Geisterspiel auf St. Pauli - Eure Meinung

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Anonym4085

Guest
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Die Fragestellungen klingen wirklich sehr interessant. Von daher bitte mindestens den abstract hier posten ;)

Mach ich, wenns soweit ist. Vielleicht passieren bis dahin ja noch ein paar Sachen. :D

Auf die Zuschauer-Regress-Sache bin ich eigentlich schon im letzten Jahr gekommen, weil es da schon einen Vorfall in Osnabrück gab. Dort wurde ein Betreuer eines Gästevereins mit einem Hartplastik-Bierbecher beworfen und auch der ging zu Boden. 5.000 Euro, die angeblich vom Zuschauer zurückgefordert wurden, wenn ich mich recht erinnere.
 

OliverLHFan

Erfahrenes Mitglied
04.04.2009
1.314
61
NUE (fast)
Trotzallem fand ich die Reaktion mit Notarzt, Schwindelgefühle, bleibende Schäden seitens Linienrichter auch etwas übertrieben.

Der Linienrichter ist IMHO sehr theatralisch zu Boden gegangen.

Ein gefüllter Plastikbecher (geschätzte 600g) an den Hinterkopf bekommen ohne zu sehen, dass er auf einen zufliegt? Euch schon mal passiert? Denn ich wüsste nicht, wie sich das anfühlt und wie ich dann Eurer Meinung nach reagieren müsste.

Oliver
 

cockpitvisit

Erfahrenes Mitglied
04.12.2009
5.445
3.654
FRA
Ich finde die Strafe hart aber gerecht. So werden Vereine motiviert, aktiv gegen die Fangewalt zu wirken. Bei manchen Vereinen klappt es ganz gut. Es ist auch kein Einzelfall, ein Geisterspiel ist eigentlich eine etablierte Strafe im Fussball.

Kann der Verein soetwas aktiv entgegenwirken? Meiner Meinung nach nein.

Als eine extreme Lösung kann der Verein immer noch ein Netz zwischen den Zuschauerrängen und dem Spielfeld einrichten, so dass Wurfgeschösse prinzipiel nicht aufs Feld gelangen können. Der Akustik im Stadion würde es nicht schaden. Es ist sicher nicht so schön, aber weit entfernt von "unmöglich".

Was ist die Alternative? Bier oder Alkohol im Stadion komplett verbieten?
Alles ist OK, nur bitte nicht von Coca Cola auf Pepsi umstellen :D

Aber sowas, mit Einbußen von knapp 1.000.000 EUR ( Die Summe steht im Raum) finde ich steht in keinem Verhältnis. Der Club kann den Zuschauer verklagen, ja. Wird am Ende aber auf dem Verlust sitzen bleiben.

In diesem Fall schon, aber wenn der Becherwerfer wegen seiner Dummheit sein Haus/Wohung und die gesamten Ersparnisse verliert und viele Jahre lang in Armut leben muss, wird es andere Fans von solchem Benehmen abhalten. Vor allem wenn St. Pauli das auch nicht den Teppich kehrt, sondern etwa im Fanmagazin darüber berichtet.

Im Endeffekt wird ein eh schon klammer Verein, unverhältnismässig bestraft.
Warum passieren solche Exzesse dan bei klammen Vereinen und nicht etwa bei den Bayern? Vielleicht weil andere Vereine aktiv mit den eigenen Fans arbeiten?
 
Zuletzt bearbeitet:
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Anonym4085

Guest
Ich muss mal anmerken, dass eigentlich kein Bundesligist "klamm" im eigentlichen Sinne ist. In Liga 2 sieht es da wieder anders aus. Aber wenn ein Aufsteiger in den Genuss eines Jahres Bundesliga kommt, dürfte da nicht mehr viel schief gehen (gibt natürlich auch Negativbeispiele, aber da wurde richtig schlecht gewirtschaftet - SSV Ulm z. B.). Der FC St. Pauli dürfte mit den Einnahmen (Stadion) und den Ausgaben (relativ günstige Mannschaft) nicht klamm sein...

Dass sowas in anderen Stadien nicht vorkommt, liegt vielleicht auch zum Einen an der Stadionarchitektur (siehe Bremen - da ist man ja teilweise richtig weit weg vom Spielfeld), zum Anderen auch an der Klientel (in Dortmund wird wohl eher mal einer sein, der sein Bier "verschüttet" als in Hoffenheim).

Und wenn St. Pauli die Geschichte mit dem Regress und wie es dem Zuschauer danach geht, im Stadionmagazin breittritt, hätte ich als Anwalt schon den Angriffspunkt "Schutz des Persönlichkeitsrechts" - würde ich von Vereinsseite also lassen.

Letztlich kann man doch sagen, dass man hier vielleicht einen Präzedenzfall schafft - aber wie oft kommt es denn vor, dass wieder der Linienrichter mit nem Bierbecher abgeworfen wird. Das nächste Mal ist es halt der Torwart, der von einem Handy getroffen wird (in NL wirklich mal passiert). Man kann einfach nicht für 100%ige Sicherheit sorgen. Und darüber müssen sich alle Akteure auf dem Platz bewusst sein.
 

FREDatNET

Erfahrenes Mitglied
11.07.2010
8.301
12
VIE
Warum passieren solche Exzesse dan bei klammen Vereinen und nicht etwa bei den Bayern? Vielleicht weil andere Vereine aktiv mit den eigenen Fans arbeiten?
weil...

...bayern kein fussballverein mehr ist, sondern eine eventagentur auf deren theaterbühne gelegentlich ein ball rollt
...weil man im theater nicht mit bier wirft, sondern man nur beim prosecco leise "buh" sagt
 

ribspreader

Erfahrenes Mitglied
18.04.2010
871
0
MHG
...
Warum passieren solche Exzesse dan bei klammen Vereinen und nicht etwa bei den Bayern? Vielleicht weil andere Vereine aktiv mit den eigenen Fans arbeiten?
Ich stimme dir da in großen Teilen zu, allerdings muss ich zu dem letzten Punkt sagen, dass es auch im Umfeld des FCB genügend "Fans" gibt, die wegen diversen Verfehlungen bundesweites Stadionverbot haben. Insofern passieren Exzesse nicht nur bei den kleinen Vereinen, wenn auch u.U. in anderem Ausmaß.
 

FREDatNET

Erfahrenes Mitglied
11.07.2010
8.301
12
VIE
Ich stimme dir da in großen Teilen zu, allerdings muss ich zu dem letzten Punkt sagen, dass es auch im Umfeld des FCB genügend "Fans" gibt, die wegen diversen Verfehlungen bundesweites Stadionverbot haben. Insofern passieren Exzesse nicht nur bei den kleinen Vereinen, wenn auch u.U. in anderem Ausmaß.
damit triffst du den punkt... aber wenn bei einer cup partie die fcb spieler beim corner mit bier geduscht werden und sie durch ständige provokationen gegen einen 4. ligisten verlieren sprechen alle davon wie schön es doch ist, dass im fussball alles passieren kann. auch scheinheilig.

ehrlich gesagt sind mir solche dinge wie bierduschen relativ egal (hartkunstoffbecher ist natürlich nicht ok), da trägt keiner schaden davon. ich bin aber zum beispiel sehr froh dass es in den stadien kaum noch einen braunen rand gibt... und das war ein selbstreinigungsprozess und eben nicht von aussen bestimmt...
 

EcoPax

Erfahrenes Mitglied
29.05.2010
1.599
1
Köln
Viele gute und auch richtige Meinungen, die ich nicht alle zitieren kann. Trotzallem bleibe ich bei Dir Meinung, dass hier absolut überzogen seitens des DFB reagiert wurde. Wäre selbiger Becher auf einen Spieler gefallen, das Spiel wäre nie und nimmer abgebrochen worden.

Auch Verständlich, dass der DFB seine Schiri's schützen muss. Aber, wir sprechen hier immer noch von einem Plastikbecher.

Um auf das Zitat von OliverLHFan zu kommen. Nein, ich habe noch keinen solchen Becher an die Birne bekommen. Und ich gebe Dir vollkommen recht, dass sowas sicher nicht angenehm ist und auch weh tut.

Nur. Hier wurde ein Linienrichter nicht wirklich verletzt. Demgegenüber wurden Zuschauer durch Brandkörper in der Vergangenheit teilweise erheblich verletzt, bzw. geht von z.B. bengalischen Feuern in meinen Augen eine wirklich größere Gefahr aus. In solchen Fällen hat der DFB vergleichsweise viel zu harmlos reagiert, frei nach dem Motto, wir müssen das bestrafen, aber war ja keiner von uns.

Ist deshalb ein Plastikbecher auf LR "gefährlicher" und härter zu bestrafen wie Feuerwerkskörper in Zuschauerrängen.

Deshalb bleibe ich dabei. Hier wurde eine Situation, die zweifelsohne nicht schön war, deutlich härter bestraft, als Dinge die sich ausserhalb des Spielfeldes abgespielt haben.

Und zum Abschluss. Ich kann hier keine direkte Schuld von St. Pauli erkennen. Sowas lässt sich nie 100% ausschliessen, sondern kann in München, Gladbach, Köln, etc. immer passieren.

Und ich bleibe auch dabei, der Linienrichter hätte trotz allem wesentlich souveräner reagieren können.
Da war mir auch zuviel Show dabei. Gewisser Schock ja, aber dann mit Krankenwagen, etc. naja.
Neun von Zehn hätten gesagt. "Bierbecher, nix passiert, weiter geht's"
 
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Anonym4085

Guest
EcoPax: Um es vorwegzunehmen: Ich kann dich durchaus verstehen. Dass Personen, egal ob Spielleiter, Spieler oder Zuschauer, geschädigt werden, ist nicht zu akzeptieren.

Aber: Ich kann es auch verstehen, dass die DFL/ der DFB über ihre Schiedsrichter einen besonderen Schutz legt. Sie sind schließlich dafür verantwortlich, dass ein Spiel ordentlich über die Bühne geht und dass sie nicht in irgendeiner Weise beeinflußt werden (siehe Wettskandal). Sonst gibt es irgendwann wieder die "Heimschiedsrichter", die bis in die 80er Jahre hohe Konjunktur hatten. Letztlich ist die sportgerichtliche Entscheidung ein Wandern auf einem ganz schmalen Grat.
 

cockpitvisit

Erfahrenes Mitglied
04.12.2009
5.445
3.654
FRA
Ich stimme dir da in großen Teilen zu, allerdings muss ich zu dem letzten Punkt sagen, dass es auch im Umfeld des FCB genügend "Fans" gibt, die wegen diversen Verfehlungen bundesweites Stadionverbot haben. Insofern passieren Exzesse nicht nur bei den kleinen Vereinen, wenn auch u.U. in anderem Ausmaß.

Das will ich auch nicht leugnen, aber diese Leute haben eben Stadionverbot.

Kann natürlich am Geld liegen - beim FCB ist fast jedes Spiel ausverkauft, sie sind auf Randalierer wirtschaftlich also nicht angewiesen...
 
A

Anonym4085

Guest
auf randalierer ist aber kein verein angewiesen...

Da gebe ich dir nur zum Teil Recht. Ich kenne die Situation in Österreich nicht so gut, aber in den unteren Ligen in Deutschland (Regional-/ Oberliga) gibt es einige Vereine, die jeden müden Cent brauchen. Und denen ist es dann auch relativ egal, woher dieser Cent kommt...
 

OliverLHFan

Erfahrenes Mitglied
04.04.2009
1.314
61
NUE (fast)
Und ich bleibe auch dabei, der Linienrichter hätte trotz allem wesentlich souveräner reagieren können.

Einen Fakt sollten wir aber auch noch berücksichtigen (zumindest wurde das bei LigaTotal auch erwähnt): Offensichtlich wurden schon während des Spiels ständig Feuerzeuge etc. aufs Spielfeld geworfen und es gab daraufhin Durchsagen, dass man das doch lassen sollte. Wenn nun ein Spieler/Offizieller (wer sagt denn, dass der Schiri das Spiel nicht auch abgebrochen hätte, wenn ein St. Pauli Spieler getroffen worden wäre) getroffen wird, was wäre das für ein Zeichen für diese Idioten? Ach Gott, passiert ja eh nichts, werfe ich das nächste Mal meine Alte runter ... ;)

Ach ja, ich teile Deine Meinung: Geisterspiel wäre ein Witz, weil Bremen und St. Pauli nichts gegen diesen Becherwurf hätten tun können. Und ob dadurch nun halb besoffene Fans etwas lernen, naja ...

Oliver
 

FlyingFreak

Erfahrener Praktikant
05.04.2009
4.464
4
Paris
Ich hatte heute das Vergnügen zusammen hier in Thessaloniki mir zusammen mit einem Hardcore-Fan von PAOK mir in einem Cafe das Stadtderby gegen Iraklis anschauen zu dürfen.
Er konnte nicht ins Stadion weil Iraklis sich geweigert hat Karten an PAOK-Fans zu vergeben, nachdem beim letzten Spiel der beiden Clubs die Fans nach einem Tor das Spielfeld gestürmt haben.
Trotzdem gab es während des Spiels auf den(zum Glück sehr leeren) Rängen teilweise Meter hohe Flammen, vermutlich weil Trikots der gegnerischen Mannschaft verbrannt wurden, ohne dass das besondere Aufmerksamkeit nach sich gezogen hat oder gar das Spiel abgebrochen wurde. Wie mir erzählt wurde, ist letztes Jahr bei einem Spiel der Torwart der gegnerischen Mannschaft mit brennenden Materialien beworfen worden und konnte sich nur das Ausziehen seines Trikots retten.

Irgendwie erscheint mir in diesem Vergleich die Aufregung wegen eines geworfenen Bierbechers ziemlich lächerlich...
 

cockpitvisit

Erfahrenes Mitglied
04.12.2009
5.445
3.654
FRA
Wie mir erzählt wurde, ist letztes Jahr bei einem Spiel der Torwart der gegnerischen Mannschaft mit brennenden Materialien beworfen worden und konnte sich nur das Ausziehen seines Trikots retten.

Irgendwie erscheint mir in diesem Vergleich die Aufregung wegen eines geworfenen Bierbechers ziemlich lächerlich...

Un damit sowas bei uns nicht passiert, ist eben null Toleranz zu Bierbechern angebracht. Denn wenn das Werfen mit Gegenständen zur Normalität wird, kommt irgendwann jemand auch auf die Idee mit brennenden Gegenständen herumzuwerfen.
 

xfaktor

Erfahrenes Mitglied
18.05.2009
1.081
38
Kein Geisterspiel für St. Pauli

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) korrigierte am Donnerstag in Frankfurt/Main das Urteil aus erster Instanz, wonach der abstiegsbedrohte Klub am Ostersamstag die Partie gegen Werder Bremen unter Ausschluss der Öffentlichkeit hätte bestreiten müssen.

"Überragend, ich habe großen Respekt vor der Entscheidung des DFB. Das nennt man Fairplay", sagte der 41-Jährige am Donnerstag, nachdem der Einspruch des Bundesligisten gegen das Urteil in erster Instanz Erfolg hatte.

St. Paulis Vizepräsident und Anwalt Gernot Stenger hatte schon vor dem Urteil den Gang vor das Bundesgericht angekündigt, falls es zu einem "Geisterspiel" in dieser Runde gekommen wäre. "Gegen ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit würden wir uns weiter wehren." Er kündigte auch an, dass der Verein 50.000 Euro für soziale Zwecke drauflegen würde, wenn es nur zu einer Geldstrafe kommen würde.

St. Pauli muss stattdessen das erste Heimspiel der neuen Saison mindestens 50 Kilometer entfernt austragen. Außerdem dürfen nicht mehr als 13.750 Zuschauer das Spiel besuchen, 12.500 Heim- und 1250 Gästefans. Dies entspricht der Sanktion eines Teilausschlusses der Zuschauer.

Das Spiel gegen Schalke 04 war abgebrochen worden, weil ein Pauli-Fan den Schiedsrichter-Assistenten mit einem geworfenen Bierbecher verletzt hatte.

Quelle: Kein Geisterspiel für St. Pauli - Bundesliga - kicker online
 
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