Diskussionen zu Kernenergie (aus "Elektromobilität")

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Langstreckenpendler

Erfahrenes Mitglied
28.12.2021
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2.016
Natürlich kann man KKW skalieren. Die deutschen KKW waren aufgrund von Gleichteilen und -technik in Serie baubar und kleinteilig regelbar. Hat tatsächlich die SPD und die damalige (geniale!) Generation von Ingenieuren bewerkstelligt. GENAU deshalb war eure Kerntechnik so begehrt und ist es noch. Nur baut ihr sie nicht mehr.
Das ist ja wie als wenn man jemanden erklärt, dass Industrie 4.0 nicht meint, dass der Facharbeiter dank Wegfall einer AV auch noch sein Material selber bestellt.

Ansonsten: Mach einen Grundkurs Produktionstechnik.
KKW-Bau in der Serienfertigung zu verorten ist so falsch wie meist mit dem angeblich automatisierten Schweißen (Werbebegriff), wo immer noch jemand mit einer Schweißer- oder Bedienerprüfung daneben stehen muss. Tatsächlich ist es häufig nicht mehr als eine Mechanisierung.

Wenn du davon sprichst, dass deutsche KKW in Serie baubar waren oder sind, so stimmt das einfach nicht.
Denn das Produkt ist nicht das Gleichteil (das mag Serienfertigung sein) sondern das Kraftwerk, das in Einzelfertigung vor Ort in Baustellenmontage erstellt wird.
Die Ausnahme sind sowas wie U-Boot- oder Schiffsreaktoren, die i.d.R. als Sektion vorgefertigt werden und dann in das Endprodukt integriert werden - die Idee des SMR.

Serienfertigung bedeutet eine begrenzte Stückzahl identischer Produkte (>1 und kleiner unendlich = Massenfertigung) wiederholbar in denselben Arbeitsgängen an einem Ort herzustellen, zudem gekennzeichnet durch Flexibilität (der Produktionsprozess kann auf neue Serien/Modelle umgestellt werden) und häufig die Herstellung von Produktionslosen/Chargen.

Gleichteile können serienmäßig gefertigt werden und werden auch so gefertigt. Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, Rohre, Armaturen etc.
Meinetwegen auch Plattenbau. Spezifische, eher komplexere Bauteile sind in einer Art Manufakturfertigung entstanden oder erst aus vorgefertigten Komponenten vor Ort endmontiert worden.

Gleichteile sind aber unbestritten vorteilhaft und sind auch eine der Voraussetzungen für Serienfertigung, bedeuten aber nicht, dass sie auch in einer Serienfertigung gebaut oder auch eingesetzt werden. Eine für ein Produkt ("KKW") einzurichtende Baustelle schließt den Begriff Serienfertigung aus.

Vielleicht solltest du deine Liste nicht von Wikipedia nehmen, sondern die tatsächlichen Anzahl an Projekten recherchieren. Ist einfacher, als man denkt.
Du glaubst gar nicht, was es alles an Projekten gibt... Wahrscheinlich mehr als auf überhaupt irgendeiner Liste auftauchen könnten.
Ich bin ja nun wirklich im Geschäft an Projekte gebunden, d.h. nicht an laufende Produktion/normalen Geschäftsbetrieb sondern Neubau/Umbau/Rückbau.
Nur wenige der angefangenen Projekte werden etwas (aber es gibt sie).
In meiner Firma gibt es dafür das geflügelte Wort: "Wir waren wieder unheimlich gut aber total erfolglos."

Aber aus anderen Gründen, Stichwort Kernwaffentechnik.
Der einzige verbliebene Grund neben Sonderanwendungen (Eisbrecher, Atom-U-Boote), auf allein privat-kommerzieller Basis ist das derzeit nicht zu verantworten.

Indien überlegt, welche Technik sie verbauen wollen. Rosatom ist nicht überall der Renner
Indien wird noch weiter überlegen und überlegen und überlegen. Das hat auch eine politische Dimension, es braucht bei einer Nuklearmacht aber immer eigene Reaktoren. Kommerziell werden das vielleicht 10-20 GW neu installierte Leistung in 50 Jahren - wenn man sich das leisten mag.

rund 3% der realen Stromerzeugung in Indien waren im letzten Jahr aus Atomkraft, rund 9% aus Wasserkraft, Solar 8% (rasch ansteigend) mit bereits 41GW Batteriespeicher, 5% Wind - der Rest ist Kohle. Bei Solar gibt es eine Abhängigkeit von China, das ist politisch ebenso ein Problem wie Nuklear, aber Herstellungskapazitäten für PV in Indien anzusiedeln ist einfacher lösbar als ein selbst entwickelter indischer Nuklearreaktor.
PV in Kombination mit Speichern ist in Indien mittlerweile billiger als Kohle (als günstigster Energieträger).

Tja, ein guter Anfang. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland mal 16-19 KKW standen.
Entweder verschwinden bei Dir Reaktoren durch simples Vergessen von alleine oder Du scheinst einen sehr eingeschränkten Blick auf Deutschland zu haben oder irgendwo vor der Wiedervereinigung stehengeblieben zu sein.
In Deutschland werden derzeit 28 (!) Reaktoren zurückgebaut, die irgendwann mal einen Beginn des kommerziellen Betriebs hatten - auch wenn das bei Greifswald 5 nur 3 Wochen waren (in Stade geht der Rückbau auch erst dieses Jahr offiziell zu Ende). Dazu kommen die 3 letzten im Status „Außer Betrieb“, also 31. Die müssen da also auch mal gestanden haben. Nicht eingerechnet 3 komplett zurück gebaute.
Da ist aber auch viel Zeug dabei, was in der Energieerzeugung bei weitem nicht die Rolle gespielt hat wie die unter der KWU entstandenen Reaktoren.

Dazu werden 30 Forschungsreaktoren zurückgebaut. Zudem sind 6 Forschungsreaktoren weiterhin in Betrieb.

Zahlenskala falsch. Du solltest dir mal ansehen, was alleine ein KKW (nimm Biblis 2) erezugt hat, rund 500 Milliarden kWh. Isar 2 hat 12% des bayrischen Energie (Strom)bedarfs alleine gedeckt. Grohnde war in seiner Leistung 8-fach Schnitt, etc. etc. Die EE können weder bei Leistung, Stärke, Verfügbarkeit und Grundlastfähigkeit mithalten; bei weitem nicht.
Biblis A und B sind _2_ Reaktoren, zusammen ca. 500 TWh von 1975 bzw. 1977 bis 2011, das Ganze bei einer Anlagenverfügbarkeit von 68,7% bzw. 74,5%. Sicherlich pro Reaktor nicht das Beste im Ranking, weder in der Gesamtstromerzeugung noch in der Leistung.

Isar hat nicht 12% von 1988 an gedeckt, der Stromverbrauch in Bayern ist über die Jahre immer weiter angestiegen. Die Energieerzeugung von Isar 2 kann daher über den Zeitraum 1988-2023 keine 12% konstant erzeugt haben. Pure Mathematik.

Stärke haben meine Kartoffeln, Du meinst vermutlich Kraftwerksleistung bzw. installierte elektrisch Leistung. Und das stimmt auf Deutschland bezogen für 14 der Reaktoren (über 1000 MW). International gibt es im Offshore-Wind Sofia mit 1400 MW (IBN bis Ende 2026), das spielt in der gleichen Leistungsklasse, weitere Projekte im Bereich Doggerbank folgen mit jeweils über 1000 MW pro Projekte (12xx für Doggerbank A bis C, 1320 MW für Doggerbank D, Doggerbank Süd geht in Richtung 3 GW, das werden aber eher 2 Projekte. Und in Polen hat gerade der Bau von Baltica 2 begonnen, 1500 MW. Und auch Berwick Bank B (Geotechnik hat gerade begonnen) wird 1400 MW haben…
Auch in Deutschland waren die letzten Auktionen für 1000MW, allerdings ist auch ein Ausschreibungslimit und liegt an der Kapazität der Netzanschlüsse (2GW pro HGÜ-Plattform).

Hinsichtlich Verfügbarkeit finde ich auch bei einigen deutschen Reaktoren deutlich weniger als 50% Verfügbarkeit übers Jahr (durchschnittlich über die Laufzeit). Zum Beispiel ist das KWL ist insgesamt (!) nicht über 42% hinausgekommen. Auch das von @chrigu81 angeführte KKW Gösgen, das lange gut funktioniert hat, hat sicherlich im letzten Jahr die 50% nicht erreicht.
Es gibt halt gute und schlechte Jahre, ist wie bei Wind - nur aus anderen Gründen. Wobei _funktionierende_ KKW eine höhere Volllaststundenzahl erreichen als Wind. Allein, also zu 100%, darauf verlassen kann man sich nicht - das war aber nie ein Problem.
Zur Info: Eine einzige moderne Offshore-Großturbine wie GEs Haliade X (12MW - 14,7 MW) kommt man (anfänglich nur 67 GWh/Jahr) inzwischen auf 76 GWh Stromerzeugung pro Jahr (zertifizierte Angabe für einen typischen Nordseestandort), das sind rechnerisch 5120 (14,7 MW) bis 6333 (12 MW) Volllaststunden. Da gehen natürlich noch Störungen/Wartung von ab, wobei man dafür gerade wind- und wellenarme Zeiten braucht und im Gegensatz zu KKW nie den gesamten Windpark gleichzeitig ausschaltet.

Nur für die Bankfinanzierung rechnet man natürlich mit 4000 Volllaststunden. Selbst an Land - typisch sind dort um die 2000 banküblichen Volllaststunden für WEA - kommt so eine Anlage auf etwa 3.000 Volllaststunden real.

Was Grohnde angeht, so hatte dieses KKW die Gunst der späten Abschaltung. Bis 2011 hielt das mir hier benachbarte KKU den Weltrekord.

Was die Bedeutung von Speichersystemen angeht:
In tropischen Ländern mittel der Wahl in Verbindung mit PV. Da gibt es ganzjährig 12 h Helligkeit, den Rest muss man mit Speicher überbrücken.
In Ländern mit Sommer- und Winterhalbjahr ist das komplizierter, das Extrem sind arktische Regionen.
Da steigt der Wind-Anteil, der PV-Anteil nimmt ab und zum Kurzfrist-Batteriespeicher und Pumpspeichern braucht es Langzeitspeicher.

KI und Dienstleistung könnt ihr aber auch nicht mehr betreiben, die brauchen noch mehr.
KI kann die USA - im Gegensatz zu China - so schnell auch nicht weiter ausbauen. Dafür fehlt der Strom.

Es gibt halt Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann - und das ist vor allem Liefer- und Bauzeit.
Für KKW, Wind, Gasturbinen, PV, Batteriespeicher (ich hab das mal absteigend nach Realisierungsgeschwindigkeit sortiert).

Für Wind und PV sind aber die politischen Risiken in den USA zu groß, denn da wird unter Trump aktiv Geld für ausgegeben, genehmigte Projekte NICHT zu realisieren, um im Ergebnis die Stromerzeugung zu verknappen bzw. stattdessen in Raffinerien zu investieren.
Also hängt man bei Gas und wird die nächsten 4 Jahre keine weiteren Turbinen bekommen. Auch nicht von GE aus inländischer Fertigung oder gar Mitsubishi oder SIEMENS.
KI ist ein gewaltiges Klumpenrisiko, bei Microsoft hängen 45% des Auftragsbestandes nur an OpenAI, d.h. das ist linke Tasche - rechte Tasche.

Nur Mr. Musk hat noch kein Stromproblem, der liebäugelt erstmal mit einer eigenen Chip-Fertigung weil er schon keine oder zu wenig Chips sourcen kann.
 
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chrigu81

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16.02.2016
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Vielleicht hat die KI -alleine schon aus Selbsterhaltungstrieb- eine Lösung des Problems in petto. Nicht, das es noch in einer selbsterfüllenden Prophezeihung endet.:ROFLMAO:
Wegen der Energieknappheit ist der Aktuelle Plan in Orbit Rechenzentren. Ob es einfacher ist Rechenzentren in Orbit hochzufahren oder Gasturbinen oder AKWs auf der Erde zu bauen wird sich zeigen. Beide Lösungen haben vor und Nachteile.
 
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Langstreckenpendler

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28.12.2021
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Man muss ja gelegentlich groß denken, aber KI-RZ im Orbit weil es auf der Erde nicht genug Strom dafür gibt?
Klingt für mich nach Verzweiflung aber ein Teil der Börse wird den neuen Göttern folgen.
 

chrigu81

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16.02.2016
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Der Herr Musk hat bisher noch praktisch alles angekündigte in die Tat umgesetzt. Meistens ist er langsamer als seine agressiven Ankündigungen, aber er setzt seine Ankündigungen letztlich eigentlich immer um. Jetzt spricht er er von jährlicher Rechenleistung im TWh Bereich. Lassen wir uns überraschen, aber selbst wenn er für lange Zeit 1-2 Grössenordnungen daneben liegt ist die zusätzlich benötigte jährliche Strommenge nur für SpeceX beträchtlich. Um nicht abzufallen haben Microsoft, Amazon und Co keine andere Wahl mitzuziehen. Es wird spannend ☺️
 

Langstreckenpendler

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28.12.2021
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Nun, das klingt für Musk-Verhältnisse eher vorsichtig:

"In der Pflichtmitteilung legte SpaceX unter anderem offen, dass das Unternehmen nicht über ausreichende Lieferverträge mit Anbietern von Hochleistungsprozessoren verfüge, um den eigenen Bedarf zu decken. Gleichzeitig wies es darauf hin, es gebe keine Garantie, dass die "Terafab" innerhalb des geplanten Zeitrahmens oder überhaupt den Betrieb aufnehmen werde."
 

chrigu81

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16.02.2016
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Das sind die Üblichen disclaimer amerikanischer Firmen. Wie gesagt Musk setzt bisher ziemlich zuverlässig alles angekündigte um. Und wenn die Umsetzung von Rechenzentren an Land günstiger ist als in Orbit, wird auch er die Rechenzentren wie bisher an Land bauen.
Es gibt bisher mehrere Industrien welche sich anfänglich über ihn lustig gemacht haben. Die meisten dieser Industrien lachen inzwischen nicht mehr... Ich weiss wovon ich spreche, ich arbeite in einer dieser Industrien. Als Musk bei uns vor fast 20a versprach, hat man ihn ausgelacht. Inzwischen bereut man es und muss befürchten dass die meisten unserer Grosskunden an den neuen Realitäten zugrunde gehen.
 
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ThoPBe

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16.09.2018
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Interessante Dialogform, immer mit dem Geschnauze.
So ist das eben, wenn man wie bestimmte andere User (ständig) falsch liegt. Ich bin total entspannt und lasse es über mich ergehen. Ich weise einmalig auf falsche Thesen, Grundannahmen oder faktische Fehler hin und dann war es das und schreibe nur noch Ein-Wort-Sätze; wenn ich Lust habe auch mehr. Ansonsten habe dafür keine Zeit (mehr); ich will die Sonne, meinen Garten und meine Autos genießen :)

Die Ergebnisse eurer verfehlten Energiepolitik inkl. der Kernkraft spürt man ja in Deutschland recht deutlich. Und das wird politisch sogar offen auf allen Eben bis hoch zur EZ eingeräumt; die Taxonomie (seit 2022 sind KKW sogar nachhaltig!) spricht Bände, worüber wird also noch diskutiert?
 
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VAE

Erfahrenes Mitglied
16.03.2022
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So ist das eben, wenn man wie bestimmte andere User (ständig) falsch liegt. Ich bin total entspannt und lasse es über mich ergehen. Ich weise einmalig auf falsche Thesen, Grundannahmen oder faktische Fehler hin und dann war es das und schreibe nur noch Ein-Wort-Sätze; wenn ich Lust habe auch mehr. Ansonsten habe dafür keine Zeit (mehr); ich will die Sonne, meinen Garten und meine Autos genießen :)

Die Ergebnisse eurer verfehlten Energiepolitik inkl. der Kernkraft spürt man ja in Deutschland recht deutlich. Und das wird politisch sogar offen auf allen Eben bis hoch zur EZ eingeräumt; die Taxonomie (seit 2022 sind KKW sogar nachhaltig!) spricht Bände, worüber wird also noch diskutiert?
Falsch.
Die Lösung ist halt weder in DE/EU/USA/Asien/Südamerika die Kernspaltung.
Das haben ja nun mehrere Fakten so belegt. Die heute bereits erreichte Bedeutungslosigkeit im weltweiten Energiebedarf und Primärenergiebedarf führt dazu, das so wie @Langstreckenpendler es beschreibt, der einzige mittelfristige industrielle Zweig, welcher bestehen bleibt, der Rückbau und die Verwahrung ist. Leider wird dieser nichts mehr zur Wertschöpfungskette beitragen.
Frankreich zum Beispiel wird wohl kurzfristig/mittelfristig zum Problem für die EU im Bezug auf den Energiemarkt werden, deren Abhängigkeit an der eigenen Versorgung ist zu groß, man hat hier halt Jahrzehnte auf das falsche Pferd gesetzt und den Ausbau der Erneuerbaren verschlafen. Frankreich wird noch von einem Anteil von +50% EE träumen, gerade weil dort die Wärme zu einem überwiegenden Teil aus Strom produziert wird. Und Nein, Frankreich weiß ganz genau, dass deren Energiezukunft nicht die 60 Jahre alten Meiler sind und hier und da mal aller 20-30 Jahre ein neues Prestigewerk!

Aber auch Frankreich hat es langsam verstanden und versucht die Atlantikküste für ihren Strombedarf zu „kultivieren“.
Ich gehe davon aus, das Thopbe froh sein kann, sein berufliches Leben zu großen Teilen hinter sich gebracht zu haben. Heute kann man wohl einem Jungen Menschen nicht ruhigen Gewissen empfehlen, sich in dieser Branche, mit immer weiter abnehmender Nachfrage ausbilden oder weiterbilden zu lassen. Sicherlich gibt es in verwogenen Ecken der Welt, noch immer Plätze, wo scheinbar das Know How kurzfristig gefragt sein könnte. Dann heißt es aber wie bei der Armee, Auslandseinsatz befohlen. (Wer das will alles gut und ja Deutschland ist nicht der Nabel der Welt, auch in anderen Ländern kann es schön und gut sein)
 
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Langstreckenpendler

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28.12.2021
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Das sind die Üblichen disclaimer amerikanischer Firmen. Wie gesagt Musk setzt bisher ziemlich zuverlässig alles angekündigte um. Und wenn die Umsetzung von Rechenzentren an Land günstiger ist als in Orbit, wird auch er die Rechenzentren wie bisher an Land bauen.
Es gibt bisher mehrere Industrien welche sich anfänglich über ihn lustig gemacht haben. Die meisten dieser Industrien lachen inzwischen nicht mehr... Ich weiss wovon ich spreche, ich arbeite in einer dieser Industrien. Als Musk bei uns vor fast 20a versprach, hat man ihn ausgelacht. Inzwischen bereut man es und muss befürchten dass die meisten unserer Grosskunden an den neuen Realitäten zugrunde gehen.
In dem, was Musk da macht, erkenne ich ein Art Kombinatsgedanken.
Und der entspringt keiner Strategie sondern ist aus der Not der fehlenden Lieferbarkeit geboren.

Hab ich auch schon auf etwas kleinerer Ebene gesehen, dass ging etwa so:

Ziel: Wir bauen einen Offshore-Windpark (genannt BARD Offshore 1, der erste voll-kommerzielle in .de, 80 x 5MW auf Tripiles).
Umsetzung:
Wir brauchen dafür Turbinen mit Rotorblättern (Design kaufen wir), dazu Fundamente. Das endmontieren wir alles selber - macht ja sonst keiner.
Trafoplattform bestellen wir selbsterrichtend, weil ohne Installationsschiff billiger (was daraus wurde, ist eine eigene Geschichte und hat auch mit Rückwärtsbewegungen im Schleppverband und mit einem chinesischen Tanker zu tun).
Dafür bauen wir ein Werk in Emden und ein Werk in Cuxhaven (CSC Fundamente).
Ach, wir bekommen keine Gussteile für Nabe und Maschinenrahmen? Lasst uns eine Gießerei bauen!
Gibt gerade keine passendes OSV für unseren Windpark? Lasst uns einen Tender (Schiff) bauen...

Man bekommt das sicherlich alles irgendwann zum laufen, aber irgendwann sind auch die Reserven der Bankfinanzierung endlich, die auf das Endprodukt gerichtet sind.
Und dann wird der Windpark zwecks Schadensbegrenzung von den Banken übernommen,
durch eine andere Firma gemanaged und die herstellenden Firmen mangels Anschlussverwendung geschlossen.

Die ersten 12 von 80 Fundamenten sind dann nicht in Cuxhaven gebaut worden und es gab 3 Designoptimierungen…
 
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chrigu81

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16.02.2016
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Bei SpaceX und Tesla hat Musk genau das getan und damit den traditionellen Herstellern dieser Industrien das fürchten gelert. Ich weiss wovon ich spreche, ich arbeite in einer dieser Industrien.

Kann sein, dass Musk in dem Fall falsch liegt, aber was wenn er richtig liegt? Genau dieselbe Frage habe ich vor 8 Jahren einem unserer Geschäftsleitungsmitglieder gefragt. Als Antwort kam, kann nicht sein, und mittlerweile muss sein Geschäftszweig um seine Existenz fürchten, da es kein Plan gab und immernoch nicht gibt für den Fall, dass er richtig liegt. Hochmut kommt vor dem Fall...
 

chrigu81

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16.02.2016
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Bezüglich AKWs sind die empirischen Daten und auch die Investitionen in diese Industrie eigentlich klar. Man kann sich der Realität verleugnen und zurechtbiegen, kommt damit halt nicht sehr weit. Wären die ganzen Theorien über EE richtig wäre der Strompreis an der Börse jetzt nicht doppelt so hoch wie in den Jahren bis 2021...
 

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ThoPBe

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16.09.2018
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Bezüglich AKWs sind die empirischen Daten und auch die Investitionen in diese Industrie eigentlich klar. Man kann sich der Realität verleugnen und zurechtbiegen, kommt damit halt nicht sehr weit. Wären die ganzen Theorien über EE richtig wäre der Strompreis an der Börse jetzt nicht doppelt so hoch wie in den Jahren bis 2021...
Wenn man in einer dieser Industrien arbeitet (oder gearbeitet hat, und davon haben wir ein paar hier im Forum), dann weiß man, dass die Kernkraft gerade wieder hochfährt; egal, was die Politik stellenweise gerne hätte oder Wirtschaftsbosse öffentlich in Interviews (noch) erzählen. Es zählen drei Kennzahlen: Umsatz, Gewinn und (politische) Verlässlichkeit und Unterstützung.

Es werden für Spezialisten in der Forschung, Betrieb und Bau Höchstsummen gezahlt und weltweit gegenseitig abgeworben. Als Kernphysiker oder Astrophysiker mit KK-Bezug hat man keine Jobsorgen, als Ingenieur, Techniker oder Bauarbeiter mit KK-Bezug auch nicht.

Die Prognosen für den Hochenergiebedarf in den nächsten 60 Jahren sind weltweit (!) SO hoch, dass dieser Bedarf mit EE und Erdöl/Gas aufgrund mangelnder Verfügbarkeit, Rohstoffen, Preis und grundsätzlicher Akzeptanz nicht (mehr) gesichert werden kann. Es wird dramatische Kämpfe um Energie geben, neben Wasser und Nahrungsmitteln in bestimmten Regionen. Viele Politiker haben erkannt, dass man mit genug Energie und CO2 aus der Atmosphäre oder aus Abfällen wieder Brennstoffe, Dünger erzeugen kann, ein fast regulatorischer Kreislauf. Entsalzungsanlagen brauchen so viel Energie, dass sich viele Staaten den Betrieb schlicht nicht leisten können. Nicht umsonst interessieren sich Schwellenländer und Länder mit schlechter Energieversorgung für KK. Interessant ist auch, wie gut diese über die Abläufe und Zeitstrahlen in den 70, 80, 90´er Jahren in Deutschland waren und sind.

Weil eben die Erkenntnis da ist: wenn genug günstige UND verlässliche Energie zur Verfügung steht, macht der Wohlstand, die Gesellschaft und die Politik immer Sprünge nach vorne, zum besseren. Da hat die Vergangenheit seit der Erfindung des Feuers, der Dampfmaschine, der Elektrizität und dann der Kernkraft eindrucksvoll gezeigt.

Man stelle sich vor, man hätte den Mittelmehrraum in der Vergangenheit nicht abholzen müssen für Brennstoff (unabhängig von der Epoche! ;))

Und jetzt wird es metaphorisch: Energie ist die Grundlage von allem ;)
 
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ThoPBe

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16.09.2018
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Oh, das fossile Kraftwerk zieht "virtuell" im Stromnetz um und versorgt nun ein Rechenzentrum und die EE reichen nur für 25% der Bevölkerung?


Ach, das ist keinem aufgefallen, dass die EE bei weitem nicht die Leistung liefern? Das jetzt dank EE die Strompreise sogar steigen? Das Nevada kein KKW in der Nähe hat?

DaS KoNNtE jA gAR kEInEr AHnEn!
 
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Langstreckenpendler

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28.12.2021
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Oh, das fossile Kraftwerk zieht "virtuell" im Stromnetz um und versorgt nun ein Rechenzentrum und die EE reichen nur für 25% der Bevölkerung?


Ach, das ist keinem aufgefallen, dass die EE bei weitem nicht die Leistung liefern? Das jetzt dank EE die Strompreise sogar steigen? Das Nevada kein KKW in der Nähe hat?
Das hat nix mit EE zu tun, da könnten auch 25% Kohlekraftwerk oder 25% Gaskraftwerk oder 25% Nuklear stehen.

Fakt ist, dass NVEnergy, die 75% der bisherigen Stromlieferungen für den lokalen Bedarf ausmachten (das ist in ähnlichen Konstellationen bei vielen Stadtwerken in Deutschland ähnlich), den bisher bestehenden Liefervertrag nicht weiter erfüllen werden, weil sie RZ versorgen wollen/müssen.

Nun fehlt mangels besserer politischer Regelungen, die zunächst die Versorgung des Bestandes vor die Versorgung von Neuanschlüssen setzt, Stromerzeugungskapazität für die dort lebenden Menschen. Wäre die Priorität beim Bestand, gäbe es Jammern bei der KI-Industrie. Aber hier scheint sich KI vorerst gegen die Menschen durchgesetzt zu haben.

Bleiben neben einer anderen politischen Prioritätensetzung die Möglichkeiten Ausbau der Stromerzeugung mit Autarkieanspruch oder Schrumpfung des Ortes. Und das ziemlich kurzfristig.
 
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DFW_SEN

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28.06.2009
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IAH & HAM
Das hat nix mit EE zu tun, da könnten auch 25% Kohlekraftwerk oder 25% Gaskraftwerk oder 25% Nuklear stehen.

Fakt ist, dass NVEnergy, die 75% der bisherigen Stromlieferungen für den lokalen Bedarf ausmachten (das ist in ähnlichen Konstellationen bei vielen Stadtwerken in Deutschland ähnlich), den bisher bestehenden Liefervertrag nicht weiter erfüllen werden, weil sie RZ versorgen wollen/müssen.

Nun fehlt mangels besserer politischer Regelungen, die zunächst die Versorgung des Bestandes vor die Versorgung von Neuanschlüssen setzt, Stromerzeugungskapazität für die dort lebenden Menschen. Wäre die Priorität beim Bestand, gäbe es Jammern bei der KI-Industrie. Aber hier scheint sich KI vorerst gegen die Menschen durchgesetzt zu haben.

Bleiben neben einer anderen politischen Prioritätensetzung die Möglichkeiten Ausbau der Stromerzeugung mit Autarkieanspruch oder Schrumpfung des Ortes. Und das ziemlich kurzfristig.
Das ist halt der Unterschied zwischen den USA und Europa. Manchmal hat politische Regulierung auch positive Seiten.
 
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chrigu81

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16.02.2016
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