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Hier wurde schon viel über Navi, IT oder Ähnliches geschrieben. Es gibt selbst in den Bundesländern noch in Kommunen keine einheitliche Regelungen. 70% der Rettungsdienste in D haben ein Standard Navi auf dem Auto. Nur 10% der LST in D haben eine IT-Basierte Abfrage mit RD-AAO. Da entscheidet (wie meistens auch korrekt) ein Disponent am Telefon, was er schickt.
Um hier noch ein Beispiel zu geben: die BF HH war die erste große LST wo anhand der Abfrage eine vorgegebene IT-Alarmierung stattfand. Das führte in der Tat dazu, dass sehr großzügig auch NEFs alarmiert wurden. Gut für den Patienten vor Ort, der ist in jedem Fall bestens versorgt. Schlecht aber für den nächsten Patienten, der wirklich einen Notarzt braucht, aber dieser nicht zur Verfügung steht.
Aber wenn doch dann gab es um diese Uhrzeit zwei RTW und ein NEF. Kann natürlich sein, dass die dann in der Tat woanders gebunden waren.
Ob die anderen dort genannten Funktionen - LNA und Arzt in Rufbereitschaft - um diese Uhrzeit zur Verfügung standen auch fraglich.
Bleibt dann nach wie vor die Frage nach einem alternativen WF first responder.
Der Flughafen Frankfurt ist einer der größten Flughäfen Europas. Und einer der sichersten. Das legt zumindest die Eigenwerbung des Betreibers Fraport nahe. Er wirbt in einer Unterlage von 2024 mit einem flughafeneigenen Fuhrpark von 23 Rettungsfahrzeugen. 50 medizinische Fachangestellte beschäftigt Fraport.
Fraport wollte Fragen zu den Protokollen mit Hinweis auf das laufende Gerichtsverfahren nicht beantworten. Zugleich teilte Fraport mit, dass die „Rettungskräfte des Flughafens Frankfurt zwischen 05:14 und 07:03 Uhr in einem anderen Notfalleinsatz (mit Lebensgefahr) gebunden“ gewesen seien. Deshalb sei die notärztliche Versorgung durch außerhalb des Flughafens stationierte Rettungskräfte entsprechend eines etablierten Standardprozesses erfolgt.
23 Rettungsfahrzeuge sind eine ganze Menge. Es gibt Landkreise, die deutlich weniger haben. Wie 50 medizinische Fachangestellte zu verstehen sind bleibt unklar, das "Fach" spricht aber dafür, dass es sich mindestens um Notfallsanitäter handelt. Gab es zwischen 05:14 und 07:03 einen MANV, oder wie ist erklärbar dass von 50 Fachkräften und 23 Fahrzeugen kein einziges für einen weiteren Notfall zu Verfügung stand? Klar gibt es ein Schichtsystem, Nachts wohl auch reduzierte Besetzung, aber mit dieser Ausstattung sollten trotzdem mehrere Einsätze parallel möglich sein.
Gibt es eigentlich Standards, wie mit einem am Unfallort anwesenden Arzt umzugehen ist? Im konkreten Fall hätte vielleicht auch ein KTW (bevorzugt Typ B) für eine Erstversorgung und einen Transport ins Krankenhaus genügt. Das wäre immer noch besser als nichts, die Frage ist wer dann die Verantwortung trägt.
Also, dass irgendwas schiefgelaufen ist braucht man hier wohl nicht mehr in Frage stellen. Dass der Pressebeitrag an manchen Stellen übertreibt und Umklarheiten lässt macht es nicht besser. Wenn man von "23 Rettungsfahrzeugen" liest, denkt man ja auch was anderes, als wenn da auch Anhänger und Sonderfahrzeuge mitgerechnet werden. Man hätte ja auch von 5-9 medizinischen Beschäftigten schreiben können, dann würde man eher verstehen, wie die gebunden sein können in einem anderen Notfall. Ich frage mich zwar, warum man alleine 6 RTW braucht, wenn maximal 9 Personen zum besetzen da sind und genug andere Fahrzeuge, aber ok, das ist praktisch hier egal.
Mich wundern auch die 13 Minuten zwischen angeblichem Eintreten und Alarmierung, aber vielleicht ist 5:10 auch wild geschätzt und es war schon 10 Minuten später.
"als die Familie auf Gate C zusteuerte" lässt mich eher denken, das Flugzeug rollte noch, aber der Flughafenunkundige Autor meinte wohl was anderes, denn dort stand ja dann der Bundespolizist. Ob man nach 05:03 Landung schon 05:10 rausspaziert, wer weiß. Einem anwesenden Arzt und Bundespolizisten würde ich jetzt mal nicht zutrauen 13 Minuten zu warten.
Auch sollte man den Polizisten zutrauen, den Standort im Flughafen präzise zu bezeichnen. Der leere RTW stand "draußen bei uns Ankunftsfeld" heißt das Arrivals landside? Wäre ja plausibel, wenn die Passagiere auch landside oder direkt an der Passkontrolle sind. Wurde er deswegen vielleicht nicht in Empfang genommen? Oder heißt "Ankuntsfeld" doch Vorfeld? Aber wie ist er da hingekommen? Und wie sollte man von dort ins Terminal ohne Schlüsselkarten kommen? Vielleicht hat uns der Journalist auch wieder nur absichtlich verwirrt...
Spannend wirds wohl eher, was die Leitstelle wusste, dachte und getan hat.
Warum kein NEF?
Warum keine Flughafenfeuerwehr? (Zumal der anwesende Arzt vielleicht schon weiterkommen könnte, wenn man ihm einen Notfallkoffer bringt, dazu Ersthelfer..)
Gab es überhaupt eine Absprache zwischen Leitstelle Frankfurt und der Leitstelle o.ä. im Flughafen?
Und vor Ort,
Was ist mit dem Notfallkoffer im Flugzeug? Konnte oder wollte man den nicht holen? Oder braucht man den nicht?
Warum hat sich die RTW-Besatzung nicht gemeldet, wenn sie das Ziel nicht finden? Oder haben sie das?
Man muss den Angehörigen hier wohl erstmal rechtgeben, dass da Dinge geklärt werden müssen und wenn es nur auf dem Rechtsweg geht, dann so.
23 Rettungsfahrzeuge sind eine ganze Menge. Es gibt Landkreise, die deutlich weniger haben. Wie 50 medizinische Fachangestellte zu verstehen sind bleibt unklar, das "Fach" spricht aber dafür, dass es sich mindestens um Notfallsanitäter handelt. Gab es zwischen 05:14 und 07:03 einen MANV, oder wie ist erklärbar dass von 50 Fachkräften und 23 Fahrzeugen kein einziges für einen weiteren Notfall zu Verfügung stand? Klar gibt es ein Schichtsystem, Nachts wohl auch reduzierte Besetzung, aber mit dieser Ausstattung sollten trotzdem mehrere Einsätze parallel möglich sein.
Wenn es zu bestimmten Zeiten personell knapp wird, lässt sich doch ein schnelleres "Standardverfahren" vorplanen und einrichten? Die sind ja 24/7 für einen Jumbo Crash vorbereitet, da werden ja zwei oder drei Patienten zugleich auch irgendwie schaffbar sein?
In der Rettungskette ist einige schief gelaufen. Aber die Aussage, dass das überleben der Patientin gesichert gewesen wäre, wenn das alles schneller gegangen wäre, zweifle ich innerlich doch etwas an. Vielleicht hätte sie überlebt, aber den Outcome möchte ich mir dann nicht wirklich überlegen, da sie infolge Sauerstoffmangels verstorben ist. Viele LE-Patienten sterben an Herzversagen durch die Hohe Belastung des Herzens während der Embolie, da der Körper massiv gegen den Sauerstoffmangel kämpft.
Und wenn der gepasst hätte (inkl. Alarmierung eines Notarztmittels - der Arzt alleine hilft nix, er braucht die Ausrüstung bzw. Medikamente), hätte man zumindest die Möglichkeit einer präklinischen Lyse gehabt. Die ist meines Wissens bei einer LE mit Kreislaufinstabilität angezeigt.
Wahrscheinlich wird es so laufen wie es immer läuft: am Ende wird die Verantwortung jeder einzelnen Stelle so weit herunteratomisiert bis gar keiner mehr dafür geradestehen muss.
Außerdem, was soll denn das für ein Einsatz gewesen sein, der angeblich alle eigenen Kräfte gebunden hat? So lange das nicht klar benannt (und die Unvorhersehbarkeit nachvollziehbar wird) ist es für mich nichts anderes als eine schäbige Schutzbehauptung.
Das Dokument (*) hatte ich ganz übersehen, danke für den Hinweis. Also 5-9 Beschäftigte pro Schicht, in der Nacht wohl eher 5. Bei einem "normalen" Notfall sind in der Regel 3 Personen (2 im RTW, 1 im NEF) plus Notarzt gebunden, dann blieben immer noch 2 übrig.
Was mich auch wieder zu meiner Frage bringt, wie man sich bei einem am Unfallort anwesenden Arzt verhält. Darf die Leitstelle 1-2 Sanitätshelfer in einen RTW setzen, in der Annahme, dass der anwesende Arzt das Nötigste selbst übernehmen kann? Oder gibt es dafür kein Verfahren und Probleme mit der Haftung?
(*) Gibt es in Hessen offiziell noch Rettungsassistenten?
Wenn es zu bestimmten Zeiten personell knapp wird, lässt sich doch ein schnelleres "Standardverfahren" vorplanen und einrichten? Die sind ja 24/7 für einen Jumbo Crash vorbereitet, da werden ja zwei oder drei Patienten zugleich auch irgendwie schaffbar sein?
Wenn ich das verlinkte pdf richtig verstehe, hat der Flughafen "nur" 50 Beschäftigte im Rahmen eines Rettungsdienstes, wobei es ein Drei-Schichten-System gibt und pro Schicht 5-9 Personen arbeiten.
Da ist es durchaus vorstellbar, dass da bei zwei oder sogar nur einem richtig großen Notfall bereits die anwesenden Personen ausgelastet sind. Was jetzt keine Entlastung für den Flughafen sein soll, sondern eher alarmierend klingt. Vor allem, wenn man von allein 7000 Rettungseinsätzen ausgeht, das sind ca. 20 pro Tag!
Was mich auch wieder zu meiner Frage bringt, wie man sich bei einem am Unfallort anwesenden Arzt verhält. Darf die Leitstelle 1-2 Sanitätshelfer in einen RTW setzen, in der Annahme, dass der anwesende Arzt das Nötigste selbst übernehmen kann? Oder gibt es dafür kein Verfahren und Probleme mit der Haftung?
Ab es dafür ein Verfahren gibt ist eine gute Frage. Da sollte im Notfall eigentlich auch eine Feuerwehrbesatzung mit Notfallkoffer reichen o.ä., sofern es sich der Arzt zutraut. Ob ein niedergelassener Dermatologe da das gleiche leisten könnte wie ein Krankenhaus-Internist ist da auch die Frage.
Falls es kein Verfahren gibt, sollte es aber eins geben. Einer von 200 Menschen in Deutschland ist berufstätiger Arzt. D.h. in eine Flughafen sind statistisch gesehen ständig viele Ärzte.
Also das ist alles so unfassbar! Auf einem der weltweit größten Flughäfen! - Aus meiner Sicht muss das massive Konsequenzen haben und es ist beschämend, wie sehr sich die zuständigen Stellen um Relativierungen bemühen, statt unumwunden und geradeaus zu erklären, dass hier Fehler gemacht wurden.
Ab es dafür ein Verfahren gibt ist eine gute Frage. Da sollte im Notfall eigentlich auch eine Feuerwehrbesatzung mit Notfallkoffer reichen o.ä., sofern es sich der Arzt zutraut. Ob ein niedergelassener Dermatologe da das gleiche leisten könnte wie ein Krankenhaus-Internist ist da auch die Frage.
Das stimmt natürlich, ein Dermatologe oder Zahnarzt wird auch keine Wunder vollbringen können. Andererseits sind viele Notärzte Anästhesisten, und können neben der Sedierung auch nur eine Erstversorgung übernehmen. Was uns zur nächsten Frage bringt, wie sich der Arzt legitimieren soll. Ein deutscher Arztausweis wäre der Optimalfall, bei einem chinesischen Ausweis ist wohl schon die Schrift ein unüberwindbares Hindernis. Wenn dann was schief läuft, und der ausländische Arztausweis aus einem Yps-Heftchen war, möchte ich nicht in der Haut des Entscheidungsträgers stecken. Ganz zu schweigen von dem Fall, in dem ein Fluggast einfach nur behauptet, Arzt zu sein aber dies nicht beweisen kann.
Das stimmt natürlich, ein Dermatologe oder Zahnarzt wird auch keine Wunder vollbringen können. Andererseits sind viele Notärzte Anästhesisten, und können neben der Sedierung auch nur eine Erstversorgung übernehmen. Was uns zur nächsten Frage bringt, wie sich der Arzt legitimieren soll. Ein deutscher Arztausweis wäre der Optimalfall, bei einem chinesischen Ausweis ist wohl schon die Schrift ein unüberwindbares Hindernis. Wenn dann was schief läuft, und der ausländische Arztausweis aus einem Yps-Heftchen war, möchte ich nicht in der Haut des Entscheidungsträgers stecken. Ganz zu schweigen von dem Fall, in dem ein Fluggast einfach nur behauptet, Arzt zu sein aber dies nicht beweisen kann.
Definitiv ein Problem, geltungssüchtige Hochstapler oder Studienabbrecher, die sich plötzlich als Arzt ausgeben hatte ich noch gar nicht berückstichtigt.
Hier im Fall wäre zumindest das egal gewesen, aber dem Patienten persönlich bekannte Ärzte hat man halt eher selten.
Wenn es zu bestimmten Zeiten personell knapp wird, lässt sich doch ein schnelleres "Standardverfahren" vorplanen und einrichten? Die sind ja 24/7 für einen Jumbo Crash vorbereitet, da werden ja zwei oder drei Patienten zugleich auch irgendwie schaffbar sein?
Großschadensereignisse übernimmt der regionale und überregionale Katastrophenschutz. Kein Flughafen der Welt kann es sich leisten, 24/7 für einen MANV mit 400 Verletzten vorbereitet zu sein. Die Einsatzkräfte des Flughafens beteiligen sich dann personell, eventuell gibt es auch eine finanzielle Beteiligung des Flughafens am Katastrophenschutz. Mehr aber nicht.
Als das VDE 8 eröffnet wurde, wurden die durchquerten Landkreise meines Wissens mit ein paar zusätzlichen Einsatzfahrzeugen bedacht (ich kann mich auch irren). Seither stehen sie in der Verantwortung, 600 Fahrgäste aus einem Tunnel bergen zu können. Die Bahn und der Bund sind fein raus.
Hier werden Dinge diskutiert, die im Rettungsdienst seit Jahrzehnten Alltag sind. Nicht selten sind Ärzte als Ersthelfer vor Ort. Und nein: Niemand erwartet von einem Dermatologen eine Intubation oder verlangt vorab einen Nachweis seiner Qualifikation.
Wenn ein RTW an einer Einsatzstelle eintrifft und dort auf einen Ersthelfer trifft, erkennt die Besatzung meist innerhalb weniger Sekunden der Übergabe, ob die Person notfallmedizinisch auf hohem Niveau unterstützen kann oder – trotz ärztlicher Ausbildung – auf klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen beschränkt ist.
Außerdem hat auch ein hauptamtlicher Notarzt das Recht, in einen psychischen Ausnahmezustand zu geraten, wenn ein nahes Familienmitglied reanimiert werden muss.
Ich war viele Jahre als Notfallsanitäter tätig und habe gelernt: Es gibt kaum etwas, das es nicht gibt. Privat als Ersthelfer an einer solchen Situation beteiligt zu sein, ohne die Ausrüstung und Strukturen des Rettungsdienstes zur Verfügung zu haben, ist eine denkbar schwierige Lage.
Ich möchte weder mit dem vor Ort befindlichen Arzt tauschen noch mit der Besatzung des ersten RTW. Die Kolleginnen und Kollegen wollten helfen und waren sich mit Sicherheit bewusst, wie kritisch jede Minute Verzögerung in einer solchen Situation ist. Dass ein Einsatz dieser Art auch an ihnen nicht spurlos vorbeigeht, dürfte selbstverständlich sein.