Das mit Dapaziro muss ein Anzeigefehler sein, Tassili fliegt eigentlich nur innerhalb Algeriens, FR24 zeigt zu den Flugnummern auch nicht viel an.
Die Nacht verlief etwas unruhig, das Vollmondlicht störte, gegen halb 4 kam die Tochter meines Gastgebers zu einem Familienurlaub nach Hause. Sie war aus Paris mit Air Maroc angereist und die landen immer mitten in der Nacht in Niamey. Und ab halb 5 begann eine Moschee nach der anderen mit ihren Gebetsrufen.
An diesem Sonntag, 25.11., war gar nichts geplant. Trotzdem begann der Tag mit einer absoluten breaking news. Tiani hat am Vorabend ein Gesetz, welches den Transport von Migranten verbietet, gekippt. Das Gesetz galt seit 2015 und wurde auf Druck der EU erlassen um die Flüchtlingsströme nach Europa auszutrocknen. Im Gegenzug bekam Niger hohe Geldsummen als Hilfe. Wegen der Sanktionen ist der Geldfluss aber nun gestoppt. Das Gesetz zu kippen war der Hauptwunsch der Region Agadez an die Militärregierung. Bis 2015 hatten tausende locals an den Flüchtlingen verdient: Versorgung, Unterkunft und Transport. Es war eine der Hauptrouten der Migration, von Westafrika via Agadez im Niger nach Libyen und dann mit Booten über das Mittelmeer Richtung Europa. Dieser Weg ist ab sofort wieder offen, Agadez ist "back in business" und spätestens im nächsten Frühjahr kann Europa mit einer neuen Flüchtlingswelle aus Afrika rechnen...mal sehen wie die Politik reagiert und ob es der AFD weiter zuspielt.
Eine Woche später wird der Niger komplett mit Europa brechen und sich langsam Russland zuwenden, dazu zum Abschluß der Kurzreise mehr.
Da der Sonntag so dahinplätscherte zeige ich mal ein paar Bilder wie mein Gastgeber, Jean, in Niamey lebt. Er gehört zur Mittelschicht, er wohnt also weder in ärmlichen Verhältnissen noch ist das Haus luxuriös.
Die Nebenstraße in der "Cité Chinoise" ist natürlich ungeteert, aber mit schönem Baumbestand. Vor 20 Jahren konnte man noch um die Ecke gehen und stand mitten in einem Hirsefeld, inzwischen ist die Stadt aber weit hinaus gewachsen.
Hier ist dann die Einfahrt...
...in den Innenhof.
Das Haus hat eine schattige Außenterrasse und eine Dachterrasse.
Herzstück und Vorzeigeobjekt ist natürlich das Wohnzimmer.
Die Küche ist dann einfacher, es gibt eine "Innenküche" mit klapprigen Abstellmöglichkeiten.
Die eigentliche Küche ist draußen mit einem Vorratsschrank für Kartoffeln, Zwiebeln und Gewürzen wie Knoblauch/Ingwer...
...und anderem Gemüse. In den blauen Tonnen ist Frischwasser, falls mal wieder die Wasserversorgung aus der Leitung ausfällt.
Gekocht wird mit Gas in einem Nebenraum, der Gaskocher ist aus alten Radfelgen zusammengebaut.
Bei der Elektroinstallation merkt man, dass die Normen der VDE hier keine Anwendungen finden. Als Elektrotechniker tut einem sowas natürlich weh, aber so sieht es eigentlich in allen Häusern aus (FI-Schalter gibt es natürlich auch nicht).
Auf der zementierten Dachterrasse stehen ein Hangar und Betten, wenn man draußen schlafen will.
Der restliche Teil des Hausdaches besteht aus Wellblech.
Vor dem Haus auf der Straße ist eine "Freiluftwäscherei".
Am Mittag kam ein guter Bekannter vorbei und wir aßen in unserem "Männerbereich".
Es gab ein Festessen, welches von außerhalb gebracht wurde...
...denn wegen der Ankunft der Tochter des Hauses aus Frankreich (hier ganz links im Bild)...
...war heute Party angesagt und viele Freundinnen und Verwandte kamen zu ihrer Begrüßung.
So plätscherte der Tag dahin, in der Nacht zog ich dann das Gästezimmer dem Vollmond draußen vor, es gab auch keinen Stromausfall.
