Fremdschämen

ANZEIGE

FlySep Odyssey

Reguläres Mitglied
04.03.2026
38
29
ANZEIGE
Hallo Vielreisende,

einfache Frage:
wie oft músst ihr euch auf euren Reisen fremdschämen, fúr wen oder was auch immer?

und viel interessanter:
wie oft müsst ihr euch für euch selber fremdschämen?!
 
  • Haha
Reaktionen: red_travels und Anne

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Fremdschämen?!
klar

a) man will in einem Zielland doch auch oft verschont sein von seinen peinlichen Landsleuten, aber als Deutscher ist das ungemein schwer auf der Welt
egal wohin man fliegt, ob nach Timbuktu, in die Antarktis oder auf den Mond, Herbert, 62 und Frührentner aus Castrop Rauxel ist bestimmt schon da

und für alle, die Herbet aus Castrop Rauxel kennen, ist die Frage "Fremschämen" beantwortet

b) natürlich schäme ich mich regelmäßig über mich selber fremd
traut Einem ja kaum einer mit knapp 60 zu, dass man abends an der Bar reihenweise die Leute unter den Tisch säuft, Leute die teilweise 25 und 30 Jahre jünger sind und noch das etwas große Mundwerk führen ob ihrer Trinkfestigkeit. Und ja, da schämt man sich dann auch teilsweise über sich selber fremd
 
  • Haha
Reaktionen: CX777

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Bin mir unsicher, ob man mit einer hohen Alkoholtoleranz unbedingt prahlen sollte.
ich halt nix von Longevity
ich glaube nicht, dass man Leben verlängern kann, schon gar nicht, indem man alle Gründe für sich selber beseitigt, warum man überhaupt lebt
aber man kann Leben verdichten
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Der Kaktusschnaps, aka Horst-Dieter, 73, gescheiterter Unternehmer, ist doch derjenige, über den man sich fremdschämt.
Beitrag wegen über Bande gespieltem ad personam Spam, Beleidigung und Provo gemeldet
 

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Nun gut, also macht ein Leben für dich ohne ausufernden Alkkonsum keinen Sinn?
das sollte doch jeder für sich selber entscheiden, oder etwa nicht

aber junge Leute unterschätzen mich gerne, denken den ollen Sack stecken sie locker in die Tasche
ich erfülle einfach so gut wie keine Stereotype eines typischen Boomers

mit knapp 60 fange ich bestimmt kein Longevity mehr an
sondern nehme mit, was ich noch mitnehmen kann

so, und nun is gut, mit diesem Nebenthema
 

DFW_SEN

Erfahrenes Mitglied
28.06.2009
18.196
17.068
IAH & HAM
Warum sollte ich mich für irgendjemanden “fremdschaemen”? das Gefuehl ist mir fremd, da es ja bedeuten wuerde, dass ich “accountability” für das Verhalten von fremden Menschenuebernehmen wuerde. Verachtung und Mitleid sind natuerlich aber Gefuehle, die auch auf Reisen vorkommen.
 

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Fremdschämen hat mind. 3 Aspekte

a) richtig ... Mitleid (für Andere)
b) richtig ... Verachtung (für Andere)

aber es hat auch noch den Anteil:

c) "sich selbst in Anderen oft peinlich ertappt fühlen = Spiegelung" mit drin

dass der dritte Anteil vergessen oder verschwiegen wurde, mag für sich sprechen
 

CX777

Erfahrenes Mitglied
05.03.2017
346
866
Ich mag meine Landsleute im Ausland grundsätzlich nicht. Ausnahmen gibt's natürlich. ;) Früher warens die Alten, über die mich permanent lustig gemacht und aufgeregt habe. Insbesondere, wenn man den geführten Gruppen einfach mal so zugehört hat. Kriegen im Ausland nichts alleine auf die Kette, prahlen aber für die Daheimgebliebenen mit ihrer Abenteuerlust. Ich hatte es in meinem Reisebericht zu Saudi-Arabien schon geschildert. Was ich da in Al-Ula zu hören bekommen habe, war einfach erschreckend.

Mittlerweile geh ich selbst auf die 40 zu und erheitere mich über die Jüngeren, insbesondere die Generation Schneeflocke. Im letzten Jahr habe ich am oberen Scheitelpunkt des 12 Kilometer-Hikes in Salento/ Kolumbien (da gibt's ein nettes Café) eine Pause eingelegt und einer Gruppe deutscher Studenten (schätzungsweise zwischen 20-25 Jahre alt) einfach mal zugehört, was die so von sich gegeben haben. Es war wirklich zum Fremdschämen. Als die sich ihre Reiseroute so gegenseitig präsentiert haben, waren sich alle einig, dass Salento, Medellín mit El Poblado und der Comuna 13, Santa Marta und die hippen AirBnBs in Bocagrande in Cartagena das wahre Kolumbien zeigen. Konnte man sich keine fünf Minuten anhören. Es mangelt bei diesen Leuten aus meiner Sicht einfach am kulturellen Verständnis und echten Interesse am Land abseits bekannter Pfade. Zumal ich mich immer wieder frage, wie das in dem Alter möglich ist? Als Student hab ich zugesehen, dass ich in Regelstudienzeit fertig werde und mit dem ersparten Geld gleich zu Beginn des Berufslebens einen Notgroschen in der Hand hatte. So eine Reise war zumindest für mich in dem Alter völlig undenkbar.

Noch schlimmer ist jedenfalls hier daheim geworden, als zum Spanischkurs ein Freelancer - nennen wir ihn Elias, Mitte 20 und social media content creator - im Rahmen von Probestunden zu unserem Kurs dazugestoßen ist. In der Vorstellungsrunde gab's dann interessante Geschichten über die letzten drei Monate in Kolumbien und Venezuela zu hören (zu letzterem wer's glaubt) und die fantastischen Spanischkenntnisse (nichtmal ein fehlerfreies buenos días war drin) haben gleich zu Beginn ein sympathischen Eindruck hinterlassen. In der dritten Probestunde jedenfalls gab's dann die Aufgabe, mit drei Minuten Vorbereitungszeit kurz darüber zu referieren, warum jeder von uns Spanisch lernt. Als Elias dran war, war nach drei Worten Schluss, das Lehrbuch wurde zusammengeklappt und mit "das ist mir zu doof hier, ich geh nach Hause" die Gruppe verabschiedet. Der Rest hat sich gefragt, was das jetzt für eine Nummer war. Jedenfalls war mein Rückschluss aus diesem Auftreten, dass Elias in Kolumbien ausschließlich in den sicheren Gegenden unterwegs war, sich bis auf die Clubbesuche ausschließlich mit Expats umgeben hat und bei kleinsten Problemen dort drüben wahrscheinlich Papa angerufen und um Geld gebeten hat, da er ansonsten wie Schnee in der Sonne dahingeschmolzen wäre.

Und zum Thema über sich selbst schämen: klar. Lest nur die letzten drei Absätze. Durch meine Erfahrungen habe ich mittlerweile einen Hang zum Verallgemeinern, schere alle Deutschen im Ausland über einen Kamm und lass das wahrscheinlich ab und an in meinem Auftreten erkennen. Vielleicht hat Elias ja noch Bäume gepflanzt und einfach kein Talent für Sprache. Vielleicht waren die Stundenten einfach cleverer als ich damals und haben sich ein eigenes Business aufgebaut, um sich so eine Reise leisten zu können. Die eigene Arroganz jedenfalls dürfte nicht immer sympatisch rüberkommen und ich versuche mich am Ende auch mal wieder selbst zu erden.
 

bcs13

Erfahrenes Mitglied
22.11.2010
1.596
2.672
Ich mag meine Landsleute im Ausland grundsätzlich nicht. Ausnahmen gibt's natürlich. ;) Früher warens die Alten, über die mich permanent lustig gemacht und aufgeregt habe. Insbesondere, wenn man den geführten Gruppen einfach mal so zugehört hat. Kriegen im Ausland nichts alleine auf die Kette, prahlen aber für die Daheimgebliebenen mit ihrer Abenteuerlust. Ich hatte es in meinem Reisebericht zu Saudi-Arabien schon geschildert. Was ich da in Al-Ula zu hören bekommen habe, war einfach erschreckend.

Mittlerweile geh ich selbst auf die 40 zu und erheitere mich über die Jüngeren, insbesondere die Generation Schneeflocke. Im letzten Jahr habe ich am oberen Scheitelpunkt des 12 Kilometer-Hikes in Salento/ Kolumbien (da gibt's ein nettes Café) eine Pause eingelegt und einer Gruppe deutscher Studenten (schätzungsweise zwischen 20-25 Jahre alt) einfach mal zugehört, was die so von sich gegeben haben. Es war wirklich zum Fremdschämen. Als die sich ihre Reiseroute so gegenseitig präsentiert haben, waren sich alle einig, dass Salento, Medellín mit El Poblado und der Comuna 13, Santa Marta und die hippen AirBnBs in Bocagrande in Cartagena das wahre Kolumbien zeigen. Konnte man sich keine fünf Minuten anhören. Es mangelt bei diesen Leuten aus meiner Sicht einfach am kulturellen Verständnis und echten Interesse am Land abseits bekannter Pfade. Zumal ich mich immer wieder frage, wie das in dem Alter möglich ist? Als Student hab ich zugesehen, dass ich in Regelstudienzeit fertig werde und mit dem ersparten Geld gleich zu Beginn des Berufslebens einen Notgroschen in der Hand hatte. So eine Reise war zumindest für mich in dem Alter völlig undenkbar.

Noch schlimmer ist jedenfalls hier daheim geworden, als zum Spanischkurs ein Freelancer - nennen wir ihn Elias, Mitte 20 und social media content creator - im Rahmen von Probestunden zu unserem Kurs dazugestoßen ist. In der Vorstellungsrunde gab's dann interessante Geschichten über die letzten drei Monate in Kolumbien und Venezuela zu hören (zu letzterem wer's glaubt) und die fantastischen Spanischkenntnisse (nichtmal ein fehlerfreies buenos días war drin) haben gleich zu Beginn ein sympathischen Eindruck hinterlassen. In der dritten Probestunde jedenfalls gab's dann die Aufgabe, mit drei Minuten Vorbereitungszeit kurz darüber zu referieren, warum jeder von uns Spanisch lernt. Als Elias dran war, war nach drei Worten Schluss, das Lehrbuch wurde zusammengeklappt und mit "das ist mir zu doof hier, ich geh nach Hause" die Gruppe verabschiedet. Der Rest hat sich gefragt, was das jetzt für eine Nummer war. Jedenfalls war mein Rückschluss aus diesem Auftreten, dass Elias in Kolumbien ausschließlich in den sicheren Gegenden unterwegs war, sich bis auf die Clubbesuche ausschließlich mit Expats umgeben hat und bei kleinsten Problemen dort drüben wahrscheinlich Papa angerufen und um Geld gebeten hat, da er ansonsten wie Schnee in der Sonne dahingeschmolzen wäre.

Und zum Thema über sich selbst schämen: klar. Lest nur die letzten drei Absätze. Durch meine Erfahrungen habe ich mittlerweile einen Hang zum Verallgemeinern, schere alle Deutschen im Ausland über einen Kamm und lass das wahrscheinlich ab und an in meinem Auftreten erkennen. Vielleicht hat Elias ja noch Bäume gepflanzt und einfach kein Talent für Sprache. Vielleicht waren die Stundenten einfach cleverer als ich damals und haben sich ein eigenes Business aufgebaut, um sich so eine Reise leisten zu können. Die eigene Arroganz jedenfalls dürfte nicht immer sympatisch rüberkommen und ich versuche mich am Ende auch mal wieder selbst zu erden.
Der letzte Absatz hat es tatsächlich rausgerissen!
 

Luftikus

Megaposter
08.01.2010
27.074
12.955
irdisch
Dieses Fremdschämen oben wirkt auf mich wie eine eigene Aufdringlichkeit, zwanghaft das Verhalten anderer beurteilen zu müssen. Vielleicht sogar weil man sich für was Besseres hält oder selber unsicher ist. Erinnert mich an den weltweit verbreiteten, paradoxen Hass von Touristen auf Touristen.

Leben und leben lassen. Auch beim Reisen gibt es viele Wege zum Ziel und völlig unterschiedliche Geschmäcker. Mir sind die anderen dabei egal, sobald die nur ganz wenigen Schnittstellen des aufeinander Rücksichtnehmens auf Reisen eingehalten werden (anstellen, teilen, bisschen Mühe geben, kein bescheissen und tricksen etc.) oder jedenfalls im Prinzip gute Absicht herrscht. Wenn einer eine alte Dame stehen lässt, damit sein Rucksack sitzen kann, kriegt er halt auch mal einen Denkanstoß.
 
  • Like
Reaktionen: Rena

Ed Size

Erfahrenes Mitglied
16.03.2009
9.929
651
ein paar Beiträge in diesem Forum lesen reicht, dafür muss man nicht verreisen
Beitrag automatisch zusammengeführt:

b) natürlich schäme ich mich regelmäßig über mich selber fremd
traut Einem ja kaum einer mit knapp 60 zu, dass man abends an der Bar reihenweise die Leute unter den Tisch säuft, Leute die teilweise 25 und 30 Jahre jünger sind und noch das etwas große Mundwerk führen ob ihrer Trinkfestigkeit. Und ja, da schämt man sich dann auch teilsweise über sich selber fremd
Gutes Bsp. zum fremdschämen, Trinkfestigkeit als Stärke bezeichnen und nicht als Krankheit erkennen, Klassiker.
 

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Deutsche im Ausland gehören eher zu denjenigen Nationalitäten, die man im Ausland eher ungerne antrifft.
egal ob alt oder jung, beide haben so ihre ganz eigenen unangenehmen Marotten

gibt aber noch weit unangenehmere Nationalitäten, als die Deutschen
auch das gehört zur ganzen Wahrheit
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Gutes Bsp. zum fremdschämen, Trinkfestigkeit als Stärke bezeichnen und nicht als Krankheit erkennen, Klassiker.
Danke, Herr Doktor Ferndiagnose
 

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
Und welche Nationalitäten sind das und warum.
die eher unangenehmen Nationalitäten sind weithin bekannt
und das Warum liegt hauptsächlich in ihrem, meist nicht sehr angenehmen, Benehmen, auch und besonders im verbalen Benehmen
aber natürlich auch im handelnden Benehmen

und zum Fremdschämen sind auch Deutsche wie hier im Forum, die meinen mit neidischer Pikiertheit regieren zu müssen, nur weil ein älter Lebemann beschlossen hat, sein Restleben einfach zu leben und möglichst hoch zu verdichten, so gut es sich eben noch verdichten läßt.

aber dieses zugeknöpfte, oft misgünstig wirkende, Naserümpfen ist so typisch deutsch für manche Besserdeutschen, die sich ständig für was Besseres halten, was sie in ihrer lehrerhaften Art auch jedem ungefragt erklären und belehren müssen ... wofür man sich in der Fremde oft nur fremdschämen kann
 

Langstrecke

Erfahrenes Mitglied
31.08.2013
11.998
11.430
LEJ
die eher unangenehmen Nationalitäten sind weithin bekannt
und das Warum liegt hauptsächlich in ihrem, meist nicht sehr angenehmen, Benehmen, auch und besonders im verbalen Benehmen
aber natürlich auch im handelnden Benehmen

und zum Fremdschämen sind auch Deutsche wie hier im Forum, die meinen mit neidischer Pikiertheit regieren zu müssen, nur weil ein älter Lebemann beschlossen hat, sein Restleben einfach zu leben und möglichst hoch zu verdichten, so gut es sich eben noch verdichten läßt.

aber dieses zugeknöpfte, oft misgünstig wirkende, Naserümpfen ist so typisch deutsch für manche Besserdeutschen, die sich ständig für was Besseres halten, was sie in ihrer lehrerhaften Art auch jedem ungefragt erklären und belehren müssen ... wofür man sich in der Fremde oft nur fremdschämen kann
Jaja, sind wir jetzt mal bei den Hühnern, denn wer gackert muss auch Eier legen.
Also welche Nationalitäten meinst du.

Mir persönlich fiel auf Reisen bisher nur der Umgang mit Israelis schwer, bzw. war deren Verhalten mE unangenehm.
 
Zuletzt bearbeitet:

Mr.Tequila

Erfahrenes Mitglied
21.05.2025
2.321
1.133
mein Gott
Russen, Engländer, Inder, Chinesen, Araber, Amis, Australier

und eben auch: Deutsche

wer Erfahrung hat, macht in der Fremde darum eher einen gewissen Bogen