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Thema: Penang zwischen den Jahren oder reif für die Insel

  1. #1
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    Standard Penang zwischen den Jahren oder reif für die Insel

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    Prolog

    August 2018. The Wing, Hongkong. Auf den nächtlichen Flug nach Auckland wartend, spielte uns das Wetter plötzlich einen Streich, denn ein einsetzender Platzregen über Chek Lap Kok sorgte für den verspäteten Abflug der Maschine CX 113. Just in diesem Moment – Jupiter stand offenbar gerade im neunten Haus – erschien im VFT der Post des Mitforisten drivechip: Edinburgh-Penang für 783 Pfunde in C. Die geneigte Leserin weiß, was nun folgt: kurze Frage an knutschi ob's denn konvenieren würde. Pjöngjang? Nein, Penang. Nuschel ich etwa im Alter? Genehmigt. Geprüft. Gebucht. Der Flug war eingetütet, ein Hotel auf Penang ebenfalls schnell gefunden. Weihnachten kann kommen.

    Allerdings sollte es sich als besondere Herausforderungen gerieren, einen passenden Positionierungsflug nach Schottland zu finden. Mit Abflug Edinburgh am 26. Dezember zu unchristlicher Zeit – sprich um nullsiebenhundertfünfzig morgens – gibt es durchaus valide Argumente für eine Anreise am Tag zuvor. Das aber sollte der erste Weihnachtsfeiertag sein, und da herrschte kollektive Feier(tags)laune bei gängigen Luftfahrtunternehmen. Einzig unsere tulpenzüchtenden Nachbarn wollten von all dem Weihnachtsrummel nichts wissen und boten Flugscheine für die Strecke in die schottische Hauptstadt feil. Zurück ging es schließlich mit BA auf Avios, wobei wir am Ende noch zwei Tage Edinburgh drangehängt haben. Die Reise stand somit fest und es ergab sich folgendes, wenig spektakuläres Routing:

    25.12.18 MUC-AMS-EDI mit KLM / eine Nacht im Hilton Edinburgh Airport
    26.12.18 EDI-DOH-PEN mit QR / sieben Nächte im DoubleTree Resort by Hilton Penang
    03.01.19 PEN-DOH-EDI mit QR / zwei Nächte im Hilton Edinburgh Carlton
    06.01.19 EDI-LHR-MUC mit BA


    Die Anreise

    Dezember 2018. Mit jedem Tag darf ein weiteres Türchen am Weihnachtskalender geöffnet werden, bis endlich alle Schokolade erfolgreich vernichtet wurde. Zeit, die Koffer zu packen. Wie immer brachte uns der Airport Bus vom Münchner Hauptbahnhof zügig ins Erdinger Moos. Ausstieg heute allerdings nicht im T2, sondern im T1 Abschnitt D. Ein Novum: kein Status, kein Priority, kein Fast Track, keine Lounge, kein nichts. Doch, Einsteigegruppe 5. Wir sind die letzte Gruppe, die die nahezu ausgebuchte Boeing 737 betritt. Flug und Service waren absolut in Ordnung, weder besser, noch schlechter als bei der Konkurrenz. In Ermangelung einer gültigen Zutrittsberechtigung zu einer der exklusiven Wartehallen hier in Amsterdam lädt nunmehr die grüne Nixe dazu ein, uns bei Kaffee und Kuchen der bloßen Kurzweil hinzugeben. Langsam verrinnt die Zeit, bis schließlich unser Flug aufgerufen wird. Am Finger erwartet uns die blau-weiß lackierte Maschine nach Edinburgh, am Gate ein paar Fluggäste mit roten Nikolausmützen. Ach ja, es weihnachtet sehr.



    Wie der Zufall es so will, treffen wir beim Boarding auf den Tippgeber drivechip, der ebenfalls nach Penang unterwegs ist. Auch dieser Flug ist nahezu ausgebucht – ob da noch weitere Foristen an Bord sind? Neunzig Minuten später erreichen wir Edinburgh, weitere dreißig Minuten später unser Domizil für heute Nacht. Auch Mitforist drivechip ist Hiltonschläfer, der uns beim Abendessen über den Equipment Change informiert. Bei Qatar ist das ja immer so eine Sache, aber dieses Mal scheint uns das Glück hold. Für morgen steht ein A350 mit Qsuites auf dem Plan. Läuft. Um nullfünfhundertdreißig ist die Nacht vorbei und die infernalische Maschine mahnt uns zum Aufstehen. Nach kurzem Fußmarsch zum Flughafen und einem (ersten) Champagner in der Lounge folgt alsbald das Einsteigen. Ich mache es mir mit den Kindern auf 1K bequem; Knutschi hat aus Respekt vor dem Produkt sogar ihren roten Pulli angezogen. Es folgt ein weiterer Champagner und schon entschweben wir in den kalten schottischen Morgen mit Ziel Doha.



    Meine Wahl fällt auf das arabische Frühstück und – intuitiv – auf einen Shiraz aus der Weinkarte. Die Flugbegleiterin legt ihren Kopf zur Seite und mustert mich für eine Sekunde. "The Shiraz together with your breakfast?" Zugegeben, es ist kurz nach acht, vielleicht noch etwas früh für Rotwein. Ich wähle stattdessen einen Mocktail (der geschmacklich sehr lecker war) und vertage den Shiraz aufs Mittagessen. Gegen 17:45 Uhr Ortszeit erreichen wir Doha und draußen wird es bereits wieder dunkel. Tempus fugit; was für ein seltsamer Tag.



    Rein rechnerisch haben wir nun acht Stunden Aufenthalt an diesem wunderbaren Ort, wo Milch und Champagner, äh, Honig fließen. Auch für den geübten Alkoholiker stellt das eine gewisse Herausforderung dar. Insofern entscheiden wir uns für Kultur und buchen kurzerhand eine Stadtrundfahrt durch Doha. Gegenüber Gate A4 lassen sich die Tickets für 40 QAR (etwa 9,50 EUR) pro Person erwerben. Wir marschieren zur Einreise und besteigen anschließend den Bus, der vorm Flughafen auf die Gruppe wartet. Erster Anlaufpunkt ist der Dhow Harbour, von dem aus man einen guten Blick auf das im Jahr 2008 eröffnete Museum für Islamische Kunst erhält. Nächste Station ist das Kulturdorf Katara mit seiner imposanten, traditionellen Architektur.







    Es geht weiter zu The Pearl-Qatar, einer 400 Hektar großen künstlich angelegten perlförmigen Insel, die vor allem mit edlen Geschäften, zahlreichen Restaurants und Luxushotels aufwartet. Letzte Station auf der gut zweieinhalbstündigen Tour ist Souk Waqif, ein traditioneller arabischer Markt in der Nähe unseres ersten Stopps, dem Dhow Harbour. Hier fällt zunächst das Islamische Kulturzentrum Abdulla Bin Zaid Al Mahmoud auf, dessen Moschee sich durch ein einzigartiges Minarettdesign auszeichnet. Auf dem Markt selbst lassen sich allerlei (kuriose) Waren käuflich erwerben oder bei Shisha und Tee die Kühle des Abends genießen.











    Wir sind zurück am Hamad International Airport. Die verbleibende Zeit bis zum Abflug überbrücken wir mit Espresso Martini in der Al Mourjan Business Lounge. Inzwischen ist ein neuer Tag angebrochen – für mich einer der gravierendsten Nachteile beim Umstieg in der Wüste – und um kurz nach eins beginnt das Boarding für unseren Flug nach Penang. Aus der bei Buchung angezeigten Tripple Seven wurde ein Dreamliner; müde lasse ich mich auf meinen Einzelsitz 5A danieder. Die Kinder schlafen schon tief und fest und nach dem letzten (ersten?) Champagner des Tages werde ich es ihnen gleich tun. Vom Flug selbst bekomme ich nicht viel mit, erst zum Frühstück werde ich (auf Wunsch) geweckt. Die Maschine landet sanft auf dem im Süden der Insel gelegenen Flughafen. Es folgen Einreiseformalitäten und Mietwagenabholung – selten habe ich erlebt, dass mit solch hingebungsvoller Akribie jeder, aber wirklich jeder einzelne Kratzer des rundum lädierten Mietwagens auf dem Übergabeprotokoll festgehalten wird. Außerdem werden wir noch auf das Mysterium der Parktickets sowie deren Erwerb im 7-Eleven hingewiesen, bevor wir uns auf die Fahrt zur diametral anderen Seite der Insel aufmachen. Das Hilton liegt am Pantai Miami, einem Strand, der besser klingt, als er aussieht. Beim Upgrade-Lotto gewinnen wir eine King Terrace Suite mit Meerblick. Läuft. Außerdem legt man uns die Happy Hour ans Herz, als Diamond-Gäste erhalten wir natürlich Getränke und Canapés aufs Haus. Läuft. Wir verabreden uns für 18:00 Uhr mit Mitforist drivechip, der ebenfalls in diesem Etablissement abgestiegen ist. Schon wieder Alkohol; die Kinder haben ihre rechte Freude daran.







    Inzwischen haben Sonne und Mond sich abgewechselt und es wird langsam dunkel. Wo sind nur die letzten beiden Tage verblieben? Wir entscheiden uns für die Terrasse und lassen den Abend bei angenehmen 25 °C ausklingen. In Deutschland soll es bald Schnee geben. Ich erkundige mich bei knutschi nach den Plänen für morgen. Auf dem Programm steht der Penang National Park. Aber morgen ist heute noch ganz weit weg...
    Geändert von monty2006 (16.01.2019 um 08:39 Uhr)
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  2. #2
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    Tag 1: Bei den Schildkröten im Nationalpark

    Die senile Bettflucht treibt uns gegen 7:00 Uhr aus dem wohl temperierten Schlafgemach. Draußen lacht die Sonne, drinnen ist es eisig kalt – HVAC at its best. Langsam macht sich ein aufkeimendes Hungergefühl bemerkbar. Im hauseigenen Restaurant Makan Kitchen herrscht bereits Rush Hour. Zumindest will uns das die Tafel mit den farbigen Zeitintervallen so vermitteln: Alarmstufe Rot. Drinnen begegnen dem verwöhnten Gaumen dann mannigfaltige Geschmacksrichtungen, die von malaysischer bis zu westlicher Küche reichen. Es sind vor allem die frisch zubereiteten Roti, die uns anlachen und hervorragend zu den diversen Currys schmecken. Wer braucht da schon pochierte Eier mit holländischer Sauce? Gestärkt und mit den Kindern (zumindest einem Teil der Bande) im Schlepptau fahren wir die paar Kilometer auf der Jalan Teluk Bahang in westlicher Richtung, bis die Straße endet und der Taman Negara Pulau Pinang beginnt – der Penang Nationalpark. Es geht vorbei an zahlreichen Händlern, die uns ihr mehr oder minder schwimmtaugliches Gefährt für einen Ausflug zu Wasser verchartern möchten. Neben Malaysischem Ringgit darf auch gerne in Euro gezahlt werden. Vornehmlich Touristen mit bunten AIDA-Stickern auf der Brust üben sich hier im Feilschen. Wir spazieren weiter zum Bootssteg und treffen auf ein paar Affen, die gerade ihr Frühstück verspeisen. Daneben prangt ein Warnschild der Regierung: man möge nur solche Boote besteigen, bei denen der Kapitän auch die nötige Lizenz (mit Bild) innehat und zudem ausreichend Sitzplätze und Rettungsringe vorhanden sind. Die AIDA-Gruppe läuft freudestrahlend an uns vorbei und faselt etwas von 'Mangkä Bitsch'. Was nun, Bitch oder Beach? Hauptsache Italien!









    Am Eingang des Parks müssen wir uns registrieren. Die Dame verweist auf eine ausgehängte Liste, in der Name, Nationalität, Passnummer, Hoteladresse sowie Zeitstempel des Ein- und Austritts zu ergänzen sind. DSGVO kennt hier natürlich niemand. War unser ursprüngliches Ziel noch Monkey Beach und der Leuchtturm, müssen wir umplanen, denn gemäß Übersichtskarte sind Teile des Weges gesperrt. Wir entscheiden uns für Pantai Karachut – den Schildkrötenstrand – sowie den meromiktischen See. Dank der Limnologin an meiner Seite weiß ich nun, dass in meromiktischen Gewässern eine Durchmischung nur in bestimmten von einander getrennten Zonen stattfindet. Warum auch immer muss ich dabei an Latte Macchiato denken. So ein Kaffee wäre jetzt etwas Feines. Zurück zum Park. Die Karte spricht von 80 Minuten Fußmarsch, die offizielle Webseite ergänzt treffend "the trails are often wet, can be steep in parts and you may have the odd fallen tree, or group of rocks to climb over". Besser kann man es nicht formulieren. Wir machen uns auf den Weg und irgendwo in meinem Hinterkopf meldet sich Psalm 23 vom guten Hirten zu Wort: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück...







    Nach gut 90 Minuten erreichen wir unser Ziel und stehen nunmehr vorm meromiktischen See. Oder zumindest das, was von ihm übrig ist. Der See ist nämlich komplett ausgetrocknet. Logisch, dass hier keine Durchmischung stattfinden kann; das leuchtet auch dem Informatiker ein. Ein paar Schritte weiter beginnt der Strand und wir treffen abermals auf die eigentlichen Bewohner des Parks. Neugierig werden wir von Affen gemustert. Die Kinder hätten gerne ein Selfie, aber da die kleinen Biester (also die Affen, nicht die Kinder) fürs Klauen bekannt sind, verbleiben Knutschi, Streifi, Kiwi und Queeny besser im Rucksack.









    Pantai Karachut – der Schildkrötenstrand. Nur sind weit und breit keine Schildkröten in Sicht. Dafür scharenweise Boote, die bewegungsphlegmatische Touristen direkt vom Parkeingang hierher bringen. Ob da unsere AIDA-Gruppe dabei ist? Auch ein paar Sonnenanbeter haben es sich auf den wenigen hundert Metern Sandstrand gemütlich gemacht. Aus Brüllwürfeln tönen internationale Hits in malaysischer Interpretation. Bei uns würde man vermutlich Schlager dazu sagen. Atemlos durch die Nacht, spür' was Liebe mit uns macht. Danke, Helene. Jetzt bist du in meinem Kopf. Atemlos, schwindelfrei, großes Kino für uns zwei. Wo waren wir, ach ja, bei den Schildkröten. Vornehmlich gibt es auf Penang zwei Arten, die grüne Seeschildkröte, die von April bis August ihre Eier hier ablegt, und die Oliv-Bastardschildkröte, die in den Monaten September bis Februar am Strand anzutreffen ist. Unweit des Wassers befindet sich das Zentrum für Schildkrötenaufzucht. Sobald die jungen Schildkröten (nach etwa 60 Tagen) aus ihren Eiern geschlüpft sind, werden sie geschützt vor ihren natürlichen Fressfeinden (inkl. Mensch) dort aufgezogen, markiert und mit einem bestimmten Alter wieder in die Wildnis ausgesetzt. Wir hatten Glück und durften ein paar grüne Babyschildkröten bei ihren Schwimmübungen begleiten.











    Anschließend machen wir uns auf den Rückweg. Wir überwinden den Dschungelpfad ein weiteres Mal ohne größere Blessuren. Der teutonischen Tugend folgend, wollen wir uns am Parkeingang wieder austragen, aber Dame und Liste haben bereits Feierabend. Na ja, die werden schon keinen Suchtrupp nach uns losschicken. Wir fahren ins Hotel und treffen uns mit Forist drivechip zur Happy Hour. Man kennt uns bereits und der Chef des Schankraums eilt mit der Weinflasche herbei. Irgendwann gesellen sich auch die Canapés dazu. Für einen kurzen Moment kommen mir die AIDA-Touristen in den Sinn, die vermutlich schon auf dem Weg zur nächsten Station sind. Ich nippe am Wein, der eine Temperatur wie die in unserem Schlafzimmer vertragen könnte. Dann werden Pläne für den Abend geschmiedet. Wir wollen nach Batu Feringghi. Das beliebte Strandziel von Einheimischen und Touristen ist zwar kein tropisches Idyll, dafür bietet es zahlreiche Restaurants und einen Nachtmarkt. Die Wahl fällt auf 'The Ship' und bei mir auf einen gemischten Meeresfrüchteteller mit Zackenbarsch, Jakobsmuscheln, Butterkrebs, Kalamari und Garnelen.





    Gleich neben dem Restaurant hat die grüne Nixe ihr Lager aufgeschlagen. Mit betörendem Gesang lockt sie mich und verspricht Belohnung, wenn ich nur meinen Koffeinpegel aufzufrischen vermöge. Ja, grüne Nixe, ich kann dich hören. Wir betreten den Laden und finden uns im 200. Starbucks von ganz Malaysia wieder. Dazu wurde sicherlich ein eigenes Team am Pike Place beauftragt, für diesen besonderen Anlass eine gebührende Tasse zu kreieren. Aus einschlägigen Quellen weiß ich nur zu gut, dass selbst notorische Tassensammler diese nicht goutieren. Insofern bleibt unser Exemplar im Regal und wir investieren lieber in Kaffeebohnen.



    Der Tag neigt sich dem Ende zu. Wir genießen noch ein wenig die laue Abendluft auf der Terrasse, bevor wir unseren Kühlschrank, pardon, unser Schlafzimmer aufsuchen. Und morgen, Paps? Morgen, ja, morgen statten wir George Town einen Besuch ab. Gute Nacht Kinder...
    Geändert von monty2006 (18.01.2019 um 00:24 Uhr)
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  3. #3
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    Ich erlaube mir hier kurz einen kulinarischen Hinweis. Wenn Ihr Lust auf indisch habt, kann ich Enca (quasi gegenüber dem Hard Rock Hotel) empfehlen. Wie waren da letzte Woche 2 mal.

    https://www.tripadvisor.de/Restauran...g.html?m=19905
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  4. #4
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    Tag 2: George Town oder die Suche nach Kunst auf Mauern

    Fleisch reift am besten in einer Kühlkammer. Altes Metzgerlatein. Ich fühle mich wie Dry Aged Beef. Zwar habe ich keine 40 Prozent Gewicht verloren, aber im Schlafzimmer herrscht dank Klimaanlage eine Temperatur um den Gefrierpunkt. Wir eilen zum Frühstück. Die Farbskala des Makan Kitchen signalisiert für diesen Morgen gelben Alarm. Wieder entscheiden wir uns für Roti – eine gute Wahl. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von George Town, der Inselhauptstadt. Mit Stadtplan, Wasser und Sonnencreme bewaffnet, machen wir uns auf den Weg zur Parkgarage. Weinachten ist zwar längst vorbei, aber hier läuft seit Tagen ein und dasselbe Lied. Warum nur muss es ausgerechnet dieses sein? Last Christmas, I gave you my heart, but the very next day you gave it away. This year, to save me from tears, I'll give it to someone special. Wir wühlen uns durch den malaysischen Verkehr und suchen den nächsten 7-Eleven auf, um Parktickets zu erstehen. Die Tickets sehen aus wie überdimensionale Rubbellose und sind in den Varianten 30 Minuten, eine Stunde und ein Tag erhältlich. Gekauft. Nächstes Ziel: der Jubiläumsuhrenturm. Selbiger steht mitten auf der Kreuzung an der Pesara King Edward und wurde anno 1897 anlässlich Königin Victorias diamantenem Jubiläum für 60 Jahre Regentschaft erbaut. Wir stellen unseren Wagen dort ab und begeben uns nun zu Fuß auf Erkundungstour. Vorbei an der Bomba, der Feuerwache von George Town, werden wir schließlich in der Lebuh Ah Quee fündig – der Junge auf dem Motorrad, eines der wohl bekanntesten Straßenkunstwerke der Insel von Ernest Zacharevic. Der litauische Künstler hat sich 2012 im Rahmen des George Town Festivals noch an vielen weiteren Stellen der Stadt verewigt, etwa mit seinem Wandbild von Kindern auf einem Fahrrad, das nur unweit entfernt ist.









    Anfang des 19. Jahrhunderts gab es fünf einflussreiche Hokkien-Familien in Penang. Die älteste Familie, der Cheah Clan, hat hier an der Beach Street ihren Clantempel errichtet. Aufgrund einer Veranstaltung war das Gebäude für die Öffentlichkeit gesperrt, aber zumindest im Garten ließ sich noch das Wandbild Cats and Humans Happily Living Together vom Künstler ASA mitnehmen. Auch die malaysische Telekom war an diesem Morgen schon auf den Füßen; oder sollte ich sagen auf den Badelatschen. Nur gut, wer bei dem Kabelwirrwarr den Überblick behält. Unser Weg führt uns weiter zur Lebuh Armenian. Auch hier finden sich – meist in engen Seitengässchen versteckt – interessante Wandbilder, die die eine oder andere Touristin schon mal zur Nachahmung inspirieren. Wir sagen Danke fürs Modell stehen.











    An der Ecke zur Lebuh Cannon geben sich Tempel unterschiedlicher Couleur die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Wir besuchen den daoistischen Hock Teik Cheng Sin Tempel, der in den Jahren 1850 bis 1867 errichtet wurde und ebenfalls zu den Clantempeln der Hokkien-Gemeinde zählt. Er ist dem Schutzpatron Tua Pek Kong gewidmet, der daoistischen Gottheit für Wohlstand. Dem Begründer des Daoismus folgend, machen wir uns Laozis Worte gemein und beginnen unseren (langen) Marsch mit dem ersten Schritt in die Anlage. Es erwarten uns zunächst die üblichen Lampions, Drachen und Räucherstäbchen, bevor sich das prunkvolle Innere des Tempels offenbart. Wie noch öfter am heutigen und in den nächsten Tagen entledigen wir uns unsere Schuhe; ganz eifrige Touristen haben für diesen Anlass sogar Tempelsocken dabei. Im Obergeschoss des Gebäudes befindet sich schließlich der mit reichlich Gold verzierte Altar des Schutzpatrons – ja, Gott des Wohlstands, das ist kaum zu übersehen.









    Es geht weiter auf der Lebuh Cannon, die uns an allen möglichen Geschäften vorbeiführt. Von frischem Fisch und Meeresfrüchten über Street Food bis hin zu Rikschafahrten kann hier Vielerlei für wenige Ringgit käuflich erworben werden. Unser Interesse gilt vornehmlich zwei weiteren berühmten Wandbildern, die sich am Ende der Straße verbergen. Der offenkundig Katzen liebende Künstler ASA hat hier mit seiner Cat in a Blue Window genau so seine Spuren hinterlassen wie auch unser alter Bekannter Zacharevic – oder kurz Zach – mit seinem Jungen auf dem Stuhl.









    In der Lebuh Victoria treffen wir auf die Art Lane Penang, einen Hort für fesselnde Installationen und Wandbilder. Basierend auf einer Idee von Narelle McMurtrie, heruntergekommenen Gebäuden durch Kunst einen neuen Anstrich zu verpassen, wurde das Grundstück, das früher Restaurants und Läden beherbergte, kurzerhand erworben und zu einem Touristenmagneten umfunktioniert. Durften hier anfänglich noch Hinz und Kunz ihr meist nicht vorhandenes Talent zum Besten geben, so sind es heutzutage überwiegend Bilder und Exponate aufstrebender junger Künstler, die in dem langen Durchgang zu bestaunen sind.









    Kunst macht durstig. Ein Blick auf den Stadtplan verrät uns, wo die grüne Nixe auf ihre süchtigen Anhänger wartet. Das letzte braune Heißgetränk, das zumal nicht besonders schmackhaft war, wurde uns zum Frühstück kredenzt. Der anhaltende Koffeinmangel fördert John Lennons Song Cold Turkey in meinem Kopf zutage. Wahrlich aber ist es Last Christmas, welcher bei der kleinen Meerjungfrau in Dauerschleife läuft. Ist das eine besonders perfide Form von Psychofolter oder warum wird überall auf der Insel ausgerechnet dieser Song gespielt? Bevor nun unsere kognitiven Gehirnfunktionen vollständig degenerieren, trinken wir schnell unseren Kaffee und machen uns wieder auf den Weg, obgleich selbiger an vielen Stellen durch Motorräder oder zum Trocknen ausgelegten Fisch versperrt wird. Vom rechten Weg abkommend, entdecken wir dabei eher zufällig das Easter Egg Girl, welches an einer Wand prangt und immerhin unter den 25 schönsten Wandbildern Penangs gelistet wird.







    Unser nächstes Ziel ist die Kapitan Keling Moschee. Im Jahr 1801 von indischen Händlern erbaut, steht sie im Zentrum der islamischen Gemeinde von George Town. Leider ist unser Timing suboptimal, denn vom Band ruft der Muezzin zum Gebet. Wir spazieren ein wenig durch die äußere Anlage, aber die große Gebetshalle mit dem riesigen Kronleuchter werden wir heute nicht zu sehen bekommen. Dafür aber zwei Wandbilder in der anschließenden Lebuh Chulia, bevor es bunt und laut wird und wir mitten in Little India stehen. Aus den Lautsprechern dröhnen ausnahmsweise nicht George Michael und Andrew Ridgeley, sondern Punjabi Dance Hits in bester Bollywood-Manier. Warum noch mal sind wir hier? Ach ja, wegen Old Soy Milk Stall und Louis Gans Children on the Swing.













    Manchmal steht man vor der schwierigen Frage, ist das Kunst oder doch eher etwas für die Müllabfuhr? Wir studieren das eklektische Werk eine Weile. Aber irgendwie kann ich keinen Zugang finden. Also doch nur Müll. Banause höre ich da imaginäre Stimmen über mich urteilen. Bloß schnell weiter.



    Unter Einsatz von Leib und Leben queren wir die stark befahrene Pengkalan Weld und erreichen schließlich den Lim Jetty. Der Landungssteg ist einer von sechs Clanstegs und wurde nach einer japanischen Bombardierung im zweiten Weltkrieg wieder vollständig aufgebaut. Heute ist er primär Anlaufpunkt für Street Food sowie Bootsausflüge und dient Touristen als dankbares Fotomotiv. Vom Steg aus lässt sich die andere Seite, also die Malaiische Halbinsel, gut erkennen, die etwa zwei Kilometer übers Wasser entfernt liegt. Nach dem Motto verschönert unseren Jetty dürfen natürlich auch hier Wandbilder (passend zur Szenerie) nicht fehlen. Wir kommen an einem Laden vorbei, der Durian-Softeis feilbietet. Nun, wer Durian kennt, weiß um deren – na ja – einzigartigen Geschmack. Ich will nicht, aber die schiere Neugier zwingt mich dazu. Der Verkäufer befüllt die Waffel mit der weißen, kühlen Köstlichkeit, die mir ein Verzücken ins Gesicht zaubert. Schmeckt das widerlich, selbst die Kinder danken. Noch lange Zeit später habe ich dieses gustatorische Highlight auf der Zunge. Wir kommen am Ende des Stegs an, von hier ist der freie Blick auf die Penang Bridge – eine 13,5 Kilometer lange Schrägseilbrücke – möglich, die zusammen mit der Sultan Abdul Halim Muadzam Shah Bridge (oft nur als Penang Second Bridge bezeichnet) die Insel mit dem Festland verbindet.









    Letzte Station unserer Rundtour ist die Esplanade gegenüber Fort Cornwallis. Hier hat Captain Francis Light im Jahr 1786 die Insel Penang unter dem Namen Prince of Wales Island als Besitztum des Britischen Empires proklamiert. Dort steht auch das Kenotaph, das leere Grabmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Eine Hinweistafel (gesponsert von der Deutschen Botschaft) erinnert darüber hinaus an die SMS Emden, einen kleinen Kreuzer der Dresden-Klasse (paging MrGroover). Die Emden hat im Oktober 1914 zunächst den russischen Kreuzer Schemtschug im Hafen von Penang versenkt, bevor sie beim Auslaufen auch noch den französischen Torpedobootzerstörer Mousquet auf den Meeresboden schickte. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das 1880 von den Briten erbaute und inzwischen älteste kommunale Gebäude der Stadt, das Rathaus, sowie der Eingang zum Exerzierplatz 'The Padang' inklusive Speakers' Square (in Analogie zur Speaker's Corner im Londoner Hyde Park), einer öffentlichen Bühne, die mittwochs und sonntags zwischen 18 und 22 Uhr für mitteilungsbedürftige Menschen zur Verfügung steht. Aber Vorsicht: Those wishing to speak at the Speakers' Square shall do it at their own risk. The Penang state government and the Penang Island City Council are not responsible for any prosecution or legal action taken by the Royal Malaysian Police. Soll ja keiner behaupten, man hätte ihn nicht gewarnt.







    Wir beenden unseren Ausflug und kehren pünktlich zur Happy Hour ins Hotel zurück. Heute allerdings ohne den Mitforisten drivechip, da sich dieser bereits auf dem Rückflug nach Edinburgh befindet. Um 19:00 Uhr geht's dann per kostenlosem Hotelshuttle (aufgrund der knappen Plätze Reservierung unbedingt am Vortag erledigen) nach Batu Ferringhi, die Restaurantwahl fällt an diesem Abend auf das 'Golden Thai Seafood Village'. Das Procedere ist einfach: am Eingang sucht man sich das Abendessen aus einem der Bassins aus, dann setzt man sich an den Tisch und wartet auf die fertigen Speisen, während man die Show genießt. Irgendwie arg touristisch das Ganze – die Speisen dafür relativ teuer und eher enttäuschend. Bevor wir nun zu Wiederholungstätern werden und der grünen Nixe frönen, steht noch eine Fußmassage auf dem Programm. Dreißig Minuten kosten 25 Ringgit (etwa 5 Euro), wenig Geld für viel Schmerz. Dafür läuft es sich anschließend umso entspannter auf leichtem Fuß zur kleinen Meerjungfrau, die uns für die ganzen Strapazen mit einem Heißgetränk nach Brühkunst aus dem Hause SBux belohnt.





    Da der Shuttleservice nur als OW buchbar ist, müssen wir für die Rückfahrt die öffentlichen Verkehrsmittel bemühen. Die Busfahrt mit den Linien 101 oder 102 kostet 1,40 Ringgit pro Person. Passendes Kleingeld ist empfehlenswert, da der Fahrer keinerlei Anstalten macht, zu wechseln. Wie schon die letzten Abende verweilen wir noch ein bisschen auf der Terrasse. Ich betreibe Augenpflege, während knutschi sich das morgige Programm überlegt. Ja, so funktioniert Arbeitsteilung. Müde vom Tag besteigen wir unsere Kühlkammer für die nächste Runde Dry Aged Beef. Selamat malam, gute Nacht...
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    Reiseberichte: Neuseeland 2018

  5. #5
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    Tag 3: Kek Lok Si oder auf den Spuren des höchsten Glücks

    "It's always cold inside the icehouse" sang die gleichnamige australische Band anno 1982. Draußen hat es zirka 28 Grad, drinnen wachsen mir Eiszapfen aus der Nase. Die Kinder haben sich tief unter der Bettdecke vergraben. Klimaanlage an, Klimaanlage aus; es liegt eine Art Bang-Bang-Steuerung vor, die nur Extremalpunkte zulässt und uns entweder schwitzen oder frieren lässt. Beides ist unschön; wir eilen zum Frühstück. Im Makan Kitchen herrscht wieder DEFCON 3 – gelber Alarm. Man dankt uns wie jeden Morgen für unsere Loyalität und weist uns anschließend einen Tisch auf der Terrasse zu. Vor der Tür bildet sich langsam eine Schlange, wir sind bei DEFCON 2 angekommen. Einer der Köche läuft von Tisch zu Tisch und bietet aus einem großen Korb ofenfrische Croissants an. Huch, bin ich etwa im falschen Reisebericht gelandet. Bevor wir nun endgültig DEFCON 1 anstreben, beenden wir unser Frühstück und marschieren zur Parkgarage. Schon von weitem höre ich George Michael seine Geschichte vom letzten Weihnachtsfest anstimmen. Herrje, hört das denn nie auf. Wir verlassen das Doppelbäumchen und werden vom Navi durch Mount Erskine sowie über Straßen mit klanghaften Namen wie Jalan Gottlieb, Jalan Macalister oder Jalan Scotland gelotst. Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichen wir unser Ziel: den buddhistischen Kek-Lok-Tempel. Während die großen Reisebusse den Parkplatz am Fuße des Hügels in Beschlag nehmen, winkt man uns immer weiter die Straße entlang, bis wir schließlich mitten durch die Anlage fahren und direkt neben einer der Gebetshallen parken. Läuft. Der Kek-Lok-Tempel, der Tempel des höchsten Glücks, gilt als größter seiner Art in Malaysia und vereint sowohl unterschiedliche Glaubensinhalte als auch Baustile. Mit einer Bauzeit von mehr als zwanzig Jahren wurde er 1930 um eine Pagode und 2002 um eine 30 Meter hohe Bronzestatue der Guanyin, einer weiblichen Bodhisattva des Mitgefühls, erweitert. Drinnen bietet sich das gewohnte Bild: viel Rauch, viel Gold, viel Lärm.











    Wir durchstreifen ein paar Arkaden und begegnen dabei dem vierköpfigen Gott Brahma, ebenso wie diversen Wandbildern, unzähligen Buddhastatuen und einer Reisegruppe, die allesamt bunte Sticker 'Mein Traumurlaub' am Revers tragen; hat so ein bisschen das Flair von Pauschaltourismus. Ein Reiseleiter mit Herrenhandtasche und Erkennungsfahne scheucht die Gruppe weiter, da bleibt wenig Zeit für Fotos und Fragen. Aber schon in der nächsten Gebetshalle treffen wir sie wieder – zumindest eine andere Gruppe und eine andere Herrenhandtasche.









    Über ein paar Treppen und unter Lampions hindurch geht es hinunter zum Gartenpavillon. Dort wartet Buddha mit den fünf Bhikkhus, seinen fünf Bettlern, auf uns. Als gern genutztes Fotomotiv ist hier heute jedoch wenig los; die Vertreter der modischen Herrenhandtasche führen ihre Gruppen bevorzugt zur großen Pagode anstelle zu den asketischen Schülern der buddhistischen Lehre. Uns kann es nur recht sein.







    Es folgt eine weitere Gebetshalle, deren Wände mit unzähligen kleinen, goldenen Buddhastatuen verziert sind. Auch lassen sich hier bunte Wunschbänder käuflich erwerben, die anschließend – um den eigenen Namen ergänzt – auf einem hölzernen Wunschbaum aufgehängt werden können. Dabei geht es meistens um Wohlstand, Geld oder Erfolg – es regiert der Kommerz. Wir gehen weiter und stehen kurz darauf vor den Treppen hinauf zur siebenstöckigen Pagode der zehntausend Buddhas.











    Leider erweisen sich die Treppen als Irrweg. Man kommt zwar hoch, aber nicht weiter. Um zur Pagode zu gelangen, müssen wir zurück zur Haupthalle, vorbei an den überabzählbar unendlich vielen Souvenirläden, bis wir schließlich eine kleine Kasse erreichen. Für ein paar Ringgit gewährt man uns Einlass. In der Mitte der großen Halle empfängt uns Vairocana, der Herr der Buddha-Familie, der die Weisheit aller Buddhas in sich vereint. Die Halle selbst ist mit beeindruckenden Wandbildern geschmückt und beherbergt neben Vairocana noch die anderen vier Adibuddhas Amoghasiddhi (Neid), Amitabha (Gier), Aksobhya (Zorn) und Ratnasambhava (Stolz), die die jeweiligen Störgefühle in Weisheit wandeln. Von der Halle geht es zum Garten am Fuß der Pagode – hier wachsen Kürbisse und Blumen, die von Drachen und Schildkröten bewacht werden. Das Tor gegenüber der Pagode birgt eine kleine Überraschung, denn es wurde von Aw Boon Haw und Aw Boon Par errichtet. Die beiden Unternehmer sind vor allem in Singapur für ihre Erkältungssalbe Tiger Balm sehr bekannt.













    Die Pagode der zehntausend Buddhas verdankt ihren Namen den vielen Statuen und Abbildungen, die auf und in der Pagode zu finden sind. Die engen Treppen führen uns nach oben, wobei mittig auf jedem Stockwerk ein Altar steht, sodass Gläubige ihre Opfergaben darreichen können. An den Wänden im Treppenhaus und hinter manchen der Statuen prangen Fliesen, die allesamt Buddha als Dekor zeigen. Wer möchte, kann gerne nachzählen. Ob es jetzt tatsächlich zehntausend sind, wage ich aber mal zu bezweifeln. Oben angekommen, erhalten wir einen atemberaubenden Blick über die Tempelanlage und George Town. Außerdem lässt sich der Pavillon erkennen, der zum Schutz der dreißig Meter hohen Guanyin-Statue errichtet wurde – unser nächstes Ziel.













    Erneut müssen wir zurück zur Haupthalle, von wo wir der Ausschilderung zur großen Statue folgen. In einem Souvenirladen erstehen wir Tickets für den Schrägaufzug – eine Standseilbahn, die uns auf die Anhöhe bringen soll. Die Fahrt dauert keine Minute. Oben auf dem Plateau herrscht wenig Betrieb. Es sind keine Herrenhandtaschen in Sicht, dafür zwölf chinesische Tierkreiszeichen. Schwein und Ratte sind schnell gefunden, nur die Kinder sind etwas traurig, dass es keine Eisbären und Kiwis gibt. Apropos Schwein, 2019 ist ja bekanntlich mein Jahr, meine Glückszahlen lauten 2, 5, 8 und die besten Karrieremöglichkeiten ergeben sich als Entertainer, Arzt oder Innenarchitekt. Hm, muss ich wohl umschulen. Wir gehen weiter und stoßen unweigerlich auf die Statue der Guanyin. Sie wirkt gewaltig, aber letztendlich ist es der Pavillon, dessen schiere Größe einen staunen lässt. Er hat eine Höhe von 83 Metern und sein achteckiges Dach (inspiriert durch den Himmelstempel in Peking) wird von sechzehn Granitpfeilern gestützt. Und unter diesem Dach befindet sich die größte bronzene, stehende Guanyin-Statue der Welt, die von zwei Dharmapalas, den Schutzgottheiten Ha und Heng, flankiert wird. Genau genommen ist es Guanyin V2.0, denn Version 1 war aus Fieberglas und hielt der Witterung nur kurze Zeit stand.















    Der Schrägaufzug bringt uns nach unten, wieder dauert die Fahrt keine Minute. Die Strecke hätte man auch laufen können, nur gibt es keinen Fußweg – der gemeine Tourist mag es halt gern bequem. Wir verabschieden uns vom Tempel und quälen uns durch den Feierabendverkehr. Ziel: die grüne Nixe. Ja, der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach. Nachdem der Koffeinsucht gefrönt wurde, geht es zurück ins Hotel. Mir schwant nichts Gutes. George Michael erzählt in Dauerbeschallung immer noch davon, wie er dieses Weihnachten den Tränen entkommen möchte und sein Herz anderweitig verschenkt. Da bleibt nur die Flucht nach vorne, also zur Happy Hour. "This is our Diamond guest" wird der neue Kellner vom Chef der Schanktheke eingewiesen. Man bringt uns schon automatisch Weißwein und Canapés. Der Rest des Abends folgt einem bekannten Muster. Per Hotelshuttle geht es nach Batu Ferringhi, auf dem Speiseplan steht für heute das libanesische Restaurant. Bei knutschi fällt die Wahl auf ein Curry, bei mir auf den Grillteller. Beide Speisen sind sehr schmackhaft, hier kann man gerne wieder vorbeikommen.





    Bevor wir nun erneut dem Lockruf der grünen Nixe verfallen, folgt noch etwas Kultur, äh, Knetkur. Die gestrige Fußmassage war zwar schmerzhaft, dafür konnte ich heute laufen wie ein junger Gott. Wir besuchen denselben Salon und werden freudestrahlend begrüßt. Faktisch sind wir jetzt schon so etwas wie Stammgäste. Der Foltermeister nimmt seinen Platz ein und schon bald weiß ich, was ich nicht vermisst habe. Dreißig Minuten später ist die Qual vorbei – zur Belohnung noch einen Kaffee und dann geht's per Bus zurück zum Doppelbäumchen. Laut Wetterbericht soll es morgen regnen; okay, das lesen wir seit unserer Ankunft, davon war aber bisher nichts zu merken. Die Klimaanlage bleibt also an. Ich schnappe mir die Kinder und zusammen vergraben wir uns tief unter der Bettdecke...
    Geändert von monty2006 (28.01.2019 um 21:36 Uhr)
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    Reiseberichte: Neuseeland 2018

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