Ein hehrer Wunsch, bloß ticken Deutschland und Österreich völlig anders als die Schweiz. "Verstaatlichen" bedeutet hier "Günstlinge, Apparatschiks, Verwandte und anderes Gesindel unterbringen".
Was ist denn da heute anders? Die Bahn ist zwar eine AG, aber zu 100% in Besitz der Bundesrepubilk Deutschland. Der AR ist politisch bedient und das Verkehrsminiserium als Vertreter der Eigentümer regiert hier mit. Dazu hast Du noch wilde Verrechnungspreise (Trassenpreise, InfraGo) und kannst Geld beliebig zwischen den Teilen mit Luftbuchungen hin- und herschieben. Dazu noch als Sondermüllager von erfolglosen Politker*innen. Die AG gibt die Fiktion eines "Marktwirtschaftlichen" Unternehmens. Wenn Du die ganzen Führungsrkräfte verbeamten würdest, wären die Bezüge wesentlich günstiger als die irrwitzigen Gehälter. Die Frage ist: Lässt man die Markt-Fiktion mit einer AG und Potjemkin-Marktelementen oder sieht man der Realität ins Auge und sieht die Bahn als Darseinsvorsorge an und baut sie sauber und ehrlich wieder in eine (möglichst effiziente) Behörde um. Für die Älteren unter uns: Als die Bahn noch eine Bundesbahn war, hat sie eigentlich ganz gut funktioniert. Die Misere ging los, als Gerhard Schröder seinen Haushalt aufhübschen wollte und Tafelsilber des Staates verknuspern wollte. Nach dem Börsengang der Post (Brief/Paket, Postbank, Telekom) wollte man einen weitereren Coup landen und auch die "Bahn an die Börse" bringen. Dafür wurde "die Braut hübsch" gemacht, Berater gingen durch den Laden mit eisernen Besen. Die Planungshorizonte wurden von Langfristig (Loks aus den 60ern wie meine Lieblings BR218 fahren immer noch) auf Quartalsergebnis getrimmt. Und beim nächsten Bahn-Streik mal darüber nachdenken ob Beamte im System vielleicht gar nicht so schlecht sind. Du musst die Bahn nicht verstaatlichen, sie ist es schon. Und das mit dem privatisieren ist in den letzten 20 Jahren an der Realität gescheitert.
Das Ergebnis sehen wir heute. Nicht falsch verstehen: Ich bin ein absoluter Verfechter der Marktwirtschaft, nur gibt es Bereiche in denen Markt nicht funktioniert. Die Verlagerung von Verkehren (Güter und Personen) auf die Bahn ist sicher sinnvoll - nur werden hier die Kosten und "Subventionen" einfach nicht ehrlich und Transparent dargestellt. An das ganze kann man nur mit einem echten Re-Engeneering ran gehen - das wird aber nicht passieren.
Die Trennung zwischen Nah- und Fernverkehr ist ja sehr willkürlich und eine Deutsche Eigenheit (am Ende geht es nur darum, wer die Kosten bezahlt).
Zum Thema Quellen: Ein wenig Recherchearbeit. Das ganze hat das UBA mal vor ein paar Jahren gemacht. Jetzt muss man +/- rechnen und ein bisschen suchen. Manches ist auch etwas verschleiert. Folgende Zahlen kann man relativ einfach plausiblisieren.
Einnahmen der Bahn aus Fahrkartenerlösen (Nah- und Fernverkehr) sind je nach Berechnung ca. 7 Mrd. Euro.
Ausgaben für Betrieb und Neubau ca. 20 Mrd. Euro.
Dabei ist die willkürliche Trennung von DB Fernverkehr und Regionalverkehr ursprünglich aus den Privatislierungsbestrebungen und auch nach Strecken nicht logisch. In Deutschland mit seiner dichten Besiedelung und vielen nah zusammenliegenden Ballungszentren ist das nicht "Trennscharf". Man hat versucht einen "profitablen Teil" abzuspalten. Ist aber eigentlich nur ein Taschenspieler-Trick. Sollten bei DB Fernverkehr Gewinne anfallen sollten diese bitte zur Minimierung der Verluste im Regionalverkehr genutzt werden.
DB hat seit 7 Jahren zum ersten mal wieder einen Gewinn ausgewiesen.
Im Regionalverkehr machen die Fahrkartenerlöse ca. 20% der Gesamtkosten aus - 80% sind "Bestellerlöse" also direkte Subventionen der Länder.
Das heisst DB Fernverkehr bekommt schon mal die Rosinen.
Und Italo bekommt dann noch mal Premium-Rosinen.
Bei der Straße hast Du übrigens Einnahmen aus LKW-Maut, Energiesteuer, KFZ-Steuer, Mwst. für Autobezogene Leistungen 70-75 Mrd. Euro.
Ausgaben für Unterhalt 25-30 Mrd.
Weitere Kosten/Erlöse (Flächenversiegelung, Lärm, Kosten durch Stau/Verspätung,...) oder weitere Einnahmen (Einnahmen durch Strafzettel, Parkgebühren, Vermietung von Ladenflächen an Bahnhöfen) sind nicht mit dabei. Je nachdem wie man diese Faktoren gewichtet, kann man die Bilanzen in die eine oder andere Richtung schieben.
Du kannst ja gerne noch tiefer in das Thema reingehen... Das grundlegende Problem bei Verkehrssystemen ist, dass da eine Menge Ideologie mit drin ist und viele die echten Zahlen scheuen (damit würde man den Schwachsinn schneller entlarven). Aber wir pumpen in Deutschland nicht nur beim Thema Verkehr viel Geld in ineffiziente Systeme.
m Nahverkehr müsstest du die Fahrpreise einfach mit 5 multiplizieren wenn man "ohne Subventionen" auskommen wollte.
Im DB-Konzern ist Aauchuch ist schon genug "Tafelsilber" verfrühstückt (Schenker, Scandlines,...) um die Bilanzen der DB-AG aufzuhübschen. Nun, es gibt noch ein paar nette Grundstücke (z.B. in Stuttgart) die man verknuspern kann.
Und der Ländervergleich: Österreich kann Freunderlwirtwschaft wesentlich besser als Deutschland. In der Schweiz habe ich noch nicht gelebt und zu wenig Erfahrungen.