Der indisch-amerikanische Politikwissenschaftler, Bestsellerautor und Gründer der Strategieberatung FutureMap,Parag Khanna, gehört zu den profiliertesten Stimmen der internationalen Geopolitik. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den großen Verschiebungen von Macht und Migration und der Auflösung der globalen Ordnung.
In seinem aktuellen Essay „Order without Order“ stellt Khanna eine provokante These auf: Es gibt keine neue Weltordnung – und es wird auch keine geben. Stattdessen leben wir bereits in einer fragmentierten Welt, geprägt von überlappenden Machtzentren, situativen Allianzen und regional unterschiedlichen Hierarchien.
Was das konkret für Europa, für die Rolle der USA und für die globale Stabilität bedeutet und wie sich unser Verständnis von Macht in einer Welt ohne Ordnung verändert – darüber spricht Chelsea Spieker mit Parag Khanna imMorning Briefing Podcast.
Er sagt:
Ich beschreibe diese neue Weltordnung als ein neues Mittelalter. Viele haben sich getäuscht mit dem Glauben, was wir vor allem aus dem Zeitalter nach dem Ende des Kalten Krieges gedacht haben, dass eine regelbasierte Wertordnung entstehen und diese sich sogar vertiefen würde. Stattdessen gibt es heute konkurrierende Großmächte, regionale Konflikte, keine einheitlichen Allianzen, eine Welt, wo die Mentalität des ‚jeder für sich‘ herrscht. Das ist eine sehr mittelalterliche Landschaft.
Mit Blick auf die „neuen Supermächte“ bedeute das:
Die neuen Supermächte und aufkommende Mächte wie China, Indien, Russland, Saudi-Arabien und die Türkei interessieren sich kaum für diplomatische, wirtschaftliche oder völkerrechtliche Strukturen, die ihrem Interesse nicht dienen. Nichts ist permanent oder ständig.