Mal eine persönliche Sicht: Die einzige verbleibende "Innovation" von N26 ist inzwischen wohl, dass sie sowohl
++ApplePay als auch
++GooglePay anbieten.
Gut ist nach wie vor:
+ web-banking interface vorhanden (im Gegensatz zu revolut, bunq. o2 banking/fidor hat ja inzwischen auch eins)
+ Kartenmanagement in der app (Geldautomat ein/aus, online ein/aus --> gut für Reisen/Schutz vor Karten-Skimming)
+ Kartentransaktionen fast sofort sichtbar (wie bei anderen Fintechs oder Amex aber im Gegensatz zu fast allen Incumbent-Banken)
+ kein Auslandseinsatzentgelt bei Zahlvorgängen (abgesehen von der Bargeld-Abhebung)
+ irgendwie nett ist noch die Option auf eine Metall-Karte im Premium-Plan, wie bei revolut, auch wenn das ein "gimmick" ist oder die teilweise transparente Standard-Karte, ein wenig ähnlich zur Amex Blue
+ keine Kontoführungsgebühr
+ "Angebe-Faktor": ich bin Kunde bei einem innovativen deutschen FinTech Startup - "Wie, du kennst N26 nicht? Hier, schau mal, die coole Metal Kreditkarte." (funktioniert aber in meinen Augen nur noch in einem wenig innovativem Umfeld. Neu war Number26 schliesslich vor inzwischen 4 Jahren. Hm, naja, im digitally transformative Umfeld der Grosskonzerne könnte das noch klappen...)
+ Möglichkeit, einfach Verträge mit Weltsparen (Sparkonten) und Clark (Versicherungsmakler) abzuschliessen und das Ganze in der N26 App zu verwalten (falls jemand seine Versicherungen bei Clark als Makler haben will und/oder Weltsparen nutzt und die Daten mit N26 teilen will, vorausgesetzt jemand ist nicht sowieso schon Kunde bei Weltsparen/Clark)
+ einfache Investment-Variante für Einsteiger mit relativ geringen Gebühren (Indexfonds-Produkte N26 Invest 40, 60, 80 in Kooperation mit vaamo)
Insgesamt sehe ich aber eigentlich keinen Grund bei N26 ein Konto zu haben oder abzuschliessen, da ein Alleinstellungsmerkmal oder eine relevante Anzahl von Vorteilen fehlt.
- relativ schlechte und dazu teure Versicherungen bei den Premium-Plänen (massive Fussangeln, wie überall bei Kreditkarten)
- keine Echtzeitüberweisungen (auch nicht gegen Bezahlung wie bei den Sparkassen/DB oder wie z.B. bei bunq kostenlos)
- keine interessanten Geldwechsel-Konditionen (lediglich Transferwise Kooperation), keine Verwaltung mehrerer Währungen oder Auslandsbankverbindungen (wie z.B. bei revolut oder Transferwise)
- keine virtuellen Kreditkarten (zur Datensparsamkeit und Sicherheit bei Online-Zahlungen, z.B. revolut, netbank, siehe Datenskandale)
- Datengier (anscheinend Absaugen aller Schufa-Daten mit allen Bankverbindungen/Kreditkarten über "individuelle Scorekarte", siehe schufa Thread)
- keine günstigen Auslandsabhebungen im kostenlosen Kontoplan (mit 0% Auslandseinsatz, wie zB. beim DKB Aktivkonto, Santander, etc.)
- keine besonderen Reise-Vorteile für deutsche Kunden, auch nicht gegen Bezahlung in den Premium-Plänen (z.B. verbilligte Lounge-Konditionen wie z.B. Amex Platinum, Deutsche Bank Platinum, N26 Metal Lounge Key in UK, z.T. Sparda, Status Matches wie Amex Platinum, Hilton-Kreditkarte)
- keine cashbacks oder Meilen (Lufthansa, Targo, Amex Payback, etc.)
- keine Tagesgeld-Zinsen (wie z.B. bei DKB auf der Kreditkarte oder bei Ziraat auf dem Girokonto), lediglich eine Provisions-Kooperation mit Weltsparen
- wenn schon spaces, dann wäre was besonderes, wenn sie eine eigene IBAN hätte (wie die Spar-Funktion von bunq), sehe aber selbst da den Nutzen nicht...
- kein günstiges Trading möglich (seis Aktien, Crypto, oder was auch immer, lediglich Investment in drei Indexfonds-Produkte in Kooperation mit vaamo)
- keine Kreditkarte (Autovermietungen, etc. naja, aber das ist eigentlich eher kein Problem, es gibt schliesslich viele spezialisierte Kreditkartenanbieter)
Eigentlich ist das N26 Konto damit grob betrachtet so gut/schlecht wie die ING Diba, Consorsbank, Commerzbank, comdirect, DKB, etc.-Girokonten, auch wenn ich denen zugegeben gefühlt etwas mehr Stabilität in der Software und im Service zutraue und eher dort ein Gehalt eingehen lassen würde und sei es nur weil die weniger mit "Wachstumsschmerzen" bzw. "Skalierung" kämpfen müssen, was den Service bei Problemen fast immer verschlechtert und sie dazu noch in Teilbereichen bessere Konditionen haben.
Revolut dagegen hat handfeste Vorteile für ein paar Zielgruppen, z.B. für Vielreisende, die zahlreiche internationale Geldtransfers tätigen (aber auch da weniger als Gehaltskonto, dafür ist die Sache mit der GB-IBAN mit Lloyds als Bank noch ein wenig zu buggy bzw. zu wenig akzeptiert in Deutschland, auch wenn IBAN-Diskriminierung eigentlich nicht erlaubt ist).
Allerdings gehe ich auch eher vom deutschen Umfeld aus. Vielleicht ist ein kostenloses Girokonto mit einer App und Kreditkarte in aktuellem Design ja vielleicht noch ein Alleinstellungsmerkmal in den anderen Ländern, in denen N26 Konten anbietet.
War daher nahe daran, das Konto zu kündigen, aber die Neugier, ob sie doch noch irgendwas spannendes Neues auf die Beine stellen, hat bisher überwogen. Revolut dagegen ist bisher der einzige Finanzdienstleister, bei dem ich sogar für ein Premium-Konto zahle, da ich damit bei Geldtransfers Gebühren spare. Aber vielleicht verbrennt N26 so auch weniger Geld, was zumindest nachhaltiger wäre.
Welche Vorteile und welche Alleinstellungsmerkmale seht ihr denn noch bei N26?