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Thema: Land des goldenen Zeitalters - Turkmenistan zum Unabhängigkeitstag

  1. #1
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    Standard Land des goldenen Zeitalters - Turkmenistan zum Unabhängigkeitstag

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    Guten Abend zusammen,

    Feiertage und gleichzeitige Krankheit, ein guter Zeitpunkt einen neuen Reisebericht zu verfassen.
    Vorweg zur Information, da der Bericht recht umfangreich werden wird, werde ich diesen im Verlauf der nächsten Tage oder Wochen nach und nach fertigstellen. Der Einfachheit halber, werde ich hierbei chronologisch vorgehen.

    Vor mehr als 15 Jahren hat der damalige turkmenische Präsident das sog. 'goldene Zeitalter' ausgerufen und dies zum Motto des Landes gemacht, welches auch heute noch täglich in den ausschließlich staatlichen Medien den Bürgern des Landes vor Augen geführt wird.
    Zeit, dieses Land selbst zu bereisen, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen.

    Turkmenistan gehört zu den am wenigsten bereisten Ländern der Welt, was daran liegt, dass Touristenvisa grundsätzlich nur als Part einer Gruppenreise vergeben werden, welche vom Staat (und dessen Reisebüro, bei welchem letztlich alle am Markt existierenden Anbieter buchen müssen) nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden.
    Es gibt die Möglichkeit ein Transitvisa zu bekommen, seitdem es aber einen gewissen Hype um schwierig zu erreichende Länder gibt, haben die Botschaften hier die Kriterien nochmals verschärft.

    Wie wir auf der Reise erfahren haben, gibt es seit Mitte 2019 auch kein Tourismusministerium mehr, sodass es mit der touristischen Zukunft im Land ungewiss aussieht.

    Vorbereitungen:

    Nach Buchung der Reise über einen der gängigen Internetanbieter, musste zunächst ein Formular mit div. persönlichen Angaben, Beruf, beherrschte Sprachen etc. ausgefüllt und übermittelt werden.
    Der Reisevermittler schreibt hieraus ein Ersuchen um Ausstellung einer Einladung zu touristischen Zwecken, welche an das Innenministerium in Aschgabat übermittelt wird. Dort werden lt. Info des Reisevermittlers weitergehende Punkte geprüft, insbesondere im Hinblick auf social media etc.
    Ganz klar, das Land möchte keine Touristen mit riesiger Reichweite im Netz, oder gar Journalisten im Land haben.
    In meinem Falle scheint nichts gegen eine Einladung gesprochen zu haben, sodass ich diese relativ knapp vor Reiseantritt auch bekommen habe.
    Erst dann, konnte ich den Flug nach Aschgabat buchen. Hier sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Da ich in Dubai wohne, bestand für mich die Möglichkeit mit flyDubai non-stop zu fliegen. Leider zu Mondpreisen, aber immernoch besser, als einen Umweg via Moskau in Kauf zu nehmen.



    Dieser Bericht wird neutral geschrieben sein, aber dennoch auf alle relevanten Punkte hinweisen. Auf Rücksicht auf die lokalen Guides, welche schießlich noch im Land leben müssen, wurden wir gebeten, keine reisserischen oder übertriebenen Berichte ins Netz zu stellen. Da dies generell nicht meinem Stil entspricht, werde ich mich hieran selbstverständlich halten.


    Tag 1, Anreise und erste Impressionen der Hauptstadt Aschgabat

    Pünktlich war ich vor Ort im Terminal 2 in DXB und sah bereits am Gate, dass der Flug komplett ausgebucht sein würde.
    Bei Flügen in ungewöhnliche Länder, interessiert mich immer 'wer' denn alles dort hin fliegt. Hier bot sich für mich ein Bild, welches ich mir nicht erklären konnte. Die Fluggäste bestanden zu 90% aus alleinreisenden älteren (Ü60) turkmenischen Damen.
    Hier kann ich direkt die Auflösung bieten, die ich später recherchiert habe.

    Die früher nötige Ausreisegenehmigung (ähnlich wie in der ehem. DDR) gibt es nicht mehr, dennoch gibt es eine 'variable' Liste von Menschen, die das Land nicht ohne weiteres Verlassen können. Hierzu gehören insb. Menschen im erwerbsfähigen Alter, Stunden etc.
    Lt. Internet ist es wohl nicht möglich zu erfahren, ob man reisen darf oder nicht, sodass hier wohl ggf. eine Art vorauseilender Gehorsam besteht, da man natürlich das verschwenden von Geld für Tickets etc. vermeiden möchte.

    Die älteren Damen können ohne weiteres Reisen, und kaufen in Dubai in großen Mengen Kleidung, Autoersatzteile und genrell alles, was sich zu Geld machen lässt, um es dann in der Heimat zu verkaufen.

    Der Flug war pünktlich und verlief Reibungslos. Pünktlich erreichten wir den neuen Flughafen von Aschgabat. Ein Prachtbau, welcher mehrere Millarden Dollar gekostet hat und hunderte Flüge täglich abwickeln könnte.
    Nach verlassen des Flugzeuges, fielen direkt die Soldaten auf, welche alle Paar Meter innerhalb des Terminals standen.

    Mit dem Einladungsschreiben konnte vor Ort das nötige Visum abgeholt und die Einreisesteuer entrichtet werden.
    Im Anschluss muss man an einer Maschine seinen Pass einlesen, Fingerabdrücke aller Finger, sowie einen Scan seiner Augen abgeben.

    Mit der erhaltenen Bestätigung und dem Pass, geht es dann zur eigentlichen Passkontrolle. Hierbei keine ungewöhnlichen Fragen, da die Daten der Reise vermutlich sowieso bereits im System hinterlegt sind. Abfertigung sehr freundlich und ruhig.

    Im Anschluss erfolgte für Einreisenden eine Zollkontrolle, welche zunächst aus Durchleuchtung und anschließendem Öffnen des Koffers bestand. In meinem Falle keine Beanstandungen, sodass es nach Wartezeit zusammen mit einem weiteren Teilnehmer der Reise ins Hotel gehen konnte.

    Das erste was nach Verlassen des Terminals auffällt. Ja, die Autos hier sind wirklich alle weiß. Seit einigen Jahren sind keine anders-farbigen KFZ mehr erlaubt. Durch ruhige und sehr gepflegte Straßen ging es zum 4 Sterne Hotel Ak Altyn. Kein Luxushotel, aber ausreichend und interessanterweise auch Heimat der deutschen Botschaft.

    Der Check-In verlief Problemlos. Der Pass musste übergeben werden, da das Hotel diesen zur Registrierung ans Innenministerium weiterleiten muss. Nach ca. 2 Tagen bekam ich ihn zurück. Neben dem Visum, Ein- u. Ausreise-Stempel, wurde noch ein weiterer Stempel vom Ministerium angebracht, sowie separat eine Touristenkarte eingelegt.

    Per Aufzug ging es zum 4. Stock. Hier der erste Hinweis, dass man in der ehem. Sowjetunion ist. Auf jedem Stock sitzt ein Mitarbeiter hinter den Aufzügen, der die Etage verwaltet.

    Ich schlief für einige Stunden, aß am nächsten morgen ein kleines Frühstück, welches durchaus i.O. war (Croissants, Brot, Aufschnitt) und startete anschließend zu meinem halbtages Ausflug, welchen ich als Einzelperson im Vorfeld der am Folgetag beginnenden Gruppentour gebucht hatte.

    Zimmer im Ak Altyn Hotel


    Blick aus dem Fenster am Morgen


    Hotellobby


    Über die bekanntermaßen stets leeren Straßen, war der erste Programmpunkt der Walk of Health, ein Weg der sich in den Berge über etliche KM hinzieht und zur Ertüchtigung der Gesundheit des Volkes errichtet wurde.

    Leider wurden wir kurz vorher von einer Polizeieinheit gestoppt, welche uns ca. 10 Minuten lang festhielt, alle Genehmigungen, Dokumente des Fahrers etc. kontrollierte und uns letztlich zum Umkehren aufforderte. Über die Gründe konnte ich nichts erfahren, und wollte den lokalen Guide auch nicht in Verlegenheit oder Erklärungsnot versetzen.



    Also ging es weiter zur Seilbahn von Aschgabat, welche auf einen ca. 650 Meter hohen Berg des Köpetdag-Gebirges führt.
    Die Seilbahn ist ca. 3,5km lang.
    Der Guide wartete unten um kam vorher seiner Pflicht nach, mir zu sagen, was genau fotografiert werden darf (alles, was in Richtung der Stadt liegt) und was nicht (der ganze Rest). Lieber Vorsicht als Nachsicht !

    Die Fahrt dauerte recht lange und oben gab es ein Cafe, ein Restaurant, einen kleinen Park und einige Aussichtspunkte.











    Wie erwartet war ich der einzige Nutzer der Seilbahn, und diese wurde extra für mich eingeschaltet und lief dann auch die ganze Zeit während ich oben war weiter durch. Nach ca. 20 Minuten trat ich den Rückweg an.

    Der nächste und auch letzte Punkt dieses halbtägigen Ausflugs war ein Besuch in der 1998 fertiggestellten und von der Türkei bezahlten Ertugrul Gazi Moschee. Dementsprechend ist der Stil dieser Moschee dem osmanischen nachempfunden.





    Im Anschluss wurde ich wieder am Hotel abgesetzt, und machte mich selbst auf den Weg die Umgebung zu erkunden.
    Anders als in Nordkorea, ist dies in Turkmenistan möglich. Man sollte sich nur daran halten und keine Fotos von Regierungsgebäuden etc. machen. Denn anders als in Nordkorea, wo dies vllt. niemand merkt, wird es aufgr. der massiv vorhanden modernsten Überwachungstechnik garantiert bemerkt.

    Ggü. des Hotels befindet sich das Gebäude des staatlichen Zirkus.



    Ich machte mich auf die Suche nach etwas essbarem, und fand zunächst einen der staatlichen Supermärkte.
    Die preise für die Lebensmittel des tägl. Bedarfs sind subventioniert. So kostet eine 1,5 Liter Flasche Cola aus lokaler Produktion umgerechnet 8 Cent. Importierte Lebensmittel sind hingegen deutlich teurer als in Deutschland.
    Der offizielle Umrechnungskurs ist bei 1EUR = 3,5 Manat festgelegt. Inoffiziell bekommt man jedoch 18 Manat für den Euro. Als Tourist bekommt man max. 15 Manat, was aber immer noch sehr gut ist.
    Ein Abendessen mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise inkl. Bier kostet so in einem ordentlichen Restaurant 3-4 EUR.

    Abheben von Bargeld ist in Turkmenistan mit den intern. Kreditkarten nicht möglich, sodass sämtliches Geld Bar in USD mitgenommen werden muss.
    Damit war der erste Tag in diesem interessanten Land verbracht. Weiter geht's mit Tag 2.
    rorschi, Exploris, meilenfreund und 57 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  2. #2
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    Ein super Reisebericht aus einem selten von Touristen bereisten Land, freue mich auf die Fortsetzung.

    Hat man als Tourist in Turkmenistan einen Internetzugang? Funktioniert das Handy-Roaming? Oder ist man von der Außenwelt abgeschnitten?

  3. #3
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    Zitat Zitat von cockpitvisit Beitrag anzeigen
    Ein super Reisebericht aus einem selten von Touristen bereisten Land, freue mich auf die Fortsetzung.

    Hat man als Tourist in Turkmenistan einen Internetzugang? Funktioniert das Handy-Roaming? Oder ist man von der Außenwelt abgeschnitten?

    Eine generelle Antwort fällt hier schwer. Whatsapp, Instagram, Facebook und co. sind dauerhaft gesperrt. Meine WEB.DE Email konnte ich ebenfalls nicht abrufen. Mein deutsches Handy hat sich zwar ins turkm. Netz eingeloggt, ich konnte jedoch nicht 'raus' telefonieren.

    Mit meiner Dubai Telefonnummer konnte ich normal telefonieren, aber keine SMS schicken.
    Man sollte sich also darauf einstellen, dass man ggf. für die Dauer des Aufenthalts von der Außenwelt abgeschnitten ist.

    WLAN ist im Hotel vorhanden, aber nahezu alle Seiten sind gesperrt, sodass ich es nicht genutzt habe.

    VPNs die in China und co. funktionieren, konnte ich hier nicht nutzen. Ein Teilnehmer unserer Gruppe konnte am ersten Abend einen finnischen VPN nutzen, der jedoch bereits am nächsten Morgen ebenfalls nicht mehr funktionierte.
    interessierterlaie, TorstenMUC, John_Rebus und 6 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  4. #4
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    Tag 2, Hauptstadt Aschgabat und Feier zum Unabhängigkeitstag

    Am nächsten Morgen war genug Zeit um sich in Ruhe fertig zu machen und zu Frühstücken. Im Anschluss begann die Gruppenreise mit einer Stadtrundfahrt in Aschgabat. Generell muss man sagen, dass Aschgabat aus 2 Bereichen besteht. Den normalen Wohngebieten, mit regulären Plattenbauten und kleineren Häusern, wo der Verkehr wie in jeder Stadt ist und wo man Menschen auf den Straßen bei Ihren Besorgungen etc. sieht, und den Repräsentationsgebieten, welche alle am Rande der Stadt liegen, wo die massiv ausgebauten Straßen, Parks und Gebäude menschenleer sind.

    Hierfür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Wer kann, hält sich von allem was mit 'dem Staat' zu tun hat so weit wie möglich fern. Auch wenn die Parks und Gebäude toll aussehen und vermutlich auch unendlich viel Geld gekostet haben, ist die Umgebung mit Wachposten und Kameras alle Paar Meter, natürlich nicht sonderlich einladend zum Verweilen.
    Die Wohngebäude der Beamten befinden sich ebenfalls in diesem Teil der Stadt. In Turkmenistan entscheidet i.d.R. der Job, wo der Staat einem eine Wohnung anbietet.

    Blick über die Stadt




    Erster Stopp war der Hochzeitspalast, welche auf einer Anhöhe gelegen ist und im Jahr 2011 fertiggestellt wurde.
    Das Gebäude verfügt über 3 große Säle für 500-1000 Personen, sowie 11 weitere kleinere Säle. Im inneren der goldenen Kugel befindet sich ein seperater luxuriöser Saal, welchen wir leider nicht sehen konnte. Die Behörde des Standesamts, befindet sich in der ersten Etage. Die Säle können regulär gemietet werden und es werden staatlicherseits 'Sammelhochzeiten' durchgeführt, für Menschen welche sich aus eigener Tasche keine Feier leisten können.



    Im Anschluss ging es zum 1998 fertiggestellten und 2011 vom Unabhängigkeitsplatz im Regierungszentrum an den Rand der Stadt, zu den anderen Repräsentationsbauten, verlegten Neutralitätsbogen.
    Das Bauwerk ist 95 Meter hoch und symbolisiert die von der UN anerkannte neutralität des Landes. An der Spitze befindet sich eine goldene Statue des ersten Präsidenten Niyazow, welche sich ursprünglich mit der Sonne gedreht hat. Seit 2011 ist dies jedoch nicht mehr der Fall.
    Innerhalb der Bauwerkes befindet sich eine Plattform für Besucher, welche wir jedoch leider nicht besuchen konnten.





    Das Bauwerk ist in einen Park eingebettet



    Straße vor dem Monument



    Im Anschluss ging es zum 2011 zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit von der Sowjetunion eröffneten Verfassungsdenkmal.
    Das Denkmal ist ebenfalls in einen großen und mit Springbrunnen bestückten Park eingebettet. Theoretisch könnte man bis zum Denkmal an sich hinaufsteigen, dies ist jedoch nicht gestattet. Der Zugang wird von Soldaten gesperrt.
    Hier hat unsere Gruppe zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Spielregeln gemacht. Im Bus wurde zuvor gesagt, dass es erlaubt ist das Bauwerk zu fotografieren, es jedoch verboten ist sich umzudrehen und Fotos von den ggü. liegenden Regierungsgebäude zu machen.
    Leider haben hier einige Gruppenmitglieder eine Aufforderung gesehen es doch mal zu versuchen. Der Versuch ist natürlich gründlich schiefgegangen und sofort kam ein schreiender und gestikulierender Mensch 'aus dem Gebüsch' und die Gruppe musste schnellen Schrittes zum Bus zurückkehren.

    Spätestens jetzt war allen klar, dass man sich an die Spielregeln zu halten hat. Alles andere macht einem das Leben nur schwer.





    Generell ist die Präsenz von Sicherheitskräften im Land enorm. Alle sind top ausgestattet, an den Laternen hängen die modernsten Kameras (sicherlich mit Gesichtserkennung), die Polizei fährt Mercedes Benz. Auffällig ist, die russische Minderheit im Land scheint bevorzugt für diese Art von Tätigkeit eingestellt zu werden. 7% der Bevölkerung sind Russen. Meiner Beobachtung nach lag die Quote der Russen innerhalb der Sicherheitskräfte bei über 50%.

    Nächster Stopp ist das größte Indoor-Riesenrad der Welt. (Vermutlich auch das einzige)
    Innerhalb einer gläsernen Hülle, befindet sich eine Riesenradkonstruktion, deren Gondeln aus Gondeln für Seilbahnen bestehen. Der Ausblick ist auf das Regierungsviertel der Hauptstadt und der Präsident hat eine eigene stets für ihn reservierte Gondel.
    Im Keller des Gebäudes befindet sich eine Art Spielhalle für Kinder, mit Minieisenbahn, Arcade-Games etc.

    Leider alles ungenutzt.





    Mit einem späteren Abendessen ggü. des Hotels in einem netten Lokal endete Tag 2.
    Am nächsten Tag hieß es, Fortsetzung des Besichtigungsprogramms und ab Mittags bereithalten für die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag.

    Mehr dazu im nächsten Teil, den ich versuche im Laufe des morgigen Tages fertigzustellen.
    rorschi, Exploris, meilenfreund und 55 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  5. #5
    Megaposter Avatar von kingair9
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    Irre. Geil. Weitermachen bitte.
    koelntom, John_Rebus, mainz2013 und 1 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  6. #6
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    Toller Bericht. Ich war Anfang des Jahres beruflich in Turkmenistan (Bericht ist hier im Forum) und kann deine bisherigen Eindrücke nur bestätigen. Bin sehr gespannt wie es weitergeht.
    Zu der Zeit hatte ich übrigens keine Probleme mit WhatsApp und Co. Das lief einfach.

  7. #7
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    war im Juni 2019 mit dem 5 Tage Transitvisum in Turkmenistan, mit der App "Free VPN" hatte ich auch Zugang zu den gesperrten Seiten und messenger Diensten.
    Simkarte kostet für Ausländer 30 USD, zahlbar nur in USD.
    Für Einheimische gibt es die für 10 Manat. -> Also am besten einen Einheimischen mit paar USD bestechen, dass er/sie auf den eigenen Namen eine Sim erwirbt...

  8. #8
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    Vielen Dank für den Reisebericht!

    Es ist immer wieder schön, Bilder von Orten anzuschauen, wo ich so schnell privat nicht hingehen werde. So bekommt man einen kleinen Eindruck von einem Land, ohne den ganzen Aufwand betreiben zu müssen
    abundzu sagt Danke für diesen Beitrag.

  9. #9
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    Vielen Dank für den Bericht!

    Ich wollten letzten Sommer mit Transit Visa alleine durch TM reisen. Ich hatte dann leider keine Geduld in Baku auf die Fähre zu warten und werde 2020 es evtl nochmals versuchen.

  10. #10
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    Guten Morgen zusammen,

    weiter geht's mit dem nächsten Tag.

    Tag 3, Hauptstadt Aschgabat und Feier zum Unabhängigkeitstag

    Erneut konnten wir es am Morgen ruhig angehen lassen und zunächst in Ruhe Frühstücken um anschließend das heutige Programm zu starten.
    Als einzige Reisegruppe werden wir an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag teilnehmen dürfen. Das bedeutet, dass das Programm am heutigen Tag eher lose bestimmt ist, da weder die lokalen Guides noch die Guides vom Reisevermittler genau wissen, wann und wo die Feierlichkeit stattfinden wird.
    Die Hintergründe um die Geheimnistuerei kann man nur mutmaßen. Selbst die Darsteller (mehr dazu später) wissen nicht genau in welchen Stadion sie sich zu welcher Zeit einfinden müssen. Alle sind bereit auf Abruf. So auch wir.

    In der Zwischenzeit, es ist noch recht früh am Morgen, besuchen wir das Unabhängigkeits Monument, welches, wie soll es auch anders sein, ebenfalls in einen großen und wie immer sehr gepflegten Park eingebettet ist.
    Hier gibt es eine Wiese auf welcher jeder Staatsbesucher (Regierungschefs / Präsidenten) einen Baum pflanzen. Tatsächlich gibt es auch einen deutschen Baum. Leider ergab meine Internetrecherche keine Info 'wer' diesen dort im Namen Deutschlands gepflanzt hatte.

    Hier darf die Wiese 'sogar' betreten werden



    Das Monument ist im Stil der traditionellen turkmenischen Zelte erbaut und ist 91 Meter hoch. Dies erinnert an das Jahr der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahre 1991. Innerhalb des Gebäudes befindet sich eine Ausstellung von turkmenischer Kunst, welche wir uns jedoch leider nicht ansehen konnten.





    Wenn man die Bilder sieht, fragt man sich natürlich, wie schafft man es, dass alles derartig sauber und akkurat aussieht. Der Hauptgrund dürfte natürlich sein, dass hier kaum Besucher umherlaufen und selbst wenn welche dort sind, sich diese extrem 'sauber' (sprich, keine Kaugummi ausspucken, Müll fallen lassen etc.) verhalten. Die Gründe hierfür dürften klar sein. Einen großen Beitrag zur Sauberkeit tragen jedoch auch die überall anwesenden älteren Damen bei, welche im Hintergrund sämtliche Straßen, Bauwerke, Laternen, Parks, Gehwege, Straßenschilder, einfach alles .... permanent und täglich sauber halten.

    Laut Information unsere lokalen Guides, handelt es sich hierbei um Rentnerinnen, welche zusätzlich zur Rente, vom Staat jeden Tag einige Stunden beschäftigt werden, um ihr Einkommen aufzubessern. Ob das wirklich so ist, konnte ich nicht überprüfen.



    Ebenfalls im Park, befindet sich die goldene Statue des ersten Präsidenten Niyazow, umringt von Dreikopfadlern.



    Nun geht es zurück in den älteren und etwas weniger repräsentativ gestalteten Teil von Aschgabat. Auf bitten der Gruppe, erklärt unser lokaler Guide, wie es sich mit dem Wohnraum in Aschgabat verhält. Wie bereits vorher kurz erläutert, entscheidet i.d.R. der Beruf 'wo' man eine Wohnung bekommen kann.
    Die Wohnungen in den modernen Bauten im Regierungsviertel von Aschgabat, gehören jeweils zu den Ministerien. Hierbei handelt es sich um Eigentumswohnungen, welche dem jeweiligen Beamten und seiner Familie zinsfrei überlassen werden. Die Wohnungen sind sehr groß (200qm) und grundsätzlich voll ausgestattet, inkl. Elektrogeräte usw.
    Der Preis für eine solche Wohnung beträgt laut seiner Info, ca. 120k USD. Den Kredit erhält man Zinsfrei und teilweise ist die erste Zahlung erst nach 5 oder gar 10 Jahren fällig. Die jeweilige Rate wird im Anschluss vom Gehalt monatlich einbeahlten. Für die Rückzahlung hat man 30 Jahre Zeit.

    Jedes dieser Häuser wurde von einem der Ministerien finanziert und erbaut. Dementsprechend sind alle Bewohner angestellte des gleichen Ministeriums.
    Die Parkgaragen befinden sich im Keller und die Eingänge stets auf der Rückseite des Gebäudes. Die Vordereingänge zur Straße sind nur zur Darstellung und können nicht genutzt werden.

    Regierungswohnhäuser im Hintergrund



    Für einfachere Arbeiter, gibt es ebenfalls staatliche Wohnungen in den ältern Plattenbauten aus der Sowjetzeit. Hierzu haben wir keine Information zu den monatlichen Mietpreisen. Betrachtet man jedoch dass das durchschnittliche Einkommen ca. 200 USD pro Monat beträgt, muss die Miete definitiv im zweistelligen Bereich liegen. Laut Information des Guides, wird die Instandhaltung etc. aus dem Staatsbudget finanziert und auch subventioniert.
    Die Gebäude sind somit wirklich alle (äußerlich) in einem sehr guten Zustand. Kein Vergleich zu anderen ehem. Sowjetrepubliken.





    Im Stadtzentrum werden wird zu 1,5 Stunden Freizeit entlassen. Zunächst vorbei an einem Pferdestandbild.



    Dann am Lenindenkmal in der Innenstadt



    In Richtung des großen Marktes. Hier wurde uns bereits im Vorfeld gesagt, dass das fotografieren des Marktes von außen und innen nicht gestattet ist.
    Ich kam jedoch mit einem jungen Händler ins Gespräch, welcher wirklich froh war seine Englischkentnisse anwenden zu können und mich quasi dazu drängte einige Fotos zu machen. Er sagte mir, da heute quasi nichts los sei, der Markt mehr oder weniger leer ist, wird es niemanden interessieren wenn ich per Handy einige Fotos mache. Es geht wohl hauptsächlich darum, das Warenangebot nicht zu zeigen, was eigentlich unsinnig ist, da es hier keinen Mangel gibt. Im Gegenteil, solche frischen organischen und lokalen Produkte (Aprikosen, Getreide, Melonen etc.) würde man sich in Europa nur wünschen können.

    Markt von außen


    Markt von innen


    Hier esse ich für umgerechnet ca. 60 Cent, einen wunderbaren Kebap vom Lamm. Die Zubereitungsweise mit roter Beete und Essiggurken ist für mich typisch ex UDSSR. Kannte ich so noch nicht, schmeckt aber wahnsinng gut. Dazu frisches warmes Brot.
    Die Preise hier scheinen auch für die lokale Bevölkerung in Ordnung zu sein, das Lokal ist prallgefüllt zur Mittagszeit.



    Generell gefällt mir dieser Teil von Aschgabat sehr gut, da man hier Menschen auf den Straßen sieht und man sich weniger beobachtet vorkommt, als im Bereich der Regierungsgedbäude. Dieser Bereich der Stadt, könnte auch irgendwo in Osteuropa stehen.

    Typisch sowjetisches Kunstwerk an der Seite eines Gebäudes



    Nach 1,5 Stunden waren alle wieder pünktlich am Bus zurück. Zwischenzeitlich hatte unser lokaler Guide einen Anruf vom Ministerium bzgl. der Feier zum Unabhängigkeitstag bekommen. Die Show würde im Aschgabat Stadion stattfinden. Damit war laut seiner Aussage klar, dass der Präsident selbst nicht beiwohnen wird, da die Feier sonst im Köpetdag oder Olympia Stadion gewesen wäre. Für uns ist dies jedoch eine gute Nachricht, da wir somit lt. seiner Aussage während der Show fotografieren dürfen.

    Zurück im Hotel haben wir 2 Stunden Zeit um uns frischzumachen, und uns ein wenig in Schale zu werfen, da für den heutigen Abend etwas elegantere Kleidung vorgesehen ist.

    Weiter geht's im nächsten Post.
    rorschi, Exploris, meilenfreund und 35 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  11. #11
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    Weiter geht's. Pünktlich geht es los in Richtung des Aschgabat Stadion, wo wir ca. 2,5 Stunden vor Beginn der Feierlichkeiten eintreffen.
    Damit sind wir definitiv priviligiert. Als wir ankommen, sitzen bereits alle. Lt. Info des Guides ist es normal, dass man bei solchen Veranstaltungen 4-5 Stunden vorher dort ist. Bei Anwesenheit des Präsidenten noch früher.
    Bei der heutigen Feierlichkeit, handelt es sich um ein reines Propaganda-Event. Man muss sich hier klarmachen, dass niemand (außer unserer Gruppe) freiwillig an einer solchen Veranstaltung teilnimmt. Ca. 15 Tausend Menschen nehmen eine mehr oder weniger aktive Rolle ein, in dem sie auf den Tribünen Schriftzüge darstellen, oder auf dem Feld tanzen, singen, reiten usw.
    Weitere ca. 5 Tausend Menschen, 'spielen' auf der Haupttribüne das Publikum. Dazwischen unsere Gruppe als einzige, die sich wirklich für das dargebotene interessiert.
    Eine Gruppe von älteren Damen muss wegen uns deren Plätze räumen. Damit soll es aber nicht getan sein. In den 2,5 Stunden vor Beginn, muss sich unsere Gruppe 4x umsetzen. Die Gründe dafür wurden uns nicht genannt, sind aber mehr oder weniger offensichtlich. Die Anwesenheit von einigermaßen vorzeigbaren Ausländern, muss natürlich für die Kamerabilder genutzt werden. So wandern wir nach und nach von unseren Plätzen unten rechts auf der Tribüne, nach oben in die Mitte, wo wir prominent platziert sind.
    Unserem lokalen Guide ist dieses Spiel ein wenig unangenehm, da die Entscheidungsträger in ihrem Umgangston eher rustikal sind und wir stets in aller Hektik aufspringen und die Plätze wechseln müssen.

    Nun sitzen wir zwischen einer Gruppe von Studenten, die jedoch leider kein Englisch sprechen, oder dies zumindest behaupten.
    Ich spreche ein wenig Türkisch, was dem Turkmenischen doch recht ähnlich ist. So erfahren wir, dass man definitiv priviligiert (sprich an einer Top-Uni studiert, oder in einem Ministerium arbeitet) wenn man hier das Publikum 'spielen' darf. Die weniger guten Universitäten und staatlichen Betriebe spielen auf den ggü. liegenden Rängen die Schildchen-Halter, um während der Show div. Worte zu formen.
    Die tanzenden Menschen auf dem Feld sind wohl meistens normale Schüler und Gymnasiasten, da es hier einfacher ist, diese nebenher zum Unterricht für derartige Events üben zu lassen.

    Nach Einnahme der finalen Plätze


    Kurz vor Beginn wurden uns die Spielregeln für den heutigen Abend erklärt. Die Show dauert ca. 2 Stunden. Falls Toiletten-Bedarf besteht, bitte melden und nicht einfach aufstehen. Ansonsten bitte den Anweisungen der Sicherheitsleute (Anzugträger mit Knopf im Ohr) folge leisten, sprich, wenn angezeigt wird aufzustehen, bitte umgehend aufstehen usw.

    Kurz vor Beginn der Show. Die Menschlichen spruchbänder sind platziert. An den seitlichen Rängen werde statische Worte dargestellt,
    in dem man den Darstellen die entsprechend farbliche Kleidung angezogen hat.


    Die Show beginnt mit dem Absingen der Nationalhymne. Jeder, wirklich jeder, singt aus voller Kehle mit. Die Männer im schwarzen Anzug gehen gut Sichtbar mit Blicken die Reihen durch.

    Im Anschluss ist die Show relativ einfach strukturiert. Zuerst werden alle nationalen 'Heiligtümer', Pferde, Hunde, Landwirtschaft usw. tänzerisch und musikalisch dargestellt. Danach stellt sich jede Region mit einem typischen Tanz, Lied usw. vor.
    Ehrlich gesagt, hat man eigentlich nach 15 Minuten alles gesehen, da es sich doch alles recht ähnlich ist und der überbordende Nationalismus schwer zu ertragen ist. Dennoch ist es natürlich ein Privileg als einziger Ausländer (und dazu erstmals mit Fotoerlaubnis) hier beiwohnen zu dürfen.

    Thema Landwirtschaft




    Thema Neutralität des Staates




    Thema Pferde (das einzige Thema wo die anderen 'Zuschauer' wirklich interessiert waren)



    Hunde


    Zum großen Finale zunächst ein synchronisierter Tanz



    Und schließlich die Nationalhymne vom größten Chor den ich je gesehen habe


    Generell war die musikalische Untermalung 100% von nationalistischen Liedern, hauptsächlich über die Schönheit von Aschgabat, die Neutralität, den ehrenvollen Präsidenten usw., geprägt. Dazu eine sprachliche Untermalung von einer wirklich sehr markanten männlichen Stimme, welche die Menge immer wieder zum applaudieren, zu 'Ehre, Ehre' Ausrufen usw. motiviert. Wem diese Stimme gehört, würden wir am nächsten Tag erfahren und den Menschen dahinter auch persönlich kennen lernen.

    Kurz vor Ende der Show, eigentlich lief sie noch, mussten wir auf einmal aufspringen und schnellen Schrittes gen Ausgang gehen.
    Man wollte uns vor verlassen der Minister raus haben, da wir ansonsten über eine Stunde auf unseren Plätzen hätten warten müssen, bis die Prominenz weg ist, und der Normalbürger ebenfalls gehen darf.

    Draußen dann ein interessantes Bild. Über 100 brandneue weiße Mercedes E und S Klassen stehen bereit um die Prominenz abzutransportieren. Die Geschäfte für die Daimler AG scheinen hier also gut zu laufen.

    Unsere Gruppe steigt in den bereitstehenden Bus und wird zurück zum Hotel gebracht, wo dieser ereignisreiche Tag ein Ende findet.
    rorschi, Exploris, meilenfreund und 47 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  12. #12
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    Zitat Zitat von Pascal1101 Beitrag anzeigen
    Draußen dann ein interessantes Bild. Über 100 brandneue weiße Mercedes E und S Klassen stehen bereit um die Prominenz abzutransportieren.
    Waren alle Mercedes auch in weiß, oder darf die Führung auch mit schwarzen Limousinen fahren?

    Freue mich auf die Fortsetzung!

  13. #13
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    Vielen, vielen Dank für den Bericht

    Das übliche anzuklickende " Danke" reicht in diesem Fall nicht
    Reyhan
    abundzu sagt Danke für diesen Beitrag.

  14. #14
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    Zitat Zitat von cockpitvisit Beitrag anzeigen
    Waren alle Mercedes auch in weiß, oder darf die Führung auch mit schwarzen Limousinen fahren?

    Freue mich auf die Fortsetzung!

    Die waren tatsächlich auch alle in weiß.
    Um schonmal vorweg zu greifen, wir haben den Präsidenten tatsächlich einige Tage später noch gesehen. Er fährt einen weißen GLS Brabus.

    Die einzigen nicht-weißen Autos die ich gesehen habe waren der schwarze BMW des deutschen- und der dunkelgrüne Land Rover des britischen- Botschafters.

    Ich versuche den nächsten Teil heute Abend fertigzustellen.
    kingair9, cockpitvisit, HON/UA und 7 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  15. #15
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    Für Asghabat wird das mit den „keine schwarzen Autos“ schon streng gehandhabt,
    einige hundert Kilometer entfernt in anderen turkmenischen Städten sieht man aber doch ab und zu eins...

    Während meines Aufenthaltes in TM traf ich zwei junge Schweizer die mit ihrem Geländewagen auf dem Weg nach Wladivostok waren. In ihrer ersten Nacht, so erzählten sie, wurden sie früh morgens von den der Hotelrezeption geweckt, damit sie ihr schwarzes Auto umparken, da genau an diesem morgen der Präsident die Straße langfährt...

  16. #16
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    Klasse Bericht, klasse Bilder! Vielen Dank für deine Mühe!

    Irgendwie erinnern mich manche Bilder an Las Vegas. Bereiche rund ums MGM.

  17. #17
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    Weiter geht's. Am nächsten Morgen stand das Umland von Aschgabat im Programm, da in der Hauptstadt selbst aufgr. der Militärparade zum Unabhängigkeitstag div. Straßen gesperrt sein würden.

    Erster Stopp war das Mausoleum des ehemaligen Präsidenten Niyazow ....



    ... welcher sich später selbst den Namen Türkmenbashi (Vater der Turkmenen) gegeben hat und für mich erstaunlicherweise auch wirklich im Alltag so genannt wird. Niyazow hat aus der eigentlich recht langweiligen Sowjetrepublik, in der es sich aus Sicht unseres Guides aber sehr gut leben ließ, da man aufgr. des Klimas und der Abgeschiedenheit wohl recht gut verdient hat und die Verfügbarkeit von Waren hier kein großes Problem war, das Land gemacht, was es heute ist.
    Niyazow hat einen extremen Personenkult um sich selbst aufgebaut, welcher im Schreiben des Buches 'Ruhnama' (Das Buch der Seele) gipfelte.
    Das Buch stand auf einer Ebene (oder darüber) mit religiösen Büchern, wurde in den Schulen und Universitäten gepaukt und es war nötig, z.B. bei der Führerscheinprüfung Zitate aus dem Buch zu können.
    Darüber hinaus befindet sich in Aschgabat eine übergroße Version des Buches in einem Park, welches sich unter der Herrschaft Niyazows jeden Abend öffnete, und verschiedene Passagen aus dem Buch laut vorlas.



    Ich habe mir eine deutsche Version des Buches gekauft. Die Übersetzung ist gut und wurde von einem deutschen Großkonzern arrangiert, welcher dadurch (übrigens bis heute) div. Aufträge der turkm. Regierung bekommen hat.
    Im Buch ansich geht es im Grunde um die Geschichte des Landes, welche jedoch teilw. nicht auf belegbaren Fakten basiert und stark nationalistisch geprägt / geschönt ist. Ebenso werden hier Verhaltensregeln für den täglichen Umgang usw. dargelegt und die Vorstellung verbreitet, wie sich das Volk laut Vorstellung seines Präsidenten zu verhalten hat.

    Die Bedeutung des Buches ist nach dem Tod Niyazows stark zurückgegangen, es wird aber immer noch als eines von mehreren Büchern genutzt, um Schülern die Geschichte des Landes zu lehren.

    Zu Ehren des Präsidenten wurde die Türkmenbashi Moschee im Dorf Gypjak (dem Geburtsdorf von Niyazow) errichtet und im Jahr 2004 fertiggestellt. Das fotografieren innerhalb der Moschee und im direkten Umfeld außerhalb der Moschee ist nicht gestattet. Fotos von weit weg und in der Gesamtansicht sind erlaubt. Grund hierfür sind nicht etwas religiöse Gründe (die Turkmenen sind zwar Muslime, allerdings nicht sonderlich gläubig) sondern die Tatsache, dass auf den Minaretten außen, und von innen auf allen Wänden, der Decke, sowie innerhalb der Kuppel, nicht etwa Zitate aus dem Koran angebracht sind, sondern Zitate aus dem Buch des Präsidenten der Ruhnama.
    Aus diesem Grund haben tatsächlich einige arabische Ländern damals Ihre Botschafter abgezogen, da man sich vorstellen kann, was das für einen gläubigen Muslim bedeutet.





    Im Anschluss ging es zur antiken Stadt von Nisa, der ehemaligen Hauptstadt Parther.
    Für mich war dieser Punkt ehrlich gesagt etwas uninteressant, da ich mehr am aktuellen Leben in einem derart 'strengen' Land interessiert war.
    Der Touristenführer in Nisa ein älterer russischer Herr, gab sich jedoch sehr viel Mühe und hat alle Punkte so interessant wie möglich erläutert.

    Grabungen werden hier von italienischen Wissenschaftlern durchgeführt. Die eigentlichen Funde befinden sich im Museum von Aschgabat.





    Nach dem kurzen Abstecher in die sehr ferne Geschichte, ging es wieder zurück in die neuere Geschichte. Um genauer zu sein zum Volks-Gedenk-Komplex.
    Auf einer Fläche von 650k qm wurde hier im Jahr 2014 ein Komplex für verschiedene Schicksalsschläge die das Turkmenische Volk erlitten hat eröffnet.
    Ein Monument wurde für die Opfer des Erdbeebens im Jahre 1948 errichtet. Es handelt sich um einen Bullen, der die Erde auf seinen Hörnern trägt. Darüberhinaus ist eine Mutter dargestellt, welche ein goldenes Baby schützend vor dem Erdbeeben in die Höhe hält. Bei dem Baby handelt es sich, wie kann es anders sein, um den Präsidenten.

    Ebenfalls Teil des komplexes ist eine modifizierte Version des 1970 errichteten Monuments für die Helden im 2. Weltkrieg, inkl. ewiger Flamme.
    Ein drittes Monument zeigt eine Mutter mit Sohn, in Erinerrung an alle Turkmenen die 1880 bei der Eroberung des Landes durch die Russen starben.
    In Gedenken an dieses Schicksal, sind auf dem gesamten Komplex im Hintergrund auch Wandbilder zu sehen, welche verschiedene Szenen hieraus darstellen.

    Alles in allem ist der Komplex wirklich riesig und wie immer, komplett ungenutzt aber in Punkto Garten und Sauberkeit, top gepflegt.

    Denkmal mit ewiger Flamme





    Denkmal für das Erdbeeben





    Von dort aus geht es zum frisch machen und umziehen wieder zurück zum Hotel. Bei der Fahrt durch Aschgabat, der aktuelle Präsident steht seinem Vorgänger in Punkto Personenkult in nichts nach.



    Nachdem wir uns in Schale geworfen haben, geht es per Taxi zur ersten Adresse im Land. Dem 5 Sterne Hotel Yyldyz (zu Deutsch, 'Stern').
    Nach der Fahrt durchs nächtliche Aschgabat, fahren wir am Hotel vor und sofort wird der Taxifahrer gedrängt doch die Auffahrt freizumachen. Noch halb im Taxi sieht der Fahrer zu, so schnell wie möglich wieder in für ihn angenehmere Gefilde zu kommen. Nach diesem Auftakt war uns klar, dass dies mehr ein externes Gebäude der Regierung, als wirklich ein Hotel ist.
    In der obersten Etage befindet sich ein Restaurant mit für dieses Land exorbitanten Preisen. (Nach unseren Maßstäben immer noch günstig)

    Und, man glaubt es kaum, im Saal neben an speist eine nordkoreanische Delegation, welche ebenfalls zu den Feierleichkeiten der Unabhängigkeit im Land ist.





    Die Speisen sind i.O. aber nichts super außergewöhnliches. Verglichen zu dem was es jedoch sonst an Speisen und vorallem auch Warenverfügbarkeit im Land gibt, es dies hier natürlich dennoch das non Plus ultra.

    Blick von der Terasse ins nächtliche Aschgabat.



    Wir sind hier als Gruppe zum ersten Mal alleine ohne unseren lokalen Guide. Es wäre also die Möglichkeit das gesehene zu besprechen. Hiervon wird uns jedoch von den internationalen Guides der Reiseagentur abgeraten, da es sich um die erste Adresse im Land handelt, in welcher alle Staatsgäste, Diplomaten etc. Wohnen und Speisen, und somit vermutlich auch die entsprechende Technik unter den Tischen ist.

    Per Taxi geht es nach einigen Stunden wieder zurück zum Ak Altyn Hotel, wo nur wenige Stunden zum Schlafen (und Packen) bleiben, denn morgen müssen wir um 4 Uhr raus. Den Grund dafür kann ich schonmal verraten, wir werden einem Event beiwohnen, bei welchem der Präsident auch anwesend ist.

    Morgen geht's weiter.
    rorschi, Exploris, meilenfreund und 35 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  18. #18
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    Irgendwie erinnert mich das ganze an Reiseberichte von Freunden, die Nordkorea besucht haben.....
    Vielen Dank dafür, finde ich hochinteressant!

  19. #19
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    Ein belgischer Mitreisender der kurz zuvor in Nordkorea war hat es treffend formuliert: Wie Nordkorea, nur mit Geld.
    interessierterlaie, koelntom, xcirrusx und 2 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  20. #20
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    nur zur Info:
    Warum warst Du dort? aus Interesse für das Land?
    Weil es sich gerade ergeben hat?
    aus Verzweiflung?

    Wir reisen auch viel, aber dieses Land kommt erst 200 Länder später..

    Trotzdem finde ich den Beitrag ganz interessant und toll!

    Wahrscheinlich ersparen sich so viele -zig Menschen die Reise!

    Vielen Dank für den Bericht!

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