Ich war verwundert mit welch großen Maschinen JAL und ANA im Inlandsverkehr in Japan unterwegs sind und das trotz eines vorbildlichen Bahnsystems.
Japan hat ca. 120 Millionen Einwohner (also ca. 50% mehr als Deutschland), darüber hinaus eine völlig andere Siedlungsstruktur und Geografie - grösser (was die Länge - in Fall von Japan die Nordost-Südwest Ausdehnung betrifft) - und dabei sind die Siedlungsschwerunkte quasi schön wie auf einer Kette aufgereiht - das ist prädestiniert für Eisenbahnhochgeschwindigkeitsverkehr.
Deutschland dagegen ist viel kompakter und hat dazu eine multipolare Struktur aus der sich heraus viele Verkehrsachsen bilden - weder stern-, noch linienförmig sondern kreuz und quer.
Darüber hinaus sind die Städte und deren Metropolregionen in Japan viel grösser und konzentrierter (Großraum Tokio mit über 30 Millionen Einwohnern und Osaka mit knapp 20 Millionen - das bietet sich für Bahn UND Flugverkehr geradezu an - der große Vorteil der Straßenverkehres mit seiner Flexibilität von über all nach überall ohne Umsteigen ist weniger relevant.
Der wiederum spielt seinen Vorteil in Ländern wie Deutschland voll aus.
Und das sieht man auch schön an den Zahlen:
jährliche Shinkansen Passagiere: ca. 500 Millionen - im deutschen inland Eisenbahnfernverkehr ca. 150 Millionen (davon 80 Millionen ICE) - in Japan gibt es außerhalb Shinkansen keinen nennenswerten Fernverkehr mehr, nach dem fast alle Städte angeschlossen sind.
Luftverkehr: Inland Deutschland im Bereich von 10 Millionen, Japan Domestic ca. 120 Millionen
In beiden Ländern ist die Bahn ein Vielfaches gegenüber dem Luftverkehr - allerdings ist der Faktor in Japan geringer als in Deutschland.
Und das hängt so denke ich, eben an der Siedlungsstruktur wie oben ausgeführt.
Denn in Deutschland spielt das Auto eine viel größere Rolle und dominiert den Modal Split im Fernverkehr: Anteil Deutschland 80%, Anteil Japan 60% (wenn ich richtig recherchiert habe).
Bei diesen Zahlen kommen natürlich absolut auch hohe Zahlen zusammen und eben solche Routen wie Tokio - Osaka - aber eben nur ein Bruchteil des Bahnverkehrs, wie
@sickbag schon ausführte.
Am Ende ist das alles eben sehr schwer vergleichbar.
das große Problem ist doch auch, dass es keine neuen Regionalflieger oder junge Gebrauchte gibt, um wirtschaftlich Nischenstrecken anzubieten. Eine D328eco kommt, wenn sie überhaupt kommt, viel zu spät. Das Airlinergeschäft ging in den vergangenen Jahren immer nur den Weg auf größere Maschinen, alles zwischen 30 und 100 Sitzen ist eigentlich nicht mehr vorgesehen, man siehe sich auch die schleppende Entwicklung der E175-E2 an, Embraer hat's letztes Jahr auf frühestens 2029 geschoben...
wie sich eine Air Uniqon entwickelt oder ob man die Strecken aufgrund von Wirtschaftlichkeit bald wieder streichen muss, wird sich in den nächsten 6-12 Monaten auch zeigen, und wir wissen alle, dass es gewisse Strecken bräuchte, weil die Bahn es nicht kann, das Auto auch zu langsam ist und eine LHG kein passendes Gerät hat oder haben will (PAD, SCN, FDH, NUE abseits der Drehkreuze)
Da stellt sich die Frage, was war zuerst da - Henne oder Ei.
Ich denke, der Regionalmarkt in Deutschland ist nicht wegen fehlendem/ unpassendem Gerät tot, sondern wegen des veränderten Angebots.
Luftverkehr ist immer eine Mischkalkulation - Passagiere mit teuren und flexiblen Tickets, aber eben auch mehr Masse mit mittelpreisigen und eher günstigen Tickets.
Erstere gibt es sicher noch - aber das Mittelsegment ist mit dem Aufkommen der LCC stark reduziert.
Während diese früher eben solche Regionalrouten mangels Flugalternative auch gebucht haben, sind diese nun mit dem Aufkommen der LCC in 2000er Jahren weg - weil für den erforderlichen Flugpreis im Regionalverkehr ist man dann doch etwas flexibel und nimmt einen günstigeren LCC, auch wenn die Reisezeiten nicht ganz passen.
Zumindest fallen genug Passagiere weg, dass die Mischkalkulation für den Regionalverkehr mit kleinen Maschinen nicht mehr aufgeht.
Carsten