Du und Deutschland werden wegen der Energiewende und dem ideologischen anti AKW Quatsch ein sehr, sehr böses erwachen erleiden.
Die Energiewende hat ihre Hauptaufgabe nicht beim Ersatz der einen Stromerzeugungsform durch eine andere.
Die Energiewende findet primär bei Produktionsprozessen, Heizung und Mobilität statt. Da liegt der anteilige Schwerpunkt des Energieverbrauchs… Bei Heizungen gilt es derzeit ca. 8 Ct/kWh Gas zu schlagen, da haben AKW ebensowenig wie bei Mobilität überhaupt einen Auftritt.
Und du brauchst längst nicht mehr ideologisch gegen AKW zu sein, ein Blick auf die Kosten genügt.
Ideologie ist aber zu glauben, man könne in Deutschland 2026 „einfach so“ KKW wieder in Betrieb nehmen, für die die Betriebsgenehmigung erloschen ist und die daher eine Rückbauverpflichtung unterliegen. Das ist Ignorieren der Rechtslage und gilt nebenbei für sämliche Bauten im Außenbereich in ist in allen Landesbaugesetzen so. Das Baurecht ist auch kein Thema für den Bundestag. Was das erlöschen der Betriebsgenehmigung für KKW angeht: das ist bisher unbestrittener Beschluss des Deutschen Bundestages. Es gibt bisher - ungeachtet irgendwelcher Lobbyorganisationen oder politischer Trittbrettfahrer - keinerlei Gesetzesinitiative genau das zu ändern. Die Realität erstmal wahrzunehmen halte ich jedenfalls nicht für Ideologie.
Hüte dich vor Störmanövern von Öl&Gas-Firmen wie z.B. Total Energies und BP, die einfach Konzessionen erwerben und dann genau nichts tun.
Man muss nicht allen Absichtserklärungen Glauben schenken, das gilt nicht nur für Offshore-Wind, es gilt auch für Nuklear und andere größere Projekte. Und ich hab auch schon erfahren dürfen, wie sich mancher Entwickler präsentiert und weiß, wie die Planung tatsächlich dahinter aussieht. Die Diskrepanzen könnten manchmal nicht größer sein, nach dem Motto: redet der über das gleiche Projekt?
Ich bin überzeugt davon, dass SÄMTLICHE technische Anlagen im Laufe der Zeit fehleranfälliger werden und der Wartungsaufwand steigt.
Weshalb sie üblicherweise nach längeren Zeitabständen ersetzt werden.
Deutsche KKW haben eine Design Lifetime von 40 Jahren gehabt und sind so ausgelegt. Ich kann das nicht ändern, man sollte das aber wissen.
Manche Designs legen heute auch 60 Jahre fest. Alles nach Design Lifetime ist die Disziplin des technischen Gesundbetens, also der Gutachten, der Anpassung an aktuelle Standards und weitere Maßnahmen. Vielleicht findet sich in 200 Jahren auch jemand, der sowas nochmal wie ein Windmühlenverein instandsetzt oder zum Industriedenkmal erklärt - das hat aber nichts mehr industrieller Stromproduktion zu tun.
Man hat in Deutschland 2000 über die Reststrommenge die Laufzeit auf 32 Jahre verkürzt und 2010 um 8 Jahre erhöht, das waren wieder die 40 Jahre. Das betraf alle vor 1980 begonnenen Reaktorbauten, die letzten 3 hatten Baubeginn 1982 / fertig 1988, da wurden 2000 abweichend vom Standard eine Reststrommenge für 14 Jahre festgelegt und ebenfalls 2010 um 8 Jahre erhöht. Wer jetzt mitgerechnet hat wird feststellen, dass das 33/34 Jahre waren und 2022 Schluß war. Genau das hat stattgefunden.
Das hat bei den 3en noch nichtmal mit Fukushima zu tun, das war bereits seit 2000/2010 vorher planmäßig so festgelegt. Hat nur bis 2022 genau niemanden interessiert, der nicht direkt was damit zu tun hatte.
Aufschub („Streckbetrieb“) gabs Ende 2022 für 3,5 Monate auf Iniative von Herrn Habeck, der wegen Gasmangel infolge Ukraine-Konflikt ein Problem über den Winter sah und eben nicht noch zusätzlich Gas verstromen wollte…
Der Streckbetrieb wurde übrigens von sämtlichen Parteien im Bundestag unter unterschiedlichen Aspekten kritisiert und war weniger fachlich getrieben sondern mehr eine Methode zur politischen Differenzierung.
Bei Grünen/Linke/teilweise SPD war man gegen den Streckbetrieb.
Bei teilweise SPD/CDU/CSU/FDP/AFD wollte man einfach neue Brennstäbe (wohlgemerkt: die hätte man in der Realität ein paar Monate vorher bestellen müssen, die Anlagen nicht 12 Jahre auf Restenergiemenge optimiert fahren - aber sowas wie Brennstäbe fertigt jemand auf Vorrat wenn sie nicht mehr gebraucht werden) und meinte damit unbegrenzt weitermachen zu können.
Technisch sinnvoll waren sämtliche politischen Ideen zu diesem Zeitpunkt nicht, selbst für die volle Laufzeit des Streckbetriebs bis 15.04. hat es nicht mehr gereicht.
Es ging schlicht um eine Nutzung der hohen Strompreise für politische Zwecke und CDU/CSU/FDP/AFD haben das trotzdem zum Kampfthema der Bundestagswahl gemacht. Letztlich hat auch in den inzwischen 1,5 Jahren danach nichts den Weg bis ins Gesetzgebungsverfahren geschafft.
Reaktivierung KKW ist mittlerweile fast reines AFD-Thema. Das wird allein genommen, um sich von anderen abzugrenzen. Technisch-fachlich wird da selbst im Fall eines Wahlsiegs so wenig passieren wie in den USA - auch dort ist das ist ein reines Börsenthema. Man schaue sich die Nuscale-Aktie im 1-Jahres oder 5-Jahres-Verlauf an. Letztes Jahr ein Push auf Faktor 5, mittlerweile wieder Faktor 1 mit Seitenbewegung. Eine Investition hat sich so bereits ausreichend amortisiert, nur nicht für Jeden. Fakt ist: 4,2 GW SMR-Kapazität 2034 WELTWEIT (!) sind sicher nicht annähernd ausreichend für die Börsenstory mit der Energieversorgung von KI-Rechenzentren (Prognose für alle RZ weltweit: 163 - 196 GW). Zumal schon die bereits existierenden 280 MW nichts damit zu tun haben.
Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um sich vorzustellen, was passiert, wenn die Tech-Riesen erkennen, dass die vage Aussicht auf eine Stromlieferung in 10 Jahren nicht zu ihrem Businessplan passt. Denn denen ist völlig Wumpe, woher der Strom kommt, solange er überhaupt kommt und möglichst billig ist. Da ist Strom in 10 Jahren jedenfalls keine Lösung sondern maximal politische Landschaftspflege und vielleicht eine Nachricht an dei Börse: Wir haben ein Stromproblem bei der KI, haben das erkannt und kümmern uns irgendwie drum.
Faktisch ist KI derzeit eine einzige Kapazitätsbeschränkung - und das hat noch „nur“ mit der Rechenkapazität selbst zu tun, noch nicht mit dem Strom.
Ein Antrag der AFD für die Gründung eines Expertenausschusses für Reaktivierung hat es übrigens nichtmal durch den Umweltausschuss geschafft. Und ich bin sicher, dass auch ein Expertenausschuss (jede Fraktion entsendet Experten, sonst nennt man das eine Kommission wie bei der Rente) nur dem Zweck dient, das Thema bis zur nächsten Wahl zu besetzen - aber nicht um ein Ergebnis zu erzielen.
So wie der Untersuchungsausschuss zum Atomausstieg, der just im Februar 2025 nach der Bundestagswahl erledigt war, keine Erkenntnisse brachte und jeder bei dem blieb, was er zuvor meinte. Und nein: Politik ist nicht ideologiefrei. Genau die nicht. Das ist aber keine Überraschung. Überraschend war, dass ausgerechnet der Grüne Habeck den Streckbetrieb in einer Gaskrise vorbereitet hat, während zeitgleich Maßnahmen getroffen wurden, die Gasversorgung zu sichern.
Einen Antrag auf Laufzeitverlängerung hat es bisher für kein KKW gegeben, einige wurden von den Betreibern aus Gründen weit vorher abgeschaltet.
DAS zu negieren, ist Ideologie. Das wahrzunehmen, schlicht Realitätsbewusstsein.
Und jetzt rennen halt ein paar amerikanische Investoren durch die Welt und suchen gebrauchte KKW zum Weiterbetrieb. Finanzieren eine Lobby, die natürlich erstmal die rechtlichen Grundlagen ändern will.
Hab ich schon in einem Entwicklungsland gesehen, formal als Policy Advisory, finanziert wurde der Rechtsanwalt in dem Fall durch USAid. Rausgekommen ist letztlich nichts, gescheitert an fehlender Marktfähigkeit dessen, was da gebaut werden sollte.
Aber: Die werden das machen, solange das Geld nicht ausgeht. So what. Ich hatte Ende der 1990er auch schonmal jemanden, der Panzer zu Feuerlöschfahrzeugen umbauen wollte und das für die Idee des Jahrtausends hielt (der Schutz ist schon Klasse, aber der Löschmittelvorrat…). Es gibt auch welche die suchen gebrauchte WEA um die woanders wieder aufzubauen (und nicht einfach zur Ersatzteilgewinnung), auch andere Kraftwerke oder ganze Stahlwerke wurden schon verlagert.
Die Konsequenzen sind jetzt schon da, werden aber noch immer, und womöglich sogar für alle Ewigkeit verleugnet.
Ich leugne nicht, dass Deutschland ein vergleichsweise geringes _prozentuales_ Wirtschaftswachstum hat.
Tatsächlich ist der Wert in absoluten Zahlen immer gestiegen, das BIP pro Kopf betrug 2023 49.525 Euro, 2024 50.836 Euro 2025 sogar 53.519 Euro.
Und wenn nun die Bevölkerungszahl noch sinkt, wird das BIP pro Kopf wohl erstmal schneller steigen als der BIP selbst.
Aber Du meinst ernsthaft, das liegt alles (womöglich allein?) an der Art der Energieerzeugung?
Bei 8,65 Ct/kWh mittlerer Strompreis, ganz kurzfristig und ohne Abnahmeverpflichtungen über alle Energieerzeuger an der EEX? Zzgl. Netz, Steuern & Abgabe natürlich. Amazon hat gerade außerhalb EEX ein PPA für ca. 600 MW des noch zu bauenden Offshore-Windpark Gennaker (976,5 MW installierte Leistung nominal) gezeichnet, Uniper weitere 100 MW. Die EEX spielt da doch eine eher untergeordnete Rolle. Die Kosten sind sicherlich weit unter EEX-Preis, aber die Volatilität der EEX-Preise ist auch ausgeschaltet.
Braucht es irgendeine teurere Energieerzeugung als 8,65 Ct/kWh, die vor allem grundlastfähig, aber relativ schlecht regelbar ist?
Für Endverbraucher gibt es derzeit bei Verivox und Konsorten - ohne irgendeinen Vertragsbonus - Ökostrom für 22,36 Ct/kWh. 48 Monate Strompreisgarantie (Einschränkung:nicht auf Steuern/Abgaben). Auch das liegt angesichts der Steuern und Abgaben/Umlagen deutlich unter 8,65 Ct/KWh reine Netto-Stromkosten.
Der Atomausstieg ist einer der politischen Schlüsselentscheidungen welche den Abstieg Deutschlands besiegelt haben. Es ist für viele nicht direkt offensichtlich, da für sie Energie eine Untergeordnete Rolle spielt.
Energie spielt natürlich keine untergeordnete Rolle. Aber zumindest den ideologiefreien Abnehmer interessiert letztlich nur, das der Strom billig ist.
Und das ist das Einzige, was - bis auf Firmen in der Nuklearindustrie - für die allgemeine Wirtschaft relevant ist.
Das es ausgerechnet Atomstrom sein soll interessiert allerdings derzeit in der Politik neben der US-Lobby nur die AFD und ein paar versprengte Piraten.
Die US-Lobby hat derzeit Rückenwind aus dem Weißen Haus, da hat Trump ja noch im Oktober 80 Mrd USD zur Förderung von Westinghouse-Reaktoren und zur Herstellung von Brennstäben bewilligt.
Die Energie ist aber die Basis vom Leben
Ich bin mir gerade nicht sicher, von welcher Energie du sprichst.
Um Dich mal ein wenig runterzuholen:
Das ist ungefähr so wie folgende fiktive Diskussion über unser angeblich ach so katastrophales Gesundheitssystem.
Deutscher: Wir warten in Deutschland viel zu lange auf Facharzttermine beim Dermatologen und beim Psychotherapeuten.
Ausländer aus Entwicklungsland: Interessant. Ich habe nie von solchen Ärzten gehört. Es klingt aber so, als wären das Qualifikationen die man braucht. Wir sollten auch welche haben.
Strom (darum geht es hier, oder?) ist NICHT die Basis vom Leben. Was du da empfindest ist vielleicht ein Abhängigkeitsgefühl, das sich aus Lebensweise bzw. die vorhandene technische Infrastruktur in Industriestaaten ergibt. Aber: Kein Kind wird durch Strom geboren, selbst fürs Essen kochen brauchst Du tatsächlich keinen Strom. Und auch Kleidung wurde schon ohne Strom hergestellt und Häuser ohne Strom gebaut.
Ich hab seit 2001 immer wieder Projekte in Timor-Leste gehabt. Da gab es am Anfang ein paar kleine Stromgeneratoren und erst seit 2012 baut man an einem landesweiten Stromnetz. Ich kann Dir verraten, dass es auch in den Dörfern, die heute noch keinen Stromanschluss (und auch keine Gasversorgung etc.) haben, Leben gibt. Das ist keine neue Erfindung sondern war auch schon lange vor der Entdeckung elektrischer Energie so.