Mit Umweg in den Sandkasten - via Kapverden nach Mauretanien

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journey

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24.12.2009
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Berlin
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Nachdem meine letzte richtige Auslandsreise nun schon ewig zurückliegt (Rückkehr am 13.3.2020, dem Freitag bevor bei uns alle ins Homeoffice geschickt wurden) öffnete sich Anfang Oktober ein kleines Fenster zum Reisen. Fest stand, dass es mal wieder ein neues Land sein sollte. Nach Studieren der Einreisebestimmungen diverser Länder machten am Ende Kapverden und Mauretanien das Rennen und konnten sich gegen Dschibuti und Komoren durchsetzen.

Der Flaschenhals war die Strecke Kapverden – Mauretanien. Am Ende kam das folgende Routing auf 4 Tickets heraus:

  • BER – BRU – LIS – RAI (mit SN und TP in Y, Award)
  • RAI – DSS – NKC (mit Air Senegal in Y)
  • NKC – NDB – OUZ (mit Mauretania Air in Y)
  • NKC – IST – BER (mit TK in C, Award)
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Es wird ein rückblickender Reisebericht, der leider nicht so opulent bebildert wurde, wie erhofft.

Tag 1, 1.10. BER-BRU-LIS-RAI

Der Tag begann um kurz nach 9 Uhr mit einem PCR-Test am BER, den ich zur Einreise in Mauretanien (MRT) benötigen werde. Für 99 Euro sollte ich das Ergebnis binnen 6 h erhalten. Die Testung dauerte keine 10 Minuten, sodass ich gegen 09:15 am Check-in der LH-Gruppe war. Dort durfte ich mich in eine lange Schlange anstellen. Zum Glück nicht so lang, wie sie heute bei Twitter zu sehen war:

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An den Schaltern war auf mehreren Displays „Außer Betrieb“ zu lesen. An der Siko gab es lt. Durchsagen auch technische Probleme. In der Schlange wurde das Wissen über Ein- und Durchreisebestimmungen geteilt. So konnte ich einer älteren Dame noch helfen, das Passenger Locator Formular für Belgien auszufüllen. Eine meiner größten Sorgen war, dass ich irgendwas übersehen hätte und ich meine Reise nicht wie geplant stattfinden könne. Durch das Personal wurden immer wieder PAX für einzelne Flüge nach vorne beordert. Nachdem ich eingecheckt war, die Siko passierte hatte, ging ich ohne Umwege zum Gate, wo das Boarding schon begonnen hatte. Kurz nachdem ich den Sicherheitsgurt geschlossen hatte, kam das Ergebnis des Test per E-Mail: negativ. Yeah!

In Brüssel habe ich dann mit dem PP die Diamond Lounge aufsuchen können. Das Angebot war wesentlicher besser, als anhand der Angaben in der App zu erwarten gewesen war.

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Beim "Spotten" hat mir dann ein älterer Herr, der mit eigenen Fernglas unterwegs war, erklärt, dass Kalitta Air die Airline der CIA sei. Später gesellte sich noch eine B747F der SQ dazu. Der Experte war sich sicher, dass das nahe Werk von Pfizer und der COVID-19-Impfstoff hier eine Rolle spielen würden.

Nach ein paar selbst gezapften Bieren und veganen Snacks ging es dann weiter Richtung Lissabon.

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Dort habe ich die ANA Lounge aufgesucht. Hier war das Essensangebot deutlich eingeschränkt (Suppe, Sandwiches, Snacks, Getränke). Auslastung eher gering. Es waren reichlich (offene?) Schlafkabinen frei und Duschgelegenheiten vorhanden.

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Das letzte Segment war das längste und irgendwann reichte es mir dann auch mal.

Praia wurde pünktlich erreicht und die Einreise gestaltete sich unproblematisch. Im Vorfeld musste eine Anmeldung in Verbindung mit Zahlung einer Gebühr in Höhe von etwa 30 EUR geleistet werden. Vor Ort wurde mein Nachweis über eine Impfung nur kurz angeguckt. Da der Geldautomat am Flughafen kein Geld ausspucken konnte / wollte, musste die anstehende Taxifahrt zum Hotel Pérola, das für 2 Nächte mein Zuhause sein sollte, in Euro bezahlt werden. 10 Euro – der gängige Kurs – für die ca. 5 km wechselten den Besitzer. Mit Vollgas ging es dann in die Stadt. Nach dem Check-In bin ich dann direkt ins Bett.

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journey

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Tag 2:

Der Tag begann mit einem Abstecher aufs Dach, um mal den Blick von oben schweifen zu lassen:

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Anschließend ging es dann per Bus aufs Plateau, die Innenstadt. Das ist zwar nicht weit, aber für mich ist das Wetter einfach nichts gewesen. Temperaturen um die 30/35 Grad, jedoch hohe Luftfeuchtigkeit.

Die Bushaltestelle befindet sich direkt vorm Hotel:‘

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Dort lief ich mehr oder weniger ziellos umher. An der US Botschaft vorbei, durch die Fußgängerzone, und inspizierte z. B. das Angebot eines örtlichen Supermarktes.

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Danach kam ich zufällig am Markt vorbei. Angebot durchaus einladend. Für mich gab es nur ein paar Bananen.

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Beim Präsidentenpalast werde ich freundlich – ich bekomme fast Heimweh nach Berlin – angewiesen, wie ich gehen soll, um nicht unfreiwillig in einem Video aufzutauchen. Ein Foto von Diogo Gomes, Seefahrer, Entdecker der Kapverden und Autor, mit der Fahne im Hintergrund war aber kein Problem.

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Wider Erwarten willigte auch der Guard ein, dass ich ein Foto vom Präsidentenpalast machen könne.

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Zu Fuß ging es dann den „Berg“ hinunter zum Hotel.

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Dort habe ich mich dann frisch und mich für ein spätes Mittagessen wieder auf den Weg gemacht. Mein Ziel sollte ich lt. Rezeption bequem per Bus erreichen können. Also stellte ich mich wieder an die Straße, dieses Mal jedoch in die andere Richtung. Bei Google Maps (offline Maps) musste ich dann irgendwann feststellen, dass der Bus sich wieder vom mir angesteuerten Restaurant entfernte. Ich also raus und ein Taxi gesucht, und dem Fahrer mein Ziel mitgeteilt. Der reagierte, als würde ich für einen Euro von München nach Hamburg fahren wollen. Nachdem ich ihn bat, kurz mit dem Restaurant "Tambake" zu telefonieren, löste sich alles in Wohlgefallen auf. Es waren nur rd. 5 Min. bergauf und -ab. Zwei Minuten vor Schließen konnte ich noch meine Bestellung to go aufgeben. Das besondere an dem Laden ist, dass es hier veganes Essen und Bio-Produkte gibt. Das unterstütze ich gerne!

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Das Essen war wirklich sehr lecker und gut gewürzt. Würde ich wieder kaufen! Mit 16 Euro für zwei Portionen und 2 Keksen vermutlich nicht für alle erschwinglich. Allgemein war das Preisniveau aber relativ hoch auf der Insel – zumindest höher als von mir antizipiert.

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Mit einem anderen Bus ging es wieder Richtung Hotel. Und da an der Bushaltestelle, an der ich aussteigen musste, eine Bar lag, habe ich dies zum Anlass genommen, kurz einzukehren.

Der Ausblick war zwar nur semi…

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…aber die Gesellschaft nett.

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Nach dem Bier gings zurück ins Hotel zum Essen. Am Abend habe ich dann noch einen kleinen Spaziergang gemacht.

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Auch hier ist der stärker werdende chinesische Einfluss in Afrika sichtbar:

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Aber positiver Nebeneffekt: die kulinarische Vielfalt steigt.

Viele junge Anhänger des Präsidenten warben um neue Mitglieder:

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Als die Sonne langsam untergeht, mache ich wieder auf zum Hotel. Die Treppen sollte man lt. Wikitravel eher meiden, bei Dunkelheit, Alkohol und Gruppen von Männern kann ich mir das schon vorstellen. Aber ein netter Blick:

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Ohne wirkliches Abendessen ging es dann zu Bett. Hatte ja ein gutes Mittagessen und bei der Hitze verspüre ich auch keinen großen Hunger. Der nächste Tag wird wieder ein Reisetag.
 

Tesla

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13.12.2016
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AKL
Yeah, wieder ein Reisebericht von journey mit spannenden Reisezielen! Vielen Dank dafür, ich werde - wie immer - interessiert mitlesen!
 
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Tag 3

Es ist der 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit. In Praia ist davon nichts zu merken, warum auch. Das Frühstück fiel diesen Tag sehr spärlich aus: Beim Betreten des Frühstücksraumes sah ich von der Tür aus nur leere Tische, wo am Vortag noch das Buffett aufgebaut war, also machte ich auf dem Absatz kehrt. Als ich einige Zeit später wieder kam, hatte sich die Szenerie nicht wesentlich verändert, jedoch saßen auf dem Balkon Leute, die aßen. Nach Betreten des Raums stellte ich dann fast, dass es an diesem Tag kein Buffett gab, sondern an der Theke bestellt werden konnte. Meine Vermutung war, dass aufgrund der geringen Auslastung, ich sah in der Zeit nur 4 andere Gäste, einfach zu viel Essen weggeschmissen werden musste. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit reichte es dann nur noch für zwei Sandwiches auf die Hand.

Kurz nach 9 Uhr erreichte ich wieder den Flughafen, benannt nach Nelson Mandela.

Das obligatorische I love xyz-Foto konnte ich auch noch machen:
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Vor dem Flughafengebäude fand noch der erste Dokumentencheck statt: mit Pass, Covid19-Impfung und PCR-Test hatte ich aber alles zusammen.

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Im Flughafen war nicht viel los. Außer Flügen nach Lissabon, auf die anderen Inseln der Kapverden oder nach Dakar war nichts angeschlagen.

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Wenig später konnte der Air Senegal Flug 208, durchgeführt als wet lease, geboardet werden (Bild nach Ankunft in Dakar).

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Zu Essen gab es auf dem Flug mehr als auf den drei europäischen Flügen wenige Tage zuvor:

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Da das Baguette natürlich mit Wurst belegt war, wanderte es unangerührt in den Rucksack. Darüber wird sich ein Straßenhund sicher freuen.

Beim Anflug auf Dakar wieder festgestellt, wie interessant das Land von oben aussieht. Da würde ich eines Tages gerne nochmal mit dem Rad über Land fahren.

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In Dakar war zu der Zeit noch weniger los als in Praia. Auf der Anzeigentafel der Departures erregte nur Kayes, Mali meine Aufmerksamkeit. Zu Mali gucke ich mir seit geraumer die Reisehinweise des AA an, aber die Sicherheitslage wird einfach nicht besser. Zwar hätte ich keine zu großen Bedenken nach Bamako zu fliegen, aber Timbuktu, das ich auch gerne sehen möchte, ist noch off limits.

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Der PP bietet hier Zugang zu zwei Lounges, der Top Kapi und der Odyssee. Vor meiner Reise wurden beide noch als geschlossen geführt, umso mehr war ich überrascht, dass beide nun geöffnet waren. Ich entschied mich für die Top Kapi.

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Drinnen gab es mehrere warme und kalte Speisen und Getränke. Für mich gab es Cola, Bier, Salat und gedünstetes Gemüse. Vor allem der Salat war gut – leicht scharf.

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Als die Zeit fürs Boarding für den Weiterflug nach Nouakchott (NKC) angebrochen war, dackelte ich zum Gate. Dort stand zu dem Zeitpunkt noch eine Maschine der Eurowings rum, vermutlich als Teil des Umlaufs nach Banjul, Gambia.

Auch nach einiger Zeit änderte sich an dem Bild nichts. Nicht mal, nachdem die Abflugzeit vergangen war.

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Langsam machte sich Unruhe am Gate bereit und immer wieder traten einzelne PAXE vor, um das Personal nach Infos zu fragen. Diese gab es aber nicht. Irgendwann gab es eine Durchsage, dass der Flug auf unbestimmte Zeit verschoben sei. Das nutzte ich, um die Odyssee Lounge eine Etage über dem Gate zu testen. Sie glich der anderen wie ein Schuh dem anderen. Lediglich die Möbel waren etwas anders arrangiert. Immerhin wusste ich so, dass der Salat mir schmeckte und nahm noch eine Portion. Nachdem nach einiger Zeit ein Flugzeug von Air Senegal landete, machte ich mich wieder auf den kurzen Weg nach unten. Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir zum Boarding aufgerufen wurden. Wenig später fanden wir uns dann vor einer Maschine der Transair wieder. Nach Ansage der Crew waren die Sitzplätze der Boardkarten hinfällig und wir sollten uns einfach irgendwohin setzen. Scheinbar wurde von Air Senegal kurzfristig eine Ersatzmaschine besorgt.

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Zwei kleine Törtchen später wurde NKC erreicht. Leider war ich in der Schlange am Visa/Immigration-Schalter einer der letzten. Der Prozess lief aber erstaunlich schnell: zuerst Fiebercheck, dann Ausfüllen eines Formulars, Anfertigen eines Fotos und Bezahlen der 55 Euro, dann das ganze Stempeln lassen und schwupps, war ich im Land. Eine letzte Hürde war der Gepäckcheck: beim Röntgen wurden bei mir Auffälligkeiten festgestellt: mehrere Container mit Flüssigkeiten. Dazu muss man wissen, dass MRT ein dry country ist. Die Einfuhr von Alkohol und Schweinefleisch in das muslimische Land ist untersagt. Ich wurde in einen kleinen Nebenraum geführt, wo noch ein weiterer Fluggast seinen Koffer öffnen musste. Nachdem ich aber originalverschlossene Wasserflaschen und eine Coladose präsentieren konnte, durfte ich gehen. Das Sandwich wäre sicher auch kein Problem gewesen, da ich Schweinefleisch im Senegal auch eher selten vermuten würde.

Am Geldautomaten erhielt ich nicht die ganze gewünschte Summe an Geld, was auch damit zusammengehangen mag, dass nur 1 von 4 ATMs funktionierte. Da mich kein Hotelshuttle erwartete und ich keine Lust hast, noch länger zu warten, nahm ich für 1000 Mauretanische Ouguiya (MRO) knapp 24 Euro ein Taxi. Der Flughafen liegt aber auch rund 30 km außerhalb der Stadt.

Das Hotel Azalai hat keinen Aufzug, wie so viele Gebäude in der Stadt, man baut eher in die Breite. Fläche ist ja auch genug da. Die US-Botschaft, an der wir vorbeifuhren, dürfte flächenmäßig die größte sein, die ich jemals sah. Auf dem Gelände stand sogar ein eigenes Windrad.

Das Zimmer war solide:

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Da ich noch Hunger hatte, es aber mittlerweile 22 Uhr war, ging ich nur noch kurz raus. Nach ca. 10 Minuten fand ich ein Restaurant, dass mir etwas ohne Fleisch zubereiten konnte: gebratener Reis und eine kleine Suppe.

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Danach ging es zurück ins Hotel und ins Bett.
 

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Tag 4

Blick vom Hotelbalkon. Die menschenleere Straße war nun wesentlich belebter:

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Das ein oder andere Adlerauge erkennt vielleicht alte Autos von Merced, die hier als Taxis verkehren oder Tuk Tuks, wie man sie aus Indien kennt.

Einen Pool gibt es auch, ich hatte aber keine Badehose eingepackt:

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Am nächsten Morgen stand der Erwerb einer SIM-Karte auf dem Programm. Nach wenigen Minuten erreichte ich einen Shop. Als Preis wurden mir wieder 1000 (24 €) genannt, es sind aber 100 MRO ( 2,4 €) gemeint. Vor ca. 5 Jahren gab es eine Währungsreform. Im Zuge dieser wurden neue Geldscheine ausgegeben, bei denen eine Null weggelassen wurde. Was früher also 1000 (alte) Ouguiya gekostet hätte, kostet dieser Tage nur 100 (neue) Ouguiya. Im Sprachgebrauch wird aber noch immer die alte „Währung“ benutzt.

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Werbung für deutsche Qualitätsprodukte:

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Straßenbild

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Auf der Strasse haben ich mir dann auch noch ein Frühstück gekauft – frittierte Teigbällchen.

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Nachbarschaft – es liegt noch der Streusand aus dem Winter rum:

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Großer Platz mit dem Präsidentenpalast im Hintergrund (Fotoverbot)

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Hotel von außen:

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Danach ging es schon wieder ins Zimmer zum Packen. Am frühen Nachmittag sollte es nach Zouerate gehen. Dorthin wollte ich nur mit minimalem Gepäck reisen. Um 11 Uhr hatte ich noch einen Termin bei Kollegen, mit denen ich mich im Vorfeld der Reise ausgetauscht hatte. Dort konnte ich auch meine Reisetasche deponieren. Die Hunde vor dem Gelände haben sich sehr über das Sandwich vom Vortag gefreut. Mit dem Tuk Tuk ging es zurück zum Hotel, um von dort das kostenlose Shuttle nutzen zu können.

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Auf dem Weg dorthin wurde ich Zeuge, wie mehrere Arbeiter den Sand von der Flughafenstraße fegten. Eine wahre Sisyphusarbeit.

Beim Warten am Gate wurde mir etwas anders. Ich merkte, dass ich in den vergangenen Tagen viel zu wenig getrunken hatte. Im schlimmsten Fall werde ich dadurch kurz ohnmächtig. Es war aber nirgends etwas zu trinken aufzutreiben. Also mussten ein paar mitgebrachte Erdnüsse als Energiequelle herhalten. Dennoch sah ich meinen Plan, auf dem Iron Ore Zug mitzufahren in Gefahr.

Einigen mag das etwas sagen, den anderen nicht. Daher lege ich euch dieses Video ans Herz:

https://www.youtube.com/watch?v=Y4EABGSesk8

Nach kurzer Zeit ging es mir wieder besser, sodass ich den Flug boarden konnte. Dieser beinhaltete einen kurzen Zwischenstop in Nouadhibou, der zweitgrößten Stadt im Land. Der Hafen bestand aus einem See von Fischerbooten:

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Nach weiteren 60 Minuten über der Wüste wurde Zouerate erreicht:

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Am Flughafen gab es nochmal einen Dokumentencheck: alle Visa wurden händisch in ein Buch übertragen, was eine Weile dauerte. Das Gepäck brauchte aber noch länger.

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Vor 18 Uhr zeichnete sich der Sonnenuntergang ab. Vor dem Flughafen sprach ich einen anderen Westerner an, der mich ob meines Akzents wohl als deutschen identifizierte. Er war Portugiese, arbeitete aber seit Jahrzehnten für eine deutsche Firma im Bereich Mining. Klar, wer (als Ausländer) in Zouerate arbeitet, tut das mit 99 % Wahrscheinlichkeit im Mining. Ich fragte ihn nach einem Taxi, aber er bot mir an, mich mitzunehmen bzw. einen Kollegen zu bitten mich mitzunehmen. Meinen Plan, auf dem Zug mitzufahren, fand er abenteuerlich bis verrückt.

Sein Kollege setzte mich später am Hotel Tiris ab. Mit Sicherheit nicht das beste Hotel am Platze und mit 45 Euro für das gebotene auch nicht das günstigste, aber ich wählte es ob der Lage. Es lag unweit des Büros des Minenbetreibers und somit der für den Zug verantwortlichen Stelle. Hier wollte ich morgen Zeiten und alles weitere erfragen.

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Was mir in Zouerate wesentlich besser gefiel, war das Klima: heiß und trocken. So halte ich das aus, ohne die Luftfeuchtigkeit. Am Abend hatte ich nur noch zwei Ziele: etwas zu essen und viel zu trinken.

Ein Restaurant war schnell gefunden, zufällig traf ich dort auch den Deutschen mit den Kollegen wieder, die sich dort Essen abholten.

Für mich gab es wieder riz aux legumes. Auch wieder gut, und mit Limonen und Oliven mal etwas anderes.

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Danach kaufte ich noch 6 x 0,75 l Wasserflaschen, die ich bis auf eine, noch in mich reinkippte. In Vorfreude auf den nächsten Tag schlief ich schnell ein.
 

Xavileen

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12.05.2020
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Herzlichen Dank für deinen Bericht! Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Da ich hierzu bislang online keine Infos gefunden habe: war es als Tourist möglich einen PCR Test in Nouakchott oder anderen mauretanischen Städten zu buchen?
 
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Herzlichen Dank für deinen Bericht! Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Da ich hierzu bislang online keine Infos gefunden habe: war es als Tourist möglich einen PCR Test in Nouakchott oder anderen mauretanischen Städten zu buchen?
Ja, das geht. In NKC gibt es wohl zwei Stellen. Eine für alle und eine weitere für Diplomaten, Offizielle etc. Ob in anderen Städten die Möglichkeit besteht, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich musste aber keinen Test machen. Aber das wird noch Teil einer der nächsten Fortsetzung sein ;) I
 
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Tag 5 und 6

Der Tag begann gegen 8 Uhr, schließlich wollte ich meine Erledigungen sobald wie möglich erledigt haben.

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Aus diversen Quellen im Internet hatte ich gelesen, dass es am besten wäre, gg. 11 Uhr beim SNIM-Büro nachzufragen, wann der Zug mit Passagierabteil fahren würde. Vor 14 Uhr sei dies aber unwahrscheinlich.

Auf meiner Einkaufsliste stand: Wasser, Essen, Turban und Tasche. Am Vortag hatte ich einen Shop ausgemacht, wo ich 1,5 l Flaschen erstehen könnte. Dort kaufte ich 7 Flaschen, 4 Dosen Fanta und mehrere Packungen Kekse. Um das ganze schleppen zu können, wollte ich mir so eine Plastiktasche kaufen, die auch oft im asiatischen Raum als Koffer benutzt wird. Zum Glück war der Markt nicht allzu weit entfernt und ich wurde schnell fündig. 3 m Stoff als Turban, um sich gegen Sand zu schützen war auch schnell gefunden. Der Verkäufer demonstrierte mir auch noch, wie dieser korrekt gewickelt wird. Als nächstes stand noch weitere Verpflegung auf dem Plan. Hier gab es wieder die frittierten Teigbällchen. Und da ich noch an einem Stand mit frischem Brot vorbeikam, habe ich da auch gleich noch einen Leib gekauft. Damit waren die Vorbereitungen erstmal abgeschlossen. Ich ging nochmal aufs Zimmer, um dessen Annehmlichkeiten zu genießen.

Mit steigenden Temperaturen wurde es drinnen unangenehmer und gesellte mich nach draußen. Mal vor dem Hotel, mal im Garten. In meinem Marschgepäck befanden sich u.a. ein Schlafsack, dicke Pullies, Taschenlampe, Powerbank mit Solarzellen und eine Skibrille. Zusammen hatte ich dann zwei Taschen.

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Beim Warten kamen auch hier immer wieder die alten MB vorbei. Bei manchen wundert man sich, dass diese noch fahren. Wie viele KM die schon gelaufen sind?!

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Mein Plan sah vor, ein Ticket für das Passagierabteil zu kaufen. Just in Case. Ich wollte dennoch erstmal auf der Ladung mitfahren. Zeitgleich wollte ich mir auch die Möglichkeit offenhalten, beim ersten Stopp nach 5 h, in Choum, umzusteigen.

Ein Mitarbeiter vom Hotel war dann nochmal mit mir im „Eisenbahnbüro“.

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Dort erhielten wir eine Telefonnummer, die uns mehr Infos geben sollte. Der Besitzer vom Hotel rief an, weil er Hassania sprach, das sich größtenteils mit dem Arabischen deckt und ich mit meinem Französisch nur Probleme gehabt hätte. Dort hieß es dann, gegen 16 Uhr fährt der Zug vom Bahnhof Tazadit ab. Gegen 15 Uhr nahm ich ein Taxi zum Bahnhof, der sich am Fuße der Berge befand.

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Hier kamen auch gleich die ersten Güterwägen in Bild, diese waren jedoch leer:

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Mein Taxi setzte mich vor dem Bahnhof ab:

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Dort konnte ich auch eine Menge von Rangierarbeiten beobachten. Aus nächster Nähe. Hätte ich gefragt, hätte ich sicher auch auf der Lok mitfahren können. Denn die Bahnarbeiter waren sehr freundlich, sie luden mich sogar zum gemeinsamen Mittagessen/Abendessen ein.

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Beim Essen, das ich dankend ablehnte, hieß es dann auch, dass der Zug nicht vor 20 Uhr abfahren und ca. 20 Stunden für die ca. 700 km brauchen würde. Also noch mehr Zeit totschlagen. Außerdem wollte ich gerne noch im Tageslicht los, um mich auf dem Zug einrichten zu können und mir die Sonnenstunden gut einzuteilen. Sprich ersten 5 h in der Sonne, dann 10 h Nacht/moderate Hitze und dann nochmal 5 h Sonne.

Bei meinem Rundgang habe ich dann diesen alten Wagen gesehen:

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Der Train du Desert. Wenn man in dem mitfahren kann, dann wäre ich dem nicht ganz abgeneigt. Ich hatte nämlich die Angst, dass im normalen Passagierwagen die Fenster verrammelt werden und man keinen Ausblick nach draußen hätte.

Die Bahnhofslounge habe ich auch noch gesehen:

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Ferner sah ich, ca. 1 km von der Stelle entfernt, wo ich wartete, eine Vielzahl an Menschen mit Gepäck. Ich ging schnell zurück zum Bahnhof und fragte, wo ich denn nun hinmüsse. Es kam mir komisch vor, dass ich am Bahnhof der einzige Fahrgast war. Daraufhin kam etwas Unruhe rein, ich wurde mit Gepäck zu einem Auto geführt und ca. 2 km weiter rausgelassen. Dort stand ein Passagierwagen, vor dem sich die Leute drängelten. Ich stellte mich an und nach einiger Zeit konnte ich an Bord gehen. Dort wurde mir ein Platz in einem 6er Abteil zugeteilt. Der Preis waren 2-300. Das war gegen 19-20 Uhr. Von meinen Mitreisenden erfuhr ich, dass es wohl Mitternacht werden würde, bevor wir starten würden. Das war für meine Stimmung nicht förderlich. Dennoch machte ich mich mit Taschenlampe auf den Weg, um die Güterwagen zu suchen. Fand aber nur einen. Als ich die Leiter emporstieg, stellte ich fest, dass dieser bis auf ein paar Personen leer war. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich dorthin umsetze. Dagegen sprach, dass dort schon mehrere Leute saßen, und der Ausblick auch nur nach oben möglich war. Also ging ich wieder zu meinem Platz im Abteil. Steige ich halt in Choum um.

Gegen 21:30 fuhr eine Lok an uns vorbei und alle meinten, nun ginge es los. Und tatsächlich, wir fuhren los! Sofort wurde das Essen ausgekramt und auch mir wurde wieder etwas angeboten.

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Das war die Reisegruppe (Bilder sind vom zweiten Tag). Besonders mit dem jungen Mann vorne links habe ich anfangs viel geredet. Er wollte sein englisch trainieren. Das hat er sich bei Netflix beigebracht. Ich war davon sehr überrascht. Auch davon, dass der die deutsche Serie Dark kannte (und mochte). Er war ein ziemlicher Film Freak (Lieblingsfilm: The Shawshank Redemption). Im Zug wurde auch musiziert und gesungen. Apropos: was mich ebenfalls überraschte, dass nur so viele Tickets für den Zug verkauft wurden, wie es Sitzplätze gab. Strenggenommen sogar noch weniger: An den Sitzen waren je 4 Sitzplatznummern angebracht, die SNIM verkaufte aber nur je 3 Plätze.

Die Fahrgäste verstießen aber so ziemlich gegen jede Regel: es wurde im Zug vor den Toiletten geraucht, es wurden Gaskocher benutzt, um das Teewasser zu erhitzen, etc. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Mit fortschreitender Zeit wurde es ruhiger und wir schliefen ein. Nur ab und zu geweckt vom abrupten Bremsen.

Irgendwann knallte es und wir kamen zu einem Stopp. Meine Mitreisenden meinten, wir wären in Choum angekommen. Aber sofort setzen wir unsere Fahrt fort. Für mich rückte die Option in Choum umzusteigen in immer weitere Ferne, da ich nicht einzuschätzen vermochte, wie lange wir hielten und wo genau ich einen Platz auf der Ladung erhalten würde. Nach einiger Zeit hielten wir erneut und ich guckte aus dem Fenster. Dieses Mal schien es tatsächlich Choum zu sein. Ansagen gibt es nämlich nicht. Es handelt sich nicht um einen Passagierzug. Wir sind als Beförderungsfälle nur Beiladung zum Eisenerz. Draußen sah ich einen Himmel voller Sterne. Leider konnte ich das nicht im Bild einfangen (es gibt kein Licht im Zug, sodass ich meine Kamera hätte justieren können), aber der ganze Himmel war voll!

Eigentlich sollte der Stopp in Choum 10 Minuten dauern, aber das war definitiv weniger. Mit Sonnenaufgang konnte ich dann auch bessere Bilder machen:

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Nachts und bei offenem Fenster wurde es so frisch, dass ich mir einen Pullover überziehen musste.

Ab und zu hielten wir noch an, aber ich traute mich nie weit weg vom Zug zu gehen, da dieser unvermittelt weiterfährt. Es würde mich nicht wundern, wenn wir den ein oder anderen Passagier unterwegs verloren haben, der kurz austreten oder beten war. Viele haben auch im Gang des Zugs gebetet…andere haben dort geschlafen.

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Mein Lieblingsplatz war in der Tür. Aber gut festhalten, beim ruckartigen Beschleunigen flogen manchmal Leute durch die Gegend:



Die Zeit verging erstaunlich schnell. Aber ca. 50 km vor Nouahdibou kamen wir zum Stehen. Nach einigen Minuten kam Hektik ins Spiel. Ich fragte, ob es ein Problem gäbe. Es hieß nein. Doch nach weiteren 30 (?) stiegen die ersten Leute aus und gingen zur nahen Straße. Ein Mitfahrer erklärte mir, dass es wohl ein Problem mit einer der Loks gibt. Mir wurde angeboten mit auszusteigen und die letzten Kilometer per Taxi zurückzulegen. Das nahm ich gerne an.

Lange Zeit dachte ich, dass MRT prädestiniert für Sonnenenergie sei. Aber Windkraft! Was da für ein Wind weht...





Schon bald fuhren die ersten bestellten Taxis (natürlich MB) vor:





Nachdem unser Taxi kam, fuhren wir mit 7 Mann (Fahrer, 2 auf dem Beifahrersitz und 4 auf der Rückbank, gängige Beladung) Richtung Stadt. Von unterwegs checkte ich das Hotelangebot der Stadt und entschied mich für das Hotel Tasiast, das wir nach handgestoppten 21h und 3m erreichten.

Lt. Taxifahrer sollte es nur rd. 40 Euro pro Nacht kosten. Im Hotel angekommen waren es dann zwar 80, aber das war mir der bescheidene „Luxus“ wert.





Nachdem ich ausgiebig geduscht habe, ging ich noch schnell eine Pizza essen. Das Einzige was mir in Erinnerung blieb, war der Dress der Bedienung. Für Mauretanien war dieser sehr knapp. Danach fuhr mich ein Angestellter des Hotels noch zu diversen Busgesellschaften, da ich am nächsten Tag schon wieder zurück nach Nouakchott wollte. Das stellte sich als ziemliches Unterfangen heraus. Firma 1,2 und 3 hatten keine Plätze mehr frei. Bei Firma 4 war ich auf der Warteliste. Mir wurde aufgetragen, am nächsten Morgen um 9 Uhr auf der Matte zu stehen. Als Grund für die hohe Auslastung wurde mir erklärt, sei die Schonzeit für die Fische schuld. Daraufhin würde viele Fischer zurück in ihre Dörfer reisen.

Zurück im Hotel endete ein Tag voller toller Eindrücke.
 

zimbowskyy

Erfahrenes Mitglied
29.11.2016
438
125
CGN
Beim Threadtitel dachte ich noch: "Ah ok, ein weiterer Bericht über Dubai..." weit gefehlt :ROFLMAO: wohl einer der exotischsten Berichte hier im Forum. Danke dafür, auch wenn das für mich ja absolut nichts wäre
 

Travel_Lurch

Erfahrenes Mitglied
15.09.2009
1.836
78
Wow....kein Vergleich zu DB. Da bekommt "Pünktlichkeit" eine ganz andere Bedeutung :ROFLMAO:
Aber im Ernst......Reisen ohne Planbarkeit sorgt manchmal für schöne Erinnerungen. Es macht auf jeden Fall echt Laune, virtuell mitzureisen.
Vielen Dank fürs Erstellen des Reiseberichtes! 🤝
 
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StephanESS

Reguläres Mitglied
05.01.2012
99
5
Grandioser Bericht, vielen Dank !

So wie ich nicht auf die Malediven fahren werden, so werde ich wohl auch nicht nach Mauretanien kommen. Daher auch Dir vielen Dank fürs Mitnehmen.

zu meinem Verständnis eine nitty-gritty-Frage: ist in "das wir nach handgestoppten 21h und 3m erreichten" bei der Stunden-Angabe ein Typo ? es ging doch um 50 km ?
 
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Afreaka

Erfahrenes Mitglied
29.01.2017
260
75
SCN/AJY
Danke für den tripreport, da lese ich sehr gerne mit.

Konntest du eigentlich in Erfahrungen bringen ob die Mitfahrt auf der Ladung des Zuges erlaubt oder zumindest toleriert wird? Klar, die locals wollen natürlich alle in den Passagierwagen. Wer will schon freiwillig 20h Erzstaub einatmen, gerade wenn man auf der Strecke öfters unterwegs ist. In dem oben verlinkten Video von Eva zu B. (kannte ich schon) gibt es ja auch einen Moment, wo sie und ihr mitreisender Drohnenpilot fast von einem Polizeiwagen entdeckt worden wären.

@StephanESS:
Die Zeitangabe müsste Bahnhof Zouerat - Hotel Nouadhibou sein.
 

Hene

Erfahrenes Mitglied
27.03.2013
2.748
267
BER
Danke für den tripreport, da lese ich sehr gerne mit.

Konntest du eigentlich in Erfahrungen bringen ob die Mitfahrt auf der Ladung des Zuges erlaubt oder zumindest toleriert wird? Klar, die locals wollen natürlich alle in den Passagierwagen. Wer will schon freiwillig 20h Erzstaub einatmen, gerade wenn man auf der Strecke öfters unterwegs ist. In dem oben verlinkten Video von Eva zu B. (kannte ich schon) gibt es ja auch einen Moment, wo sie und ihr mitreisender Drohnenpilot fast von einem Polizeiwagen entdeckt worden wären.

@StephanESS:
Die Zeitangabe müsste Bahnhof Zouerat - Hotel Nouadhibou sein.
Bin mal vor ein paar Jahren auf dem Erz mitgefahren ex-Choum, das ging problemlos (wenn man vom Erzstaubproblem einmal absieht). Da gab es auch noch einige andere Interessenten...

Toller Bericht, hat Seltenheitswert hier im Forum. Vielen Dank!

Mich würde interessieren, wie es um die Fischmehlfabriken in Nouadhibou bestellt ist. Arbeiten die gerade auf Vollast? Vor drei Jahren war ich da mal auf Feldforschung im Fischereibereich. Da wurden schiffrumpfweise Makrelen (und andere eigentlich auch gut für human consumption nutzbare Fische) durch Rohre von russischen und türkischen Trawlern in (zum größten Teil chinesische) Fabriken gepumpt und dann dort mit entsprechender "Geruchsbelastung" (um es mal positiv auszudrücken) in Fischmehl und -öl verwandelt. Örtliche Kleinfischer mit ihren Pirogen hatten hingegen das Nachsehen: Überfischung ist ein erhebliches Problem, auch kommt es regelmäßig zu tödlichen Unfällen, weil ausländische Schiffe in der 7-Seemeilen-Zone fischen (was sie eigentlich nicht dürfen).

Zwischen Nouadhibou und Nouakchott lohnt ein Halt im Parc National du Banc Arguin. Das war einer der ersten portugiesischen Flotten- und Sklavenhandelsstützpunkte im 15. Jahrhundert, dann heiß umkämpft zwischen Niederländern, Franzosen und Brandenburgern (!), außerdem ein Weltnaturerbe-Gebiet/Rastplatz für Millionen von Zugvögeln.

Die uralten MBs bei dir in Mauretanien erinnern mich an wahrscheinlich ebenso alte Audi 80/100 hier in Kasachstan. In manchen ländlichen Gegenden nach wie vor die beliebtesten und auch mit Abstand häufigsten Kfzs (im Volksmund ob ihrer Form liebevoll 'Hering' genannt), weil sie einfach nicht kaputtzubekommen sind.
 
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B773ER

Erfahrenes Mitglied
19.11.2014
890
844
DRS
Interessante Eindrücke aus einer Ecke, in der ich wahrscheinlich auch nicht so schnell vorbeischauen werde. Generell ist Afrika noch ein relativ großer weiter Fleck auf meiner Landkarte, aber das wird schonmal irgendwann nachgeholt. Den Erz-Zug kannte ich allerdings schon aus einem Bald and Bankrupt Video. Schon abenteuerlich.
 

journey

Erfahrenes Mitglied
24.12.2009
752
250
Berlin
Nach einer Pause geht’s mit den letzten beiden Tagen auf einen Streich weiter:

Am Donnerstag stand der Transfer von Nouahdibou nach Nouakchott auf dem Plan. Wie am Vortag eruiert, muss ich gegen 9 Uhr wieder bei der Busfirma sein, um 10 oder 11 einen Platz in einem Minibus zu ergattern. Damit war ein kurzer Abstecher zum Cap Blanc passé. Das Cap liegt rund eine Stunde südlich von der Stadt und neben einem Schiffswrack und gibt es dort wohl noch vom Aussterben bedrohte monk seals. Für den Abend buchte ich wieder das Azalai, ehe ich eine WhatsApp der Kollegin erhielt, dass ich ja auch bei ihnen unterkommen könne. Trotz der nicht-stornierbaren Rate nehme ich das Angebot an. Ich kündige meine Ankunft für 16 / 17 Uhr an.

Um 9 Uhr bin ich in der Lobby und kurz danach mit dem Fahrer beim Busdepot, wo mir für den Bus um 10 Uhr ein Platz zugesagt wird. Mit „meinem“ Fahrer kaufe ich noch Frühstück: frittierte Teigbällchen. Erst nach 10 Uhr beginnt das Beladen des Minibusses.

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Aufgrund technischer Probleme kam es noch zu Verzögerungen. Nachdem der Bus repariert und beladen war, durften wir Passagiere an Bord. Ich hatte zum Glück einen Platz an der Tür, auf dem ich meine Beine ausstrecken konnte. Nach einem Tankstopp und mehreren Stopps an diversen Adressen erreichten verließen wir die Stadt. Per WhatsApp kommunizierte ich mit meiner Kollegin, die der Meinung war, dass ich einen PCR-Test bräuchte, um am nächsten Tag das Land per Flugzeug verlassen zu können. Das ging etwas hin und her. Sie fragte auch noch bei anderen Kolleg*innen nach, die sie in ihrer Antwort bestärkten. Ich war der Ansicht, dass dies nicht notwendig sei. Denn weder AA, noch TK, noch Timatic machten hier diesbezüglich Vorgaben. Dennoch arrangierte sie mir für den Folgetag einen Termin.

Die Fahrt zog und zog sich. Bei jeder Polizeikontrolle (zählte bis zum Ende 8 Stück) mussten wir anhalten und Ausweise vorzeigen. Auf halber Strecke gab es eine Pause. Von dort versuchte ich das Büro von TK zu erreichen, um Sicherheit zu erhalten. Ich erreichte jedoch niemanden. Stattdessen schrieb ich eine E-Mail und bekam innerhalt von 2 Minuten eine Antwort mit Auszug aus Timatic: PCR/Antigen-Test nicht notwendig, sofern geimpft und kein Hochrisiko-/Varianzgebiet.

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Nach ca. 30 Minuten Pause setzten wir unsere Fahrt fort, kamen aber nicht weit. Polizeikontrolle. Unser Fahrer musste an die Seite fahren und wir mussten dann warten. Und warten, beten und warten.

Auf der Strecke ist erstaunlich wenig los.

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Am Ende dürfte es eine gute Stunde gewesen sein. Als ich einen Mitreisenden fragte, was los sei, deutete er aufs Dach und sagte Volumen. Vermutlich hatten wir zu wenig Gepäck 😉

Das war so gegen 15/15:30. Der Zeitplan war also nichtmehr zu halten. Tatsächlich erreichten wir erst gg. 20Uhr 30 Nouakchott. Am Ende war es schon kriminell. Im Dunkeln mit schlecht oder gänzlich ohne Licht fahrenden Autos auf einer Straße zu sein, ist weniger cool. Wir mussten das ein oder andere Mal spontan in die Wüste ausweichen. Abends rief ich noch im Hotel an, ob man aus Kulanz noch die Nacht stornieren könne. Ginge nicht, wurde mir gesagt.

Nachdem wir NKC erreichten, nahm ich mir schnell ein Taxi und ließ mich zum Haus der Kollegin fahren. Dort schilderte ich der Familie und erhielt sogar noch ein Bier.

Am nächsten Tag sollte ich um 9 Uhr mit dem Mann und dem Fahrer zum Corona-Test fahren. Durch ein Missverständnis kam es aber nicht dazu. Aber ich war sowieso der Meinung, keinen zu benötigen. Als der Mann des Hauses noch Sachen zu erledigen hatte, brachte mich der Fahrer zum Hotel. Dort konnte ich die Nacht doch noch stornieren und mir wurde nur eine Rate für ein paar Stunden, bis mich das Shuttle zum Airport fahren würde, berechnet. Daraufhin bin ich nochmal raus und habe mir frittierte Teigbällchen und Cola gekauft.

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Gegen Mittag mache ich mich früh auf zum Flughafen. Ich wollte alsbald Gewissheit, ob ich werde fliegen könne oder nicht. Die Straße zum Flughafen soll wohl mal eine Allee werden:

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Ich war so früh am Flughafen, dass ich mit anderen Passagieren warten musste, ehe wir ins Gebäude durften. Vor dem Eingang fand der erste Check statt. Auf die Frage nach meinem Coronatest erwiderte ich nur, dass ich wegen der Impfung keinen Test bräuchte. Dies reichte auch an allen weiteren Stellen.

Der Rückflug sollte eine Premiere für mich sein: mein erster BC-Flug in einem Widebody und mein zweiter BC-Flug überhaupt (1. War ein Upgrade auf BOM-AUH). Am Check-in gab es den Voucher für die Lounge, die nicht Teil des PP gewesen wäre.

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Neben gekühlten Getränken gab es noch abgepackte Essensboxen. Darin Bratkartoffeln, Nudelsalat, Sandwich, Kuchen.

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Lounge wurde gg. Ende ziemlich voll. Boarding begann rund 45 Minuten später. Das Vergnügen in einer „richtigen BC“ zu fliegen, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, das aber niemand sehen konnte ob der Maske.

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Der Flug nach IST beinhaltete einen Zwischenstopp in DSS. Dort wurde der Platz neben mir besetzt. Mein Sitznachbar war wohl eine (lokale) Berühmtheit. Vom Personal, auch aus Reihe 0, kamen zu uns, und wollten ein Foto von meinem Nebenmann. Tatsächlich hatte dieser eine gewisse Ähnlichkeit mit Salif Sane, Fussballer bei Schalke 04, tatsächlich handelte es sich aber um einen Spieler von Galatasaray. Geduldig erfüllte er jeden Fotowunsch. Ich ließ ihn in Ruhe aus seinem Handy daddeln und schaute The Shawshank Redemption, den Lieblingsfilm meiner Zufallsbekanntschaft aus dem Zug.

Apropos Internet. Da konnte ich nicht meckern:

img_20211008_18150965uekc1.jpg


Beim Essen auch nicht. Im Vorfeld bestellte ich das vegane Sondermenü. So gut TK in der Luft sein mag, am Boden – hier Telefonhotline – besteht noch Verbesserungspotenzial.

Vorspeise:

img_20211008_21423684o1krn.jpg


Hauptgang:

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Wenig später den Sitz in Schlafposition gestellt und ein paar Stunden solide geruht. IST wurde kurz vor 6:30 Uhr erreicht. In einer guten Stunde sollte der Flieger gen Berlin abheben. Bis wir einen Finder hatten, dauerte es aber. Nach dem Aussteigen musste man auch erstmal in die entgegengesetzte Richtung der Connecting Flights laufen, dann umkehren, eine erneute Siko durchlaufen und eine Treppe hoch. Kurz nach der Rolltreppe blieben aber alle stehen, wodurch ein Rückstau bis auf die Rolltreppe entstand…

Am Busgate war eine lange Schlange. Ein Prio-Boarding gäbe es nicht, sagte ein MA. Als dann irgendwann mehrere BC-Leute gefragt hatten, wurde ein improvisierter Zugang eingerichtet. Mit dem Bus ging es dann zur B777, die auf dem Vorfeld wartete. Ursprünglich war ein A330 eingeplant, aufgrund der in Berlin an dem Tag beginnenden Schulferien musste aber umdisponiert werden. 9:30 und somit rd. 10 Minuten vor der Zeit setzen wir am BER auf und erreichten den Finder. Dort mussten wir jedoch 10 Minuten warten, bevor die Türen geöffnet werden konnten. Danach ging alles schnell: ich war der erste an den elektronischen Passscannern ehe ich nochmal von einem BuPo nach meiner digitalen Einreiseanmeldung gefragt wurde, die ich allerdings nicht brauchte. Als ich am Gepäckband ankam, war meine Reisetasche schon da. Durch den grünen Ausgang zur S-Bahn und mit einem Umstieg war ich 60 Minuten später schon daheim.

Fazit: Meine erste Reise nach 1,5 Jahren hat Spaß gemacht, auch wenn alles ziemlich ungewohnt war. Ich habe Angst, dass mich die beiden Flüge in der BC etwas versaut haben. An den Comfort könnte ich mich gewöhnen. Wohin es als nächstes geht, steht noch nicht fest. Bis dahin wird leider auch noch viel Wasser die Spree hinunterfließen.
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Beim Threadtitel dachte ich noch: "Ah ok, ein weiterer Bericht über Dubai..." weit gefehlt :ROFLMAO: wohl einer der exotischsten Berichte hier im Forum. Danke dafür, auch wenn das für mich ja absolut nichts wäre
Das war auch meine Absicht. Erst sollte man an Dubai denken und dann überrascht werden :)
 

journey

Erfahrenes Mitglied
24.12.2009
752
250
Berlin
Danke für den tripreport, da lese ich sehr gerne mit.

Konntest du eigentlich in Erfahrungen bringen ob die Mitfahrt auf der Ladung des Zuges erlaubt oder zumindest toleriert wird? Klar, die locals wollen natürlich alle in den Passagierwagen. Wer will schon freiwillig 20h Erzstaub einatmen, gerade wenn man auf der Strecke öfters unterwegs ist. In dem oben verlinkten Video von Eva zu B. (kannte ich schon) gibt es ja auch einen Moment, wo sie und ihr mitreisender Drohnenpilot fast von einem Polizeiwagen entdeckt worden wären.

@StephanESS:
Die Zeitangabe müsste Bahnhof Zouerat - Hotel Nouadhibou sein.
Die Mitfahrt auf der Ladung ist erlaubt bzw. wird toleriert.
Bin mal vor ein paar Jahren auf dem Erz mitgefahren ex-Choum, das ging problemlos (wenn man vom Erzstaubproblem einmal absieht). Da gab es auch noch einige andere Interessenten...

Toller Bericht, hat Seltenheitswert hier im Forum. Vielen Dank!

Mich würde interessieren, wie es um die Fischmehlfabriken in Nouadhibou bestellt ist. Arbeiten die gerade auf Vollast? Vor drei Jahren war ich da mal auf Feldforschung im Fischereibereich. Da wurden schiffrumpfweise Makrelen (und andere eigentlich auch gut für human consumption nutzbare Fische) durch Rohre von russischen und türkischen Trawlern in (zum größten Teil chinesische) Fabriken gepumpt und dann dort mit entsprechender "Geruchsbelastung" (um es mal positiv auszudrücken) in Fischmehl und -öl verwandelt. Örtliche Kleinfischer mit ihren Pirogen hatten hingegen das Nachsehen: Überfischung ist ein erhebliches Problem, auch kommt es regelmäßig zu tödlichen Unfällen, weil ausländische Schiffe in der 7-Seemeilen-Zone fischen (was sie eigentlich nicht dürfen).

Zwischen Nouadhibou und Nouakchott lohnt ein Halt im Parc National du Banc Arguin. Das war einer der ersten portugiesischen Flotten- und Sklavenhandelsstützpunkte im 15. Jahrhundert, dann heiß umkämpft zwischen Niederländern, Franzosen und Brandenburgern (!), außerdem ein Weltnaturerbe-Gebiet/Rastplatz für Millionen von Zugvögeln.

Die uralten MBs bei dir in Mauretanien erinnern mich an wahrscheinlich ebenso alte Audi 80/100 hier in Kasachstan. In manchen ländlichen Gegenden nach wie vor die beliebtesten und auch mit Abstand häufigsten Kfzs (im Volksmund ob ihrer Form liebevoll 'Hering' genannt), weil sie einfach nicht kaputtzubekommen sind.
Also ich habe in Nouadhibou zumindest nichts gerochen. Und ich war ja auch dort, als die Schonzeit für die Fische begann. Von daher, kann ich da nichts zu sagen. Ausländische Trawler sind aber weiterhin ein Problem.

Sehr cool, dass du auf dem Zug mitgefahren bist! Wie war deine Erfahrung?
 
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