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Thema: In der Pandemie nach Kigali: Eine ostafrikanische Reise unter Lockdown-Bedingungen

  1. #1
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    Standard In der Pandemie nach Kigali: Eine ostafrikanische Reise unter Lockdown-Bedingungen

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    Wie bereits angekündigt, will ich mich jetzt mal an den TR meiner Reise nach Ruanda vor ein paar Wochen wagen.

    Die Vorgeschichte ist schnell erzählt und spiegelt wider, was vielen von uns hier im Forum passiert ist. Eigentlich hatte ich im Dezember in einem Cyber Monday Sale von KQ günstige C-Tickets von Rom nach Madagascar geschossen für Anfang Mai 2020. Dann kam Covid19, die Flüge wurden gestrichen und von Kenya Airways Reiseguthaben generiert. Im Zuge der im Herbst wieder zunehmenden Corona-Restriktionen machte ich mich nach Möglichkeiten für eine Fernreise im Januar schlau. Mein Fokus fiel auch wegen der recht konstruktiven Strategie im Umgang mit Covid19 im Land schnell auf Ruanda, das es bis jetzt noch auf keine Risikogebiete-Liste geschafft hat (dazu später mehr).

    Ich nutzte also das KQ-Guthaben (plus geringer Aufzahlung) im Dezember zur Buchung von (leider nur noch) Y-Tickets AMS-NBO-KGL in der zweiten Januarhälfte und scannte währenddessen weiter fleißig die immer restriktiver werdenden Corona-Reiseregularien. Da KQ eifrig den Flugplan umstellte, lies ich mich einige Tage vor Abflug auf AMS-DXB-KGL auf KL/WB umbuchen. Am 19.1., kurz bevor Berlin die 200er-Inzidenzschwelle gerade so von unten schrammte, ging es frisch bei Centogene negativ getestet per Zug mit kleinem Wandergepäck und reichlichen Maskenvorrat nach AMS. Fortsetzung folgt...
    Geändert von Hene (21.02.2021 um 12:56 Uhr)
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  2. #2
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    Bevor ich gleich noch eine Runde im Vorfrühling vorm Fenster drehe (und bevor es hier die nächsten Tage opulent bebildert weitergeht) noch ein paar Erklärungen, was ich mit dem "konstruktiven" ruandischen Covid19-Vorgehen meine.

    Für Einreisende ist ein höchstens 120 Stunden alter negativer PCR-Test vorgeschrieben. Zudem muss vor Einreise ein Passenger Locator Form (PLF) online auszufüllen, der dabei generierte Code ist bei Einreise vorzulegen. Zusätzlich ist die Buchung eines Quarantäne-Hotels vorzunehmen und im PLF einzutragen. Nach einem weiteren Test in KGL bei Einreise muss man dort 24h bleiben bis das Ergebnis des Tests vorliegt, bei negativem Ergebnis ist man dann "frei".

    Die Behörden haben recht vorteilhafte Deals mit einigen Hotels ausgehandelt: Das Marriott ist dabei, das Radisson Blu, aber auch einige lokale Perlen, wie das Retreat Hotel (für das ich mich entschied), ein kleines ökologisch nachhaltig betriebenes Boutique Hotel mit sehr guter Küche. 170 USD mit Vollverpflegung fand ich durchaus ansprechend angesichts des doch recht hohen Preisniveaus in Ostafrika.

    Die ruandische Regierung hat mit Schließung der Landgrenzen (Ausnahmen gibt es für den Grenzhandel sowie für im Gesundheits- und Bildungssektor Beschäftigte), recht konsequent durchgesetzter Maskenpflicht, lokalen Community Health Management-Konzepten und Lockdown (v.a. in der Hauptstadt Kigali) sowie über das Land verteilten Testmöglichkeiten die Infektionszahlen bisher sehr niedrig gehalten: Insgesamt liegt man aktuell bei knapp 18.000 bestätigten Infektionen und rund 250 Toten, die, selbst wenn man von um den Faktor 10 erhöhten Zahlen ausgehen würde, noch sehr niedrig wären für ein extrem dicht besiedeltes Land von knapp der Größe Belgiens.

    Soweit die Zahlen. Als ethnographisch interessierten Menschen war ich natürlich auch neugierig darauf, wie im Land selbst die Umsetzung dieser Maßnahmen erfolgt und wie sie von den Einheimischen reflektiert werden. Dazu dann aber später mehr. Einen schönen Sonntag erst einmal!
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  3. #3
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    Spannend!
    Ein Freund von mir ist, nach etwas hin und her, seit ein paar Monaten für die GIZ in Accra - dementsprechend bekommen wir vom dortigen Leben auch ab und an was mit.
    Hene sagt Danke für diesen Beitrag.

  4. #4
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    Die Anreise nach Ruanda gestaltete sich doch etwas langwieriger als gedacht, aber es ist eben Corona-Zeit. Am 19.1. war ein sehr früher Start angesagt. Um 3.45h klingelte der Handywecker, schnelle Dusche und ins Taxi mit belegten Broten. Um 4.30h saß ich schon im ICE nach Hannover, wo ich auf den IC gen Amsterdam Centraal umstieg. Überall in den Zügen gähnende Leere.



    In Amsterdam C. leicht verspätet angekommen, nahm ich den nächsten Zug nach Schiphol. Knapp 3h vor Abflug war ich vor Ort, checkte ein (erhielt aber nur den Boarding Pass für AMS-DXB), zog noch ein paar Euro und Dollar aus dem Automaten, die bevorzugte Zweitwährung in Ruanda für touristische Dienstleistungen. Bei der Passkontrolle zog der Beamte eine Augenbraue hoch, als ich ihm auf seine Frage nach Reiseziel und -grund 'Urlaub in Ruanda' erwiderte. Nachdem ich beim Check-in schon Corona-Testergebnis, das ausgedruckte Passenger Locator Form für Ruanda und eine bestätigten Quarantäne-Hotelbuchung vorlegen musste, reihte ich mich Airside noch beim so genannten Health Screening ein, wo man eine Health Declaration ausfüllen, den Corona-Test ein weiteres Mal vorzeigen musste und Fieber gemessen wurde. Sonst war in AMS nicht viel los, das nur zum Drittel genutzte Tableau zeugt von wenig Flugbewegungen:



    Das Boarding für KL427 erfolgte pünktlich und war schnell erledigt, der Dreamliner nur zu ca. 30 Prozent gefüllt in der Y. Mit ca. 20 min. Verspätung ging es in den Himmel, der Flug verlief ereignislos. Bei ein paar Filmen, u.a. Terence Mallick's 'A Hidden Life' mit August Diehl, der durchaus gut schauspielern kann, wenn nötig, war ich gut unterhalten.

    Um 0.15h erreichten wir DXB und ich nahm aufgrund kurzen Layovers und Terminalwechsels von 3 nach 2 die Beine in die Hand. Leider war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, dass Rwandair in DXB schon 90min. vor Abflug den Check-in beendet, so dass die Rennerei für die Katz war. Am Transfer Desk in T2 wurde mir um 0.50 nach ewigem Bus Transfer mitgeteilt, dass ich nicht mehr mitkäme. 10 min. Diskussion halfen nichts und ich wurde auch allmählich müde, so dass ich durch die Immigration ging (Covid-Test wollte niemand sehen), spontan per Flughafen Wifi ein Zimmer im Hilton the Creek buchte. Etwa eine h später lag ich im Bett.

    Morgens dann per Skype schnell in Nairobi bei Kenya Airways angerufen. Ich wurde relativ problemlos auf eine verspätete Verbindung via NBO nach KGL auf KQ und Fremdmetall (WB) gebucht. Vom Telefon Support von KQ war ich durchaus überrascht: Keine langen Wartezeiten, sehr freundlich, sehr zuvorkommend und proaktiv in der Problemlösung. Da kann sich so manche europäische Airline eine Scheibe abschneiden.

    Ohne Frühstück per Uber wieder zum Flughafen gefahren und eingecheckt. Um meinen aufgegebenen Rucksack, meinte der Agent, würde man sich kümmern. Fix in der Marhaba Lounge ein einfaches Frühstück genommen, dann den langen Marsch Richtung Gate angetreten. Um 11.30h ging es los nach NBO. Die (zu meinem Glück) um 5h verspätete 737 war relativ gut gebucht, die Flight Attendants im Ganzkörperschutz, das erste Mal, dass ich das sah. Ansonsten wieder ein ereignisloser Flug mit sehr mittelmäßigem Essen. Immerhin das Tusker war gut gekühlt. Was will man mehr?



    In NBO musste ich mir nach Landung um 15.45 6,5 Stunden um die Ohren hauen. Leider war die Turkish Airlines Contract Lounge gerade wegen Umbaus geschlossen, so dass ich mich mit der ungepolsterten Flughafenbestuhlung zufrieden geben musste. Nach ausgiebigem Frönen der mitgebrachten Reiseliteratur



    aß ich noch einen Happen im Airportbistro und nahm noch ein paar Tusker, bevor dann Rwandair auch hier relativ zeitig mit dem Boardingprozess begann. Um 21.30h ging es an Bord der schon etwas schrammeligen Dash8 für den kurzen Hüpfer nach KGL, wo ich mit 18h Verspätung eintraf.

    Dort alles gut organisiert: In Windeseile wurden Fieber gemessen (leider hatte der Roboter, der normalerweise dafür verantwortlich zeichnet, wohl bereits Feierabend), Visa on Arrival ausgestellt und der bereits im Voraus per Kreditkarte gezahlte PCR-Test (Rachenabstrich, puh!) durchgeführt. Am Gepäckband leider keine Spur von meinem Rucksack. Dies schnell protokolliert und ich wurde vor dem Flughafen sehr nett vom Eigentümer des 'Retreat', das nun für 36h mein Zuhause sein sollte, empfangen. Erster Eindruck auf der Fahrt durch die nächtliche Hauptstadt: Sehr, sehr sauber, dank restriktiv implementiertem plastic ban!



    PS: Ich verspreche für die folgenden Beiträge opulentere Bebilderung.
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  5. #5
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    Einen aus der Kategorie unnützes Wissen: das Tusker wurde nach dem Elefanten benannt, der einen der Brauereieigentümer ins Jenseits befördert hat.
    Hene und YankeeZulu1 sagen Danke für diesen Beitrag.

  6. #6
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    Zitat Zitat von unseen_shores Beitrag anzeigen
    Einen aus der Kategorie unnützes Wissen: das Tusker wurde nach dem Elefanten benannt, der einen der Brauereieigentümer ins Jenseits befördert hat.
    Haha, schön! Der Elefantenbulle, die wichtigste Waffe gegen alte, weiße Kolonialherren, I presume?

    Edit: An den hier von Funny van Dannen musste ich gerade noch denken bei erbarmungslos angreifenden Pflanzenfressern.

    https://www.youtube.com/watch?v=kQplYw5sfQY
    Geändert von Hene (23.02.2021 um 11:22 Uhr)
    unseen_shores sagt Danke für diesen Beitrag.

  7. #7
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    Endlich war ausschlafen angesagt, das ist das einzig Gute an Zwangsquarantäne, wäre da nicht diese überschwängliche Kakophonie der Vögel aus dem üppigen Garten. Sehr leckeres Frühstück und dann später Mittagessen (hierfür gibt es ein Menü mit jeweils zwei Optionen für Vorspeise und Hauptgang) wurden an die Tür geliefert. Der Koch im 'Retreat' kommt aus Mauritius und kombiniert recht geschickt kreolische, ostafrikanische und europäische Küche. Zwischendurch arbeitete ich ein paar Sachen nach, las mich auf meine anstehende Tour ein und machte letzte Absprachen. Schön war es auf jeden Fall auf der Terrasse zu sitzen, tropische Luft zu atmen und den Milanen am Himmel beim Kreisen zuzusehen.







    Auch mein Gepäck war leider erst in NBO lt. Auskunft der Gepäckabteilung am Flughafen (und sollte erst am kommenden Morgen in Kigali ankommen), so dass ich mich entschied, noch eine Nacht im 'Retreat' zu bleiben. Zumindest flatterte gegen 17h mein negativer Corona-Test von der Nacht ein, so dass ich mein Zimmer verlassen und vor der nächtlichen Ausgangssperre noch einen Spaziergang durch die Nachbarschaft machen konnte.









    Auch hier ein sehr positiver zweiter (kurzer) Eindruck von der Hauptstadt bei vergehendem Abendlicht. Verhältnismäßig ruhig auf den (recht steilen, kurvigen) Straßen (was vermutlich dem geltenden Lockdown in Kigali geschuldet ist). Und alles blitzblank, überall getrennte Abfallbehälter und sehr gepflegte Blumenrabatten auf dem Mittelstreifen der Hauptstraßen. Obwohl nahe am Zentrum gelegen, machte die Umgebung des Retreats einen sehr aufgelockerten Eindruck mit üppigem Grün. Urbane Verdichtung schien mir auf den ersten Blick in Kigali kein größeres Problem zu sein trotz einer stetig steigenden Bevölkerung von inzwischen knapp 1,5 Mio. Einwohner.

    Nach dem Abendessen, dass ich auf der vorderen Terrasse einnahm, versuchte ich alsbald mein noch bestehendes Schlafdefizit auszugleichen. Am kommenden Morgen sollte es los gehen in den Gishwati-Nationalpark, Ruandas neuestem Großschutzgebiet.
    Exploris, flyglobal, Reisemeister und 5 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  8. #8
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    Ich seh schon, das wird spannend. Hier war noch nie jemand in Ruanda mit Aufenthalt?

    Danke freue mich weiterzulesen!

    Irgendwie habe ich in Erinnerung: Ruanda Digitalisierungswütig und Digitalisierungs Kompetent. Neue Perle in Afrika. Konzerne bauen Niederlassungen (VW z.B.)

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