Sakura in Japan 2026

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HighKai

Erfahrenes Mitglied
04.08.2020
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Vorwort & Disclaimer

Eigentlich hatte ich lediglich das Bedürfnis mit Euch im Unterforum „Wie ist das Wetter bei euch“, einige Fotos von der diesjährigen Kirschblüten zu zeigen.

Dies hier soll nicht als klassischen Reisebericht verstanden werden, sondern eher als ein Experiment meine Erinnerungen und Gedanken über Japan, gepaart mit meiner Visite im 2026, zu verbinden.

Schließlich hat @handballplayer3 bereits tolle Eindrücke und Fotos vor einigen Tagen gepostet.

Ich hingegen weiß noch nicht, wohin diese virtuelle Reise führen wird. Ob sie sich entwickelt, verliert oder irgendwo leise ausläuft. Seht es mir also nach, wenn der Faden zwischendurch reißt - oder die Geschichte einfach dort endet, wo sie es gerade möchte.

Ich fotografiere nicht mein Essen und überhaupt, genieße ich meist den Moment, anstatt zu versuchen, alles digital festzuhalten :)

Kleine Zeitreise

Drehen wir die Uhr um fast zwei Jahrzehnte zurück. Es ist Kirschblütenzeit, Frühjahr 2006.

Flug: LH710. Fluggerät: 747, die „Königin der Lüfte“. Damals, weitaus prägender, als heute.

Diese Kombination wurde sogar mein Passwort zu meinem E-Mail Postfach: LH710747.

Wer damals Business Class flog, erinnert sich mit einem Schmunzeln (und vielleicht leichtem Rücken) an die Sitze: Es war die Ära der berühmten „Rutsche“. Man schlief nicht horizontal, sondern in einer sanften Neigung, immer im leichten Kampf gegen die Schwerkraft.
Das waren Zeiten..

Rückblickend war 2006 kein gewöhnliches Jahr. Die Weltwirtschaft lief auf Hochtouren, und die Reisebranche hatte den Schock von 9/11 endgültig hinter sich gelassen.
Lufthansa eilte von Rekord zu Rekord:

[…]Lufthansa Group, as projected in last month's earnings preview, posted record net income of €803 million ($1.05 billion) for 2006, a 77.3% increase over net income of €453 million in 2005, on a 9.9% lift in revenue to €19.85 billion, its highest-ever annual total

Der Handel mit China boomte, und das Fliegen verlor langsam seinen exklusiven Nimbus; es wurde massentauglich.
Doch während wir in Europa (eher West- und Nordeuropa) noch stolz auf unsere Nokias blickten, war uns Japan technologisch bereits Jahre voraus (ich meine, die konnten bei 7eleven sogar mit dem Klapphandy bezahlen)

Dort dominierten Klapphandys von Sharp, Panasonic und Toshiba - Vorboten einer digitalen Mobilität, von der wir im Westen erst noch träumten. Dann kam Apple und der Rest ist Geschichte.

Present

Mein letztes Tokyo-Abenteuer liegt nun auch schon wieder fast ein Jahrzehnt zurück - datiert auf 2015. Heute, 10,5 Jahre und drei vollgestempelte Reisepässe später, schließt sich der Kreis. Mein Japan-Abenteuer wiederholt sich.

Japan und seine Kultur haben mich schon immer fasziniert. Diese einzigartige Mischung aus eiserner Disziplin und tiefer Kultiviertheit; diese Erdung, die jedoch untrennbar mit dem Kollektiv verbunden ist (ikigai) - so die Theorie.

Aktuell vertiefe ich mich zum zweiten Mal in das Buch „Ikigai“. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr die Japaner dieser Ideologie verschrieben sind - der Suche nach dem, was es wert ist, morgens aufzustehen. Ein Leben, das der eigenen Passion und Mission gewidmet ist.

Obwohl Japan einen der stärksten Reisepässe der Welt besitzt, besitzen nur etwa 18 % der Japaner überhaupt einen.
Warum die Welt in der Ferne suchen, wenn man seine Bestimmung bereits im Inneren - oder in der Perfektion des Heimischen - gefunden hat?


Die Vergänglichkeit der Blüte

Nichts symbolisiert diese Lebensphilosophie so vollkommen wie die Kirschblüte). Sie ist das ultimative Sinnbild für Mono no aware – das Bewusstsein über die Vergänglichkeit der Dinge. Die Schönheit der Blüte liegt nicht in ihrer Dauer, sondern in ihrer Flüchtigkeit.


Vielleicht ist das die wichtigste Lektion meiner Zeitreise: Das Leben ist vergänglich- daher gehe deiner Passion nach und erkunde Japan erneut.

Vergangen ist wieder einmal viel zu viel Zeit während ich das tippe. 00:35 local time. Heute muss ich früher raus- Richtung Mt. Fuji.

Zum Abschluss: meine Reiseroute:

EW: DUS- OTP (1 Nacht im Hilton Garden Inn
TK: OTP-IST-PVG in J
NH: PVG-NRT (1 Nacht Mercure Haneda & weiter im Farmont Hotel)
Fuji/Kyoto/Osaka/Nara
JL: ITAMI-HND (weitere Nächte im Fairmont)
NH: NRT-PVG
TK: PVG-IST-OTP

Gute Nacht aus Tokyo
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HighKai

Erfahrenes Mitglied
04.08.2020
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Abflug vom und aus DUS

Ich hatte zwar vor nach Japan zu reisen, jedoch hatten mich die Biz-Fares davor noch abgehalten, mein Ticket im Voraus zu buchen. Die Airlines riefen ca. EUR6-7k pro Kopf, auf.

So pokerte ich und wartete auf gute Deals nach Ostasien, um von dort aus nach Japan zu hüpfen.
Und was soll ich sagen? Den Mutigen gehört die Welt. Ca. 4 Monate vor geplanter Reise, zog TK ein Business fare für EUR1400 von OTP nach PVG aus dem Hut (den Deal teilte ich mit euch).

Man kann von der politischen Lage in der Türkei, oder den Politikern halten, was man mag.
I.d.R. bekomme ich auf fast allen Flugzeugen ein solides Produkt, sehr gutes Essen und dies im Vergleich zu relativ gutem Kurs.
Solange die politische Lage sogar den Transitpassagieren nicht zwingt, seine elektronischen Geräte zu entsperren und bei einer Verweigerung sogar Haftstrafen drogen, bin ich fein damit (wie neulich das Gesetz in HK verabschiedet worden ist)
Ich könnte hier ebenfalls einige Erinnerungen über das „alte“ HK verfassen, ich belasse es, sonst drifte ich zu sehr ab.

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Meine Reise begann am Flughafen Düsseldorf. Mit EW9792 sollte es nach Bukarest (OTP) gehen.

Vor dem Abflug traf ich einen guten Bekannten, der in der Terminalleitung am DUS arbeitet.

Wir kamen ins Gespräch über die Airlines, die früher regelmäßig von DUS aus starteten - United, Singapore Airlines, Cathay Pacific, ANA und Air China mischte hier mal mit.

„Der ANA-Flug war damals eigentlich recht gut gebucht“, meinte er beiläufig.
Moment mal, dachte ich. Ich hatte doch einmal die KI gefragt, warum ANA Düsseldorf nicht mehr anfliegt. Laut Perplexity hieß es damals:
Der Kerngrund ist wirtschaftlich: Die Direktstrecke Tokio–Düsseldorf bringt für ANA aktuell zu wenig profitablen Verkehr


Das sei das offizielle Statement, meinte er.

Inoffiziell war der damalige Stationsleiter von ANA allerdings alles andere als zufrieden mit den Bedingungen im Terminal gewesen.

„unwürdig“ und „vergleichbar mit einem Busbahnhof“ bezeichnete er DUS.

Laut dem Bekannten, sollen auch Vertreter von QR bei einem Rundgang durch den Terminal, ähnliche Bemerkungen geäußert haben.

Heute hingegen kann sich die Lufthansa über mangelnde Auslastung nicht beklagen: Der Flug LH73 nach Frankfurt war bis auf den letzten Platz ausgebucht.

IMG_2824.jpeg Mein EW Flieger flog mit einer Verspätung von einer Stunde ab, wo die Kabine absolut dreckig vorgefunden wurde. Ich war froh, dass der Flug vorbei war. Absolut nichts zu berichten.

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Als wir in OTP landeten, war ich ehrlich gesagt positiv überrascht.
Ich hatte eher eine etwas heruntergekommene Anlage erwartet und war schon darauf eingestellt, mich einfach über einen unversehrten Koffer und halbwegs saubere Einrichtungen zu freuen.
Doch der Flughafen wird derzeit modernisiert und was soll ich sagen: es präsentiert sich heute erstaunlich zeitgemäß und ansprechend.


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Da unser TK-Flug am frühen Morgen startete, entschieden wir uns, die Nacht zuvor im Hilton Garden Inn direkt am Flughafen zu verbringennur etwa fünf Gehminuten vom Terminal entfernt.

Das Hotel ist sauber und zweckmäßig, ohne viel Schnickschnack. Es gibt ein Restaurant mit moderaten Preisen, das Essen war solide nichts Besonderes, aber auch kein Grund zur Klage.

Gleiches gilt für das Zimmer: funktional, ordentlich und ruhig. Als Diamond-Mitglied gab es allerdings keine Extras oder kleine Aufmerksamkeit im Zimmer.

Insgesamt ein praktisches Flughafenhotel ohne besondere Höhepunkte, aber absolut in Ordnung für eine Nacht vor dem Flug.


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Am nächsten Morgen checkten wir aus und gingen zum CI Schalter, wo wir unser *A Anschlussflug auf zwei seperaten Tickets angesprochen haben, mit der Bitte dies bis nach NRT durchzutaggen.

Er meinte zuerst, dass er das eingegeben hat, den Flug nach NRT angeklickt hätte, jedoch der bagguage tag nur bis PVG ausdrucken würde.
Tatsächlich bat er mich, mir das persönlich anzusehen und zeigte mir am Monitor, wie er NRT auswählt, jedoch nur bis PVG getaggt wird.

Liegt es evvtl. daran, dass China dies nicht erlaubt?

Nachdem wir eingecheckt sind, statten wir einen Besuch in der Lounge, ab.
Die Lounge war nur vor wenige Tagen wiedereröffnet. Sie ist klein. Nicht mehr als ein Wartebereich. Es gab nicht mal Kaffee (lediglich Nespresso-Kapseln).

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Wir sind in Fujikyu Highland angekommen.
Ich schliesse diesen Kapitel hier vorerst ab und werde mit dem OTP-IST & Lounge Eindrücken weiterberichten.
 

HighKai

Erfahrenes Mitglied
04.08.2020
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Der Flug TK1044 war ein ca. 4 Jahre alter A350 und dauerte etwas mehr als 1 Std.
Dafür, das es nur ein kurzer Hüpfer war, gab es reiches Frühstück. Den ganzen Flug über gab es Catering. Dazu gab es Tee/Kaffee und weitere Backwaren wie türkische Sesamringe/Schokocroissant etc.
A350 + voller Service. Das dürfte für Aviation Enthusiasten ein Traum sein inner-europäisch.

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Taxiing dauert im IST relativ lange, wir durften 19 Minuten taxiing durchführen, bis wir eine Außenposition bekamen. Für Business Class Gäste wurde ein „VIP Bus“ bereitgestellt.
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Das Terminal ist pompös und definitiv unique.
Kaum im gigantischen Terminal angekommen, zog es mich ohne Umwege in die Lounge. Dort empfängt einen wie immer die dezente, klassische Pianomusik.

Links, in dem Bereich mit den Schließfächern, wurden die iMacs inzwischen entfernt bzw. in die Ecke verbannt und der frei gewordene Platz mit zusätzlichen Cocoon-Couches und Sesseln bestückt. MMn eine eindeutige Aufwertung, da nun deutlich mehr Raum für weitere Gäste zur Verfügung steht.
Die nächste positive Überraschung: Ein Teil des hinteren Loungebereichs wurde wieder eröffnet jener Abschnitt, der früher mit seinem orientalischen Touch wie eine etwas bemüht gestaltete „Leselounge“ wirkte und zudem chronisch überfüllt war.
Heute präsentiert sich dieser Bereich deutlich aufgeräumter, mit mehr Sitzgelegenheiten, die durch Divider abgetrennt sind und spürbar mehr Privatsphäre bieten, weil das Layout nun viel effizienter genutzt wird. Zwischen jeweils zwei Couches steht ein Beistelltisch mit integrierter induktiver Ladefunktion.

Insgesamt wirkt die Lounge jetzt so, wie man sich eine moderne Business Lounge vorstellt auch die Farbauswahl ist meiner Meinung nach sehr gelungen.
Ein weiterer Teil wird derzeit noch renoviert; man darf also gespannt sein, wie sich das Gesamtbild in den kommenden Monaten weiter verändert und wie die Lounge am Ende final aussehen wird.

Folgen möchte ich hinzufügen:

Es ist schade, dass man von der Lounge aus nur einen eingeschränkten Ausblick auf das Vorfeld hat. Der Flughafen könnte so designt werden, so dass man von der Lounge aus, einen guten Blick hat.
Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass es mir vorsichtig ausgedrückt: Kantinenfeeling gibt. Ja, das Essen ist sehr gut.
Jedoch, Manchmal muss man für sein Essen Schlange stehen. Ein buzzer würde das Problem lösen.

Getränkeauswahl ist schwach. Zero Sugar- Getränke müssen mMn angeboten werden.

Positiv: Barista bereitet deinen Kaffee vor.
Negativ: kann länger dauern.
Lösung: Kaffeemaschine hinstellen.

Das Management liest sich das Feedback der Gäste.
Nachdem man damals die „neue“ Business Class Sitze installierte hat man binnen weniger Jahren das Feedback zu Herzen genommen und man stellte die neue Crystal Class vor und sprach im Trailer eben jene Kritikpunkte an
-it‘s wider (Antwort auf „kaum Beinfreiheit)
- cabin doors for privacy (wurde ebenfalls bemängelt)
-every window has full visibility

Ich persönliche hatte vor Jahren ein Feedback zu der Lounge gegeben und geäußert, dass der Platz semi-optimal genutzt worden ist und dass man aufgeräumter deutlich mehr rausholen kann.
Man hatte hinten 4 Liegesessel hingequetscht. Ich fragte: für wen genau soll das reichen? Wenn dort einer liegt, ist es eh für Stunden reserviert.

Falls der Buzzer und/oder Zero-Sugar Getränke kommen, ihr wisst, wieso :)

Vorher: Gute Farbkombination, jedoch naja, für solo-business traveller nur semi-geeignet
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Nachher:
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Direkt hier vorne standen die iMacs. Der Platwurden nun besser genutzt
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Die Duschen
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Ich wollte doch gar kein Lounge-Review machen.
Sei‘s drum.
Bis morgen.
 

ma.an.co

Reguläres Mitglied
17.09.2012
45
79
CGN
Schön, dass der Bereich wieder offen ist. War Mitte Februar noch geschlossen und man konnte mir auch kein Datum für die Wiedereröffnung nennen.
 
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Reaktionen: HighKai

HighKai

Erfahrenes Mitglied
04.08.2020
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Flug(-e) nach Fernost

Unser Flug TK280 war pünktlich und unser Flugzeug war keine 10 Monate alt.

Neben dem täglichen Nacht- respektiv. Morgenflug fliegt TK 3-4 wöchentlich Nachmittag nach Shanghai.
Während der Nachtflug meist ein 777 ist, bedient TK den Nachmittagsflug mit dem A350 (respektive B789).

Das Boarding verlief schnell. Visakontrolle beim boarden ging flott, da die meisten europäische Pässe hatten.

Die vordere Kabine war bis auf 2 Sitze ausgebucht und davon waren 2 Asiaten (vermutl. Chinesen), die restlichen Gäste europäisch.

Infos zu A359 Sitzen

Turkish stattet die Business-Class-Sitze im A350 mit dem Modell Opal von Stelia Aerospace aus.
Die Economy-Sitze werden von der Konzerntochter Turkish Cabin Interior (TCI) gefertigt.
Die Kabine wirkt modern und aufgeräumt, die Farbkombination ist sehr gelungen und vermittelt einen hochwertigen Eindruck.
Die Kopfpartien sind mit Alcantara-Polsterung versehen und fühlen sich besonders edel an.

Die Armlehnen lassen sich absenken, wodurch die Liegefläche breiter wird, allerdings ist der Fußbereich im Ottoman dennoch eher schmal.

Leider, aufgrund vermehrter Diebstähle onboard relevanr geworden: Staufach lässt sich durch Zahlenkombination verschließen.

Es ist overall ein solides Business class Produkt „von der Stange“.
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Der Flug

Leider habe ich während des Fluges nicht viele Fotos gemacht. Ich habe gelesen, relativ gut geschlafen und noch besser gegessen.
Das Inflight-Entertainment war gestochen scharf, und die Außenkameras funktionierten einwandfrei.
Zum Service: Der Essensservice dauert etwa zwei Stunden - man wird wirklich bis zum Abwinken verwöhnt, zusätzlich zum Angebot in der Lounge.
Für Gäste, die die Full Experience genießen möchten, ist das ein Traum: zwei Stunden bestes Catering, besonders ex-IST deutlich hochwertiger.
Für Geschäftsreisende oder Passagiere wie mich, die lieber schnell essen, ein Nickerchen machen und zwei bis drei Stunden vor der Landung wieder aufwachen, gilt: Dine on Demand ist perfekt – oder wie ich es gemacht habe: direkt Hauptgang und Dessert hintereinander. So ist man deutlich schneller fertig, als wenn man auf den regulären Ablauf des Services wartet.

am Galley gab es allerlei zum Knabbern. Die Crew ging ab und an durch die Galley, wenn jemand wach war, während andere schliefen und boten Snacks an
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Unser A359 gelandet in Shanghai.

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Der Shinkansen Richtung Shin-ōsaka fährt in 20 Minuten ab.
Es folgen PVG/Air China Lounge/ ANA/Fairmont.
 
Zuletzt bearbeitet:

HighKai

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04.08.2020
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Japans Hauptstädte, ihre Geschichte und ein entspannter HighKai in der Hotellobby

Wie im #1 bereits mitgeteilt, werden wir den berühmten roten Faden verlieren.
Da heute Nacht meine letzte Nacht in Nara ist, erlaube ich mir einen kleinen Ausschwenker in die Geschichte der damaligen Hauptstadt Naras und die Nachfolge-Hautpstädte Kyoto und Tokyo erlauben.

Nara- und das chinesische Vorbild

Wenn man sich mit der Geschichte Japans beschäftigt, führt kein Weg an Nara und Kyoto vorbei.
Beide Städte waren zu unterschiedlichen Zeiten politische und kulturelle Mittelpunkte des Landes und jedes Zeitalter hat Spuren hinterlassen.

Nara war ab dem Jahr 710 die erste ständige Hauptstadt des japanischen Reiches. Zuvor zog der Jaiser bzw. Der kaiserliche Hof nach jedem Herrscherwechsel an einen neuen Ort, doch mit Nara begann eine neue Ära: man schuf eine feste Residenz, geplant nach dem Vorbild des chinesischen Xi’an: Breite Straßen, rechteckige Viertel, Tempelkomplexe und Verwaltungsgebäude – alles folgte einer klaren Ordnung, die Macht und Stabilität symbolisieren sollte.

Man ließ sich in Japan damals stark von China beeinflussen. Der Buddhismus wurde zur Staatsreligion erhoben, die Verwaltung nach konfuzianischen Prinzipien reformiert und Kultur sowie Schrift übernahmen Elemente aus dem Festland.
Der Aufstieg der Tempel in Nara brachte jedoch auch Spannungen mit sich:
Viele Tempel entstanden, manche davon dienten nicht nur religiösen, sondern auch politischen Zwecken. Man kann sich vorstellen, dass das für den Kaiser irgendwann heikel wurde. die Mönche bekamen immer mehr Einfluss und in der Hauptstadt verschwanden die Grenzen von Politik und Religion.
Irgendwann war der Einfluss der Mönche so groß, dass der Kaiserhof beschloss, einen Neuanfang an einem anderen Ort zu wagen.
Ergo: der Kaiser schmiedete einen „exit-Plan“ bzw. einen Neuanfang

Kyoto- die buchstäblich 1000-jährige Hauptstadt

Aus diesem „Neustart-Gedanken“ , heraus entstand 794 das spätere Kyoto.

Der frühere Name soll so viel wie „Hauptstadt des Friedens“ bedeuten und genau so war sie auch gedacht – als neue, ruhigere Bühne für Hof und Regierung nach den Konflikten in Nara.
Im Laufe der Zeit setzte sich der Name Kyoto durch, was wörtlich etwa „Hauptstadt“ heißt.

Kyoto blieb über mehr als tausend Jahre, und zwar von 794-1868 (Unglaublich!), der Sitz des Kaisers und wurde damit zur klassischen Kaiserstadt. Somit zog Kyoto landesweit die besten Dichter, Denker und Architekten.
Und das ist in jeder Ecke dieser wundervollen Stadt zu sehen und zu spüren:
Bei rund 1,5-2 Millionen Einwohnern ist die Dichte an Schreinen und Tempeln enorm - im Schnitt teilen einen heiligen Ort mit nur etwa 750 anderen Menschen.
Zudem beherbergt Kyoto stolze 17 Unesco-Weltkulturerben.
Das die noch existieren ist wohl dem US-Minister Stimson zu verdanken. Er legte Veto ein, als Kyoto als At-om- b0m-ben-Ziel ausgewählt wurde.
Zudem gilt Kyoto als Geburtsort der Teezeremonie. Man hat hier Kultur geschaffen.

Und das möchten viele Andere heute sehen.
Was zum Massentourismus führt.
Und es ist hier sehr voll. Ja, als Tourist sich über Touristen zu beschweren, klingt ironisch. Auch heute (April, 2) war es nicht anders.

Nachrichten von 2025 über die Besucherzahlen'24:

Kyoto verzeichnete 2024 einen neuen Tourismusrekord mit rund 56,06 Millionen Besuchern, darunter etwa 10,88 Millionen ausländische Touristen

Nachrichten von 2026 über die Besucherzahlen '25:

Kyoto: 56 Millionen Touristen

Erstmals übersteigen die Übernachtungszahlen ausländischer Gäste die der japanischen

Meine Sorge ist eher jener:
Es gibt aktuell zwei Länder mit über 1 Milliarde Einwohnern. Auch wenn sie einander nicht besonders gewogen sind, in einer Sache sind sie nicht nur in puncto Bevölkerungszahl Weltmeister: Darin, dass man die Gepflogenheiten des Landes nicht achtet und respektiert, in das man reist, und sich dort respektvoll verhält.

Wer zB an Kirschblütenbäumen rüttelt, nur um ein besseres Foto zu machen, hat dort genauso wenig etwas verloren wie diejenigen, die in Gruppen lautstark versuchen, mit allen Mitteln ihre Meinung durchzusetzen.
Beide gehören deportiert. Zum Glück sind beide in hochpreisigen Hotels derzeit nicht zu sichten.

Tokyo- die Hauptstadt des Ostens


Tokyo war bis vor ein paar Jahrhunderten noch ein ziemlich unbedeutendes Stück Erde.
Erst mit Tokugawa Ieyasu kam richtig Bewegung rein: 1603 übernahm er als Shogun (Der Shogun wsr de Anführer der Samurai und faktisch der Regierungschef; der Kaiser blieb eher das spirituelle Oberhaupt) die Macht in Japan und machte den Kaiser politisch praktisch zur Randfigur. der blieb in Kyoto und hatte vor allem zeremonielle und religiöse Aufgaben.

Ieyasu suchte sich bewusst einen neuen Regierungssitz weit weg von den alten Netzwerken, und seine Wahl fiel auf Edo.
Edo wurde also fast aus dem gleichen Grund Hauptstadt, wie Kyoto: möglichst weit weg von möglichen Konflikten.
Der Ort war clever gewählt: Edo lag an wichtigen Handelswegen, direkt an einer Bucht, die sich gut für Schiffsverkehr eignete. Tokugawa wollte verhindern, dass die Herrscher zu stark und zu selbstständig werden und ihm später Probleme machen, mussten sie regelmäßige Aufenthalte in Edo einlegen.

Edo ist in kurzer Zeit explodiert und war schon im 18. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt mit über einer Million Einwohnern.

Ein großer Einschnitt kam dann Mitte des 19. Jahrhunderts. 1853 tauchten vor Edo die berühmten „Schwarzen Schiffe“ von Commodore Matthew Perry auf und machten ziemlich deutlich klar, dass Japan sich dem internationalen Handel öffnen sollte. notfalls mit Kanonenf (ja - irgendwie kommt mir das auch sehr bekannt vor ;))

Kurz darauf musste das Land erste Verträge schließen und Häfen öffnen, womit die lange Phase der Abschottung zu Ende ging und der Shogun zunehmend unter Druck geriet.

1868 kam es schließlich zur Restauration: die politische Macht wurde vom Shogun wieder auf den Kaiser zurückübertragen.
Der Kaiser übernahm wieder offiziell die Macht, nach Edo um – und genau in diesem Moment bekam die Stadt ihren neuen Namen Tokyo.

Tokyo bedeutet „östliche Hauptstadt“: „t“ steht für Osten, „kyo“ für Hauptstadt.

Man hat sich damit bewusst an Bezeichnungen wie Beijing „nördliche Hauptstadt“ / Hsutptstsdt des Nordens oder Nanjing „südliche Hauptstadt“ /Hauptstadt des Süden orientiert und gezeigt, dass das (politische) Zentrum Japans nun im Osten liegt.
Mit der neuen Regierung begann dann die schnelle Modernisierung. Eisenbahn, Elektrizität, Telefon , vieles, was aus dem Westen (außer das Politische) übernommen wurde kam zuerst nach Tokyo. Der Rest ist Geschichte.

Zum Abschluss gibt es ein Foto aus Kyoto und wenn ich es zeitlich hinkriege, werde werde ich meinen Reisebericht von dort weiterschreiben, wo ich aufgehört habe.

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