In der Pandemie nach Kigali: Eine ostafrikanische Reise unter Lockdown-Bedingungen

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flyglobal

Erfahrenes Mitglied
25.12.2009
5.235
33
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Nach einer Woche "Pause" habe ich wieder alles verschlungen was du da so gepostet hast. Beeindruckende Bilder und auch viel Hintergrund Information.

Ich vermute, dass ich den Trip zum Berg mangels Kräfte so nicht geschafft hätte. Also, sollte ich mir das mal vornehmen, die Lust ist ja da nach deinem Trip Report, werde ich wohl vorher mehr Kondition aufbauen müssel.

Der Ruf nach einer Seilbahn, zumindest teilstreckig wird laut, als fauler untainierter Europäer.

Danke nochmals, ich freue mich auf die Fortsetzung.
 
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Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.648
151
BER
Nach einer Woche "Pause" habe ich wieder alles verschlungen was du da so gepostet hast. Beeindruckende Bilder und auch viel Hintergrund Information.

Ich vermute, dass ich den Trip zum Berg mangels Kräfte so nicht geschafft hätte. Also, sollte ich mir das mal vornehmen, die Lust ist ja da nach deinem Trip Report, werde ich wohl vorher mehr Kondition aufbauen müssel.

Der Ruf nach einer Seilbahn, zumindest teilstreckig wird laut, als fauler untainierter Europäer.

Danke nochmals, ich freue mich auf die Fortsetzung.

Ja, die Besteigung war nicht von schlechten Eltern, selten so mit mir gehadert wie am Muhabura und ich hab schon einiges an Bergen und Pässen durch im oberen 4000er und unteren 5000er Bereich. Ich dachte wie Juser chrini1 am Kili auch einige Male, warum ich mir das eigentlich antue, aber nachher vergisst man die Anstrengungen recht schnell und es bleibt viel Genugtuung.

Geht jetzt gleich weiter. Insgesamt ist eine spürbare Belebung hier im TR Thread spürbar, was Hoffnung macht für die Zukunft des Reisens...
 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.648
151
BER
Für den nächsten Tag war der Höhepunkt der Reise geplant, ein Gorilla-Tracking im Volcanoes NP.

Über viele Jahre war die Begegnung mit den Menschenaffen der Hauptanlass für Touristen nach Ruanda zu reisen. Ebenso alt ist die Konkurrenz von Uganda, der DRC und Ruanda um dieses Klientel, wobei Ruanda sich einen gewissen "elitären" Ruf bei den Gorilla-Wanderungen erworben hat, nicht nur, weil die exquisitesten Unterbringungsmöglichkeiten in näherer Umgebung zur Verfügung stehen, die auch wohlhabendere Reisende incl. High Society bzw. Jet Set zufriedenstellen. Auch die Permit-Preise fürs Gorilla Tracking sind in Ruanda seit Jahren am höchsten, seit 2017 liegen sie bei 1.500 USD pro Nase fix. Im Virunga NP in der DRC jenseits der Grenze waren die Kosten mit ca. 400 USD budgetfreundlicher, der Nationalpark ist allerdings aktuell noch aus pandemischen Gründen geschlossen. Uganda lag bzw. liegt kostentechnisch irgendwo dazwischen. Die gezahlten Gebühren wurden in den Schutz der Primaten und ihrer Lebensräume gesteckt, damit in Zusammenhang auch in Community Development in den dicht bevölkerten ländlichen Regionen am Fuss der Virunga-Vulkane investiert.

Die Nachfrage war trotz der Kosten für die Permits bis zum Corona-Ausbruch durchgängig hoch: In Ruanda musste man diese mehrere Monate im voraus erwerben, um eine Chance zu haben, eine der 100 zugelassenen Besucher pro Tag zu sein. Unter den jetzigen Bedingungen kann man morgens in die Nationalparkverwaltung spazieren und sich ein Permit bestellen.

Am Morgen war heute fast ausschlafen angesagt, um 6h weckte mich das Handy. Mein Muskelkater vom gestrigen Bergsteigen war deutlich spürbar und ich schwor mir, es heute leichter anzugehen. Nach einer heißen Dusche, der Wasserdruck war interessanterweise deutlich besser als am Morgen davor, und einem kräftigen Frühstück holte mich der Fahrer ab. An der Nationalparkverwaltung auch heute nicht viel los: Geschätzt 10-15 Touristen waren zum Gorilla Tracking erschienen. Meine Gruppe bestand aus einem Pärchen um die 60 aus Austin, Texas, und mir. Wir wurden von unserem Guide gebrieft zu den Schutzbemühungen für und Verhaltensregeln beim Zusammentreffen mit den Gorillas (incl. möglicher Beruhigungsgeräusche im Fall von Panik unter den Gorillas).

Uns wurde glücklicherweise eine Gruppe direkt am Rande des Nationalparks "zugewiesen", mit meinen müden Knien hätte ich keine 6h zu den entfernteren Trupps wandern können. Gegen 7.30h machten wir uns auf den Weg zum Trailhead, dem Hauptplatz eines Dorfes. Von dort ging es zu Fuss durch die Kartoffel-, Bohnen- und Mais-Mischkulturen der Bewohner mit gelegentlich Knoblauch dazwischen (sehr durchdacht zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, muss ich als leidenschaftlicher Gärtner zugeben)











Nach ca. 20min erreichten wir den Waldrand, auch hier mit einer Mauer gesichert. Von dort ging es durchs dichte Unterholz bergan. Nach nur ca. 5 min. trafen wir auf die Tracker, die die Gorillagruppe begleiten und ließen Rucksäcke und Wanderstöcke zurück.

Und dann standen wir praktisch auch sofort vor den Gorillas, genauer vor einem der Silberrücken der Gruppe, ein imposantes Männchen von ca. 230kg Gewicht, das uns neugierig beäugte.







Nach und nach tauchten auch die anderen Mitglieder der Gruppe auf, darunter einige halbstarke Männchen, auch bei den Gorillas die, vor denen man sich am meisten Hüten sollte, da sie zu übertriebenen Gesten und Aggressivität neigen. Und sich nach Angaben des Guides auch gern mit Bambussprossen alkoholisieren.





Ingesamt war die Gruppe recht relaxt unterwegs und vor allem die Weibchen überwiegend am Dösen. Nur die ganz kleinen Mitglieder der Gruppe sprangen ausgelassen herum, auch auf ihren Eltern, die das ohne viel Murren über sich ergehen ließen.











Ein wirklich überwältigendes Naturerlebnis, muss ich sagen, denn man sieht und spürt die Emotionen und die Kommunikation in der Gruppe ziemlich hautnah. Auch wenn man angehalten wird, möglichst 10m Abstand zu den Tieren zu halten, ist das nicht immer möglich in dem unübersichtlichen Gelände. Einmal wurde ich fast von einem Männchen von hinten angerempelt.



Leider verging die Stunde mit den Gorillas wie im Fluge und wir wurden vom Guide zum Rückzug gedrängt. Aus den Dörfern klangen uns die typischen Geräusche entgegen und schon nach wenigen Minuten Marsch saßen wir wieder auf der Weide am Waldrand mit einem genialen Blick auf die Vulkane der Virunga-Kette und genossen unser mitgebrachtes Frühstück.

 

globetrotter11

Erfahrenes Mitglied
07.10.2015
4.633
284
CPT / DTM
Ich muss zugeben, ich habe zwischen eindeutiger Ablehnung und bewundernder Hochachtung geschwankt...

Ablehnung, weil es in diesen Zeiten sicherlich nicht opportun ist, auf Fernreisen zu gehen.

Hochachtung, weil mir selbst der Mut dazu fehlt. Nach unserer Erfahrung in Südafrika im Lockdown im letzten Jahr war +1 nicht zu einer Reise zu bewegen.

Allerdings war und ist das Gorilla-Tracking in Ruanda noch immer ganz oben auf der Bucket List angesiedelt. Und, aufgrund Deines Berichts muss ich sagen: Chance verpasst! Ich glaube, ohne den üblichen Rummel und die Massen an Besuchern, wird man den Gorillas wohl nie wieder so nahe kommen wie jetzt.....

Fazit: Bewundernde Hochachtung! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Ich verneige mich in Hochachtung...:resp:
 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.648
151
BER
Ich muss zugeben, ich habe zwischen eindeutiger Ablehnung und bewundernder Hochachtung geschwankt...

Ablehnung, weil es in diesen Zeiten sicherlich nicht opportun ist, auf Fernreisen zu gehen.

Hochachtung, weil mir selbst der Mut dazu fehlt. Nach unserer Erfahrung in Südafrika im Lockdown im letzten Jahr war +1 nicht zu einer Reise zu bewegen.

Allerdings war und ist das Gorilla-Tracking in Ruanda noch immer ganz oben auf der Bucket List angesiedelt. Und, aufgrund Deines Berichts muss ich sagen: Chance verpasst! Ich glaube, ohne den üblichen Rummel und die Massen an Besuchern, wird man den Gorillas wohl nie wieder so nahe kommen wie jetzt.....

Fazit: Bewundernde Hochachtung! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Ich verneige mich in Hochachtung...:resp:

Vielen Dank! Ja, meine +1 konnte auch nicht animiert werden, obwohl sie mir ständig erzählt, wie gern sie mal wieder rauskäme. Aber das wird dieses Jahr auch sicher nochmal was mit ihr, hoffe ich...

Ruanda ist nach wie vor auf der Nichtrisikoliste und das Testregime dort erscheint mir auch nach wie vor sehr effizient. Wurde ja inzwischen auch in ähnlicher Form von anderen Staaten übernommen, z.B. Tunesien.
 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.648
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BER
Nachdem wie wieder den kurzen Weg ins Dorf gelaufen waren, verabschiedete ich mich von meinen amerikanischen Freunden, deren Fahrer auf dem Parkplatz umringt von den Einheimischen noch ein mobiles Lunch mit Coke Light etc. aufgebaut hatte und fuhr zum Hotel zurück. Schnelles Mittagessen und Sachen packen und am frühen Nachmittag holte mich mein Fahrer Fahrer Francis, seines Zeichens Inhaber einer Reiseagentur in Gisenyi ab, um mich zum Kivu-See zu fahren. Auf dem Weg dorthin (die Straße kannte ich nun inzwischen aus dem FF) das übliche Straßenbild: Zahlreiche Fussgänger, Schüler, Bauern und die von mir ob ihrer unglaublichen Athletik (und spektakulären Risikobereitschaft) so bewunderten Lastradfahrer. Kein Wunder, dass Ruanda so stark im Radsport ist.





Unser Ziel war das Ressort Paradis Malahide direkt am Ufer des Kivu-Sees, 10min von der Stadt Gisenyi entfernt, kleine Schwesterstadt des jenseits der Grenze gelegenen Millionenstadt Goma. Aufgrund der Binnenlage Ruandas hat der See eine herausragende Bedeutung für das kleine Land. In recht großem Stil wird hier Fischfang betrieben, auch gibt es einiges an Aquakultur (v.a. Tilapia). Da der See angeblich durch seinen hohen Methangehalt Bilharzien-frei ist und nur ca. 3h von Kigali entfernt liegt, hat sich ein recht intensiver Bade- (und in Normalzeiten auch Beachbar-)Tourismus herausgebildet. Die kleinen Buchten des großen, tiefen und daher wasserreichen Sees (nach dem Wasservolumen nach Tanganjika-, Victoria- und Malawisee der viertgrößte des Kontinents), durch den die Landesgrenze mit der DRC verläuft, versprühen tatsächlich fast maritimen Charme.

Im Ressort angekommen checkte ich in meinen rustikalen Bungalow ein (ich liebe diese afrikanischen no frills-Unterkünfte), legte dann im Restaurant bei ein paar eiskalten 'Mützig' die Beine hoch und schaute der abziehenden tropischen Husche zu. Diese Niveau von Aktivität war auch so ungefähr für den nächsten Tag vorgesehen, denn noch immer hatte ich mörderischen Muskelkater.



 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
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BER
Am nächsten Tag war Ruhe angesagt. Ich schlief aus (bis um 8h:rolleyes:) und frühstückte dann direkt am Strand unter einem der Sonnenschirme. Dabei konnte man prima der lokalen Vogelwelt zuschauen, vor allem den Hammerköpfen, Reihern und Kingfishern, aber auch den kreisen Milanen. Das Frühstück wie fast überall in Ruanda auf Eierspeisen mit Toast basierend, meist frischen Früchten oder Obstsalat und lokalem, sehr aromatischen und fast rostrotem Kaffee.



















Wenig später gesellte sich noch die einzigen anderen Gäste des Hotels, ein Israeli mit seiner ruandischen Tinder-Freundin dazu. Ersteren hatte sein Land gerade ausgesperrt (Flughafenschließung). Mit seiner Rückkehr ins gelobte Land hatte er aber nicht wirklich akut ein Problem, wie mir schien.

Den Tag verbrachte ich überwiegend dösend, schlafend, lesend und essend. Gegen Nachmittag kamen Francis und mein Guide Fred vorbei, um die Wanderpläne für die kommenden Tage zu besprechen: Der so genannte Congo-Nile Trail, der der N-S verlaufenden Wasserscheide innerhalb der afrikanischen Grabenregion folgt, war geplant. Auf dem Weg zurück nach Gisenyi nahmen mich die beiden noch zur lokalen Privatklinik 'Zum Kreuz des Südens' mit, wo ich einen Antigen-Schnelltest zu (umgerechnet) 8 Euro machen lies. Das negative Ergebnis war nach 20min. fertig und erlaubte mir, mich für die kommenden 5 Tage wieder frei im Land zu bewegen.

Den Abend im Paradis Malahide saß ich wieder faulenzend am Ufer des Kivu-Sees und sah den Fischern bei ihrer Ausfahrt mit den eigentümlichen Booten (bzw. Fangnetzkonstruktionen) zu.













 

Minowa

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29.05.2011
2.304
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DUS, NRT/HND
Vielen Dank für die tollen Eindrücke, Ruanda/Uganda stehen schon länger weit oben auf meiner Travel-Bucketlist!
 
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madger

Erfahrenes Mitglied
26.04.2014
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24
CGN
Herzlichen Dank für diese tollen Einblicke in deine Reise. Ich muss zugeben, dass ich Ruanda bisher nicht auf meiner Afrika-Ziele-Liste hatten. Das hat sich nun geändert.
 
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nicolai_bayreuth

Aktives Mitglied
14.06.2020
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NUE/LWO
Von mir auch vielen Dank für die überaus vielfältigen Einblicke in deine Reise! Kigali und die Umgebung um den Kivusee war bzw. ist so etwas wie das Spezialgebiet meines ehemaligen Chefs, wobei ich leider nie mitgefahren bin. Da ich aus anderen Threads weiß, dass du auch von Haus aus Geograf bist und das gut zu deinen Eindrücken passt, poste ich hier mal zwei Exkursionsblogs zu Ruanda-Exkusionen aus meiner früheren Arbeitsstelle:
https://geo-e-log.com/exkursionen/ruanda2016
https://geo-e-log.com/exkursionen/ruanda-2020
 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
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BER
Von mir auch vielen Dank für die überaus vielfältigen Einblicke in deine Reise! Kigali und die Umgebung um den Kivusee war bzw. ist so etwas wie das Spezialgebiet meines ehemaligen Chefs, wobei ich leider nie mitgefahren bin. Da ich aus anderen Threads weiß, dass du auch von Haus aus Geograf bist und das gut zu deinen Eindrücken passt, poste ich hier mal zwei Exkursionsblogs zu Ruanda-Exkusionen aus meiner früheren Arbeitsstelle:
https://geo-e-log.com/exkursionen/ruanda2016
https://geo-e-log.com/exkursionen/ruanda-2020

Danke, Nicolai, habe gerade mal reingeschaut. Super spannende Exkursionen! Es ist tragisch, dass diese Art Lehrveranstaltungen jetzt schon geraume Zeit ausfallen.

Die Kulturgeographie Bayreuth hat ja seit langem diesen Afrikaschwerpunkt. Ich hatte durch meinen Entwicklungsforschungsschwerpunkt früher v.a. mit Prof. Müller-Mahn zu tun, als er noch bei "Euch" war.
 
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handballplayer3

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01.10.2015
1.122
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DUS
Danke, Nicolai, habe gerade mal reingeschaut. Super spannende Exkursionen! Es ist tragisch, dass diese Art Lehrveranstaltungen jetzt schon geraume Zeit ausfallen.

Einer meiner Profs plant aktuell für Ende September einen Mehrtägigen Aufenthalt in Randstad, schauen wir mal. Bin auch sehr gesapannt, ob ich vor dem M.Sc. noch einmal ne Präsenzveranstaltung haben werde.

// Afrika hat sich bei mir bislang nie ergeben. Aber verschiedene Berichte hier wecken dann doch das Interesse. Vielen Dank!
 
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crossfire

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15.04.2012
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10
Ein exquisiter Reisebericht mit vielen eindrucksvollen Fotos! Gerne mehr davon, Deine unaufgeregte, intelligente Sicht auf die Dinge, die Dir bisweilen begegnen, gefällt. Top !
 
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Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
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BER
Seit ich mich einige Jahre forschend mit den Auswirkungen industrieller auf die artisanale lokale Fischerei in Afrika beschäftigt hatte, finde ich das Thema Fischfang spannend. Ich bat daher einen der Angestellten im Paradis Malahide mir eine Audienz bei den Kleinfischern zu organisieren, was kein Problem darstellte.

Am kommenden (sehr frühen) Morgen, um Punkt 04.30h, holte mich der Wecker aus dem Schlaf. Ich zog mich schnell warm an, denn um diese Zeit ist es besonders auf dem See noch empfindlich kühl, und lief rüber zum Strand des Hotels. Dort stand der Angestellte mit einem Boot bereit und fuhr mich raus zu den Fischern, wie ich es verstanden habe, Nachbarn von ihm. Fischer arbeiten auf dem Kivusee vor allem nachts mit Hilfe von Gaslampen. Die Netze werden dabei zwischen den drei Auslegern der Boote gespannt und durch das Licht die Fischschwärme angelockt. Der 'Beruf' des Fischers wird (wie so oft auch anderswo) meist von den Vätern an die Söhne weitergegeben, die relativ kläglichen Fängen (meist kleine pelagische Fische, Sardellen nicht unähnlich) sind für den Eigenbedarf, aber auch für den Markt. Für die Vermarktung sind vor allem die Frauen zuständig.















Allmählich brach die Morgendämmerung herein. Ich schaute den Männern bei der Arbeit zu und stellte Fragen. Das Kofferradio der Fischer spielte dabei französische Chansons, während die Milane versuchten, den Fischern einen Teil ihres Fangs abzujagen. Ein schönes Erlebnis, fast ein bisschen meditativ.

Gegen 6h hatte ich wieder Boden untern den Füssen, ging Duschen und packte meinen Rucksack. Heute sollte es nach dem Frühstück auf den Congo Nile Trail gehen, einen der sehenswertesten Mehrtageswander- bzw. radwanderwege im subsaharischen Afrika. Von den 10 möglichen Etappen (227km) hatte ich mir drei über ca. 60km vorgenommen.

 

Hene

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27.03.2013
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BER
Der Congo Nile Trail ist prinzipiell sowohl zu Fuss begeh- als auch per Mountainbike befahrbar. Ich hatte mich vorher ein bisschen schlau gemacht und entschieden, dass mir die Fahrradoption ein bisschen zu anstrengend wäre. Angesichts von massiven Steigungen, die es zu absolvieren gilt, erschien mir das nicht so reizvoll. Außerdem nutzt man als Mountainbiker besser ausgebaute Abschnitte der vorhandenen Verkehrswege, auf den auch gelegentlich Motoräder oder Autos unterwegs sind, während man als Wanderer die kleinen Pfade der lokalen Bevölkerung nutzt. Um sich dort nicht zu verlaufen, entschied ich mich dafür, einen Guide zu organisieren, was per e-mail und Whatsapp über Francis problemlos möglich war. Ich konnte auch nicht genutztes Reisegepäck bei Francis unterstellen, um möglichst leicht unterwegs zu sein. Dass ich dann mit ca. 12kg eigentlich immernoch viel zu viel Zeug mit mir rumschleppte, war blöd, aber irgendwie machbar. An den Hängen der ostafrikanischen Wasserscheide (Regionen weiter westlich werden über den Kongo in den Atlantik entwässert, die weiter östlich über den Nil ins Mittelmeer) kommt man, das kann ich Euch sagen, sehr gut ins Schwitzen.

Um 8h holte mich mein Guide Fred vom Hotel ab. Die Pünktlichkeit der Ruander, jetzt mal generalisiert, hat mich echt überrascht. Erst ging es auf der erst kürzlich von den Chinesen frisch asphaltierten Hauptstraße entlang, die dem Ufer des Kivusees bis zu einer umstrittenen Methanabbauanlage folgt. Vorbei geht es auch an einer der zwei großen Brauereien Ruandas, der Bralirwa Brewery, die Heineken u.a. auf Lizenz produziert. Zudem hingen einige Aquakulturkäfige in der Wassersäule des Sees.













Nach einigen Kilometern bogen wir aber auf Schleichwege durch die Felder und Kaffeeplantagen der Einheimischen ab. Inzwischen hatte sich die übliche Schwüle über die steilen Hügel gelegt und ich war gleich nach dem ersten Anstieg gut nassgeschwitzt. Zum Glück kommt man immer wieder durch Dörfer, wo man sich in kleinen Läden mit Wasser, Coke oder gar Bier versorgen konnte. Immer begleitet von neugierigen, aber verhältnismäßig unaufdringlichen Kindern, die schon längere Zeit (wenn überhaupt jemals) k/einen 'muzungu' wie mich (mehr) gesehen hatten.

Zwei weitere Vorteile eines Guides sind, dass man den interkulturellen Stress, in dem man in solch einer Situation befindet, etwas abmildert, und gleichzeitig leichter mit den Einheimischen ins Gespräch kommt. Tatsächlich sprechen in den teilweise entlegenen Dörfern entlang des Kivusees bei weitem nicht alle Englisch oder Französisch, sondern ausschließlich Kinyarwanda.

Mich mit Fred unterhaltend, der leider seit über einem Jahr aufgrund der Pandemie keine Touristen mehr begleitet hatte und entsprechend glücklich über meine Tour war, ging es dem recht scharf geschnittenen Relief folgend durch die ziemlich atemberaubende, sattgrüne Landschaft aus Bananen- und Kaffeeplantagen, Eucalyptushainen und Feldern, auf denen die Einheimischen eifrig ihrem Tagewerk nachgingen. Immer wieder gab es auch sehr beeindruckende Ausblicke auf die kleinen Buchten des Kivusees. Auch wenn es aufgrund der dichten Besiedlung keinen Wald und damit kein 'ursprüngliches' Naturerlebnis mehr gibt, hinterliess die Kulturlandschaft einen bleibenden Eindruck auf mich. Nichtzuletzt konnte man auch einiges an Vögeln beobachten.





















 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.648
151
BER
































Nach einer kleinen Pause zwischendurch gegen Mittag kamen wir bereits gegen 15h in unserer Herberge an, einer kleinen, einfachen Pension, die von einer Anwohnerin, gleichzeitig Krankenschwester in der lokalen Gesundheitsstation, geführt wird. Mehr als einem einfachen Zimmer mit Bett und Moskitonetz gab es nicht, für mich aber voll ausreichend. Der kleine Strand, den ich fürs ausgiebige Rausschwimmen frequentierte (angeblich hier keine Bilharziose-Gefahr), der fantastische Blick auf die vorgelagerte Insel incl. Abendstimmung und die vorzügliche Hausmannskost aus Reis, gegrillten Sardellen, Bohnen, Kochbananen, Süßkartoffeln und Kürbissuppe entschädigten für die Strapazen des erlebnisreichen Tages.



 
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flyglobal

Erfahrenes Mitglied
25.12.2009
5.235
33
Tolle Bilder auch in der Mischung aus Vegetation, Tierwelt, Fischerei und Menschen.

Neugierig wäre ich noch auf deine einfache nicht 5 Sterne Unterkunft außerhalb des Hotelkettenspektrums wo das Moskitonetz das eigentliche Benefit ist.

Toll!
 
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YankeeZulu1

Aktives Mitglied
09.07.2020
158
25
Sorry wegen der langen Verzögerung. Gerade umgezogen und andere Sorgen: Küche fehlt noch und kein Netz zu Hause. Gelobe aber Besserung und Fortsetzung bis zum (bitteren) Ende:)
OK, Danke für die Info, und "nicht nur ich drück´ Dir die Daumen, daß bald alles gut wird" (y)