Die Argumentation der Wiwo ist merkwürdig. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt knapp unter 90000 Meilen und wollte eigentlich kurze Zeit später einen Flug buchen. Mich hat das genauso getroffen, da meine bestehenden Meilen mit der absolut gleichen "Ratio" abgewertet wurden wie die derjenigen, die weit im sechsstelligen Bereich liegen. Zudem ist die Argumentation inkonsistent: die Abwertung war aufgrund der großen Anzahl vorhandener Meilen notwendig, gleichzeitig wird gesagt, dass ein Großteil der Meilen ohnehin nicht verbraucht werden wird, da sich viele Mitglieder weit unterhalb einer Award-Grenze bewegen.
Na ja, das kann man sicher unterschiedlich sehen. Aber mir ging es gar nicht um solche Details, über die man sich in Foren wie diesem trefflich tagelang diskutieren kann.
Mein Punkt ist: Durch Artikel wieder diesen (oder den im SPIEGEL diese Woche, dann noch den in der FTD usw.) wird vermutlich eine große Zahl von Gelegentlich- und Vielfliegern erst auf die ganze Angelegenheit aufmerksam. Die Berichte über das Kölner Urteil vor einigen Wochen waren kürzer und meist nur auf diesen Einzelfall beschränkt - und ehrlich, wer außer Leuten, die die Hälfte ihre Lebens im Vielfliegertreff verbringen, interessiert sich für einen staatlich alimentierten Prozesshansel, der sich (ob zurecht oder nicht) einen Lifetime-SEN erklagen will? So werden das doch viele gesehen haben.
Das war die erste Welle, und die konnte die LH noch aussitzen. Aber jetzt geht es in der Berichterstattung explizit um die Firmenpolitik. Interessant ist doch, dass in dem WIWO-Artikel auf den Kölner Prozess gar nicht mehr eingegangen wird. (Im SPIEGEL hingegen hat der Kläger für ein Foto posiert, aber das ist ein anderes Thema.)
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nach der Lektüre eines solchen Artikels zahlreiche FTLs und SENs, die sich bislang nicht groß um M&M gekümmert haben, weil "es einfach so passiert ist" und die halt irgendwie doch meistens mit LH oder Star Alliance geflogen sind, plötzlich denken: "Oh, stimmt, der LH-Service und die M&M-Leistungen sind tatsächlich um einiges schlechter geworden in den letzten Jahren! Sollte das tatsächliche eine systematische Firmenpolitik gewesen sein? Hm, da werde ich meine Sekretärin, meiner Reisestelle etc. doch sagen, sie soll auch mal woanders gucken."
Klar, man kann es immer noch weiter aussitzen und hoffen, dass sich keine messbaren Auswirkungen auf die Buchungszahlen ergeben. Aber das wird jetzt Thema ganz oben sein, und da werden sich Leute ernsthaft Sorgen machen.