alle aktúellen Sicherheitsanforderungen, aber wenn ich daran denke, dass sie in der nächsten Saison ebenfalls in einer dieser emotionslosen Arenen spielen, blutet mir das Herz.

Das Stadion am Ende dann doch ausverkauft, auch etwa 2.000 Leverkusener fanden den Weg nach Mainz. Vor dem Spiel gab es auf Mainzer Seite zu "You'll never walk alone" eine Schalparade:
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Die Stimmung auf der Heimseite war auch nicht so toll, wie ich es aufgrund verschiedener Berichte erwartete hatte. Ein aktiver Fanblock von ca. 300 Leuten und ab und an Klatscheinlagen des restlichen Publikums. Sehr gut drauf waren die Leverkusener Fans. Fast durchgängig am Singen und auch mit schönen Melodien dabei. Kreativ fand ich den mit einem Schuss Selbstironie versehenen Gesang "Wir schlafen nicht auf Betten, wir schlafen nicht auf Stroh, wir schlafen auf Tabletten, das ist bei Bayer so!" Zu guter letzt konnte sich der Gästeanhang auch noch über den Siegtreffer freuen.

Fazit des Wochenendes: Trotz einer eingefangenen Erkältung und der kleinen Schwierigkeiten in Lautern ein sehr unterhaltsames Wochenende!
 
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mm_aa_ii_kk

Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
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Im Juni eines Jahres, in dem keine Welt- oder Europameisterschaft stattfindet, hat man es als Fußballfan schwer. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich irgendwo Spiele anzusehen. Eine positive Ausnahme bilden da die skandinavischen Länder. Über Pfingsten bot sich für zwei Mitreisende und mich die erstmalige Möglichkeit für den Kurztrip nach Schweden an, ohne dafür extra Urlaub nehmen zu müssen. So ging es am Freitagabend mit einer Boeing 737 von Norwegian von Berlin-Schönefeld nach Stockholm-Arlanda.

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Außer einer halben Stunde Verspätung gibt es von dem Flug aber nichts Besonderes zu berichten. Mit dem Flughafenbus Flygbussarna ging es anschließend nach Stockholm, wo wir uns am Hauptbahnhof eine 72-Stunden-U-Bahn-Karte holen wollten. Leider wollten die Automaten nicht so wie wir. Eine Nachfrage ergab, dass wir eine blaue Chip-Karte benötigen. Die können wir uns aber nicht mehr im gegenüberliegenden Laden kaufen, da dieser wenige Minuten zuvor (Mitternacht) zugemacht hatte. Nach einigem Einreden (ca. 10 min) auf den Stationswärter bot er uns auf einmal selber die blauen Karten an. Weitere zehn Minuten vergingen, bis wir die auch in den Händen hielten und wir losfahren konnten. Dass sich in der Zwischenzeit hinter uns eine Schlange von ca. 30 Metern gebildet hatte, schien aber niemanden zu stören. Gegen 1 Uhr checkten wir in unser 3-Mann-Zimmer in der Jugendherberge Zinkensdamm ein. Als wir unser Zimmer betraten, traf uns fast der Schlag. Eine Affenhitze im Raum und das kleine Fenster ließ sich zu einem Spalt von einem halben Zentimeter öffnen. Das große Fenster ließ sich gar nicht öffnen, da der Fensterknauf fehlte. Es folgten Diskussion mit den Angestellten und verschiedener Einsatz von Werkzeugen. Resultat nach einer weiteren Stunde waren ein geöffnetes großes Fenster, womit es sich aushalten ließ, und ein kostenloses Frühstück für uns am nächsten Morgen.

Nach dem Frühstück wanderten wir in die Stadt nach Gamla Stan, um uns die engen Gassen, den Königspalast, das Parlament, die Oper und verschiedene Häuser anzusehen. Das Wetter meinte es in diesen Tagen auch sehr gut mit uns. Immer strahlend blauer Himmel und um die 25 Grad. Das äußerst positive daran war, dass diese Temperaturen für Schweden ja fast schon tropisch sind und die sehr sehr hübschen Mädels dementsprechend in äußerst knappen Outfits umherliefen. Wir nutzten die Gunst der Stunde und machten es uns für fast zwei Stunden bei einem kühlen Bier in einem Park bequem und genossen die Aussichten. :D Am späten Nachmittag fuhren wir mit einer Vorortbahn, in der glücklicherweise auch unser 72-h-U-Bahn-Ticket Gültigkeit hatte, ins ca. 35km Södertälje. Hier konnten wir die Musterorganisation eines öffentlichen Nahverkehrs erleben. Die Züge aus Stockholm erreichen Södertälje alle 15 Minuten und genau zu diesem Zeitpunkt treffen die Busse von acht verschiedenen Linien ein, um die Passagiere einzusammeln und in die verschiedenen Stadtteile von Södertälje bringen. Uns zum Beispiel zur Södertälje Fotbollsarena:

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Hier fand das Erstligaspiel

Syrianska FC-Halmstand BK
statt. Das Stadion fasst offiziell 6.500 Zuschauer und wurde 2004 eingeweiht. Insgesamt besuchten 1.928 Zuschauer das Spiel, darunter ca. 25 Gästefans aus Halmstad und neben uns 5 englische Groundhopper. Die einheimische Mannschaft Syrianska FC wurde erst 1977 von aramäischen Immigranten gegründet und spielt in der Saison 2011 erstmalig in der höchsten schwedischen Liga. Obwohl wir uns im Vorfeld auf ein ruhiges Fußballspiel eingestellt hatten, wurde es zu unserer positiven Überraschung oftmals recht laut, da Syrianska einen aktiven Fanblock stellte:

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Aufgrund der Historie des Vereins konnte man ca. 95 % der Stadionbesucher ihre Abstammung ansehen. Selbst die Fangesänge waren auf arabisch. Interessant auch, dass es einen deutschen Fanclub von Syrianska gibt, fragt sich nur, ob die zu jedem Spiel auch aus Deutschland anreisen:

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Das Spiel selber war sportlich eher deutschem Dritt- oder Viertliganiveau zuzuordnen, wir haben gesehen, warum dort der Drittletzte gegen den Letzten der Tabelle spielt. So war es nicht verwunderlich, in welcher haarsträubenden Manier Großchancen vergeben wurden und am Ende folgerichtig ein 0:0 stand.

Es gibt noch zwei weitere Anekdoten:
1. Zum einen haben wir im Nachhinein festgestellt, dass in diesem beschaulichen Södertälje der erste Spielabbruch der laufenden Saison vorkam (zum zweiten komme ich etwas später). Doch wie kam es dazu? Beim Spiel Syrianska-AIK Stockholm (Solna) im April wurde ähnlich des Spielabbruchs bei St. Pauli im Frühjahr ein Schiedsrichter von Gegenständen getroffen. Allerdings waren es keine Bierbecher, sondern Feuerwerkskörper, die aus dem Stockholmer Block flogen und auch noch neben ihm explodierten, woraufhin der gute Mann ins Krankenhaus musste.
2. Neben dem Syrianska FC ist ein weiterer Fußballverein in der Södertälje Fotbollsarena beheimatet, nämlich Assyriska Föreningen. Assysriska hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Syrianska. Der Verein wurde 1971 von assyrischen Einwanderern gegründet und spielt derzeit in der zweiten schwedischen Liga, konnte aber bereits 2005 ein Jahr in der ersten Liga spielen. Beim Derby zwischen Syrianska und Assyriska 2009 wurde auch der Zuschauerrekord für das Stadion aufgestellt. Obwohl es offiziell nur 6.500 Leute fasst, waren damals 8.453 Anhänger zugegen.

Nach einem letzten Bier im Stockholmer Nachtleben und einem allerletzten Bier in der Jugendherberge drehte ich am nächsten Morgen eine Joggingrunde durch Stockholm. Zunächst durch Södermalm am Wasser entlang bis zum Königspalast auf Gamla Stan. Da der Rückweg allerdings mit viel Gegenwind und fast nur bergauf verlaufen wäre, fuhr ich mit der U-Bahn zurück. Nach dem Frühstück wollten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt machen. Allerdings gab es in unmittelbarer Nähe unserer Herberge den Zinkensdamms Idraetspark,

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wo just in unserem Vorbeigehen das B-Jugend-Spiel

Reymers Holme-IF Brommapojkarna
angepfiffen wurde. Da wir eh Zeit hatten, brauchten wir nicht lange zu überlegen und enterten das Stadion. Insgesamt 15 Zuschauer taten das gleiche und sahen ein völlig überlegenes Gästeteam. Bereits in der ersten Halbzeit gab es für beide Mannschaften je eine rote Karte. Wir würden sagen, die wurden aus erzieherischen Gründen vergeben. Beim Halbzeitstand von 1:2, Endresultat war 1:4, verließen wir das Stadion und machten uns zu Fuß auf zu den Inseln Skeppsholmen und Kastellholmen, wo wir eine zeitlang die Aussicht auf die Stadt, insbesondere auf den Freizeitpark Grona Lund im Stadtteil Djurgarden genossen. Mit der Fähre ging es weiter nach Djurgarden und vor einer Gaststätte sahen wir eine magische Tafel: 0,5l Bier für gerade einmal 30 SEK. Da es das billigste Kneipenbier des Wochenendes sein würde, sind wir ohne zu überlegen rein und … es war Dosenbier! Auch gut. Nach der Fahrt mit einer historischen Straßenbahn suchten wir das zweitschönste Stadion der Welt (ehe jemand fragt, das schönste ist natürlich das Heinz-Krügel-Stadion in Magdeburg ;) ) auf, das Olympiastadion von Stockholm. Für Stadionnostalgiker wie uns ist dieses Stadion ein absoluter Traum. Das Stadion ist mittlerweile fast 100 Jahre alt, hat aber nichts von seinem Charme verloren. Ganz im Gegenteil! Wenn man dieses Stadion betritt, spürt man Geschichte. Keine moderne Arena, keine Sitzschalen, kein Schabernack! Einfach ein Rasen, eine Laufbahn und Holzbänke für die 15.000 Zuschauer. Selbst die königliche Loge und auch die Presseplätze sind einfache Holzbänke.

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Leider war es uns an diesem Wochenende nicht vergönnt, dort ein Heimspiel von Djurgarden IF zu sehen, aber immerhin stand ein Seiteneingang offen, dass wir das Stadion überhaupt besichtigen konnten. Auf jeden Fall ist ein Besuch in der Zukunft hier Pflicht. Nach dem Schwärmen führte uns unser Weg weiter nach Solna zum dortigen Rasunda-Stadion, dem derzeitigen Nationalstadion Schwedens:

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Derzeitig deswegen, weil in Solna die Swedbank-Arena gebaut wird, die 2012 eingeweiht werden soll, dann 50.000 Zuschauer fasst. Aber zurück zum Rasunda, hier stieg die nächste Erstliga-Partie

AIK Solna-Malmö FF
Auf dieses Spiel waren wir sehr gespannt, da beide Vereine über eine recht große und aktive Fanszene verfügen. Zudem war das letzte Spiel von Malmö gegen Helsingborg wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen worden (der vorhin erwähnte zweite Spielabbruch in dieser Saison), Fans von Malmö hatten den Platz gestürmt und u.a. der Gästetorwart tätlich angegriffen. Umso erstaunter waren wir, dass es keine Sicherheitskontrollen im Stadion gab. Rucksack dabei? Egal! Jeder Zuschauer hätte sonst etwas mit ins Stadion nehmen können. Insgesamt waren 16.739 Zuschauer vor Ort, darunter ca. 500 Fans aus Malmö, die meistens relativ ruhig waren. Ganz anders die Heimfans von AIK. Deren größte Fangruppierung, die „Black Army“ feierte in diesen Tagen ihr 30jähriges Bestehen, was mit einer großen Choreographie zu Beginn des Spiels

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und einer weiteren mit Schlagzeilen aus der Geschichte der Black Army zu Beginn der zweiten Halbzeit

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gefeiert wurde. Auch der Verein gratulierte und überreichte Vertretern der Black Army vor dem Spiel verschiedene Geschenke, auf denen u.a. auch die komplette Mannschaft unterschrieben hatte. Das nenne ich mal respektvollen Umgang mit den Fans! Während des Spiels, das AIK sicher mit 2:0 gewann, war der Fanblock mit ca. 3.000 Leuten sehr aktiv. Viele melodische Gesänge konnten wir vernehmen und bei einigen Liedern stimmte sogar das ganze Stadion mit ein.

Am Pfingstmontag stand kein Spiel mehr auf dem Programm, dafür konnten wir uns noch einmal ganz der Kultur widmen. Soll heißen, wir erkundeten das Vasa-Museum mit dem wirklichen beeindruckenden Vasa-Schiff. Zu unserer Freude war auch unserer Heimatstadt als ehemalige Hansestadt auf einer Landkarte des 16. Jahrhunderts etwas Aufmerksamkeit geschenkt:

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Der Rückflug ARN-SXF ging mit Norwegian wieder so unspektakulär von statten wie der Hinflug.

PS: Witzig fanden wir noch, dass die Schweden so schreiben, wie wir sprechen! Beispiele gefällig? Bitte schön:

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PPS: In den nächsten Tagen folgt noch ein weiterer Groundhopping-Report, von einer Tour, die drei nach der Stockholm-Rückkehr startete. Dann werdet Ihr mich endgültig für verrückt erklären, also freut Euch drauf! ;)
 

Eastside

Erfahrenes Mitglied
21.03.2009
5.479
161
DRS
Das Spiel selber war sportlich eher deutschem Dritt- oder Viertliganiveau zuzuordnen, wir haben gesehen, warum dort der Drittletzte gegen den Letzten der Tabelle spielt. So war es nicht verwunderlich, in welcher haarsträubenden Manier Großchancen vergeben wurden und am Ende folgerichtig ein 0:0 stand.


@mm aa ii kk
Also ähnlich wie bei 1.FCM ;)
Drücke euch für die nächste Saison die Daumen, ihr habt mehr verdient.
 
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Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
312
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Weihnachten, Winterzeit, fußballlose Zeit! Fußballlose Zeit? Nein, natürlich nicht. Im Mutterland des Fußballs werden insbesondere in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester traditionell Spieltage angesetzt. Und die Stadien sind in diesen Tagen voller denn je. Kurz um, ein Traum für jeden Fußballfan. Also Flug und Hostel gebucht und schon konnte mit einem Easyjet-Flieger ab Berlin-Schönefeld
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am zweiten Weihnachtstag morgens um sieben mein dritter London-Trip innerhalb von 18 Monaten starten. Eine Stunde später erfolgte die pünktliche Landung in London-Gatwick und für schmale vier Pfund ging es mit dem Easybus in die Stadt. Bis zum Beginn des heutigen Spiels waren noch fast sechs Stunden Zeit, so dass ich den U-Bahn-Streik, der London an diesem Tag heimsuchen sollte, geflissentlich ignorieren konnte und mich zu Fuß auf den etwas mehr als einstündigen Fußmarsch zum Hostel machte. Die Straßen waren noch ziemlich ausgestorben und ganz langsam erwachte die Stadt. Die Luft war angenehm frisch und gerade auf den letzten Metern durch den Hyde Park lag eine tolle Atmosphäre in der Luft. Der Check-In im Hostel verlief problemlos und nun begann das Abenteuer. Eigentlich hatte ich mir für diesen Tag das Heimspiel von Arsenal gegen Wolverhampton ausgesucht. Nach einigem Warten war es mir auch geglückt, eine Karte für das Spiel zu bekommen. Doch fünf Tage vor dem Spiel wurde das Match aufgrund des bereits erwähnten U-Bahn-Streiks um einen Tag nach hinten verschoben. Na super. Für den nächsten Tag stand bei mir ein Trip inklusive Spielbesuch in Swansea auf dem Programm. Zum Glück konnte die Karte über die Arsenal-Ticket-Hotline problemlos zurückgegeben werden und weil sich der Wechselkurs des Pfund in den Tagen zwischen Kauf und Rückgabe des Tickets zu meinen Gunsten änderte, ging ich aus der Geschichte sogar mit einem Gewinn von 1,51 EUR heraus.
Doch was nun an diesem Tag machen? London wäre nicht die Fußballhauptstadt Europas, wenn es da nicht genügend Alternativen gäbe. Chelsea-Charlton war ausverkauft und so entschied ich mich für das Drittligaspiel:


Football League One am 26.12.2011
FC Brentford-AFC Bournemouth 1:1
Griffin Park, Z: 6.338 (724)


Auch hier betraf mich der U-Bahn-Streik. Zum Glück fuhren wenigstens die berühmten roten Doppeldeckerbusse. Nach dreimaligem Umsteigen und fast einer Stunde Fahrt kam ich an und sicherte mir für 22 Pfund einen Platz auf der Haupttribüne im kleinen aber coolen Griffin Park. Das Stadion besitzt vier kleine Tribünen und auch Stehplätze sind sowohl für Heim- als auch für Gästefans vorhanden. Da das Stadion direkt in der Einflugschneise des Flughafens Heathrow liegt, wirbt der Club auf den Dächern der Tribünen für verschiedene Fluglinien.
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Nach einem Pint in einem der vier Pubs im Stadion begann das Spiel der einheimischen Bees, die seit dieser Saison vom ehemaligen FCM-Stürmer Uwe Rösler trainiert werden, gegen die Cherries von der Südküste. Auch wenn die Stimmung in England nicht die beste ist, die Atmosphäre in den Stadien ist für mich immer wieder ein Erlebnis. So war es relativ ruhig auf den Rängen, ganz entgegen des Schilds „Please leave quitely but whilst inside … cheer as loud as you can“, das im Stadion hing.
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Im Spiel versuchte Brentford, dauerhaft Druck zu machen, doch zählbares sprang nicht heraus. Die Gäste nutzten eine ihrer wenigen Chancen und markierten sehr zur Freude der nun auch hörbaren 724 Gästefans die Führung. In der Folgezeit rollte Angriff auf Angriff von Brentford und weil der Fußballgott manchmal ein Einsehen hat, gelang in der 94. Minute doch noch der Ausgleich. Großer Jubel im Stadion, das fünf Minuten später bereits nahezu komplett leer war. Ich genehmigte mir noch ein Pint im Stadionpub, um für die bevorstehende Odyssee gerüstet zu sein.
Es war mittlerweile später Nachmittag und am Boxing Day finden in England traditionell nicht nur jede Menge Fußballspiele statt, es haben auch alle Kaufhäuser geöffnet, um den Leuten das Geld, das sie zu Weihnachten bekommen haben, aus der Tasche zu ziehen. Dementsprechend voll waren die Busse und die Stadt allgemein. An einer zentralen Umsteigestation für mehrere Buslinien herrschte das pure Chaos. Menschenmassen über Menschenmassen. Eigentlich sollten alle Buslinien an diesem Tag mindestens im Fünf-Minuten-Takt fahren. Ausgerechnet meine fuhr weniger oft und kam doch mal ein Bus stürmte ein Menschenpulk in Richtung der Tür. So dauerte es über eine Stunde, bis ich dort wegkam. Mein Weg führte mich an diesem Abend aus persönlichen Gründen noch zu Big Ben und den Houses of Parliament. Damit schloss sich für mich ein Kreis und der ganze Stress mit den Bussen war vergessen.
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Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, der Zug nach Wales fuhr. Drei Stunden sollte die Reise bis Swansea dauern. Die zuvor erworbene Fahrkarte wurde nicht kontrolliert, der Schaffner hatte anderweitig genug zu tun. Aufgrund von Bauarbeiten hatte der Zug mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Der Schaffner lief ständig durch den Zug, um Passagiere mit Anschlussverbindungen, die aufgrund der Verspätung nicht mehr zu schaffen waren, ausfindig zu machen und nach Alternativen zu suchen. Das Highlight folgte an einem Umsteigeknotenpunkt in Wales. Da wohl relativ viele Leute in eine bestimmte Richtung weiter wollten, der nächste Zug dorthin aber erst zwei Stunden später fuhr, wurde kurzerhand ein kompletter Bus gechartert, um die Leute doch noch halbwegs pünktlich ans Ziel zu bringen. Das nenne ich mal Service! Deutsche Bahn, bitte nachmachen! Nach meiner Ankunft in Swansea hatte ich fünf Stunden bis zum Spielbeginn, also begann ich, ein wenig die Stadt zu erkunden. Die Touristeninformation hatte leider geschlossen, aber es gab genügend nette Einwohner und Taxifahrer, die ich fragen konnte. Mein erster Anlaufpunkt sollte das Vetch Field sein, das ehemalige Stadion von Swansea City. Spitzfindige Leser werden schon den Gedanken gehabt haben, dass dort 1983 unser FCM im Europapokal aufgedribbelt hat. Das Vetch Field befand sich mitten in der Stadt nur zwei Straßen vom Bausbahnhof entfernt. Befand? Ja, leider! Im Lauf des Jahres 2011 wurde das Stadion komplett abgerissen und musste einem Park weichen.
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Alles, was ich noch vorfinden konnte, was an ein Stadion erinnerte, waren die Eingänge zu einer Tribüne.
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Sehr schade! Weiter ging mein Weg in Richtung Hafen. Auf dem Weg dorthin überquerte ich einen Rummel und drehte eine kurze Runde im Riesenrad. Dabei sah ich, dass der Strand nicht weit entfernt ist. Folgerichtig gönnte ich mir einen Strandspaziergang und atmete frische walisische Seeluft ein.
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Als die Zeit ran war, folgte der halbstündige Fußmarsch zum 2005 eröffneten Liberty Stadium.


Premier League am 27.12.2011
Swansea City-Queen Park Rangers 1:1
Liberty-Stadium, Z: 19.530 (1.120)


Swansea City spielt genau wie Cardiff City als walisischer Verein im englischen Ligasystem. Über die Aufstiegsplayoffs und einen 4:2-Finalsieg gegen den FC Reading vor 86.000 Zuschauern in Wembley konnte in der vergangenen Saison der Aufstieg in die Premier League gefeiert werden. Damit ist Swansea City der erste walisische Verein, der in der Premier League antreten darf. Die Euphorie ist dementsprechend groß und als Außenstehender ist es derzeit nahezu unmöglich, an ein Heimticket zu kommen. Das Stadion fasst nur 20.000 Zuschauer
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und fast alle Heimtickets sind über Dauerkarten vergeben. Die restlichen gehen zuerst an Clubmitglieder und dann heißt es meistens auch schon ausverkauft. So ging es mir auch. Ich versuchte mein Glück über den Gastverein Queens Park Rangers, was problemlos funktionierte. Die Rangers waren als Zweitligameister der vergangenen Saison direkt aufgestiegen. Das ließen die 1.119 Gästefans den einheimischen Anhang auch mehrfach hören. Generell waren die Gästefans etwas besser drauf als die Einheimischen. Relativ häufig Gesänge, die fast vom kompletten Gästeanhang mitgesungen wurden. Stimmungsfördernd dürfte sich ausgewirkt haben, dass der Heimblock direkt neben den Gästen postiert war und sich beide Seiten die Stimmhoheit sichern wollten. Im Spiel begegneten sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe aus der unteren Tabellenhälfte der Premier League. Chancen gab es auf beiden Seiten, die Swans gingen bereits nach einer viertel Stunde in Führung. Mit einem sauber rausgespielten Konter konnten die Rangers direkt vor unserem Gästeblock in der zweiten Halbzeit den Ausgleich erzielen, was natürlich ausgiebig bejubelt wurde. Am Ende stand mein viertes 1:1 in Folge und ich beeilte mich, um meinen vierzig Minuten nach Spielende fahrenden Zug zurück nach London zu bekommen.


Was macht man in London tagsüber, wenn kein Fußballspiel ansteht, man zum fünften Mal insgesamt und zum dritten Mal in eineinhalb Jahren dort ist und dabei allen wichtigen Sehenswürdigkeiten schon mal einen Besuch abgestattet hat? Man sucht sich Sehenswürdigkeiten, die nicht ganz in der Stadt liegen. Für diesen Tag hatte ich mir das Royal Greenwich Observatory in Greenwich, einem Vorort von London ausgesucht, das als Arbeitsplatz für den königlichen Hofastronomen dient. Mit der wieder fahrenden U-Bahn fuhr ich bis zur Canary Wharf, Londons Antwort auf Manhattan, und von dort weiter mit der DLR (Docklands Light Railway) nach Greenwich. Die DLR ist eine Schienenbahn, die ganz ohne Personal auskommt, da sie vollautomatisch und elektronisch gesteuert fährt. Greenwich ist ein kleines schmuckes Städtchen und das Astronomiezentrum liegt auf einem Hügel über dem Ort, von dem man eine fantastische Aussicht auf London hat.
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Das Museum bietet allerlei Informationen zur Geschichte der Astronomie. Die eigentliche Attraktion ist der Nullmeridian, der die Welt im Koordinatensystem in den Ost- und Westteil teilt. Brav standen viele Leute in einer Reihe an, um ein Foto mit einem Bein im Osten und einem Bein im Westen zu machen.
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PDC Dart-Weltmeisterschaft am 28.12.2011
Alexandra Palace, Z: 4.000


Die Zeit um den Jahreswechsel ist in London auch immer die Zeit der Dart-WM. Nachdem ich im Jahr zuvor viele Fernsehbilder von massenhaft betrunkenen, singenden und feiernden Engländern gesehen hatte, war für mich klar, dass ich mir das als Abendunterhaltung auch ansehe. Die Karte für 25 Pfund sicherte ich mir über das Internet. Die Anreise erfolgte mit U-Bahn und Bus und nach der Abgabe der Jacke konnte die Show beginnen. Viele Zuschauer liefen faschingsmäßig verkleidet rum. Die Schlümpfe, Winnie Puuh, die Turtles, Superman, das A-Team und noch viele mehr waren anzutreffen.
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Mit einem Pint in der Hand bezog ich meinen Platz auf einem der Ränge. Dabei war ich einer der ganz wenigen, die ihr Bier als Pint bestellten. Der Großteil der Besucher bestellte das Bier in Pitchern. Ist ja auch praktischer, braucht man nicht so häufig wieder raus, um neues zu holen. Cocktails gab es auch, aber nicht in normalen Gläsern, die gab es ausschließlich in Pitchern. Und zusätzlich gab es das Sonderangebot: Nimm fünf Pitcher und zahl nur vier! Wenn das nichts ist. Der Turniertag begann mit dem Match zwischen Gary Anderson und Devon Peterson, das Anderson mit 4:2 gewann. Anschließend fegte der Titelverteidiger Adrian Lewis Wayne Jones mit einem glatten 4:0 aus der Halle und zum Abschluss gewann Terry Jenkins 4:1 gegen Justin Pipe. Obwohl ich ziemlich weit vorn saß, konnte man eigentlich gar nichts erkennen. Dafür ist die Dartscheibe dann doch zu klein. Das Geschehen wird den Besuchern per Live-Fernsehbild auf zwei großen Anzeigetafeln präsentiert. Man hatte allerdings das Gefühl, dass die meisten Zuschauer eh nicht daran interessiert sind, was vorn passiert. Hauptsache, das Bier schmeckt und die Leute können singen. Und das Singen hatte es in sich und war durchaus geprägt vom britischen Humor. Aus den Fernsehübertragungen ist vielleicht bekannt, dass es im Innenraum Plätze an Tischen gibt und drum herum „klassische“ Zuschauerränge.
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Die Tischplätze sind etwas teurer, was die Leuten dort mit einem geschlossenen „You’re poor! And you know you are!“ kommentierten. Die Antwort von den Rängen ließ nicht lange auf sich warten. „Stand up if you hate tables!“ schallte es zurück. Einige weitere Lieder wechselten hin und her und am Ende waren die Ränge der eindeutige Sieger. Bereits im Lauf des Abends entstand auf dem Fußboden das Gefühl, das man aus diversen Diskotheken in den Morgenstunden kennt, wenn es langsam klebrig wird. Beim Verlassen der Halle hatte man das Gefühl bei jedem einzelnen Schritt auf dem Boden kleben zu bleiben. Der Rückweg gestaltete sich schwieriger als gedacht. An der Bushaltestelle vor dem Alexandra Palace fuhr mir der erste Bus direkt vor der Nase weg. Der zweite Busfahrer war ziemlich frech. Er kam an, schaltete ca. 100 Meter vor der Haltestelle das Licht im Bus aus, fuhr an uns vorbei, um das Licht ein paar Meter nach der Haltestelle wieder anzumachen. Der dritte Busfahrer war auch nicht besser, er fuhr komplett beleuchtet an der Haltestelle vorbei. Mir und dem Großteil der anderen wartenden Leute wurde es zu bunt und wir gingen zum nächsten Bahnhof, um mit dem Zug und U-Bahn ins Hostel zurückzukehren.
 
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Erfahrenes Mitglied
22.07.2009
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Wieder ein Tag ohne Fußball. Aber nicht ohne Sport. Ich fuhr nach Wimbledon zur dortigen Tennisanlage.
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Erster Anlaufpunkt war der Souvenirshop, wo auch die Tickets für den Besuch des Museums und die Führung über die Anlage verkauft werden. Die Führung begann mit einem Besuch des zweitgrößten Platzes, dem Court 1, der 11.500 Zuschauer fasst.
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Direkt hinter dem Court 1 befindet sich der „Henman-Hill“. Offiziell hat der Hügel einen anderen Namen, ist aber nur unter seinem Spitznamen bekannt. In den 90er spielte sich der Brite Tim Henman angetrieben von den Zuschauern regelmäßig ins Viertel- und Halbfinale des Turniers vor. Weil aber nicht alle Zuschauer auf dem Centre Court Platz fanden, wurde am Fuß des Hügels eine große Videoleinwand aufgebaut und die Leute auf dem Hügel konnten gemeinsam die Spiele verfolgen. Nicht weit davon entfernt liegt Court 18. Der Platz erlangte im Jahr 2010 Berühmtheit, als sich im Erstrundenspiel der Ami John Isner und der Franzose Nicolas Mahout das längste Tennismatch der Geschichte lieferten, welches mit 70:68 im fünften Satz für Mahout endete. Das Spiel zog sich über drei Tage und eine Nettospielzeit von 11 Stunden und 5 Minuten hin. Heute erinnert eine Gedenktafel an das denkwürdige Spiel.
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Witzigerweise wollte es das Los so, dass die beiden ein Jahr später beim Turnier in Wimbledon wieder in der ersten Runde aufeinander trafen. Wir besichtigten weitere Stationen auf der Tennisanlage wie den Raum für die Pressekonferenzen, Ehrentafeln mit allen Siegern
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und natürlich zum Abschluss als krönenden Höhepunkt den Centre Court, der über 15.000 Zuschauer fasst.
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Nach der Führung verbrachte ich noch zwei Stunden im Museum des Tennisturniers, ehe ich mich abends erneut auf den Weg in den Alexandra Palace machte:


PDC Dart-Weltmeisterschaft am 29.12.2011
Alexandra Palace, Z: 4.000


Ich hatte mir bewusst für zwei Abende Tickets für die Dart-WM bestellt, da ich so ziemlich sicher sein konnte, wenigstens einmal den Superstar und fünfzehnmaligen Weltmeister Phil Taylor zu sehen. Das sah auch gut, der Spielplan sagte, dass er an diesem Abend dran sein würde. Wenn er nicht völlig überraschend aber zu recht zwei Tage zuvor bereits in der zweiten Runde ausgeschieden wäre. Das erste Mal in der Geschichte der Dart-WM überhaupt, dass Taylor die zweite Runde nicht überstand. Man kann nicht alles haben. Es standen die letzten drei Achtelfinals an. Simon Whitlock gewann 4:3 gegen Michael van Gerwen. Dave Chisnall, der Phil Taylor ausgeschaltet hatte, ging mit 0:4 gegen Andy Hamilton unter und Gary Anderson gewann mit 4:1 gegen Colin Lloyd. Aber warum schreibe ich das eigentlich? Interessiert hat es eh wieder niemanden. Von der Stimmung war dieser Abend noch besser als einen Tag vorher. Oftmals sangen die Tische und die Ränge wieder gegeneinander, der Sieg für die Ränge, die u.a. „Do the Poznan“ machten, d.h. einhaken und rückwärts hüpfen, fiel sogar noch deutlicher aus. Für mich wurde dieser Abend auch besser. Neben mir war eine Truppe West Ham-Fans, mit der ich nach einiger Zeit ins Gespräch kam. Ich erzählte vom großen 1. FC Magdeburg und dass Magdeburg und West Ham in den 60ern mal im Europapokal aufeinander getroffen sind. Und nachdem ich erwähnte, dass ich im Jahr zuvor ein Spiel von West Ham besucht hatte und zwei weitere Magdeburger das nächste Heimspiel in ein paar Tagen besuchen werden, hatte ich sie vollends auf meiner Seite. Soll heißen, von da an brauchte ich kein Bier mehr selber kaufen. Sobald mein Becher halb leer war, schütteten sie mir aus ihren Pitchern nach. Sehr schön!


Bevor am nächsten Abend sechs weitere Magdeburger eintreffen sollten und endlich wieder Fußball auf dem Programm stand, folgte ein letzter Touristentrip. Ich besuchte die Queen auf Schloss Windsor. Vier Stunden dauerte das Besichtigungsprogramm durch verschiedene Zimmer und Säle des Schlosses.
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War ganz interessant, aber die Queen war nicht da, so dass ich nicht einfach mal „Hello“ sagen konnte. Zum Abend fuhr ich zurück nach London und dort mit der U-Bahn fast eine Stunde bis nach Dagenham, wo ich in einem stadionnahen Pub auf die anderen Magdeburger traf. Die Pints schmeckten gut und pünktlich zum Spielbeginn des Spiels


Football League Two am 30.12.2011
Dagenham & Redbridge-Gillingham FC 2:1
London Borough of Barking & Dagenham Stadium, Z: 3.120 (1.302)


wechselten wir ins Stadion. 17 Pfund für einen Stehplatz bei einem Viertligaspiel waren uns etwas zu heftig. Also suchten wir nach einer Möglichkeit der Ermäßigung. Wohl den wenigen unter uns, die noch Student sind bzw. kein Student mehr sind, aber noch einen Studentenausweis besaßen. Wir anderen kramten unsere Portemonnaies durch und siehe da, auch MVB-Monatskarten, Führerscheine oder Bibliotheksausweise berechtigten zum ermäßigten Eintritt von 11 Pfund. Wir postierten uns auf der überdachten Gegengeraden des 6.000 Zuschauer fassenden Stadion, was auch gut war, da es pünktlich zu Spielbeginn begann zu regnen.
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Die 1.300 Gäste aus dem nicht weit entfernten Gillingham postierten sich auf einer Hintertortribüne
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und konnten bereits nach sieben Minuten jubeln, als ihr Team in Führung ging. Die Freude währte jedoch nicht so lange, 15 Minuten später glichen die Daggers durch einen Schuss von der Strafraumlinie in den Winkel aus. So viel passierte in der Folgezeit nicht, war ja „nur“ Viertligafußball. Wobei man zugestehen muss, dass dieser Viertligafußball schon anders aussah als der Viertligafußball, den unser FCM derzeit so fabriziert.
In der Halbzeitpause gingen wir zu zweit in den Programm-Shop der Daggers.
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Die Engländer sind bekanntlich unübertroffen, was das Sammeln von Programmen, Eintrittskarten etc. anbetrifft. Daher bot der Shop mehrere tausend Programmhefte verschiedener englischer Clubs und in erster Linie von den Daggers an. Wir schauten uns um und irgendwann fragte uns der Verkäufer, ob er uns helfen könnte. Wir fragten mehr im Scherz, ob er auch Programmhefte von Magdeburg habe. Ohne groß nachzudenken meinte er „Ihr habt doch 1979 gegen Arsenal gespielt. Und 1966 gegen West Ham. Und Ihr habt beide Male verloren.“ Dazu lachte er. Genial! Wir konnten das natürlich bestätigen und er verwies uns auf eine Kiste mit Europapokalprogrammen, wir sollten die mal durchsehen. Ich griff blind in die Kiste rein und das erste Heft, das ich rauszog, war das Heft vom Spiel Arsenal-FCM. Wir lachten alle laut, kauften das Heft und als Dankeschön schenkte er uns noch ein Daggers-Heft aus dieser Saison. Wegen solcher Geschichten unternimmt man doch derartige Reisen.
In der zweiten Halbzeit übernahmen die Daggers die Initiative und gingen verdient mit 2:1 in Führung, womit meine 1:1-Serie beendet war. Gillingham versuchte sich zwar, konnte aber nicht zählbares mehr auf den Weg bringen und somit verließ Dagenham den letzten Tabellenplatz. Nach der einstündigen Rückfahrt endete unser Abend mit einem Pint im Pub vor dem Hostel.


Kann ein Jahr besser zu Ende gehen als mit Fußball? Natürlich nicht! London bot an Silvester ein paar Spiele. Für unsere 7er Truppe trennten sich vorerst die Wege. Drei Mann zog es nach Brentford zum Spiel gegen Milton Keynes, wobei Brentford ein 0:3 zu einem 3:3 aufholte und der Ausgleich wie bei meinem Besuch fünf Tage zuvor erst in der Nachspielzeit fiel. Wir anderen vier beendeten das Fußballjahr 2011 mit einem Doppler. Erste Station war „The New Den“ mit dem Spiel


Championship am 31.12.2011
FC Millwall-Chrystal Palace 0:1
The New Den, Z: 16.085 (2.238)


Gestärkt mit einer Portion Chili con Carne mussten wir noch die übers Netz georderten Karten abholen. Die waren mir zwar zugeschickt wurden, aber nicht rechtzeitig vor meiner Abreise nach London eingetroffen. Dank der Barcodes heutzutage war es kein Problem, die Karten neu auszudrucken. Das Stadion besteht aus vier einzelnen Tribünen mit jeweils zwei Rängen, wobei eine Tribüne komplett Gästefans vorbehalten ist.
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Das Publikum bei Millwall unterscheidet sich stark vom sonst typischen Fußballpublikum in England. Gesungen und vor allem gepöbelt wird auf allen Plätzen. Wobei man das Singen nicht überbewerten sollte, es ist halt England. Das Pöbeln aber war extrem heftig. Unsere Sitznachbarn, eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern, legte sich gut ins Zeug. Angestachelt vom Vater, der ein Schimpfwort nach dem anderen rief, standen die Frau und die Kinder dem in nichts nach. Drumherum bei vielen Leuten das gleiche Bild. Ob es nur daran lag, dass mit Chrystal Palace einer der Hauptkonkurrenten von Millwall zu Gast war und Derbyzeit war? Ich glaube nicht. Die über 2.000 Palace-Fans konnten mich wie bereits bei dem Heimspiel, das ich ein Jahr zuvor gesehen hatte, sehr überzeugen. Definitiv eine der besten Fanszenen, die England derzeit zu bieten. Meistens stimmte der Großteil des Blocks mit in die Gesänge ein und beim 0:1 Mitte der ersten Halbzeit durch einen ehemaligen Millwall-Spieler war kollektives Ausrasten im gesamten Gästeblock angesagt. Die Fans interessierte auch nicht die eigentlich in England geltende Regel „entweder Du sitzt auf dem Deinem Platz oder Du fliegst raus“. Rund zwei Drittel des Blockes standen die meiste Zeit und wenn Ordner kamen, die auf das Sitzplatzgebot hinwiesen, wurden die geflissentlich ignoriert oder um sie loszuwerden, kurz hingesetzt und zehn Sekunden später wieder aufgestanden. Viel mehr passierte nicht mehr. Palace spielte den Sieg sicher nach Hause und wir machten uns auf den Weg zum nächsten Stadion. Doch der Weg begann bereits nach zehn Minuten zu stocken. Vor dem Eingang zum Bahnhof hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet und obwohl die Züge in Richtung City alle zehn Minuten fahren, ging es irgendwie nicht vorwärts. Etwas später wurde klar wieso. Die Gästefans wurden über einen separaten Zugang zum Bahnhof gebracht und sollten erst komplett abreisen, ehe die Heimfans auf den Bahnsteig durften. So warteten wir über 40 Minuten vor dem Bahnhof und wurden langsam nervös, schmolz unser eigentlich komfortables Zeitpolster von zweieinhalb Stunden zwischen beiden Spielen langsam aber kontinuierlich dahin. Letztendlich durften wir doch noch weiter, wir fuhren mit der U-Bahn nach Leyton zum für uns definitiv letzten Spiel des Jahres 2011.


Football League One am 31.12.2011
Leyton Orient-Charlton Athletic 1:0
Brisbane Road, Z: 5.097 (1.994)


Die Brisbane Road liegt mitten im Wohngebiet in Leyton in der Nähe des neuen Olympiaparks. Das Stadion ist eine Mischung aus Neubau und alter Tradition. Eine Tribüne und die beiden Hintertortribünen sind Neubauten, während auf einer Geraden eine geniale alte Tribüne steht.
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Auf dieser alten Tribüne durften die knapp 2.000 Gästefans des Tabellenführers Platz nehmen. Bereits nach sechs Minuten mussten sie den ersten Schock miterleben. Leyton spielte einen schnellen Angriff, der Keeper von Charlton versuchte den zu unterbinden und kam einen Schritt zu spät. Minimal außerhalb des Strafraums fing er den Ball mit der Hand ab und bekam folgerichtig die rote Karte. Die Heimfans waren hell erfreut, rechneten sie sich jetzt gute Chancen aus, die Serie der Gäste, die die letzten elf Spiele zuvor ungeschlagen waren, zu beenden. Nach 25 Minuten traf Leyton zur verdienten Führung und die Fans begannen auf allen Tribünen zu singen. „Einheizer“ auf unserer Tribüne waren drei ältere Männer um die 50, die immer wieder Lieder anstimmten und die anderen Zuschauer zum Mitmachen bewegten. In der Halbzeit gönnten wir uns ein Pint in dem direkt unter uns liegenden Pub und freuten uns auf die zweite Halbzeit, die genau so weiter ging wie die Erste. Charlton versuchte trotz der Unterzahl spielerisch zum Erfolg zu kommen, was die Gästefans ab und an laut werden ließ. Leyton setzte Kampf und Willen dagegen, versuchte sein Glück mit gefährlichen Kontern und die Fans waren happy, dass der Underdog eine solch gute Partie bot. Am Ende stand ein verdienter Sieg von Leyton und wir waren uns einig, dass das Fußballjahr 2011 ein würdiges Ende gefunden hatte. Bis wir zu unserer Silvesterparty aufbrechen mussten, war noch etwas Zeit, die wir sinnvoll im Stadionpub bei ein paar Pints nutzten.

Silvester in London. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, doch was tun? Einer unserer Reisetruppe hatte ausfindig gemacht, dass die Band Buster Shuffle in einem Vibe Club spielen sollte. Neben Buster Shuffle sollten noch mehrere andere Bands spielen und wer das nicht mochte, der konnte in einem anderen Dancefloor der Musik eines DJs lauschen. Für 27 Euro Eintritt wurden die Tickets geordert und der Spaß konnte beginnen. Einen ersten Lacher gab es an der Garderobe, als wir unsere Jacken abgaben. Hatten wir doch alle (bis auf einen Spalter) zufälligerweise karierte Hemden an, was im Nachhinein auch auf Facebook zu wilden Spekulationen führte. Um Mitternacht wurde auf das neue Jahr angestoßen und mit diversen Pints und Cocktails verbrachten wir einen gelungenen Jahreswechsel, der gegen halb fünf mit der U-Bahn-Fahrt ins Hostel endete.

Wenn das alte Jahr mit Fußball endete, sollte das neue Jahr auch mit Fußball beginnen. Die einzige Möglichkeit im näheren Umfeld von London war ein Fünftligaspiel, auf das im Vorfeld niemand von uns so richtig Lust hatte, da wir alle erst mal abwarten wollten, wie die Silvesterparty verlief und ob wir schon wieder fit wären. Und wie es der Zufall so wollte, standen wir komplett zu siebt da, um zu dem Spiel zu fahren. Es sollte übrigens das einzige Spiel in der Londoner Zeit sein, dass wir alle zusammen besucht haben. Also schnell ein Gruppenticket für den Zug gelöst und die einstündige Zugfahrt nach Woking angetreten, wo das Fußballjahr 2012 mit folgendem Spiel begann:


Conference National am 01.01.2012
Hayes & Yeading-Ebbsfleet United Spielabbruch nach 20 Minuten
Kingfield Stadium, Woking, Z: 1.200 (900)


Bei unserer Ankunft in Woking regnete es in Strömen. Wir fragten nach dem Weg und machten uns auf eben diesen. Am Stadion schnell die Tickets gekauft und weil es weiter regnete und noch fast eine Stunde Zeit war, gingen wir in den Stadionpub. Und das Bier schmeckte schon wieder erstaunlich gut. Pünktlich zu Spielbeginn enterten wir die kleine überdachte Stehplatztribüne hinter einem Tor. Und beim Betreten der Ränge trauten wir unseren Augen kaum. Wir fragten uns, warum hier überhaupt gespielt wurde. Der Platz stand komplett unter Wasser.
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Wenn ein Ball flach gespielt wurde, rollte er keine fünf Meter weiter und bei jedem Schritt der Spieler bzw. bei jedem Aufprall des Balls auf dem Boden spritzte das Wasser nur so umher. Für diese Platzverhältnisse spielten beide Teams einen erstaunlich guten Fußball. Sogar ein Freistoßtor aus 20 Metern in den Winkel gab es für die 900 mitgereisten Fans von Ebbsfleet zu bejubeln. Ebbsfleet United ist der Verein, der als erstes das Demokratie-Modell aufsetzte, bei dem sich die Fans gegen einen bestimmten Beitrag pro Saison in Transferentscheidungen usw. einbringen durften. In letzter Zeit ging das Interesse jedoch zurück. Nach knapp 15 Minuten bat der Schiedsrichter beide Mannschaftskapitäne zu sich und diskutierte mit ihnen und dem Trainer über das weitere Vorgehen. Man einigte sich, es noch ein bisschen zu probieren. Nach weiteren fünf Minuten pfiff der Schiedsrichter dann das Spiel ab. That’s life! Das war der erste Spielabbruch, den ich live im Stadion gesehen hatte. Wir bekamen unser Eintrittsgeld zurück und die Besitzer des Essensstandes im Stadion hatten natürlich Sorge, ihre Waren loszuwerden. Sie boten alles für den halben Preis an, wo wir dankend zuschlugen.
Den weiteren Nachmittag verbrachten wir bei einigen Pints im Stadionpub und einer Live-Übertragung eines Premier League-Spiels. Dabei wurden den anderen Gästen noch gewisse Geschichten über den einzigen Europapokalsieg einer DDR-Mannschaft erzählt. Gegen 17 Uhr wurden wir gebeten, den Pub zu verlassen. Nach kurzem Fußmarsch enterten wir den nächsten Pub in der City von Woking, wo wir knapp zwei Stunden blieben. Wir entschieden uns, mit dem nächsten Zug nach London zurück zu fahren, wo sich kurzzeitig sich unsere Wege trennen sollten. Wir wollten uns in einem Pub im Bahnhof Liverpool Street Station wiedertreffen. Doch weil es Neujahrsabend war, hatte der Pub bereits um acht zugemacht. Was nun? Spürnase sei wachsam. Wir gingen in die Richtung, wo wir am Abend zuvor die Silvesterparty verbracht hatten und steuerten den erstbesten Pub an. Dank moderner Technik gelang es, auch die anderen in den Pub zu lotsen und nun nahm das „Unheil“ seinen Lauf. Wir bestellten das erste Bier, ein anderer Gast warf ein paar Münzen in die Jukebox, um „Come on Eileen“ zu hören und die Wirtin (ca. Mitte 60) drehte den Strom der Jukebox ab und begründete das mit „No singing, no dancing here!“. Wir schauten uns verwundert an und beschlossen, das Bier auszutrinken und den nächsten Pub aufzusuchen. Doch dazu kam es gar nicht mehr. Irgendwann war auf der Jukebox doch wieder Strom und es erklang ein ziemlich cooles Lied, bei dem die Wirtin („No singing, no dancing!“) hinter dem Tresen begann mitzusingen und hin und her zu tanzen. Verstehe das einer? Ja. Einer der anderen Gäste erzählte uns, dass das Lied eine Vereinshymne von Tottenham sei und sie großer Tottenham-Fan ist. Na, wenn das so ist. Sie genoss es nun im Mittelpunkt zu stehen. Währenddessen wurden alle neuen Leute, die in den Pub kamen, wieder rausgeschickt, es sei geschlossen. Klingt komisch (vor allem für die Leute, die rein kamen und feiernde Menschen sahen), war aber so. Alle, die bereits im Pub waren, durften bleiben und weiter feiern. Es kamen noch ein paar Freunde der Wirtin vorbei, Marlene Dietrich erklang aus der Jukebox und als Höhepunkt des Abends hörten wir „Dancing Queen“ von ABBA. Dabei stellte sich die Wirtin einen Hocker in die Mitte des Raumes, stieg drauf und begann zu singen und alle anderen Gäste um sie herum feierten sie. Gegen ein Uhr waren unsere Kräfte am Ende und wir fuhren, da um diese Zeit keine U-Bahnen mehr unterwegs waren, mit dem Taxi zurück zum Hostel. Während ein typischer Neujahrsabend aus Ausruhen auf dem heimischen Sofa besteht, haben wir einen spontanen Pub-Abend erlebt, der einzigartig war und von dem wir mit Sicherheit noch in zehn Jahren erzählen werden. Und wie stellte ein Kamerad treffend nach diesem Abend fest: „London ist nicht mehr das, was es vor unserer Ankunft war!“

Zwei ausufernde Partyabende in Folge forderten ihren Tribut. Für das Frühstück war keiner bereit, stattdessen wurde das Frühstück kurz vor 12 Uhr in einer Supermarktbäckerei eingeworfen. Ich wählte unter anderem eine Art China-Rolle in Teigtaschenform, was ich für den Rest des Tages bereuen sollte. Doch dazu später mehr. Nach dem Supermarktfrühstück trennten sich unsere Wege. Ein blau-weißer Krieger folgte erneut Uwe Rösler beim Spiel Charlton Athletic-FC Brentford, zwei weitere zog es zum Spiel West Ham-Coventry und zu viert ging es für uns zur Loftus Road zum Match


Premier League am 02.01.2012
Queens Park Rangers-Norwich City 1:2
Loftus Road, Z: 18.033 (3.177)


Nach unserer Ankunft führte unser erster Weg in den stadionnahen Pub. Ich merkte langsam, dass mit der Teigtasche irgendwas nicht in Ordnung war und suchte schon mal das Klo auf, auch eine Art einen neuen Länderpunkt zu machen. Während die anderen anschließend dem Fanshop einen Besuch abstatteten, blieb ich lieber draußen. Frische Luft tut mir sicherlich gut. Als die anderen wiederkamen, meinten sie nur „Du siehst echt scheiße aus!“ So habe ich mich auch gefühlt. Aber es hilft ja nichts. Ab ins derzeit älteste Stadion der Premier League, welches klein und eng ist, aber einen tollen Charme versprüht.
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Ich bestätigte meinen kurz zuvor erworbenen Länderpunkt auf dem Stadionklo und „freute“ mich auf das Spiel, das gut losging. Bereits nach zehn Minuten netzte QPR mit einem satten 20-Meter-Schuss zur umjubelten Führung ein. Die Stimmung war für englische Verhältnisse recht gut. Überall im Stadion gab es Gruppen, die Lieder sangen. Dumm nur für die Rangers, dass Torschütze Barton eine halbe Stunde später durch eine Tätlichkeit vom Platz flog. Die Überzahl nutzten die Gäste umgehend zum Ausgleich und die über 3.000 Gäste waren nun öfter zu hören. In der zweiten Halbzeit versuchten beide Teams, den Siegtreffer zu erzielen. Als sich alle schon mit dem Remis abgefunden hatten, konnte Norwich fünf Minuten vor dem Ende durch einen Konter das 2:1 erzielen. Der Treffer fiel direkt vor dem Gästeblock und die Spieler wären wohl am liebsten direkt in die Fans gesprungen, die gut am ausflippen waren.
Nach dem Spiel verabschiedete ich mich von den anderen. Während sie noch einen Tag in London blieben und beim Rückflug am nächsten Tag dank eines heftigen Sturmes ziemlich durchgeschüttelt wurden, musste ich bereits an diesem Abend zurück. Die Zugfahrt nach Stansted und der anschließende Flug nach Hannover verliefen trotz der nach wie vor anhaltenden Magenprobleme reibungslos und so ging ein fantastischer Fußball-, Dart- und Biertrip leider zu Ende.