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Thema: Land des goldenen Zeitalters - Turkmenistan zum Unabhängigkeitstag

  1. #21
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    Ich war dort, weil ich mich für unfreie Länder interessiere.

    Mir ist natürlich klar, dass ich solche Regime mit meinen Reisen unterstütze, ich denke aber es macht dennoch Sinn, denn im Falle von Turkmenistan war außer mir selbst, eigentlich keinem meiner Freunde und Bekannter klar, wie unfrei das Land ist, und das es neben Nordkorea überhaupt noch Länder gibt, in welchen der Staat z.B. das normale Reisen seiner Bürger verhindert. Mit meinem Bericht kann man das Augenmerk auf die Situation vor Ort lenken und sich selbst auch Bewusst machen, wie glücklich man doch ist, in einem freien und demokratischen Land zu leben, in dem mir Niemand zu sagen hat, ob ich Nachts um 3 Uhr aufstehen muss, um irgendeiner Jubel-Veranstaltung beizuwohnen.
    ChrischMue, interessierterlaie, qf001 und 19 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  2. #22
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    Verstehe ich absolut.

    Finde es auch besonders toll, auf diesem Weg darüber zu erfahren!

    Prinzipiell würde ich (wir) auch dahin reisen, aber so, wie das hier klingt, reicht mir der Dein Bericht.

    Nochmals vielen Dank dafür!

  3. #23
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    Ich war dort, weil ich mich für unfreie Länder interessiere.
    Interessant finde ich solche Berichte schon, eben weil man sich diese Umstände kaum vorstellen kann, selbst wenn man mir persönlich ziemlich viel Geld bezahlen müßte, um mich zu der Reise zu überreden. Was mich interessieren würde: Wie gut ist es Euch gelungen authentische Gespräche mit normalen Menschen dort zu führen? In Nordkorea ist das ja bekanntermaßen fast völlig unmöglich.

    VPNs die in China und co. funktionieren, konnte ich hier nicht nutzen. Ein Teilnehmer unserer Gruppe konnte am ersten Abend einen finnischen VPN nutzen, der jedoch bereits am nächsten Morgen ebenfalls nicht mehr funktionierte.
    Shadowsocks mal ausprobiert? VPNs sind immer so eine Sache, weil doch oft durch DPI und statistische Trafficanalyse einigermaßen gut zu erkennen. Shadowsocks ist wohlgemerkt keine komplette Lösung, sondern nur Umgehung gesperrter Webseiten. Scheint aber schon in China problemloser als volle VPN Lösungen zu gehen.

  4. #24
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    Zitat Zitat von hollaho Beitrag anzeigen
    Shadowsocks mal ausprobiert? VPNs sind immer so eine Sache, weil doch oft durch DPI und statistische Trafficanalyse einigermaßen gut zu erkennen. Shadowsocks ist wohlgemerkt keine komplette Lösung, sondern nur Umgehung gesperrter Webseiten. Scheint aber schon in China problemloser als volle VPN Lösungen zu gehen.
    Hat man in solchen Ländern nicht das Risiko, dass bei solch kreativen Lösungen am nächsten Morgen die Staatssicherheit vor der Tür steht? Du surfst dort ja nicht anonym, der Staat kann wunderbar sehen, wer genau welchen VPN Service verwenden wollte.

    "Unproblematisch" sind solche Lösungen ohnehin nur, weil sie im Vergleich zum "klassischen" VPN relativ wenig genutzt werden und deshalb wohl noch etwas unter dem Radar sind.

  5. #25
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    Interessanter Bericht, danke! War selbst schon zweimal in TM, erstmals noch unter Niyazov im Jahr 2005, das zweite Mal als Teilnehmer einer "internationalen Ruhnama-Konferenz“. Spannend zu sehen, wie wenig sich das Land gewandelt hat, in einigen Bereichen aber durchaus schon. Fotografie-Verbote gab es beispielsweise kurz nach der Amtseinführung von Berdymuchammedov nicht für zivile Sehenswürdigkeiten wie z. B. die Ruhnama-Moschee, soweit ich mich erinnern kann. Aber wir waren auch offiziell eingeladene Gäste, so dass man da vielleicht lockerer war...

  6. #26
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    Internationale Ruhnama Konferenz, das klingt spannend !
    Wie kam man damals an eine solche Einladung, und was ist auf der Konferenz passiert ? Klingt äußerst interessant.

  7. #27
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    Wer Lust auf Turkmenistan hat, kann auch einfach seine Parabolantenne (60cm reichen aus) auf 52°Ost drehen, den TürkmenÄlem Sat. Dort sind alle Staatssender frei und in HD aus Mitteleuropa empfangbar. Oft kommen auch Schleifen aus Asgabat mit seinen Prachtbauten, leeren Straßen und sporadisch fährt auch mal ein weißes Auto...

    Zum Jahreswechsel erstrahlte Asgabat im TV bunter denn je, der Präsident hielt kurz vor Mitternacht seine Rede an's Volk, dann folgte der countdown mit einer auf das gläserne Riesenrad projizierten Uhr. Und als Höhepunkt sang der Präsident vor Publikum höchstpersönlich und spielte dazu auf der schneeweißen Wersi-Orgel.
    Geändert von Afreaka (01.01.2020 um 11:33 Uhr)
    Caravelle sagt Danke für diesen Beitrag.

  8. #28
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    Vielen herzlichen Dank auch von mir für diesen Reisebericht, ich freue mich schon auf die nächsten Teile :-)

    Eine Frage/Bitte: kannst Du ggf ergänzen, was Deine Reisegruppe zu essen bekommen hat (so im allg meine ich, ohne Dir jetzt viel Arbeit machen zu wollen). Weil essen ja ein Teil der Kultur ist, finde ich das immer sehr interessant. Danke!

  9. #29
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    Zitat Zitat von Pascal1101 Beitrag anzeigen
    Ich war dort, weil ich mich für unfreie Länder interessiere.
    Mich würde Deine Liste der bereisten Länder interessieren!

  10. #30
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    Geil! Super! Top Bericht! Freue mich auf die Fortsetzung!
    Vielen Dank!!

  11. #31
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    @Pascal1101 Hammer Bericht! Sehr spannend. In der Tat war auch mir nicht Bewusst wie Reguliert das Land ist.
    Habt ihr das "Tor zur Hölle" bewusst ausgelassen oder passte es nicht in den Reiseplan?
    Lässt sich sagen wie hoch die Aussagen vor Ort waren? Wiele Tage warst du eigentlich da oder habe ich das überlesen?

    Beste Grüße

  12. #32
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    Über diese Möglichkeite hatte ich auch mal gelesen? Das dürfte doch eine Fährverbindung, etwas außerhalb von Baku, gewesen sein, die so 1-2x die Woche geht oder? Wohin wäre es denn dann nach dem Aufenthalt in TM gegangen? Habs mir gerade mal auf der Karte angeguckt und habe mich gefragt inwiefern man mit einem Transitvisum über den Landweg nach Maschhad in den Iran reisen könnte..

  13. #33
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    Wir waren anscheinend ein paar Tage vor dem TO in Turkmenistan. Zu der Zeit war ein Transitvisum mit Ausreise in den Iran möglich (zumindest Grenzübergänge bei Ashgabat und bei Ak-Yaila). Letzterer ist der den die meisten LKW auf dem Weg von Turkmenistan in die Türkei nehmen. Allerdings hat bei uns die Zeit nicht gereicht, so dass wir letztendlich ein normales Visum beantragt und von Ashgabat heimgeflogen sind.

    Ob dies allerdings nach den Ereignissen der letzten Tage noch so ist, weiß ich nicht.
    Zocker1899 sagt Danke für diesen Beitrag.

  14. #34
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    Guten Tag zusammen ! Bitte um Nachsicht fuer die kleine Verzoegerung, der Report geht bald weiter.
    Um die Frage von Zocker1899 zu beantworten, das Tor zur Hoelle kommt noch zum Ende der Reise

    Fragen bzgl. Essens etc. beantworte ich im naechsten Teil des Reiseberichts dann gesammelt.
    cockpitvisit, mainz2013, Zocker1899 und 1 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  15. #35
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    Würde gerne mal so ne Ruhnama auf deutsch lesen. Dazu braucht es wohl viel Popcorn.

  16. #36
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    Guten Abend zusammen !

    Zunächst einmal, bitte ich um Nachsicht dass es doch so extrem lange gedauert hat, bis der Reisebericht fortgesetzt wird.
    Erst jetzt komme ich dazu weiterzuschreiben, und hoffe, dass ich den kompletten Bericht in den nächsten Tagen fertigstellen kann.

    Wir erinnern uns zurück, im letzten Teil hatte unsere Gruppe gerade das Abendessen im luxuriösesten Hotel von Aschgabat abgeschlossen.

    Am nächsten morgen hieß es früh aufstehen.
    Heute stand ein weiteres Event an. Nicht irgendein Event, sondern ein Event bei dem der Präsident höchstpersönlich anwesend sein wird.
    Bedeutet die Anwesenheit einer solchen Person auch in "normalen" Ländern schon Sicherheitsmaßnahmen etc., so kann man sich vorstellen was das in einem Land wir Turkmenistan bedeutet.

    Das Pferderennen beginnt um 8 Uhr früh, und die Sportanlage ist ca. 40 Minuten entfernt.
    Das bedeutet für uns, Punkt 4 Uhr muss abgefahren werden. Wer aus der Gruppe zu spät am Treffpunkt ist, muss leider hier bleiben. Hintergrund ist, dass die Ankunft der Gäste am Sportkomplex strikt getaktet ist und die Straßen in Aschgabat an diesem Tag (wir erinnern uns, wir sind in der Woche des Nationalfeiertags) ab 5 Uhr morgens größtenteils für Delegationen etc. gesperrt sind.
    Wir müssen also definitv vorher "raus" sein. Da wir sonst feststecken.

    In unserem Fall hat alles super geklappt. Unser lokaler Reiseleiter hat uns durch alle Checkpoints souverän hindurch gebracht.
    Nun erleben wir hautnah, was es bedeutet in einem totalitären Staat zu sein. Ab 7km vor dem Stadion (7 ist die Lieblingszahl des Präsidenten) steht eine Menschenkette bereits jetzt um 04:30 Uhr komplett in Trachten und mit Winkelementen am Straßenrand. Man sagt uns, die Leute würden schon seit 2 Uhr Nachts dort stehen und würden aus ihren Dörfen und Gemeinden dort hingebracht, um dem Präsidenten zuzujubeln.

    Wir erreichen als VIPs als letzte (ja, 3 Stunden vorher) das Stadion, wo bereits alle artig auf ihren zugewiesenen Plätzen sitzen.
    Jetzt passiert erstmal nichts. Ab 7 Uhr werden wir gebeten ab jetzt auch sitzen zu bleiben, da es gleich los gehen würde. Um Punkt 8 trifft der Präsident ein.
    Er wird nicht auf Bildschirm o.ä. gezeigt und ist auch nicht zu sehen, dennoch weiß die Masse scheinbar dass er jetzt dort ist, denn es bricht spontan Applaus aus. Sofort beginnt das Pferderennen. Im wahrsten Sinne des Wortes haben alle, über Stunden, auf den Stargast gewartet.

    Des Nachts, auf der Pferderennbahn außerhalb von Aschgabat


    Bei unserer Ankunft, alle sitzen bereits


    Menschen, die das Publikum "spielen"


    Sofort nach Ankunft des Präsidenten, das Pferderennen beginnt


    Eine der Zahlreichen Siegerehrungen, insgesamt werden 12 Rennen duchgeführt.


    Möchte man Wetten, so ist es sehr einfach hier einen guten Schnitt zu machen, falls der Wettpartner unwissend ist. Im ausliegenden Heft, sind die Eigentümer der Pferde angegeben. Bei jedem Rennen ist auch ein Pferd aus der Stallung des Präsidenten dabei, welches natürlich rein zufällig, in jedem Rennen gewinnt.

    Die Jockeys bekommen jeweils 10k USD Preisgeld. Hauptpreis ist ein brandneuer, weißer, Audi Q5.
    Dann kommt es zum Eklat. Eines der Pferde stürzt zu Boden. Das Rennen läuft normal weiter, dann nach Erreichen des Ziels, wird sofort ein Sichtschutz herbeigebracht. Ein Krankenwagen (für das Pferd, der Jockey scheint wohl auf) kommt. Mehr ist nicht zu sehen. Das Pferd wird es nach Einschätzung einiger kundiger Mitreisender wohl nicht überlebt haben, der Kollaps sah wohl nicht gesund aus. Solche Sachen können passieren, in jedem anderen Land wäre die Sache erledigt gewesen.
    Nicht so in Turkmenistan. Nun bekommen wir, obwohl wir als VIPs, die nicht nur die besten Plätze in der Mitte der Tribüne haben, sondern unter den neidischen Blicken der anderen Besucher (die selbstverständlich nicht aufstehen oder essen und trinken dürfen), permanent mit Snacks und Getränken versorgt werden, doch noch die unangenehme Seite des Staats zu spüren.

    Sofort nach dem Unfall rings um uns herum, vermeintliche andere Zuschauer die aufspringen und uns die Sicht zusätzlich versperren. Auf einmal wildes hantieren mit Funkgeräten und auf einmal sind wir von Stasi-Leuten im schwarzen Anzug umgeben.
    Ein Teilnehmer unserer Gruppe hatte wohl im besagten Moment seine Kamera in der Hand. Das führt nun zum riesigen Drama, was sichtlich zur Unterhaltung (keine Schadenfreude, sondern mehr ein peinliches berührt sein, dass die ausländischen Besucher so etwas erleben müssen) der anderen Gäste beiträgt. Man sah, dass es den Turkmenen unangenehm ist, dass wir als Touristen nun "so" behandelt werden.
    In einem unmöglichen Ton werden wir gebeten sofort mitzukommen. Unser Guide ist in voller Aktion, um die Situation zu beruhigen, sicherlich ist er in seinem Leben schon öfter in einer solchen Lage gewesen und kann damit besser umgehen als wir.

    In einem Raum wird uns erklärt, dass es nicht erlaubt ist Fotos des Unfalls zu besitzen oder zu veröffentlichen. Sollte dies passieren, wird das Konsequenzen für unseren Guide haben, und weitere Gruppen dürfen keinem Pferderennen mehr beiwohnen.

    Unabhängig davon, hat jeder seine Fotos einem der Beamten zu zeigen. Sollte ein Foto des Unfalls vorhanden sein, muss dies sofort gelöscht werden. Offiziell sind Pferde die Heiligtümer des turkmenischen Volkes und müssen dementsprechend behandelt werden.

    Alle von uns haben die Nase gestrichen voll von diesem Land. Letztlich hatte niemand ein Foto, sodass man uns wieder zurück auf unsere Plätze brachte, wo wir mit schlechter Laune den Rest des Rennens ansahen.

    Hier sieht man dann auch wie ein solcher Staat funktioniert, und dass es entgegenlaufende Interessen gibt. Ein Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums, zu welchem der Pferdekomplex gehört, kommt vorbei und versucht uns aufzuheitern, bringt weitere Snacks und Getränke. Der Mann setzt sich einzeln zu dem ein oder anderen von uns, und unterhält sich über Gott und die Welt. Der Mann spricht sehr gutes deutsch und unterhielt sich einige Zeit mit mir über die Städte die er in Deutschland beruflich schon gesehen hat. (Den Anlass hierfür habe ich nicht erfragen können) Das Fernsehen kommt für die üblichen Propaganda-Aufnahmen, fürs Nationale Fernsehen. Unsere Gesichter sind wohl nicht positiv genug, denn am Abend ist zwar das Rennen im TV zu sehen, wir sind jedoch nicht zu sehen. Normalerweise, wenn man sich die turkm. Nachrichten bei Youtube ansieht, wird eigentlich jede noch so kleine Touristengruppe bis zum bitteren Ende propagandistisch im Fernsehen ausgeschlachtet.

    Kurz bevor das Rennen zu Ende ist, werden wir wieder als erste sehr hektisch gebeten die Plätze zu verlassen und uns zum Ausgang zu begeben. Nachdem unsere Gruppe die Halle der Rennbahn betreten hat, werden die Türen zur Tribüne wieder geschlossen und unsere Gruppe wartet zusammen mit den turkm. Regierungsbeamten und den internationalen Gästen (einfach zu erkennen an den Schildchen die getragen werden, man kommt auch ins Gespräch, konnte eine bekannte türkische Baufirma, eine französische Baufirma, sowie einen großen deutschen Mischkonzern, als auch einen deutschen Automobilhersteller ausmachen) auf die Abfahrt des Präsidenten.
    Von Sicherheitskräften werden wir von den großen Fensterscheiben zurückgedränkt, jedoch können wir trotzdem das Spektakel draußen verfolgen.
    Wie auf Knopfdruck fangen Menschenmassen an zu jubeln und spulen eine Art tänzerische Einlage ab. Und dann kommt der große Augenblick, der Präsident schreitet auf den Vorplatz des Stadions, schaut sich den Tanz 1-2 Minuten lang an, und steigt dann in seinen bereitstehenden weißen Mercedes GLS und fährt eigenhändig davon. Die Menge ruft noch einige Zeit "Arkadag Shohrat" ("Ehre unserem Beschützer" - der Präsident lässt sich mit dem Titel "Arkadag" zu deutsch, Beschützer, anreden).

    Dann werden die Türen geöffnet und unter strikter Reihenfolge darf die Rennbahn verlassen werden. Zuerst eine Handvoll, vllt. 10-12, turkm. Politker.
    Die Menge ist jetzt komplett still, der Grund warum die Menschen hier sind ist soeben abgefahren, kein Grund noch weitere Energie zum Jubeln für irgendwelche Minister zu verschwenden.

    Dann darf unsere Gruppe das Stadion verlassen. Und nun die Überraschung, wir bekommen den gleichen Jubel wie der Präsident. Und ich glaube, dass das nicht einstudiert war, die es ist keine stumpf abgespielte Choreografie, sondern es scheint wirklich, dass die Menschen (hauptsächlich Schüler und Studenten) sich einfach freuen uns zu sehen. Wir wollten anhalten und uns bedanken, werden aber von hinten weiter gedrängt.
    Die Menschenkette ist die ganze Auffahrt der Rennbahn bis zur oben liegenden Hauptstraße entlang. Auf den letzen Metern sind links und rechts, natürlich zu Ehren des Präsidenten, verschiedene Darstellungen der turkm. Traditionen zu sehen, z.B. Teppichknüpferei, Musikdarbietung usw.
    Es ist einfach unglaublich (und unerträglich) wie der Staat über die Zeit dieser Menschen verfügt.

    Beim Heraustreten aus der Halle der Rennbahn




    Auf dem Vorplatz der Rennbahn. Bereitstehende Menschen um dem Präsidenten (und uns) zuzujubeln.




    Entlang der Auffahrt bis zur Hauptstraße








    Beim warten auf den Bus, kommen wir mit der rechten Hand des Präsidenten ins Gespräch. Ein Mann, der mit seiner weltoffenen, charismatischen Art, sowie seinem perfekten Englisch, modernster und teuerster Kleidung und dem gesamten Auftreten, eher wie ein Manager eines internationalen Konzerns anmutet.
    Sämtliche Veranstaltungen bei welchen der Präsident beiwohnt, werden von ihm persönlich geplant und vorher abgenommen. Ihm gehört auch die (wirklich) eindringliche Stimme, welche die Propaganda-Losungen bei sämtlichen Events vorträgt (durften wir ja 2x live miterleben).

    Nun fahren wir ca. eine Stunde lang zurück nach Aschgabat, in die dortige Shopping Mall, um uns mit Lebensmitteln für unseren Campingtrip einzudecken.
    Hierüber werde ich meinen Bericht in den nächsten Tagen ergänzen.

    Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und beantworte gerne jede Frage.

    Bis dahin,

    viele Grüße,

    Pascal
    meilenfreund, humus, dieteranita und 28 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  17. #37
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    Nun möchte ich auch nochmal auf die Fragen der vorherigen Posts eingehen.

    Wie gut ist es Euch gelungen authentische Gespräche mit normalen Menschen dort zu führen? In Nordkorea ist das ja bekanntermaßen fast völlig unmöglich
    Im Grunde gar nicht. Das ist ja einer der Gründe, warum Touristen eigentlich immer (Ausnahme ist die Nutzung des Überland-Transitvisas) mit Tourguide oder Tourgruppe unterwegs seien müssen. Außerdem haben unsere beiden internationalen Guides uns auch erzählt, dass z.B. russische Staatsbürger (oder generell Staatsbürger aus russisch sprechenden Ländern) ihrer Erfahrung nach oftmals kein Visum bekommen, ebenso verhält es sich mit türkischen Staatsbürgern. Das hängt wohl damit zusammen, dass man hier die Sprachbarriere hier wohl doch aufrecht erhalten möchte.
    Es heißt nicht, dass die Bürger dieser Länder grundsätzlich kein Visum bekommen, in unserer Gruppe war ein Russe, es werden aber vermehrt Ablehnungen zur Kentniss genommen.

    Ich persönlich spreche ein wenig türkisch, und habe mich daher mit meinen Sitznachbarn bei den Propagandaevents mal ein bisschen unterhalten. In solchen Situationen unterhält man sich, wie eigentlich in jedem Land, unabhängig von der demokratischen Lage, mehr über oberflächliche Themen.



    Eine Frage/Bitte: kannst Du ggf ergänzen, was Deine Reisegruppe zu essen bekommen hat (so im allg meine ich, ohne Dir jetzt viel Arbeit machen zu wollen). Weil essen ja ein Teil der Kultur ist, finde ich das immer sehr interessant. Danke!
    Das ist relativ einfach erklärt. Im Reisepreis ansich, war nur das Frühstück im Hotel enthalten, was wirklich nichts dolles war. Ich würde sagen, man kann es mit anderen Hotels in staatlicher Hand in ähnlich strukturierten Ländern vergleichen. (z.B. Kuba)
    Trockenes Brot, trockener Käse, einfachste Wurst, Milch, Orangensaftkonzentrat.

    Mittagessen und Abendessen an den Tagen in denen wir in Aschgabat waren, konnten wir entweder in Eigenregie organisieren (in der nähe des Hotels gibt es 2 privat-geführte Restaurants, nichts dolles, aber durchaus essbar) oder sich der Gruppe anschließen (z.B. Event-Abendessen im 5 Sterne Hotel)
    Hier ist das Essen auf westlichem Level, Preise für ein Hauptgericht mit Getränk (softdrink oder Bier) zwischen 2 und 5 EUR.
    Mag für uns wenig sein, wenn man bedenkt dass viele Menschen dort wohl jedoch nur 80-100 EUR im Monat verdienen, jedoch sehr teuer. Dementsprechend auch das Publikum in diesen Lokalen, die "Mittelschicht", sprich, dem Aussehen nach angehörige des Verwaltungsapparates, die es sich hier gerne mal gut gehen lassen.

    Auf dem Markt gibt es für 50 Cent bis 1 EUR ein vollwertiges Mittagessen (Reisgericht mit Fleisch o.ä.) inkl. Getränk.



    Würde gerne mal so ne Ruhnama auf deutsch lesen. Dazu braucht es wohl viel Popcorn.

    In der Tat, es braucht eine Menge Popkorn. Und das liegt nicht nur an der grausigen Übersetzung, die übrigens von einem deutschen Großkonzern zum Zwecke der Auftragserteilung für Regierungsprojekte arrangiert wurde, der auch heute in TM noch sehr gute Geschäfte macht, sondern auch am eigentlichen Inhalt, der völlig wirr (teilw. wird ähnlicher Inhalt in mehreren Kapiteln des Buches wiederholt, jedoch so geschrieben, als ob er jeweils zum ersten Mal Erwähnung fände) und grundsätzlich auch einfach völliger Quatsch ist, da es sich zum größtenteil um eine erfundene Historie handelt, auf der dann die nationalistische Ideologie (bis heute) propagandistisch aufbaut. Das ganze ist dann vermengt mit väterlichen Ratschlägen a la "am Sonntag sollst du ein gebügeltes weißes Hemd tragen".
    MaBo, tosc, plotz und 4 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  18. #38
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    Kleine Ergänzung zur besseren Veranschaulichung des Pferderennens (und des drumherum), in den turkm. Nachrichten von heute, wird ein zu 99% exakt gleiches Schauspiel gezeigt wie ich es auf der Reise gesehen habe. Direkt der erste Beitrag, 25 Minuten lang :

    https://youtu.be/GhXsNnWAB4w
    JK1896 und globetrotter11 sagen Danke für diesen Beitrag.

  19. #39
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    Im Grunde gar nicht. Das ist ja einer der Gründe, warum Touristen eigentlich immer (Ausnahme ist die Nutzung des Überland-Transitvisas) mit Tourguide oder Tourgruppe unterwegs seien müssen.
    Sehr sehr schade und traurig. Also wirklich Nordkorea mit was mehr Geld.

  20. #40
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    Freue mich schon auf den Erfahrungsbericht zu Darweze. Ist immer schön solche Reiseerlebnisse zu erlesen und mit seinen eigenen zu Turkmenistan zu vergleichen...

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