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Thema: Hongkong und die Jagd nach Tupolevs in Sibirien

  1. #1
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    Standard Hongkong und die Jagd nach Tupolevs in Sibirien

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    Moin und herzlich willkommen zu meinem ersten Reisebericht hier im Forum!

    Seit einiger Zeit ist die Fluggesellschaft Alrosa des gleichnamigen Bergbauunternehmens aus dem fernen Jakutien nun sowohl von der Tu-134 als auch der Tu-154 der letzte zivile Betreiber, wenn man mal von Air Koryo und den wenigen Business Jets absieht. Schon seit Längerem spielte ich mit den entsprechenden Gedanken, und im Hochsommer fanden sich dann schließlich auch zwei freie Wochen. Nun stellte sich noch die Frage, wie man die beiden Objekte der Begierde sinnvoll in einen Trip einbauen könnte, da Alrosas Flugplan natürlich eher nicht auf solche Vorstellungen optimiert ist. Von der Homebase in Mirny fliegt die Tu-134 je zweimal die Woche nach Yakutsk und Irkutsk, während die Tu-154 damals vor allem zwischen Polyarny und Moskau flogen. Daher sah die ursprüngliche Planung ein Routing von Irkutsk nach Moskau über Mirny und Polyarny vor, was allerdings insgesamt eine knappe Woche in Anspruch genommen hätte, darunter lange Aufenthalte in den eher unwirtlichen Kleinstädten. Zum Glück stellte ich irgendwann durch Zufall fest, dass immer freitagabends ein Kurs von Mirny nach Novosibirsk mit der Tu-154 durchgeführt wird, sodass ich nur eine Nacht in Mirny verbringen müsste - perfekt!

    Irkutsk liegt geographisch auf der Höhe von China, und so lag es nahe, die Anreise dorthin touristisch wertvoll über Hongkong zu gestalten. Zunächst sah es nach einem Problem aus, von dort einen halbwegs bezahlbaren Flug in die Stadt am Baikal zu finden, allerdings stieß ich auf Expedia auf einen günstig buchbaren Charterflug aus Peking, und so stand dann schließlich auch das gesamte Routing und es konnte losgehen. Der Flug nach Hongkong wurde als Oneway-Prämie in C gebucht.



    24.07.2018 LH 31 HAM-FRA A321 D-AISB
    24.07.2018 LH 796 FRA-HKG A346 D-AIHV
    30.07.2018 CA 112 HKG-PEK A333 B-8577
    30.07.2018 HU 7967 PEK-IKT B738 B-5522
    02.08.2018 6R 542 IKT-MJZ T134 RA-65693
    03.08.2018 6R 591 MJZ-OVB T154 RA-85757
    04.08.2018 SU 1461 OVB-SVO B738 VP-BMO

    Die Tage, vielleicht schon morgen, kommt auch der erste Teil mit Hongkong. Ich hoffe, das schon Gebotene reicht bis dahin als Teaser. Allen frohen Festtage!
    Exploris, meilenfreund, kingair9 und 43 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  2. #2
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    Zitat Zitat von alxms Beitrag anzeigen
    Irkutsk liegt geographisch auf der Höhe von China, und so lag es nahe, die Anreise dorthin touristisch wertvoll über Hongkong zu gestalten.
    Absolut! Fliege nach Helsinki auch am liebsten touristisch g'schmeidig über Kapstadt. Ich bin gespannt auf den Bericht
    Fighti und alxms sagen Danke für diesen Beitrag.

  3. #3
    Erfahrenes Mitglied Avatar von Fare_IT
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    +1

    Als kleine Einstimmung: https://www.youtube.com/watch?v=ifqENWUpWik
    kingair9, FlyingSmurf, alxms und 1 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.
    "None of us is as smart as all of us." (Ken Blanchard)

  4. #4
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    Danke fürs positive Feedback, dann soll es auch gleich schon losgehen. Vorab, wer irgendwelche Hotelreviews oder Bilder von Essen erwartet, wird leider enttäuscht werden, da ich mich hier aufs Sightseeing und natürlich die Flüge beschränken werde.

    Wie bereits gesagt, ging es am Abend des 24. Juli über Frankfurt nach Hongkong. Als Sitzplatz im A340-600 wählte ich 7A, was sich als gute Wahl herausstellte, da der Platz zwischen den Sitzen und der Wand hinten viel zusätzlichen Stauraum bot, um sich während des (geschmacklich soliden) Abendessens nicht mit Decken etc. rumschlagen zu müssen. Der sich nach einer anschließenden Mütze Schlaf bietende Wingview war übrigens auch ganz hübsch:



    Ein durchaus schmackhaftes Frühstück später setzten wir dann schließlich auf (jetzt nichts Falsches sagen) chinesischem Boden auf, wo neben dem Platzhirsch Cathay und anderen Exoten auch der A380-Flug aus München schon auf uns wartete - gegen den ich mich aber bewusst entschieden hatte.



    Die Einreise ging erwartet zügig und einer der typischen roten Toyotas brachte uns in das etwa zwanzig Gehminuten vom Hafen entfernte Hotel in Kowloon, wo wir uns erstmal ausruhten, bevor wir dann die Gegend erkundeten und den Tag in einem ausgesprochen guten Restaurant in der Nähe der MTR-Station Jordan ausklingen ließen. Die eher wenig verheißungsvollen Bewertungen bei TripAdvisor, die ich mir gerade in diesem Moment zum ersten Mal anschaue, bestätigten sich rückblickend jedenfalls nicht, sodass wir in den nächsten Tagen noch mehrfach wiederkommen sollten.

    Im Hochsommer gehen lange Ausflüge gerade in Hongkong natürlich ziemlich auf die Substanz, sodass wir uns auf die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung beschränkten, von denen es ja bekanntlich auch genügend gibt. Da die Stadt hier wahrscheinlich ausreichend dokumentiert ist, lasse ich an dieser Stelle einfach mal mehr die Bilder sprechen - zunächst einen Blick auf die Skyline der Insel, anschließend ein paar Impressionen von der nächtlichen Rundfahrt mit der Star Ferry:













    Am nächsten Tag ging es unter anderem in den Kowloon Park und auf den Victoria Peak - dort allerdings nicht auf die Terrasse, sondern ein Stück den Weg weiter, von wo es ohne Wartezeiten oder Gedränge eine ebenso schöne Aussicht gab.









    Am 28. Juli ging es dann auf einen Tagestrip nach Macao mit der TurboJet-Fähre - hin in der Super Class, die den moderaten Aufpreis meiner Meinung nach durchaus wert ist, zurück in der Holzklasse, da vorne nichts mehr frei war. Mit dem A-Ma Tempel, dem Senado Square, der portugiesischen Küche, dem Grand Lisboa und der St. Paul Ruine, beim Anblick welcher neben den ganzen heruntergekommenen Wohnhäusern man sich fragte, was davon eigentlich die Ruine wäre, wurden nacheinander alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert, und von letzterer entstand folgendes Foto:



    Auf dem Rückweg nach Hongkong wurde ich leider auch um mein Handy erleichtert - nun ja, man lernt daraus. Den Folgetag verbrachten wir im Wesentlichen mit Besichtigen der Malls, sodass es das an dieser Stelle auch schon war, denn am 30. Juli sollte es weitergehen nach Irkutsk, und zwar über Peking mit Air China und Hainan Airlines.

    Unser Gepäck konnte sogar bis nach Irkutsk durchgecheckt werden, halbwegs pünktlich war der Flug auch, sodass wir uns um ein mögliches Steckenbleiben in Peking keine größeren Sorgen machen mussten. Das Gate bot einen netten Blick auf den Anflug, unter anderem beim A330 der Hongkong Airlines musste ich auch mal abdrücken:



    Das Eco-Essen bei Air China war überraschend genießbar, das IFE... nun ja, für eine Karte des Flugverlaufs auf Englisch reichte es, aber mehr braucht man ja auch nicht, erst recht nicht auf dem kurzen Hüpfer. Nach dem Take Off flogen wir eine Kurve um den Airport herum und dann weiter an der Insellandschaft Hongkongs vorbei, bevor die Wolkendecke zumachte.



    Der gigantische Flughafen in Peking war zu unserer Ankunft am späten Nachmittag fast schon gespenstisch leer, und trotz der kurzen Schlangen dauerte die Prozedur mit dem Transitvisum recht lange, sodass wir im Nachhinein durchaus froh waren, keine knappere Verbindung gebucht zu haben. Pünktlich zu Beginn des Check-Ins für unseren Hainan-Flug nach Irkutsk waren wir dann im eher wenig noblen Billigterminal, aber natürlich hatten sich alle Russen schon deutlich vorher brav in die Schlange eingereiht, sodass man daraus eher keine Zeitersparnisse ziehen konnte... Irgendwann war jedenfalls auch das geschafft und die Zeit reichte noch für ein Brötchen mit frischem Orangensaft und ein Foto der in Europa nicht mehr anzutreffenden A380 von CZ:



    Mit Hainan brachte uns dann eine andere der vielzitierten Fünf-Sterne-Airlines nach Sibirien. Das Essen war ähnlich wie bei Air China und die Crew sehr freundlich, die Kabine allerdings in einem desolaten Zustand - zerfledderte Sitze zieht man ja ab und zu, aber dass Teile der Kabinenwand abzubrechen drohen, hatte ich zum ersten Mal. Immerhin landeten wir eine Stunde vor der Zeit, allerdings war diese gewonnene Stunde auch gleich dahin, da unser bestellter Taxifahrer erst um halb drei auf uns wartete. Bemerkenswert übrigens, wie viele solcher Chinaflüge in IKT abgefertigt werden, teilweise mit Airlines, von denen man selbst als geneigter Spotter zum ersten Mal hört. Ich erinnere mich noch genau, wie froh ich nach dem schwülen, heißen Hongkong über die frische, kühle Luft war, als ich zum ersten Mal den Airport verließ.

    Demnächst geht es dann auch mit Sightseeing in Sibirien und den interessanteren Flügen weiter, bis dahin hoffe ich, dass euch der Bericht soweit gefällt!
    Geändert von alxms (27.12.2018 um 13:37 Uhr)
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  5. #5
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    Faszinierendes Routing und gute Reisemotivation!
    Guter Bericht soweit und sehr schöne Fotos!
    Bin schon gespannt auf die Tupolevs!
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.
    "With guns you can kill terrorists, with education you can kill terrorism", Malala Yousafzai

  6. #6
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    Ja super, mal ein ganz außergewöhnliches Routing! Freue mich auf weiteres.

    Neugierig:
    Reise endet in Moskau, d.h. du bist da auch teilweise wohnhaft?
    Und 'wir' ist eher was wir im Forum +1 bezeichnen oder ein aviation freak Kumpel?

    Flyglobal
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.

  7. #7
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    Danke fürs Feedback, freut mich, dass der Bericht bis hierher so gut ankommt. @flyglobal, ja, ich bin teilweise wohnhaft in Moskau und nach der Reise bin ich noch ein paar Tage da geblieben für diverse Erledigungen. Und wir ist eher das, was wir im Forum als +1 bezeichnen.

    Nach einem schnellen Frühstück im Hotel erkundeten wir am nächsten Morgen zunächst die Umgebung, wonach die Frage aufkam, wie wir am effektivsten zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kommen könnten. Im Hotel riet man uns zu einer Stadtrundfahrt per Taxi, und so saßen wir schon bald in einem völlig heruntergekommenen Toyota bei einem ehemaligen Zahnarzt, der heute als Guide solche privaten Touren anbietet. Erster zeigenswerter Halt war die wirklich beeindruckend schöne Kazankirche:



    Irkutsk ist zwar nach dem Fluss Irkut, der bei der Stadt in die Angara mündet, benannt, der bei weitem bedeutendere Fluss ist trotzdem letzterer, auf dem auch zahlreiche Ausflugsschiffe unterwegs sind und auf dessen anderem Ufer neue Wohnsiedlungen entstehen.



    Beide Namen finden sich übrigens auch in der Luftfahrt wieder - Irkut baut als Zusammenschluss mehrerer Hersteller und Teil der UAC-Holding die MS-21, und Angara ist eine der wichtigsten Fluggesellschaften der Region. Hier jedenfalls ein Überblick über den Gagarin-Boulevard - das 1908 aus dem Anlass der Eröffnung des dortigen Abschnitts der transsibirischen Eisenbahn errichtete Denkmal stellt Zar Alexander III. dar.



    Weiter südlich wird fleißig geangelt und man blickt auf den Swerdlowsk-Bezirk der Stadt, welcher unter anderem die Nationale Technische Forschungsuniversität beherbergt.



    Vorteil an solchen privaten Touren ist, dass man auch zu den weniger offensichtlichen Sehenswürdigkeiten kommt - in Irkutsk ist eine große Anzahl vorrevolutionärer Holzhäuser erhalten, mehr als in jeder anderen russischen Stadt.





    Gespeist haben wir im Hotelrestaurant, welches die eh schon hohen Erwartungen mit den ausgesprochen leckeren und vielfältigen Fischspezialitäten, darunter natürlich dem gefrorenen Fisch Stroganina und der sibirischen Fischsuppe Ukha, nochmal übertraf. Alles in allem bleibt mir Irkutsk als überraschend schöne Stadt in Erinnerung, und diese Form der Exkursion kann ich gerade denen, die dort nicht so viel Zeit für die Besichtigung eingeplant haben, nur empfehlen.

    Nachdem ich mir für den Tu-134-Flug schon mal den Fensterplatz in der vorletzten Reihe gesichert hatte, musste es am nächsten Tag natürlich zum Baikalsee gehen, und als Transportmittel der Wahl zeigte sich wieder das ziemlich preiswerte private Taxi, welches am Ziel auf uns wartete und anschließend wieder zurückbrachte. Auf dem Weg ins Touristendorf Listvyanka kommt man übrigens am stadtnahen Flughafen vorbei und damit weiter südlich auch an dem Ort, an dem im Juli 2001 Flug 352 der Vladivostok Avia abstürzte. Am See angekommen, besuchten wir erstmal das Baikalmuseum, wonach wir eines der zahlreichen Schiff-Angebote nutzten und zu einer etwa eine halbe Stunde entfernten Sandbank und wieder zurück fuhren.







    Zum Baden ist das Wasser auch im Sommer selbst für Hartgesottene viel zu kalt. Auch auf solchen kleinen Motorbooten werden Rundfahrten angeboten - am besten gefallen hat mir diese Livery:



    Auf dem Fischmarkt deckten wir uns noch mit lokalem Fisch für zuhause ein, wobei der bekannteste, der Omul, als mittlerweile vom Aussterben bedrohte Art wohl nicht mehr vertrieben werden darf.



    Ohne das obligatorische Lenin-Denkmal wäre der Bericht irgendwie unvollständig.



    Am nächsten Vormittag ging es zum Flughafen. Überraschenderweise achtet Alrosa beim eh schon chaotischen Check-In sehr penibel auf ihre 20-kg-Grenze, sodass wir bei 20,6 kg auf der Waage doch tatsächlich umpacken mussten. Bei der anschließenden Sicherheitskontrolle wurde der getrocknete Fisch aber immerhin nicht als Flüssigkeitsbehälter gewertet und durfte passieren. Aus dem Panoramafenster konnte man das Objekt der Begierde schon erahnen, und bald brachte uns ein Bus zur immerhin über 38 Jahre alten Dame.







    Wie auch am nächsten Tag auf der Tu-154 sorgte die Bezeichnung der Sitzplätze für reichlich Verwirrung. Während im Flugzeug die Plätze kyrillische Buchstaben tragen (bei 3-3 also АБВ-ГДЕ), verwendet man auf den Bordkarten schon das lateinische Alphabet. Ich fand mich auf dem komplett ausgebuchten Flug jedenfalls auf 17D bzw. 17Г wieder - und was man von da so sieht, das erfahrt ihr im nächsten Teil. Bis dahin hoffe ich, dass der Bericht weiterhin gefällt.
    Tirreg, Exploris, kingair9 und 50 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  8. #8
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    danke für deinen Bericht -lese gerne mit. Dir eine gute Reise
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.

  9. #9
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    Ich bin weiter gespannt!

    Flyglobal
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.

  10. #10
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    Dann will ich euch mal nicht länger auf die Folter spannen. Es dauerte nicht lange, bis die Solowjow-Triebwerke zum ersten Mal aufheulten, und nach dem Wenden auf dem Wendehammer waren wir startklar auf der Verlängerung der Runway 12. Den Takeoff musste ich natürlich aufnehmen, sodass ihr euch nun auch selbst zwei Minuten lang beschallen lassen dürft und sollt:

    https://www.youtube.com/watch?v=SbhXIfI9xgU

    Bald waren wir auch schon zwischen den Wolkendecken und auf dem direkten weg nach Nordosten, Richtung Mirny, nochmal eine Zeitzone weiter als Irkutsk und Hongkong.



    Die Kabine machte einen sehr frischen Eindruck, da sie vor wenigen Jahren neue Wände, Bins etc. verpasst bekommen hatte. Lediglich die letzte Reihe wirkte etwas reingequetscht, als groß gewachsene Person kann man dort sicher nicht halbwegs komfortabel sitzen.



    Die neue Kabine geht allerdings leider auch zu Lasten der Authentizität, die großen, runden Fenster mit Vorhängen sind damit natürlich Geschichte. Hinter den neuen Fenstern kann man die Umrisse der alten sogar noch erahnen. Immerhin wurde das Wetter besser.



    Ein nettes Detail jeder Tu-134 sind die kleinen Fenster auf den Toiletten, aus denen man von oben auf das entsprechende Triebwerk und auf das Tail schauen kann. Die Mittagssonne half allerdings nicht wirklich beim Festhalten dieses Anblicks:



    Irgendwann wurde die Alrosa-Snackbox, welche ich schon im Bordessen-Thread gepostet hatte, serviert. Es gab Tee, süßes Gebäck, ein Brötchen und zu letzterem überraschend hochqualitative Geflügepastete. Anschließend versuchte ich mich an einer weiteren Perspektive aus dem Fenster:



    Nach knapp zwei Stunden an Bord dieses tollen Flugzeugs waren wir bei bestem Wetter im Anflug auf die mitten im Nirgendwo gelegene Kleinstadt Mirny:



    Beim Rollen zur Parkposition bot sich dann ein heute wohl einmaliger Anblick, Flugzeuge aus sowjetischer Produktion wohin das Auge reicht:



    Neben dem Schrottplatz mit den zahlreichen alten Tu-154 von Alrosa, welche heute größtenteils durch Boeing 737 ersetzt sind, lag dann auch unsere Parkposition.



    Ein Bus brachte uns zur Ankunftshalle, welche aus genau einem Gepäckband bestand - zur einen Tür versperrte ein Wachmann den Weg zum Vorfeld, zur anderen warteten zahlreiche Abholer. Die Halle war übrigens schon bei uns überfüllt, mit einer vollen 737 würde ich da nicht unbedingt ankommen wollen.



    Das einzige Hotel der Stadt liegt auf dem zentralen Platz, den gehobenen Preisen entsprach die sehr rustikale Einrichtung aus Sowjetzeiten nicht wirklich, aber Alternativen gibt es ja eh keine. Das Hotelrestaurant hatte zu, und der Mitarbeiter, der durch diesen Umstand zum Wasserverkäufer degradiert wurde (den es bei der Trinkwasserqualität da aber auch dringend nötig hat), empfahl uns einen überraschend guten und nicht einmal teuren Italiener, den wir am nächsten Tag also erneut aufsuchten - in Teilen auch der Alternativlosigkeit geschuldet. Da unser Flug nach Novosibirsk erst am folgenden Abend gehen sollte, verschoben wir das Sightseeing auf den nächsten Tag, und machten uns nur noch auf die Suche nach einem Weinladen - was schon abenteuerlich genug war. Aber wir wurden belohnt, und ein solches Sortiment hätte ich da nun wirklich nicht erwartet.

    An erwähnenswerten Sehenswürdigkeiten gibt es in Mirny genau drei - das erste wäre das Denkmal für den Großen Vaterländischen Krieg, 1975 zum dreißigjährigen Jubiläum des Sieges eröffnet:



    Zum sechzigjährigen Jubiläum in 2005 wurde die Anlage noch ein bisschen erweitert, seitdem zeigt sich dort auch meinen ungläubigen Augen doch tatsächlich folgendes Monument, etwas hinter den Bäumen versteckt:



    Als zweites wäre dann der bereits erwähnte zentrale Platz mit dem Hotel zu nennen:



    Lenin gibt es hier, wie man auf dem oberen Bild bereits erahnen kann, nur in sitzender Ausführung:



    Und als drittes natürlich den Kimberlitschlot Mir, den Grund, dass diese Stadt überhaupt existiert - seit 1957 werden hier Diamanten gefördert, was der Region und vor allem dem seit dem Ende der Sowjetunion dafür zuständigen Unternehmen Alrosa gewaltigen Reichtum gebracht hat. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, fast direkt am Rand dieses über 500 Meter tiefen Loches zu stehen:



    Die Rampe ist eigentlich sogar eine Aussichtsplattform, allerdings war sie bei unserem Besuch geschlossen.



    An diesem Tag wurde übrigens der Feiertag der Luftlandetruppen begangen, sodass allgemein Volksfeststimmung herrschte, und auf vielen Straßen spielten Soldatenlieder aus den Lautsprechern. In Kombination mit dem allgemein eher in der Zeit stehen gebliebenen Eindruck, den die Stadt macht, wirklich eine bemerkenswerte Zeitreise.

    Auf dem Flug nach Novosibirsk setzte sich die Zeitreise fort - mehr dazu gibt es morgen oder übermorgen. Bis dahin hoffe ich, dass ihr auch hiermit noch was anfangen könnt.
    Geändert von alxms (28.12.2018 um 11:34 Uhr)
    Tirreg, Exploris, meilenfreund und 42 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  11. #11
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    Den letzten Teil gibt es morgen Abend, heute dürft ihr euch allerdings nochmal sieben Minuten lang beschallen lassen, diesmal mit Sound von der Tu-154.

    Der unglaublich flache Takeoff aus Mirny - da bekommt der Witz mit der A340-300 und der Erdkrümmung nochmal eine ganz andere Wendung:

    https://www.youtube.com/watch?v=DLIXTWEYmac

    Und die Landung in Novosibirsk im schönen Abendlicht mit den typisch kraftvollen Reversern:

    https://www.youtube.com/watch?v=xRShcUeQ9rg

    Kopfhörer rein (oder auch nicht, wenn ihr grad in der Lounge sitzt und schon immer mal im "Ich liebe andere Passagiere"-Thread landen wolltet ) und viel Spaß!
    pavouch, flyglobal, MANAL und 12 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  12. #12
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    Ein Traum diese alte russische Luftfahrttechnik!!! Vielen Dank für die Videos! So konntest Du zum Glück diese tollen Triebwerksklänge noch ins digitale Videozeitalter retten. Mit der T134 bin ich zweimal als Kind geflogen, einmal von SXF nach SVO mit der Interflug 1983 und einmal VIE-SVO mit Aeroflot 1985. Von beiden Flügen gibt es leider nicht einmal alte Fotos, da bleiben nur meine bruchstückhaften Erinnerungen. 1985 kamen auch noch drei Flüge mit IL62 von Aeroflot dazu SVO-NRT-SVO-VIE. Auch da sind nur ein paar Erinnerungen und sogar ein "analoges Foto" das mein Vater in NRT von der Maschine gemacht hat. Die T154 habe ich noch am besten in Erinnerung, da ich mit einer von Tadjikistan Airlines im Jahr 2000 einen Rundflug von Airevents ab MUC mitmachen durfte. Da habe ich zum Glück einen analogen VHS-Video mitgedreht. Die Auflösung ist zwar sehr bescheiden, der Sound aber ein Traum

    Die alten russischen Triebwerke sind schon was besonderes. Auch als Spotter am MUC habe ich die immer genossen. Da hat man am Besucherhügel an der Südbahn schon gehört wenn am Vorfeld vom T1 die Triebwerke angeworfen wurden

    Schöne Erinnerungen. Leider hat der technische Fortschritt auch bei den guten alten russischen Flugzeugen nicht Halt gemacht. Man kann nur hoffen dass es irgendwo welche in Museen schaffen wo man zumindest die Triebwerke lauffähig für Vorführungen halten kann.
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.
    "With guns you can kill terrorists, with education you can kill terrorism", Malala Yousafzai

  13. #13
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    Hi deine Flüge mit dem alten russischen Metall beneide ich dich.
    Meine Flüge mit TU 134, TU 154 und IL 62 waren alle schon im letzten Jahrhundert mit Interflug und Malev nach Leningrad, Moskau und Budapest.
    Und ja, dein aufgenommer Sound ist großartig
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.

  14. #14
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    Am Abend des dritten August ging es also zum beschaulichen Flughafen in Mirny. Auch dieser Flug war trotz der durchaus happigen Preise bis auf den letzten Platz ausgebucht, und so wurde es in der kleinen Wartehalle doch ziemlich voll. Das Entertainment-Angebot bestand aus einem kleinen Kiosk, der gleichzeitig auch Apotheke war, einem Buffet mit Sowjetcharme vom Feinsten und dem Blick übers Vorfeld. Über ebenjenes fuhr uns dann irgendwann ein Bus zur damals noch nicht letzten kommerziell eingesetzten Tu-154. Auf dem Weg dahin kamen wir unter anderem an dieser, in meinem ursprünglich geplanten Routing auch vorgesehenen, An-24 des Platzhirschs vorbei:



    Klein ist der Flughafen übrigens keineswegs, da hier auch die gesamte, aus vier Il-76 bestehende Frachterflotte von Alrosa steht.



    RA-85757 sollte es werden und damit nicht RA-85684, die 2010 bei ihrer Notlandung in Izhma berühmt geworden war.



    Die Videos habt ihr ja bereits gesehen - ganz gemächlich machten wir uns dann auf in die Lüfte und langsam wieder näher zu vertrauten Gefilden.



    Auf der Toilette fand ich dann tatsächlich die guten alten Klobrillen aus Holz vor, dazu ein Handtuch für alle an einem Haken an der Tür anstatt der weit verbreiteten Papiertücher, und zur anschließenden Snackbox, welche mehr oder weniger den gleichen Inhalt wie die am Vortrag hatte, gab es Tee und Kaffee aus richtigen silbernen Kannen. Die Aussicht wurde auch immer schöner:



    In der Zwischenzeit durfte ich auch ganz vorne vorbeischauen, bevor wir uns nach knapp drei Stunden langsam im Anflug auf Novosibirsk wiederfanden.



    Die Reverser gaben nochmal alles, dann parkten die Piloten unser Gefährt mit viel Geschick neben einer An-148 der bereits früher im Bericht erwähnten Angara ein und mein wohl letzter Tu-154-Flug war leider schon zu Ende. In 2015 war ich bei Belavia an Bord gewesen sowie viele Male bei Aeroflot, als diese noch mit heimatlicher Technik flogen.



    Für ein paar Fotos des grünen sowjetischen Uhrenladens war aber noch Zeit:







    Das Abholen des Gepäcks wurde dann zu einer frustrierenden Angelegenheit, geschlagene drei Stunden und gefühlte zwanzig andere Flüge dauerte es, bis die Koffer von unserem Flug auf dem Band landeten und wir uns auf den Weg ins Hotel machen konnten. Der Massentourismus hat die drittgrößte Stadt Russlands wohl noch nicht erreicht, jedenfalls ist bei den dortigen Hotelpreisen auch für preisbewusste Reisende wie uns zum Abschluss der Reise guten Gewissens eine 5-Sterne-Unterkunft drin gewesen.

    Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück mit der sehr günstigen Metro zum Ufer der Ob, an dem bei solch schönen Wetter gefühlt die ganze Stadt spazieren ging.



    Auch der Leninplatz mit dem Operntheater ist sehr ansehnlich:



    Vor den Toren des Flughafens sind eine Tu-154 und eine Il-86 der Sibir Airlines ausgestellt, die erwähnte RA-85684, die Ende September ausgemustert wurde, soll bald dazustoßen. Leider dauerte das Einchecken bei Aeroflot ziemlich lange, sodass sich nur noch bei der Il-86 Zeit für ein Foto ergab:



    In einer engen Boeing 737-800 der Aeroflot ging es dann vier Stunden lang über ebenso viele Zeitzonen nach Moskau, wo die Reise für mich endete. Die beiden Alrosa-Flüge waren ein für mich unvergessliches Erlebnis und ich hoffe, mein Versuch dieses rüberzubringen hat euch gefallen. Allen Forumsinsassen wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Exploris, gomerie, FlyingFreak und 36 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

  15. #15
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    VIELEN DANK! Ja, in Lautschrift. Einfach nur TOP! Danke für deine Mühe mit dem Bericht und fürs mitnehmen!
    alxms sagt Danke für diesen Beitrag.

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