Hallo in die Runde, als durchaus leidgeprüfter Übergangs-Nomade zwischen DKB und DB möchte ich euch heute den aktuellen Stand meiner Odyssee mitteilen.
Meine Situation ist: Senator, Miles and More Gold Business als Geschäftsführer (mehrere weitere Karten im Unternehmen), Miles and More Gold "world" (d.h. privat), Partnerkarte über die private Miles and More Gold. Kein Girokonto bei der DB, dafür aber Baufinanzierungen (zu 95% abbezahlt) und Riester+Rürup und ein größerer Fond. Bonität: Definitiv vorhanden inkl. fast abbezahlter Immobilie und hohem Gehalt inkl. Boni.
Die "Business" ging relativ easy durch, außer dass man bis heute offenbar keinen vernünftigen Prozess für Vielflieger-Karten hat. Bei der "Privaten" gab es ein echtes Vollchaos in der Beantragung - und das seit November. Aber hier mal der Versuch, das ganze Chaos zu gliedern...
- Legitimierung
Ich habe auf unterschiedlichen Wegen versucht, mich zu legitimieren. Online (ging nicht, technischer Fehler). In einer kleineren DB Finanzagentur (ging nicht, ebenfalls technischer Fehler). In einer etwas größeren "echten Filiale" - ging, aber dafür gab es andere Probleme (s.u.). In einer echt großen Filiale (Taunusanlage, Frankfurt).
- Folge-Probleme
Beim ersten Antrag in der etwas größeren Filiale funktionierte der Kontocheck mehrfach nicht. Gehaltsabrechnung sorgte dafür, dass der Filialleiter den Prozess "overrulen" konnte.
- Falsches Produkt
Beim Antrag in der "etwas größeren" Filiale wurde mir eine Kreditkarte OHNE Teilzahlung beantragt - hier war man irrigerweise davon ausgegangen, dass diese nachträglich zubuchbar ist. Klassischer Beratungsfehler, denn dem ist nicht so. Und nein, auch mir war das zu dem Zeitpunkt nicht klar, dass die "Revolving" Kreditkarte ein völlig anderes Produkt ist als die "Non-Revolving" und innerhalb der DB sogar von unterschiedlichen Abteilungen bearbeitet wird.
- Halbtoter Prozess nach Kündigung
Als Folge habe ich in Absprache mit der Filiale die Karte ohne Teilzahlung gekündigt und eine neue Karte MIT Teilzahlung beantragt. Das Problem war: Durch die Kündigung wurde die gekündigte Karte und der Prozess nicht komplett als abgeschlossen im System vermerkt sondern blieb auf "pending". Der neue Antrag landete dadurch ebenfalls in einem failed state.
Was noch in Klärung ist, ob es sich hier um einen Fehler im System handelt aufgrund zweier Prozesse oder ob dadurch sogar ein nicht-vorhandenes Bonitätsproblem aufgrund internem Scorings entstanden ist. Sollte das der Fall sein ist das definitiv ein Fall für die Aufsichtsbehörden, da das Auswirkungen auf mögliche zukünftige Geschäftsbeziehungen (Stichwort: Festlegung % von Zinsen...) zwischen der DB und mir haben könnte.
- Desaströser Kundenservice
Über den Kunden"service" wurde hier im Forum ja schon viel geschrieben, entsprechend war ich vorgewarnt. Damit kann man ja irgendwie umgehen, wenn man an irgendeiner Stelle etwas konkretes gewusst hätte über den wirklichen Sachstand. Aber bis zu meiner offiziellen Beschwerde und Bitte um Einsichtnahme gem. DSGVO hatte offenbar kein einziger öffentlicher Ansprechpartner Einsicht in den konkreten Status Quo des Neuantrags. Weder Hotline noch Filialmitarbeiter bis rauf zur Filial-Leitung. Ergebnis war, dass auch niemand den alten Prozess abschließen konnte oder den neuen Prozess weiter vorantreiben konnte. Das ging so weit, dass ich komplett unterschiedliche Aussagen zum Bearbeitungsstand erhalten habe - von "da war die Schufa wohl nicht gut genug" (sic!!) bis "wir können uns das auch nicht erklären".
- Mehr Eskalation geht nicht
Nach mehreren Wochen stand ich am Ende ohne private Miles and More Kreditkarte da - der Meilenschutz war nur noch durch die Business-Karte gegeben - und nur dank meiner Amex konnte ich halbwegs normal den Sommerurlaub für die Family und mich buchen. Ich habe dann entschieden, die zuständigen Aufsichtsbehörden einzuschalten. Weitere zwei Wochen später bekam ich ein Schreiben, wonach meine Beschwerde eingegangen sei - lustigerweise lag diesem Schreiben ein weiterer Zettel mit Hinweis auf eine Kundenzufriedenheitsbefragung bei. Das kannst du dir nicht ausdenken. Parallel habe ich ganz oldschool einen Brief an die DB geschrieben mit entsprechender Beschwerde an den Vorstand - gleichwohl ich weiß, dass der solche Peanuts natürlich nie zu sehen bekommt.
- Plötzlich geht was
...seit heute ist tatsächlich die private M&M Gold "virtuell" sichtbar und ich konnte sie zu Apple Pay hinzufügen. Weitere Funktionen und Ansichten gibt's dann vermutlich ab morgen.
- Nebenkriegsschauplätze: Schufa und Bonusmeilen
"Dank" der tollen neuen Schufa sieht man recht transparent, was für Anfragen mit welcher Schufa-Relevanz durch so einen Vorgang getriggert werden. Bei mir waren es deren vier (November, Dezember, Januar, Februar), die dafür gesorgt haben, dass mein Score signifikant gesunken ist. Spätestens in der neuen Variante mit Indexwerten und ohne Prozente. Derzeit versuche ich die DB dazu zu zwingen, drei der Anfragen löschen zu lassen, da diese durch technische Fehler und Fehlberatung entstanden sind. Schufa verweist auf die Bank, die wiederum behauptet, das könne ich doch ganz unkompliziert selber bei der Schufa machen. Geht aber nicht, da die Anfragen "score-relevant" sind. Und solche Anfragen kann nur das anfragende Kreditinstitut löschen lassen.
Durch den verzögerten Beantragungsprozess sind mir Extra-Meilen verloren gegangen, auch diese versuche ich grad wieder einzutreiben.
- Anruf durch den Kundenservice
Vor wenigen Minuten habe ich dann noch einen Anruf durch den Kundenservice erhalten, hier offenbar durch eine Abteilung, die sich um die "schweren Fälle" kümmert. Man entschuldigte sich bei mir und bat mich um ein paar weitere konkrete Hinweise - dass hier explizit nach Namen gefragt wurde von Bankberater:innen fand ich befremdlich, Denunziantentum ist so gar nicht meins und für die bescheidene Struktur und Fortbildungs-Situation innerhalb der DB kann am Ende keiner meiner Ansprechpartner was.
Dennoch scheine ich irgendwas ausgelöst zu haben und offenbar bin ich irgendwas zwischen Einzelfall und Systemproblem-Aufdecker.
Insgesamt hatte das Ganze was von nem Pfadfinder in der sibirischen Tundra, der auf der Suche nach Gold versehentlich stinkende Jauche und anders stinkendes Öl findet. Hurray. Aber wenigstens scheint der Vorgang sich jetzt so langsam dem Ende entgegen zu bewegen. Was zahlt einem die DB eigentlich für die unzähligen Stunden, die der Schwachsinn gekostet hat - außer, dass sie gegenüber der DKB noch Leistungen gekürzt haben?
PS: Hoffe, der ein oder andere findet in meinem Roman was relevantes - dann hätte sich das Ganze wenigstens für das Forum gelohnt!