Mit dem (Nacht-)Zug durch Usbekistan

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jobonky

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19.02.2023
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Dienstag 18. Juni 2024

Während wir in die Nacht hinein fahren wird es tatsächlich irgendwann kühl, sodass ich die Decke nehme, die sich bei dem übrigen Bettbezug befunden hatte. Es holpert zwar ab und an stark, aber die Liegefläche ist recht bequem und schlafe ich zügig ein. Irgendwann nach 3 Uhr erreichen wir einen Güterbahnhof, durch welchen wir nur sehr langsam fahren. Draussen ist alles taghell beleuchtet, und trotz geschlossener Fensterblende leuchtet es stark genug in unseren Wagen hinein, dass wir beide wach werden. Ausserdem ist draussen ein deutlich zu vernehmender Lärm. Nachdem wir den Güterbahnhof wieder verlassen haben schlafe ich direkt wieder ein.
Gegen 7 Uhr wache ich das nächste mal auf, und muss sogleich feststellen, dass das geöffnete Fenster im Anbetracht der Fahrt durch die usbekische Steppe nicht zwingend die beste Idee gewesen ist. Zwar wurde es so in der Nacht angenehm kühl, dafür befinden sich im Kopfbereich meines Bettes, sowie auch auf mir einiges an feinem Staub, der so während der Fahrt hineingekommen war.
Das ganze Ausmass wird mir erst später im Hotel klar, als ich die Sandwüstenlandschaft auf dem Boden der Hoteldusche betrachten kann. Einiges davon war wohl auch in meinen Haaren gelandet.

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Pünktlich gegen 10:30 Uhr erreichen wir den Bahnhof von Khiva. Hier gibt es kein Yandex, aber es ist ohnehin alles viel kleiner und näher aufeinander, sodass wir beschliessen in die Stadt zu laufen. Dieser eigentlich kurze Spaziergang wird vor dem Hintergrund der Hitze die hier herrscht aber doch anstrengend. Immerhin etwa 42 Grad haben wir.

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Der Weg führt vom Bahnhof in einer geraden Strasse Richtung Khiva. Das am Ende erkennbare Tor ist allerdings nicht das eigentliche Stadttor, ich bin mir auch nicht sicher, ob es dort überhaupt historisch ist, oder erst zu touristischen Zwecken gebaut wurde. Nach passieren dieses Tors stellt sich jedenfalls heraus, dass die eigentliche Strecke bis Khiva gut drei mal so lang wie hier ersichtlich ist.

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Wenig später erreichen wir das tatsächliche Osttor der Stadt. Hier kann man auch das Ticket für die Stadt kaufen. Dieses gilt für 48 Stunden und kostet für Ausländer aktuell 200.000 Sum (ca. 15,04€). Damit kommt man in Khiva in alle Sehenswürdigkeiten, mit Ausnahme der beiden Minarette und eines Mausoleum, davon sind manche allerdings auch nur bedingt sehenswert, bzw. man würde wohl den Einzelnen Eintritt dafür nicht kaufen. Um die Stadt nur zu betreten benötigt man dieses Ticket allerdings nicht.
Unser Hotel, das Orient Star Khiva, befindet sich am anderen Ende der Stadt, direkt neben dem Westtor. Khiva ist allerdings so klein, dass dieser Weg entlang der Hauptstrasse weniger als einen Kilometer beträgt. Man übernachtet hier in einer tatsächlichen Sehenswürdigkeit: eine Medrese wurde so umgebaut, dass jeder der kleinen Zimmer nun Touristen beherbergt. Obwohl wir noch vor 12 Uhr da sind werden wir ohne Umstände oder Mehrkosten direkt auf unser Zimmer gelassen, welches sich in der zweiten Etage befindet. Direkt aus der Tür heraus bietet sich ein Blick auf den Innenhof der Medrese, ein kleiner Balkon am Badezimmer lässt einen auf den Platz vor dem Westtor blicken.

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Aus dem Hotel raus direkt rechts liegt die Kalta Minor, ein nicht fertiggestelltes Minarett, welches bei Fertigstellung damals vermutlich das grösste der Welt geworden wäre.

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Wir beschliessen, zunächst einen Blick auf das direkt neben unserem Hotel gelegene Westtor von aussen zu werfen, welches das Haupttor Khivas ist.

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Danach begeben wir uns zurück in die Stadt uns besichtigen einige der Sehenswürdigkeiten, welche in unserem Ticket inbegriffen sind.

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Ein kleines Gebäude direkt an der Hauptstrasse, dem wir wohl ohne unseren Reiseführer keine Beachtung geschenkt hätten, beherbergt ein Museum über 43 Deutsche Mennonitenfamilien, die immerhin etwas über 50 Jahre in der Gegend von Khiva gelebt haben, wobei die Ausstellung sogar auch auf deutsch beschriftet ist. Dort würdigt man auch die deutsch-usbekischen Beziehungen.

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Es tut auch immer wieder gut, in der gekühlten Luft der einzelnen Museen zu verweilen, auch wenn nicht unbedingt jedes der Museen einen Besuch lohnt, zumindest nicht für Ausländer, da einiges nicht auf Englisch, teilweise nichtmal auf Russisch beschriftet ist. Immerhin hat es den ganzen Tag über 40 Grad, und im Gegensatz zu Samarkand kaum Schattenspendende Bäume.
Ein Museum der usbekischen Volksmusik wird ebenfalls in unserem Reiseführer angepriesen. Angeblich findet man hier die "Stars der Szene" (Zitat Reiseführer), deren Musik im Hintergrund laufen soll. Man findet eine einstöckige, kleine Medrese vor, in deren einzelnen Räumen Instrumente und Fotos zu sehen sind. Auch hier Fehlen leider die englischsprachigen Beschriftungen. Von der versprochenen Musik ist nichts zu hören, bis meine Mitreisende einen der letzten Räume der Medrese betritt und dort von einem Bewegungsmelder erfasst wird. Daraufhin schaltet sich ein Lautsprecher an, welcher lautstark die erwähnte Musik spielt. Interessante Erfahrung.
Danach besuchen wir die danebenliegende Moschee, mit vielen alten Säulen, die teilweise hunderte Jahre alt sind.

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Für das Abendessen wählen wir ein Restaurant mit guten Bewertungen, ausserhalb der Stadtmauern. Um dort hin zu gelangen müssen wir etwa 15 Minuten spazieren. Wir verlassen die Stadt aus dem Nordtor, wo sich auch der Aufgang auf die Stadtmauer zu deren Begehung befindet, und kommen durch einen Park zu einer verhältnismässig stark befahrenen Strasse, an welcher das Restaurant liegen soll. Leider ist hier aktuell fast alles geschlossen, und so auch unser Restaurant. Mangels sinnvoller alternativen begeben wir uns zurück in die historische Altstadt um ein anderes Restaurant nahe unseres Hotels aufzusuchen.
Dort nehmen wir auf der Balkonterrasse Platz und lassen den Abend gemütlich mit Blick auf die Kalta Minor ausklingen.

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jobonky

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19.02.2023
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so vom Blick sieht's nach dem Terrassa aus ;)
So sieht’s aus.

Die Stempel bekommt man auch auf jedem Markt

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links ist eher der Souvenirstempel, rechts wird regelmäßig von +1 benutzt
Übrigens, wenn deine +1 ein Rezept zum teilen hätte würde uns das sehr freuen ;)
 
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jobonky

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19.02.2023
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Mittwoch 19. Juni 2024

Am nächsten morgen begeben wir uns zunächst zum Frühstück. Dieses befindet sich etwa 40 Meter vom Eingang des Hotels entfernt in einem anderen Gebäude. Dort bekommt man neben typischen Komponenten eines Europäischen Frühstücks auch usbekisches geboten. Ärgerlich ist nur, dass ab dem 2. Kaffee 35.000 Sum berechnet werden.
Nach dem Frühstück wollen wir die Stadtmauer besichtigen, da es uns am gestrigen Nachmittag dafür einfach zu heiss gewesen war. Bei noch angenehmen 37 Grad begeben wir uns daher zum Nordtor Khivas, wo für das Besteigen der Mauer gesonderte 20.000 Sum (ca. 1,50€) pro Person kassiert werden. Auf dem Weg kommen wir an verschiedenen Stellen an einigen Leuten vorbei, die damit beschäftigt sind die Strassen zu putzen. Das ist hier offenbar eine gemeinschaftliche Aktion der Anwohner.

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An der Mauer angekommen werden wir durch einen kleinen Treppenaufstieg hinaufgelassen. Scheinbar sind wir die einzigen, die zu der doch eher frühen Uhrzeit hier anzutreffen sind. Die Mauer selbst bietet einen tollen Blick über die Stadt, welche auf ihr allerdings nicht vollständig umrundet werden kann, nur ein Teil ist öffentlich zugänglich.

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Ausserdem besichtigen wir noch einen kleinen Teil an Sehenswürdigkeiten, die wir am Vortag nicht geschafft haben, etwa den neueren Herrscherpalast innerhalb Khivas, nahe des Osttors, welcher viele kleine Innenhöfe besitzt. Einen solchen sieht man im unteren Bild.

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Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir an einem Kamel vorbei, von welchem mir eine gute Aufnahme gelingt.

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Im Zimmer angekommen ruhen wir uns nochmal ein bisschen aus, da es inzwischen ziemlich heiss geworden ist und wir beide nicht so gut und lang geschlafen haben. Kurz vor Check-out Zeit um 12 Uhr begeben wir uns zur Rezeption, wo wir die Nacht bezahlen und unser Gepäck deponieren. Für die restliche Zeit bis unser Zug nach Bukhara fährt wollen wir Khiva ausserhalb der Stadtmauern erkunden. Zu Fuss begeben wir uns zum Bazar. Auf dem etwa drei Kilometer langen Weg kommen wir an ein paar anderen historischen Gebäuden vorbei, etwa der alten Post die unter anderem von den deutschen Mennoniten während ihrer Zeit hier gebaut wurde.
Der Markt selbst ist weitaus weniger ästhetisch als die historische Altstadt, stellt aber wohl die Lebensrealität nicht weniger Usbeken dar. Unserer Anwesenheit wird hier eher mit starker Zurückhaltung und Irritation begegnet. Schade eigentlich, immerhin sind wir zum anschauen da, nicht zum verurteilen. Wir kaufen hier ein Fladenbrot für 5.000 Sum, als ich aber frage, ob ich den Stand fotografieren darf wird mir dies verweigert. Als ich wenig später ein Bild der Hauptstrasse des Marktes mache, werde ich dafür von einer älteren Usbekin zurechtgewiesen.

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Wir kaufen noch Getränke und machen uns dann wieder zu Fuss zurück in Richtung historische Altstadt, da wie bereits erwähnt hier kein Yandex funktioniert. Wir steuern das Westtor an, denn hier soll laut online verfügbaren Informationen eine Statue von al-Chwarizmi zu finden sein, dem im ersten Jahrtausend gelebten Universalgelehrten aus der Gegend um Khiva stammend, der unter anderem Namensgeber für den Begriff "Algorithmus" ist, und als ein Wegbereiter der Algebra als bedeutender Mathematiker anzusehen ist. Für mich als Mathematiker jedenfalls ein interessanter Zufall, über den ich jedoch erst bei Vorbereitung der Reise Kenntnis erlangte. Leider gelingt es uns nicht die Statue zu finden, und an der Stelle, an welcher sie wohl gestanden haben mag findet sich nur die Darstellung einer Karawane. Ich spreche einen nahestehenden Polizisten an, welcher mir erklärt, dass die gesuchte Statue bis vor kurzem dort wohl noch gestanden habe, aber mittlerweile an ein mathematisches Institut in der Nähe umgezogen wurde. Schade.
Wir holen unser Gepäck im Hotel ab und begeben uns zu Fuss zum Bahnhof von Khiva, auf dem selben Weg auf welchem wir tags zuvor hergekommen waren, also einmal durch die ganze Altstadt und dann vom Osttor auf geradem Weg zum Bahnhof. Wieder macht uns die Hitze zu schaffen, und so kaufen wir uns auf dem nicht ganz zwei Kilometer langen Weg immerhin zwei mal etwas zu trinken.
Am Bahnhof kommen wir wie immer mit genügend zeitlichem Puffer an, wobei aber auch hier die Kontrollen um ins Gebäude zu gelangen wieder schnell vonstatten gehen. Da unser Zug schon sehr früh am Gleis steht nutzte ich die Chance ganz nach vorne zu laufen und die Lok zu fotografieren.

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An unserem Wagon angekommen werden wir von unserem Zugbegleiter mit Namen begrüsst. Scheinbar sind alle anderen Ausländer die in Khiva in unserem Wagen zusteigen sollen schon an Bord. Diese anderen Ausländer werden sich in der Folge noch als eher unangenehme Reisegruppe aus Südafrika herausstellen.
Unser heutiger Nachtzug ist an einigen Punkten moderner als der letzte, beispielsweise besitzt jedes Bett eine Leselampe und auch eine Klimaanlage ist vorhanden, die für ein wenig kühlere Luft sorgt, wobei die Temperatur im Wagen dennoch etwas über 30 Grad betragen dürfte.
Da wir nur bis etwa Mitternacht fahren werden und dann im Hotel in Bukhara übernachten wollen haben wir heute nur die beiden unteren Liegen gebucht, wobei die oberen zumindest in Khiva noch nicht belegt werden. Bald darauf setzt sich der Zug auch schon in Bewegung.

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Noch ehe wir aber mit Urganch die nächste Station des Zuges erreichen beginnt im Gang eine Diskussion zwischen einer Südafrikanerin aus der Reisegruppe, welche mit einigen Unterbrechungen für die nächsten vier Stunden andauern wird. Offenbar ist sie mit der Kühlleistung der Klimaanlage unzufrieden und fordert den Zugbegleiter unseres Wagens zur Reparatur dieser auf, was dieser wiederum mangels Englischkenntnissen nicht versteht. Kurz darauf kommt sie mit einer Usbekin im Schlepptau zurück, welche sie dazu gebracht hatte für sie zu übersetzten. Jetzt verstand zwar der Zugbegleiter das Problem, konnte es aber trotzdem nicht nachvollziehen, da die Klimaanlage für ihn ja wie gewohnt funktionierte, nur eben nicht entsprechend der Erwartungen der Südafrikanerin. So ging das ganze dann eine Weile hin und her. Irgendwann war dann Ruhe, aber freilich nicht lange, denn die Südafrikanerin beschloss, dass es an der Zeit sei härtere Geschütze aufzufahren: Eine 20 Minuten Frist zur "Reparatur der Klimaanlage". Diese lässt der arme Zugbegleiter ungenutzt verstreichen, sodass das Theater von vorne losgeht. Danach verlagerte sich das Gespräch dann eher darauf, dass sie sich als Frau von ihm nicht respektiert fühle und so weiter und so fort.
Später sprach sie auch mich an, da unsere Zimmertür die ganze Zeit geöffnet gewesen war, um von der kühleren Luft der kontroversen Klimaanlage zu profitieren. Ich sei doch auch Ausländer, ob ich das nicht völlig unverschämt fände hier. "Nein" entgegne ich ihr, was sie wiederum nicht nachvollziehen kann.
Leider nahm ich an, es würde zu ihrer Beruhigung beitragen, wenn ich ihr zeigen würde, dass dieser Zug eigentlich ganz ohne Klimaanlage verkauft wurde, und präsentierte ihr den entsprechenden Vermerk auf meinem Ticket. Sie wiederum zeigte daran wenig Interesse sondern nahm die Sichtung meines Tickets zum Anlass sich über den günstigeren Preis auf meinem, oder den teureren auf ihrem zu empören. Einige male muss ich ihr erklären, dass mein Ticket bis Bukhara (bzw. Navoi) natürlich weniger kostet als ihres bis Taschkent. Auweia.
Der Zugbegleiter, welcher die ganze Zeit über durchaus um Lösungen bemüht war bot dann an, die beiden zwischenzeitlich in unser Zimmer zugestiegenen Usbeken gegen die Südafrikanerin zu tauschen, da unser Zimmer aufgrund grösserer Nähe zur Klimaanlage kühler war, wogegen ich sofort protestiere, weswegen er loslachen musste. "Nein, wir wollen sie auch nicht."
Nach guten vier Stunden kam dann endlich die Einsicht, dass das Ganze zu nichts führen würde. Eine Beschwerde und Rückerstattungsforderung kündigte sie dem Zugbegleiter für ihre Ankunft in Taschkent dennoch an. Gerne hätte ich diese auch noch erlebt, doch nach überraschend kurzweiliger Fahrt ist unser Ziel Bukhara bereits erreicht. Wenigstens reicht es davor noch für ein Bier aus dem Speisewagen.

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In Bukhara angekommen hilft uns der Zugbegleiter sehr eifrig beim ausladen unseres Gepäcks, auch wenn wir die Hilfe eigentlich nicht gebraucht hätten. Ein Yandex zum Hotel ist schnell bestellt und kurz nach eins werden wir an der angegebenen Adresse abgesetzt. Irgendwie muss mir aber ein Fehler unterlaufen sein, denn hier befindet sich unser Hotel nicht. Ein Blick in Google Maps verrät uns, dass es tatsächlich knapp 10 Gehminuten entfernt ist, welche wir zu Fuss gehen, da wir keine Lust auf weitere Experimente haben.
Im Hotel werden wir freundlich empfangen und auch der Check-in ist schnell erledigt, und so endet ein anstrengender, viel zu langer Tag.

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Hene

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27.03.2013
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Der Markt selbst ist weitaus weniger ästhetisch als die historische Altstadt, stellt aber wohl die Lebensrealität nicht weniger Usbeken dar.
In der Tat. Wobei der Bazaar in Khiva schon sehr traurig aussieht. Der nächstgelegene Grossbazaar in Urgench ist mithin einer der sehenswertesten in Usbekistan, gerade zur Melonensaison ab Juli.
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Einige male muss ich ihr erklären, dass mein Ticket bis Bukhara (bzw. Navoi) natürlich weniger kostet als ihres bis Taschkent. Auweia.
Klingt als hätte ich das hier im Vorum schonmal gehört.
 

red_travels

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16.09.2016
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www.red-travels.com
Bei noch angenehmen 37 Grad begeben wir uns daher zum Nordtor Khivas, wo für das Besteigen der Mauer gesonderte 20.000 Sum (ca. 1,50€) pro Person kassiert werden.

vor 2 Jahren konnte man dort noch kostenfrei auf die Mauer gehen

nutzte ich die Chance ganz nach vorne zu laufen und die Lok zu fotografieren.

welch modernes Gerät von 2011 :geek: die Südafrikanerin war ja wirklich nervig... Eine Erstattung wird sie auch in Tashkent nicht bekommen haben :D

Ein Blick in Google Maps verrät uns, dass es tatsächlich knapp 10 Gehminuten entfernt ist, welche wir zu Fuss gehen, da wir keine Lust auf weitere Experimente haben.

konnte der Fahrer vielleicht nicht weiter fahren und hat euch deswegen an der für ihn besten Stelle abgesetzt?
 
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jobonky

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19.02.2023
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Der nächstgelegene Grossbazaar in Urgench ist mithin einer der sehenswertesten in Usbekistan
Gut zu wissen, vielleicht komme ich dort ja mal noch vorbei. Immerhin steht der Aralsee (oder was auch immer davon noch übrig ist) relativ weit oben auf meiner Liste und von Urgench aus sollte die Tour dort hin wohl machbar sein.

vor 2 Jahren konnte man dort noch kostenfrei auf die Mauer gehen
Jetzt hat es dort ein Kassenhäuschen und der Zugang ist mit einem Schloss gesichert. Allerdings kann ein kurzes etwas tieferes Stück immernoch kostenfrei betreten werden.

Eine Erstattung wird sie auch in Tashkent nicht bekommen haben :D
Natürlich nicht. Aber wenigstens hat damit der Terror geendet, als sie dachte sie würde etwas von ihrem Ticketpreis zurückerhalten.

konnte der Fahrer vielleicht nicht weiter fahren und hat euch deswegen an der für ihn besten Stelle abgesetzt?
Von dem was seine App auf dem Handy gezeigt hat muss es gepasst haben, daher vermute ich, dass der Fehler von mir kam.
 
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Alfalfa

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23.01.2022
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In Bukhara angekommen hilft uns der Zugbegleiter sehr eifrig beim ausladen unseres Gepäcks, auch wenn wir die Hilfe eigentlich nicht gebraucht hätten. Ein Yandex zum Hotel ist schnell bestellt und kurz nach eins werden wir an der angegebenen Adresse abgesetzt. Irgendwie muss mir aber ein Fehler unterlaufen sein, denn hier befindet sich unser Hotel nicht. Ein Blick in Google Maps verrät uns, dass es tatsächlich knapp 10 Gehminuten entfernt ist, welche wir zu Fuss gehen, da wir keine Lust auf weitere Experimente haben.
Witzig. Dasselbe ist mir in Buchara auch passiert. Taxifahrer hat mich irgendwo abgesetzt bzw. absetzen wollen. Am Bhf hat er das Hotel noch gekannt, in der Stadt schon nicht mehr. Dann gabs ne lange Stadtführung mit dem Taxi (oder auch ein suchen des Hotels - abhängig von der jeweiligen Perspektive). Irgendwann hat er selber angefangen, andere Taxis zu stoppen und zu fragen, die waren allerdings nicht immer hilfsbereit. Anrufen im Hotel und dort nach dem Weg fragen wollte er nicht. Dann standen wir plötzlich irgendwo, und er wollte mich losschicken, 5 Min. weiter zu Fuß, da konnte er mir wieder ganz genau sagen, wo das Hotel sei. Ja klar! :ROFLMAO::ROFLMAO:
Hab ich ihn erstmal nicht bezahlt, dann hat er doch telefoniert und wir sind losgefahren und tatsächlich auch angekommen. Vom Bhf. zum Hotel in 60 Min.
Andere zahlen für ihre Stadtführung viel Geld. :cool:
 
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jobonky

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19.02.2023
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Donnerstag 20. Juni 2024

Am nächsten morgen gibt es auch in diesem Hotel ein Frühstück, dass aber in Umfang und Qualität deutlich hinter den anderen Hotels zurückbleibt. Für 24$ für Übernachtung inklusive Frühstück zu zweit kann man sich aber nicht beschweren.

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Nach dem Frühstück checken wir auch hier aus und deponieren unser Gepäck. Per Yandex lassen wir uns als erstes zum Bazar von Bukhara fahren. Hier gibt es neben Lebensmitteln auch Kleidung, Stoffe, Elektronik, Reisegepäck, Dekoartikel und alles sonst irgendwie erdenkliche.

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An dem Stand im Bild kaufen wir verschiedenen Tee. 35.000 Sum (ca. 2,63€) pro 100 Gramm werden dafür fällig, was ich etwas teuer finde, meine Mitreisende meinte jedoch, dass die Preise für Tee in Ordnung gingen. Immerhin bekommen wir von der engagierten Verkäuferin auch alles als Riechprobe präsentiert was uns interessiert. Etwa 600 Gramm, auf verschiedene Sorten werden es am Ende.
In einem kleinen Technikstand unweit des Teestandes gibt es tatsächlich noch Handyhüllen für mein altes iPhone X. Ich nutze die Chance, die ich in Addis Abeba verpasst habe und entscheide mich für eine transparente Kunststoffhülle. 25.000 Sum möchte der junge Verkäufer zunächst, bevor er wenige Sekunden später ohne Versuch meinerseits den Preis zu drücken auf 20.000 Sum (ca. 1,50€) reduziert. Nicht schlecht, in China habe ich auf Fake Markets auch schon etwas mehr bezahlt.

Nach dem Markt machen wir uns auf zur Festung Bukharas. Diese befindet sich auf einer 15 Meter hohen Erhöhung, die wohl damals extra zum Bau der Festung aufgeschüttet worden war. Bereits im 4. Jhdt. vor Christus soll hier eine Festung gestanden haben, jedoch wurden die Festungen hier über die Jahrhunderte immer wieder zerstört und wieder aufgebaut.

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Auch heute ist die Festung nur zu einem kleinen Teil intakt, da sie bei der Eroberung Bukharas Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Rote Armee weitgehend zerstört wurde. Schade. Die Trümmer können allerdings auch besichtigt werden und sind heute ein Ort archäologischer Ausgrabungen. In den Gebäuden, welche heute noch erhalten sind, oder wieder aufgebaut worden, finden sich einige Ausstellungen, etwa mit alten Münzen und Geldscheinen aus der Region.

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Am Ende eines Ausgeschilderten Rundwegs durch die Trümmer hat man einen schönen Blick auf die Altstadt von Bukhara.

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In der Altstadt erinnert vieles der Architektur an bereits in Samarkand und Khiva gesehenes, dennoch hat es hier seinen eigenen Flair. Insbesondere erscheint mir alles hier weniger Touristisch ausgebaut.

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Am einen Ende der Altstadt gibt es einen kleinen, künstlich angelegten Teich, der zu drei Seiten von Medresen umgeben ist, wobei sich auf den Metern zwischen Medresen und Teich rundum Restaurants breit gemacht haben. Insgesamt herrscht eine angenehme, entspannte Atmosphäre.

Zum spätem Mittagessen begeben wir uns in ein kleines Restaurant in der unmittelbaren Umgebung mit guten Rezensionen. Eigentlich hätten wir hier gerne nochmals Plov gegessen, leider war dieser aber aus, sodass es Manti und ein anderes Gericht wurden, dessen Namen ich leider vergessen habe.

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Nach dem Essen begeben wir uns zu Fuss wieder zurück ins Hotel, wobei wir noch an einer kleinen Sehenswürdigkeit vorbeikommen, wobei das eher Zufall war: Eigentlich wären wir in einer anderen Strasse gelaufen, wurden aber von einem älteren Herrn aufgefordert eben jene Strasse zu wählen, die uns zu der Sehenswürdigkeit führte:

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Im Hotel angekommen holten wir unser Gepäck ab und bestellten ein Yandex zum Flughafen. Eigentlich waren wir dafür viel zu früh dran, aber da wir Business Class gebucht hatten und damit nach Information der Website von Uzbekistan Airways Business Lounge Access hätten beschlossen wir, den Spätnachmittag dort zu verbringen.

Der Flughafen von Bukhara ist klein, etwa vergleichbar mit den Bahnhöfen die wir zuvor auf unserer Reise hatten. Nach einer Sicherheitskontrolle am Eingang kommt man in die Haupthalle, wo es eine Handvoll Check in Schalter gibt, die wohl je nach bedarf von allen Airlines verwendet werden.

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Die "CIP Hall" genannte Lounge bietet aber einen eigenen Check in und eine separate Sicherheitskontrolle (da man zusätzlich zum Security Check am Eingang nochmals richtig kontrolliert wird). Leider wird uns der Zutritt zu dieser Lounge ziemlich unverschämt verwehrt. Uzbekistan Airways würde die Rechnungen seit einiger Zeit nicht mehr bezahlen, daher würde man Uzbekistan Airways Passagiere nicht mehr hinein lassen. Ich zeige der Frau am Eingang den entsprechenden Hinweis auf der Uzbekistan Airways Seite, was sie jedoch nicht interessiert. Immerhin steht dort "There are CIP and VIP lounges in the departure terminal of international airport "Bukhara. The CIP hall service is free of charge for the business class passengers"
Einen Beleg für ihre Aussage möchte sie mir aber auch nicht geben und einen Supervisor hat es wohl auch nicht. Erst als ich ihren Namen verlange wird sie ein wenig kooperativer und möchte mich zu irgendwem bringen. Ich lande im Büro eines Uzbekistan Airways Supervisors, dem ich die Situation schildere und den entsprechenden Hinweis auf der Uzbekistan Airways Seite zeige. Darauf folgt eine Diskussion zwischen Lounge-Frau und Uzbekistan-Airways-Mann. Irgendwann ging sie dann, und er erklärte mir, dass das eine Fake-Seite wäre, was natürlich völliger Blödsinn ist. Er verlangt, dass ich ihm zeige, wie ich die Seite finde, was sich aufgrund des langsamen Internets als schwierig herausstellt. Irgendwann gelingt es dann, was ihn jedoch nicht zufriedenstellt, woraufhin er mir mein Handy aus der Hand nimmt und sagt, ich solle die Seite auf seinem Handy finden. Wieder ist er nicht zufrieden, da ich über Google auf die Seite gelangte, die seiner Auffassung nach Fake sei.
Mir wird das ganze zu doof, sodass ich mein mein Handy wieder haben möchte, welches er jedoch wegzieht, als ich danach greife. Völlig skurril. Stattdessen soll ich ihn jetzt anleiten, wie er auf seinem eigenen Handy von der Uzbekistan Airways Startseite auf die entsprechende Seite navigieren kann, ohne Google o.ä. zu verwenden. Trotz unübersichtlicher Website gelingt irgendwann auch das, woraufhin er realisiert, dass das wirklich so auf der Website steht. Hier dreht sich der Wind. Es beginnen einige Telefonate, man merkt ihm an, dass ihm die Situation plötzlich sehr unangenehm ist, und er auch wesentlich weniger Selbstbewusstsein als zuvor ausstrahlt. Irgendwann heisst es dann, es würde ihm leid tun, aber er könne nichts machen. Ich bekomme mein Handy zurück und er entschuldigt sich zahlreich. Wir gehen zurück in die Haupthalle, wo sich der Check in für unseren Flug dem Ende zuneigt und meine Mitreisende immer noch auf mich wartet. Dennoch lässt es sich der Uzbekistan Airways Supervisor nicht nehmen, uns persönlich einzuchecken, möglicherweise als Entschuldigung für das vorherige Verhalten.

Nach dem späten Check-in folgte die richtige Security-Kontrolle, woraufhin wir in einen überfüllten Wartebereich kamen. Hier ist nichts beschildert, und auch an dem einzigen Gate steht nicht, welcher Flug gerade geboardet wird. Tatsächlich gehen an diesem Abend zwei Flüge nach Taschkent, und jener, der zu unserer eigentlichen Boardingzeit aufgerufen wird ist genau der andere. Pures Chaos. Haufenweise Passagiere, uns inklusive, werden nach scannen der Tickets wieder weggeschickt. Etwa eine halbe Stunde später wird wieder Taschkent aufgerufen, und diesmal ist es unser Flug. Ein Priorityboarding gibt es nicht, und zu Fuss gelangen wir zum Flugzeug.

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Das Flugzeug selbst ist ein ziemlich neuer Airbus A320. Die Business Class ist in einer 2-2 Konfiguration angeordnet und sehr bequem, nur die Befestigung des Vordersitzes genau dort, wo ich sonst meinen Fuss positioniert hätte nervt ein wenig.

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Es gibt sogar WLAN, welches jedoch ziemlich teuer ist. Dennoch gut gemacht, und sogar auf die laufende Ansage wird bei Verbindung auf dem eigenen Handy hingewiesen.

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Vor dem Start bekommen wir alle etwas zu trinken, dabei bleibt es dann allerdings. Die Flugbegleiterinnen sind während des gesamten Fluges über 45 Minuten nicht ein mal aufgestanden, trotz keinerlei Turbulenz.

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Das Sicherheitsvideo wird über die im Vordersitz verbauten Bildschirme abgespielt, und ist wirklich gut gemacht, mit 6 Minuten dauert aber zu lang, insbesondere, wenn es auf Usbekisch und Englisch gezeigt wird. Bei uns führt das dazu, dass wir noch während das Video läuft starten...
Wer es spannend findet kann sich das Sicherheitsvideo HIER anschauen.

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Bei der Landung in Taschkent bin ich diesmal besser vorbereitet, und mir gelingen ein paar, jedoch nicht sonderlich gute, Fotos der hier geparkten Iljuschin-Frachter:

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Wir rollen fast so lange wie der Flug gedauert hat über das Vorfeld, und müssen, als wir endlich die Parkposition erreicht haben noch recht lange auf die Busse warten. Beim Aussteigen stehen zwei grosse und ein kleiner Bus parat, wobei letzterer den Eindruck erweckt für die Business Class Passagiere zu sein, weswegen wir und die anderen aus der Business Class eben diesen ansteuern. Jedoch weist man uns auch hier alle ab, und schickt uns in den normalen Bus. Schlussendlich fährt der kleine Bus ohne dass dort irgendjemand zusteigen durfte. Seltsam.
Das Warten aufs Gepäck dauert dann nochmal ewig und erst viel zu spät können wir ein Yandex ins Hotel Uzbekistan rufen. Alles irgendwie nicht ausgereift. Wenigstens ist die Check-in-Prozedur dort schnell erledigt, sodass wir bald auf unserem Zimmer sind. Endlich.
 

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