Von Prag über Brno nach Wien: Eine Woche mit dem Zug durch Mitteleuropa

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Biohazard

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29.10.2016
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EDWH
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Ich hatte noch ein paar Urlaubstage zu verplanen und entschied mich Mitte März für eine kleine Rundreise mit der Bahn von Leipzig über Dresden, Prag, Brno, Wien und wieder zurück nach Leipzig.

Leipzig Hbf - Dresden Hbf (IC 2447)
Dresden Hbf - Praha nl. n. (EC 173)
Praha nl. n. - Brno hl. n. (EC 173)
Brno hl. n. - Wien Hbf (RJ 75)
Wien Hbf - Halle (Saale) Hbf (ICE 92) und ab Halle mit dem ÖPNV zurück nach Hause...

Die Fahrt mit ICE 92 konnte dann leider aufgrund "Fahrt nicht wie geplant möglich" nicht angetreten werden, die folgende Alternative ist es schlussendlich geworden:

Wien Hbf - Nürnberg Hbf (ICE 26)
Nürnberg Hbf - Leipzig Hbf (ICE 504)




Der IC 2447 nach Dresden wartete bereits am Gleis, als ich gegen 9:15 Uhr am Hauptbahnhof ankam. Das Abteil der ersten Klasse war weit entfernt davon auch nur annähernd ausgelastet zu sein - mit mir fuhren im oberen Teil nur drei weitere Passagiere mit. Wir rollten pünktlich los und kamen ebenso pünktlich in Sachsens Landeshauptstadt an. Ein Gleiswechsel war nicht notwendig und bereits wenige Minuten später kam der EuroCity in den Bahnhof eingefahren. Leider ist auch die České dráhy als Betreiber des EC nicht vor "geänderter Wagenreihung" geschützt und so kam es, dass ich von ganz vorne nach ganz hinten musste. Während es in der ersten Klasse angenehm ruhig und leer war, platzte die zweite Klasse aus allen Nähten.

Ein Abteil ganz für mich alleine. :love:

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Da das Frühstück klein ausgefallen war und ich viel positives über den Speisewagen gelesen hatte, stand ich um Punkt 12 Uhr im Speisewagen und schnappte mir einen der wenigen freien Plätze.

Paprikhähnchen mit Nockerln für schmale 11,90 EUR, dazu ein Staropramen Dark.

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Die Speise war üppig, sicherlich 1,5 große oder zwei kleine Hühnerbrüste, dazu die schwere Paprika-Rahmsauce und die Nockerln. Ich war mehr als satt und gut geschmeckt hat es zudem auch noch!

Mittlerweile hatten wir die deutsch-tschechische Grenze überquert und fuhren entlang der Elbe.

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Ich bezahlte meine Rechnung und begab mich zwecks kurzen Mittagsschlafs zurück ins Abteil. Die älteren Abteile haben den Vorteil, dass man diese bis zu einem Bett umklappen kann, soweit bin ich jedoch nicht gegangen. Die restliche Reise war unspektakulär - wir erreichten Prag pünktlich und den Weg zum Motel One Prague-Florentinum legte ich zu Fuß zurück.

Das Zimmer - man kennt es.

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Sauber, modern, zweckdienlich und mit ~80 EUR/Nacht erschwinglich. Ich machte mich nur kurz frisch, packte den Rucksack etwas um und erkundete dann die nähere Umgebung.

Umrechnungswert: 1 EUR = 25 CZK

Der Konzertsaal Obecní dům neben dem Pulverturm aus dem 15. Jahrhundert.

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Mutige Farbe...

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Hinter dem Pulverturm mit Blick auf die historische Altstadt.

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Blick nach hinten: der eben erwähnte 65m hohe Turm, der ehemals Teil der Befestigung des ehemaligen Königshofes war.

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Wie man an den Fotos erkennen kann, war das Wetter sonnig und ich mit meiner Winterjacke zu warm angezogen.

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Auf dem Altstädter Ring, dem ältesten Platz (10. Jahrhundert) im historischen Zentrum, waren Vorbereitungen für ein Osterfest zugange. Im Hintergrund ist die St. Nikolaus Kirche zu sehen.

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Jan-Hus-Denkmal in der Mitte des Platzes.

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Noch einmal die St. Nikolau Kirche bei schönster Märzsonne.

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Biohazard

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EDWH
Ich lief die Pařížská entlang und vor jeder Boutique und "teuren Uhrmarke" stand eine Nobelkarre. An der nächsten Kreuzung bog ich rechts ab und stand nach kurzer Zeit vor der Franz Kafka Statue.

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Neben mir war noch eine spanische Schulklasse vor Ort sowie zwei mit MP5 bewaffnete Polizisten, die die angrenzende Spanische Synagoge bewachten.

Blick von einer Seitenstraße in Richtung Altstädter Ring.

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Weiter südlich war eine weitere Kafka-Skulptur zu entdecken: der Rotating Head by David Cerny.

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Der Platz war gut besucht, viele Touristen als auch Fotografen waren vor Ort. Nachdem ich mich sattgesehen hatte, setzte ich meinen Weg gen Süden weiter fort.

Unterwegs machte ich Fotos von alten Straßenbahnen.

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Hinter dem Park na Karlově náměstí bog ich nach rechts in Richtung Moldau ab. Das tanzende Haus wollte einfach nicht vernünftig abgelichtet werden, also nahm ich die Häuserfront gegenüber in den Sucher.

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Ich entschied mich für einen Spaziergang an der Moldau entlang. Neben mir waren noch viele andere Menschen unterwegs und genossen die warmen Sonnenstrahlen.

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Eine nicht weiter identifizierbare Skulptur.

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Cafes und Bars mit großen runden Fenstern, die zeitgleich auch als Eingang dienten.

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Weiter hinten wurde es peu à peu leerer und ich nutzte eine Sitzgelegenheit um etwas zu lesen und mir die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen zu lassen.

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Die Moldau diente an diesem Tag auch als Trainingsstrecke für Ruderer.

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Bei der Recherche nach guten Restaurants bin ich auf das von @Hene empfohlene Restaurace U Bansethů gestoßen. Die knapp 2km zum Restaurant lief ich in gemütlichem Tempo und kam hie und da an einem Fotomotiv vorbei.

Auch in Prag wird gegen die Gentrifizierung protestiert.

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Blick nach Norden unterhalb der Nuselský Brücke.

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Nach weiteren 10 Minuten stand ich vor dem gut besuchten Restaurant und .. wurde abgewiesen. Alle Tische voll, keine Chance auf einen Tisch in der nächsten Stunde. :( Schade, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben! Via GMaps suchte ich mir eine Alternative und wurde in Le Pizze di Frankie fündig.

Mit 4,6* bei >500 Rezensionen sehr gut bewertet, enttäuschte die bestellte Salsiccia & Mushrooms Pizza (219 CZK) jedoch.

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Der Boden labrig, der Belag nahezu ohne Geschmack. Schade, aber "By far the best pizza in Prague. In fact, the best pizza I've ever had in my life." als Random Pick aus den Rezensionen kann ich definitiv nicht bestätigen!

Nach dieser kleinen Enttäuschung schnappte ich mir eine der vielen Straßenbahnen und fuhr zurück ins Hotel.

Die Nacht war sehr angenehm. Mein Zimmer ging nach hinten raus und das Fenster war auf Kipp zu öffnen, was frische und kühle Luft ins Zimmer brachte - so schlafe ich am liebsten. Da ich eine Zimmerrate ohne Frühstück gebucht hatte, suchte ich den nächsten Bäcker auf.

Viel Auswahl im Artic bakehouse direkt gegenüber des Hotels.

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Ich bestellte ein BBQ Chicken Sandwich (grilled chicken, BBQ sauce, red onions, mozzarella; 140 CZK) sowie einen Filterkaffee (50 CZK) zum mitnehmen und suchte mir eine ruhige Ecke in einem kleinen Park ein paar Häuser weiter.

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Ein sehr leckeres Sauerteigbrot mit tollen Grill Marks und reichlich Belag. Ich war sehr zufrieden!
 

Biohazard

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Nach dieser Stärkung ging es zur Moldau, welcher ich in Richtung Innenstadt folgte.

Fuchs 2, ein Nachtclub im Industrial-Chic-Design.

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An der Štefánik-Brücke überquerte ich den längsten Fluss Tschechiens und fotografierte das auf der anderen Uferseite befindliche Ministerstvo průmyslu a obchodu (Industrie- und Handelsministerium).

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Über Serpentinentreppen ging es hoch in den Letná Park mit toller Aussicht auf die Stadt.

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Da mich nichts drängte und ich die Ruhe im Park genoss, verbrachte ich auch hier einige Zeit mit Lesen.

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Bei der weiteren Begehung des Park stieß ich auf ein eifriges Eichhörnchen, welches teilweise Kopfüber an einem Futterspender hing und ansonsten alle möglichen Büsche und Bäume hoch- und herunterflitzte. Dank 250mm Objekt kam ich jedoch weit genug ran um ein paar Fotos zu schießen.

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Am Prager Metronom vorbei ging es weiter in Richtung der Prager Burg.

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Der Veitsdom war schon sehr imposant.

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Ich betrat das Gelände über die Powder Bridge und ließ den Ticketschalter erst einmal links liegen, schaute mir dafür aber die Umgebung genauer an. Es war voll, jedoch nicht überfüllt und ich wollte erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, ob sich der relativ teure Eintritt in die verschiedenen Gebäude lohnt oder ob ich überall hätte anstehen müssen.

Die Basilika St. Georg im hinteren Teil der Anlage.

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Aufgrund der nicht vorhandenen Warteschlangen entschied ich mich dann aber doch für den Kauf einer Eintrittskarte - wählte jedoch nur den Hauptrundgang für 450 CZK.

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Bevor ich mich jedoch auf die Rundtour begab, kehrte ich zwecks Pause ins Vikárka-Restaurant ein.

Ich sah dieses Schild, verstand es aber nicht - vor allem weil man dieses "Schaumglas" wirklich bestellen konnte...

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Nach dieser kurzen Pause zog ich los und stattete erst dem Veitsdom und anschließend auch dem alten Königspalast sowie der St. Georg Basilika einen Besuch ab. Nett, aber nothing to write home about...

Als letzten Punkt auf dem Rundgang ging es noch durch das Goldene Gässchen.

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Die kleinen Häuschen stammen teilweise aus dem 16. Jahrhundert und angeblich sollen Alchemisten hier im Auftrag des Kaisers Rudolfs II. versucht haben künstliches Gold sowie den Stein der Weisen zu erzeugen.

Die Häuschen sind teilweise zu betreten und stellen eine für das 16. Jahrhundert typische Einrichtung aus. Zum Ende hin wird man noch einmal in den ehemaligen Gefängnisturm Daliborka gelotst, wo es auch hie und da etwas zu entdecken gibt.

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Über den Schwarzen Turm verließ ich die Burganlage und konnte noch ein Foto von Prag schießen.

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Im nahen Vojanovy Park suchte ich mir eine ruhige Parkbank, gönnte mir eine kurze Verschnaufpause und wurde argwöhnisch von einer Schar Pfauen begutachtet - allem voran der Hahn.

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Ohne Sonne und Bewegung wurde es aber relativ schnell wieder zu frisch um noch länger im Park zu sitzen und so schwang ich mich wieder auf und lief zur bekannten Karlsbrücke.

Blick nach hinten, mittig im Bild ist der Kleinseitner Brückenturm zu sehen.

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Die Statue of Bruncvík am Ufer der Moldau.

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Auf der Brücke befinden sich mehrere Statuen mit teilweise sehr blankgeriebenen Bereichen der angebrachten Tafeln - soll angeblich Glück bringen.

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Zurück am rechtsseitigen Ufer der Moldau erhaschte ich noch einmal einen schönen Blick auf die Brücke samt Burganlage.

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Die in der Luft hängende Sigmund Freud Figur ein paar Straßen weiter.

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Dirkster

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09.12.2017
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LBC/HAM
Danke fürs Mitnehmen. Bin vor allem auf die Eindrücke aus Brno gespannt, weil ich im Juni von Wien aus einen Tagesausflug dorthin in Erwägung ziehe.

Ich sah dieses Schild, verstand es aber nicht - vor allem weil man dieses "Schaumglas" wirklich bestellen konnte...

Ja, das gibt's wirklich. In diesem Video sind die verschiedenen tschechischen Zapfstile gut und unterhaltsam erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=BuU_lMAIwbQ
 

Biohazard

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29.10.2016
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Ich schlenderte noch etwas durch die Stadt bis ich wieder vor meinem Hotel stand und für eine kurze Pause aufs Zimmer ging. Zeitig für das Abendessen stand ich wieder draußen und fuhr mit der Tram in den Nordwesten der Stadt zur Haltestelle Hradčanská.

Zwischen Haltestelle und Restaurant machte ich noch ein schnelles Foto mit dem Smartphone. Laut GMaps handelt es sich dabei um ein gewöhnliches Wohnhaus - schick!

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Hinter der nächsten Ecke lag dann auch das Ziel des heutigen Abends: Restaurant Kulaťák - ebenfalls eine Empfehlung des VFT (Danke @foxyankee!)

Marinated Roasted Pork Ribs (garlic-cheese sauce, BBQ sauce, toasted baguette, salad) (385 CZK)

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Das Fleisch butterzart und FOTB (Fall Off The Bone), die BBQ Sauce schön rauchig-süß und das Bier lecker süffig. Insgesamt ein lohnenswerter Besuch!

Ich hatte erst überlegt ob ich die ~4km zurück ins Hotel laufen würde, entschied mich aufgrund des doch frischen Winds dagegen. Mit der Tramlinie 26 ging es zur Haltestelle Náměstí Republiky von wo aus ich die letzten Meter zu Fuß zurücklegte.

Am nächsten Morgen steuerte ich wieder die Bäckerei vom Vortag an und entschied mich dieses Mal für das Grand Beef Sandwich (minced beef, red pepper, jalapeno pepper, paprika salami, honey mustard sauce, tomato sauce; 140 CZK) samt Kaffee und setzte mich wieder in den Park.

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Auch lecker, wobei mir das BBQ Chicken besser geschmeckt hat. Nachdem ich mit dem Frühstück fertig war, lief ich über den Fernbus ZOB, der gerade umgebaut bzw. modernisiert wird, nach Osten zum Veitsberg.

Mit Jan-Žižka-Statue im Vordergrund.

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Es war nicht viel los und ich konnte mich in aller Ruhe umsehen und alles erkunden. Leider hatte das Museum geschlossen, weswegen der Besuch ins Wasser fiel.

Aufgrund des schönen Wetters (nur der Wind war wieder recht frisch) zog ich mich wieder in eine ruhige Ecke des angeschlossenen Parks zurück und genoss die Ruhe sowie den Ausblick auf Prag.

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Nach ein paar gelesenen Seiten zog ich weiter und stattete dem Museum der tschechischen Militärgeschichte einen Besuch ab.

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Toilettenzeichen. :D

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Das Museum war sehr interessant und scheinbar erst vor kurzem modernisiert. Die erste Episode der insgesamt sieben Ausstellungen umfasst die Jahre bis 1740 und damit auch das Mittelalter.

Der Schädel eines im 11. oder 12. Jahrhundert getöteten Soldaten - man erkennt noch die tödliche Schnitt-/Hiebwunde.

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Die Rüstung eines schweren Kavalleristen (ebenfalls 11. bis 12. Jahrhundert).

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Die zweite Ausstellung umfasst die Zeit von 1740-1914. Ein österreichischer Apothekerwagen samt Feldchirurg (1813-1814) bei der Wundversorgung eines Infanteriesoldaten.

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Österreich-ungarische Bergkanone 7,5cm von 1912 aus einer Škoda-Fabrik.

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In der dritten Ausstellung geht es ausschließlich um den Ersten Weltkrieg (1914-1918).

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Die Gräben des Ersten Weltkriegs werden ebenfalls als separate Ausstellung umfassend dargestellt und erklärt. Hier durchwandert man einen Grabenanlage, Licht- und Toneffekte inkl. bewegter Bilder versuchen Authentizität in die Ausstellung zu bringen.

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Replika und Blick ins Innere eines Schneider CA-1 Panzers - der erste französische Panzerkampfwagen, welcher ab 1916 auf den Schlachtfeldern eingesetzt wurde.

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Die verbleibenden Ausstellungen umfassen die Tschechoslowakei (1918-1938), die Jahre 1938-1948 inkl. Zweiten Weltkrieg sowie die Zeit von 1948 bis heute.

Jedes Jahr hat hier seine Markierung - finde ich sehr gut gemacht!

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Die Zeit des Eisernen Vorhangs.

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Ein super interessantes und modernes Museum mit kostenlosem Eintritt. Eindeutige Besuchsempfehlung!

Für den Rest des Tages kaufte ich mir ein ÖPNV-Tagesticket (120 CZK) und setzte mich in den nächsten Bus in Richtung Süden - vorher kaufte ich mir jedoch noch einen Monkey Muffin mit Banane und Schokolade (60 CZK) um den Energiehaushalt wieder etwas aufzufüllen. ;)

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In der Nähe des Parks Folimanka stieg ich aus und fotografierte einen als Minion angemalten Ventilationsschacht des Folimanka Park Bunker.

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Der in den 1950/60ern gebaute Bunker ist Prags größter Nuklearbunker und bietet mit 1.332m² Grundfläche Platz für bis zu 1.300 Personen. Der Eintritt ist frei, allerdings gibt es nur einen Besuchstag pro Monat.
 

Biohazard

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Allerdings war ich auch nicht wegen des Bunkers dort, sondern weil ich das Tschechische Polizeimuseum besuchen wollte.

Der Eintritt zum Museum kostete 100 CZK.

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Die Ausstellung des Museums ist bereits etwas in die Jahre gekommen und verfügt nur über wenige deutsche oder englische Informationstafeln, bietet aber einen Überblick über verschiedene Epochen der tschechischen Polizei.

Eine Übersichtskarte aus dem Jahr 1942.

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Im Laufe der Jahre eingesetzte Motorräder.

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Auch die Arbeitsweise an einem Tatort wird dargestellt.

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Neben der generellen Arbeit der Polizei wurden auch die verschiedenen Sonderabteilungen (Verkehrs- und Wasserschutzpolizei, Rauschgift- und Morddezernat, Geiselbefreiung, forensisches Labor, Cyberkriminalität, etc.) samt deren Sonderfahrzeuge oder -einsatzmittel vorgestellt. Ich fand es interessant, aufgrund der Sprachbarriere der Informationstafeln konnte ich nur einen Bruchteil lesen.

Außerhalb des Museums: eine Anti-Covid-Sprühflasche. Ein Relikt vergangener Tage...

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In diesem Gebäude ist das Museum untergebracht, der Eingang ist rechts in dem zweistöckigen Gebäude.

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Ich genoss anschließend noch die warme Sonne im Park und machte mich zum Abend hin auf den Weg ins Restaurace U Bansethů - dieses Mal mit Erfolg! Ich bekam einen Tisch zugewiesen und gab nach kurzem Studium der Speisekarte meine Bestellung auf.

Wandmalerei auf der Herrentoilette.

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Kurz nach meiner Rückkehr von den Toiletten stand dann auch das bestellte Gericht auf dem Tisch: 1/4 Roast duck stuffed with potato dumpling and white cabbage (199 CZK)

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Sehr lecker, aber eine überschaubare Portion. Ich hatte noch überlegt eine Vorspeise zu bestellen, der Kellner meinte aber "The duck as a main course is enough, trust me!". Ja ne... Da ich aber ungern zu viel bestelle und halbvolle Teller zurücklasse, habe ich mich auf die Aussage des Kellners verlassen und nur die Ente bestellt - naja... Zusammen mit zwei sehr leckeren Bieren (Kroužkův ležák sowie ein Irishman Stout) und einem Mandlovka Mandellikör kam die Rechnung auf 417 CZK.

Eine weitere Empfehlung von Juser Hene ist die Zlý časy Kneipe. Ich nahm am Tresen Platz und bestellte ein Rampušák aus der Brauerei Dobruška.

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"Cash only".

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Es folgten noch ein paar weitere Bier (u.a. Crazy Clown Sweet Dreams (New England IPA), Bad Flash Rock Café (American Pale Ale)) bevor ich den Rückweg mit der Tram über die Haltestelle Náměstí Bratří Synků in Angriff nahm.

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Am nächsten Morgen war Packen angesagt. Der Zug zur Weiterreise nach Brno war erst für Mittag geplant, ich hatte also genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Das nahegelegene La Bottega Linka macht einen guten Eindruck.

Die Bestellung war Dank vorheriger Onlinerecherche schnell aufgegeben: Eggs Benedict with ham & focaccia (265 CZK)

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Das geübte Auge erkennt recht schnell, dass es sich nicht um Schinken sondern Lachs (30 CZK Aufpreis) handelt. Leider hat die Kellnerin meine Bestellung falsch aufgenommen - den Austausch habe ich abgelehnt, als Entschuldigung gab es den Kaffee aufs Haus. Geschmacklich übrigens sehr lecker! Mangels Alternative eines weiteren kleinen Snacks bezahlte ich die Rechnung und stattete meinem Stammbäcker noch einen kurzen Besuch ab.

Blackcurrant Scone für 60 CZK.

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Gestärkt und mit gepacktem Koffer verließ ich das Hotel und fuhr mit der Tram zum Hauptbahnhof. Dank 1. Klasse Ticket konnte ich die üppige Wartezeit in der České dráhy-Lounge verbringen - wobei Lounge sehr nett formuliert ist (ein Warteraum mit Wasserspender und Kaffeemaschine).

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Bei dem Zug handelte es sich um das gleiche Muster wie auch schon auf der Fahrt von Dresden nach Prag - und ich hatte ja versprochen noch ein Bild der Liegefunktion nachzulieferen. Tada!

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Am Brno hl.n. angekommen aktivierte ich die GMaps Navigation und ließ mich leiten. Das HOTEL INTERNATIONAL BRNO befindet sich an der westlichen Grenze des Innenstadtrings und liegt dementsprechend zentral und ist gut zu Fuß zu erreichen. Nach dem Check-In konnte ich das Zimmer im siebten Stockwerk beziehen.

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Die Glasabtrennung lies sich mittels Knopfdruck undurchsichtig machen.

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Ich verbrachte einige Zeit auf dem Hotelzimmer, im Fernsehen lief Futurama und ich daddelte ein bisschen mit dem Smartphone. Für das Abendessen brach ich zeitig auf und landete nach kurzem Fußweg bei Smash Burger.

Zu trinken gab es die Hausmarke - lecker süffig!

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Als Hauptgericht dann den Smash Original (Aged beef, american cheese, special mayo, white onion, our pickle, homemade bun; 209 CZK).

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Sehr sehr lecker - leider waren alle Sides (Pommes, Coleslaw) ausverkauft und so verließ ich den Burgerladen doch noch mit etwas Hunger. Abhilfe sollte die Pommesbude FÆNCY FRIES Brno schaffen.

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Eine kleine Portion samt Special(paprika)sauce für 62 CZK. Gut, auch wenn die Pommes gerne noch etwas knuspriger hätten sein können.

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Auch in diesem Hotel schlief ich sehr gut - ich konnte die Fenster auf Kipp stellen und hatte dadurch eine angenehme Temperatur im Zimmer. Das Frühstück in Form eines Buffets war im Zimmerpreis (~80 EUR) inkludiert und typischerweise war das Buffet für einen Sonntag sehr gut besucht.
 

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Nachdem ich mir den Bauch vollgeschlagen hatte packte ich den Rucksack und machte mich auf die Stadt zu erkunden. Als erstes kümmerte ich mich um den Kauf des BRNOPAS (330 CZK), mit welchem viele touristische Orte und Aktivitäten kostenfrei oder zumindest mit einem Rabatt besucht werden können.

Das Beinhaus der Kirche St. Jakob sollte mein erster Stopp werden. Das Gewölbe unterhalb der Kirche besteht aus vier Räumen, in denen die Gebeine von hauptsächlich durch Pest und Cholera verstorbener Menschen aufgestapelt sind. Vermutet wird, dass es sich um 50.000 Personen handelt, was das Gebeinhaus zum zweitgrößten in ganz Europa macht.

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Die Gebeine sind teilweise künstlerisch aufgebaut und beleuchtet. Beim Eintritt in die Katakomben wird einem eine mehrseitige DIN A4 Mappe mitgegeben, welche Informationen zu den Räumen und den gefundenen Gebeinen preisgibt.

Anschließend besuchte ich das Labyrinth unter dem Krautmarkt - leider nicht BRNOPAS inkludiert, aber zumindest gab es einen Rabatt von 10% oder so...

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Das Labyrinth darf nicht alleine betreten werden, eine offizielle Führung findet jedoch alle halbe Stunde statt (eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich, kann aber nützlich sein). Die bis zu 13m unter der Erde liegenden Gänge stammen teilweise aus dem Mittelalter und wurden damals für die Lagerung von Lebensmitteln genutzt. Die Händler hatten somit direkten Zugriff auf ihre Ware, die sie auf dem Krautmarkt verkauft haben.

Eine Übersichtskarte zeigt die Ausmaße.

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Die Räume sind schön aufbereitet und auch hier gibt es wieder eine DIN A4 Mappe mit vielen Informationen zum Nachlesen. Die Führung selbst wird nur auf tschechisch angeboten.

Mangels guter Ausleuchtung konnte ich jedoch nur wenige Fotos machen, die aber nicht wirklich interessant sind. Neben der Nachbildung der damaligen Nutzung der Räumlichkeiten, wurden auch Foltermethoden oder Hinrichtungsarten bildlich dargestellt.

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Zurück an der Oberfläche machte ich noch ein paar schnelle Fotos des Frog Fountain, bevor ich in Richtung Stadtplatz ging.

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Das Haus der vier Mamlas am Freiheitsplatz.

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Die männlichen Statuen sind Atlanten aus der antiken Mythologie, die das Gewicht der Ziersäulen auf ihren Schultern tragen - analog zur Geschichte des Meeresriesen Atlas, der als Strafe das Himmelsgewölbe mit seinen Armen stützten musste.

Nein, nicht das was ihr denkt... ;) Das ist die Brünner Astronomische Uhr, die zum Gedenken an den Sieg der Stadt über die schwedischen Belagerer (17. Jahrhundert) aufgestellt wurde.

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Es ging zurück in Richtung Hotel, jedoch durchquerte ich es nur um auf der anderen Seite in den Park der Festung Spielberg zu gehen. Die Sonne schien und die Luft war klar und frisch, zudem war Sonntag und dementsprechend viel in dem Park los. Auf dem Weg zum Eingang zur Festungsanlage hörte ich etwas über mir und prüfte schnell die FR24 App.

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LEJ-Brünn dauert also nur 31 Minuten, interessant. 🤓

Der eben erwähnte Eingang.

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Am Ticketschalter zeigte ich meinen BRNOPAS vor und durfte mir eine aus den angebotenen Touren kostenfrei auswählen. Ich entschied mich für die Gefängnistour, die ansonsten 240 CZK gekostet hätte.

Da sich die Tour über mehrere Stockwerke erstreckt, ist die Route mit farbigen Buchstaben aufgeführt.

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Das Gefängnis wurde 1742 als Kasematten erbaut und konnte bis zu 1.200 Soldaten beherbergen. Im Laufe der Zeit wurde das Gefängnis immer mehr ausgebaut und galt lange Zeit als ausbruchsicher.

Die einzelnen Räume sind entweder zu betreten oder von außen einsehbar. Der Folterraum.

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Eine Einzelzelle für die Lebenslänglichen (Mörder, etc.) mit zusätzlicher Ankettung.

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Während des Zweiten Weltkrieges bauten die Nazis das Gefängnis teilweise erheblich um (u.a. als Luftschutzbunker), im Keller sind immer noch Hakenkreuze und Tafeln mit deutscher Sprache zu finden.

Ich verbrachte eine gute Stunde in den drei Stockwerken und gönnte mir anschließend einen Strudel samt Cappuchino im Bistro Babinský.

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Mmmhhhhh!

Da mir die Tour gut gefallen hat, ging ich noch einmal zum Ticketschalter und kaufte für 120 CZK ein Ticket für die Reservoirs-Tour. Die Führung durch die Wasserspeicher war für in einer halben Stunde geplant, die Wartezeit verbrachte ich in der Sonne mit meinem tolino in der Hand.

Pünktlich zum Start der Führung stand eine ältere Dame am Treffpunkt und kam auf mich zu. Ich zeigte kurz das Ticket vor, dann ging es auch schon los. Unterwegs sammelten wir noch eine Familie ein, die den Treffpunkt am falschen Ort vermutet hatten. Die Führung war ausschließlich auf tschechisch, ich erhielt erneut einen DIN A4 Hefter mit englischsprachiger Übersetzung. Bevor es in den ehemaligen Speicher ging, gab es noch einen Kurzabriss der Geschichte - dafür wurden wir in einen abgesperrten Bereich geführt und hatten einen tollen Blick auf die Stadt und die Burg.

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Die Planung des Wasserspeichers mit insgesamt 1.132.000 Liter Volumen begann 1869.

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Das Gewölbe besteht aus zwei Teilen - der vordere Ältere (1870/1871) und der hintere Neuere (1900). Im Inneren sind diverse Steinstatuen und steinerne Wappen ausgestellt - aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse konnte ich jedoch nur unscharfe Bilder schießen.

Die Führung endete wieder unter freiem Himmel und die kleine Gruppe löste sich rasch auf. Die Mappe konnte ich dankenswerterweise bei der netten Dame abgeben und sparte mir so den Weg zurück zum Ticketschalter. Ich kehrte für eine kurze Pause auf mein Zimmer zurück, bevor ich zum Abendessen wieder in die Innenstadt ging.

Hinter dem Hotel übte ein junger Mann im Handstand zu laufen.

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Bei der Recherche wurde mehrfach das Restaurant Lokál U Caipla genannt, die GMaps Bewertungen sprachen ebenfalls dafür (4,5* bei ~3.500 Rezensionen). Das Lokal war für einen Sonntagabend gut gefüllt, ich bekam dennoch einen Tisch im ruhigeren Bereich des Restaurants.

Als Starter wählte ich "Talián" sausage, with grated horseradish and mustard (119 CZK).

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Sehr lecker, insbesondere in Scheiben geschnitten auf dem Brot mit etwas Senf und den geraspelten Meerrettich oben drauf. Starke Empfehlung meinerseits!

Als "Holiday main dish" (welcher Feiertag war gemeint?) bestellte ich Wildschwein (Roasted boar shoulder, stewed white and red cabbage, potato dumpling; 269 CZK).

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Ein Gedicht! Das Fleisch butterzart und ohne zu starken Eigengeschmack, der Kohl leicht gesüßt und stark im Geschmack, die Knödel perfekt um die Soße zu bändigen und in den Mund zu befördern.

Ich war mit dem Essen sehr zufrieden, leider war das Personal alles andere als engagiert (liest man leider immer wieder in den Rezensionen). Ich beließ es also bei einem Bier und machte mich direkt nach dem Essen wieder auf, trat raus in den kühlen Abend und steuerte den Malt Worm an. Diese Kneipe / Bierbar bietet viele unterschiedliche gezapfte (16) und unzählige weitere Flaschenbiere an. Dort probierte ich drei kleine Biere (Hauskrecht Brněnská, Czech Pale Ale; Oboira Philadelphia Sour Malina, Raspberry Sour Ale; Malt Worm Sourname Weizen višeň, Sour Cherry Wild Beer (Mixed Fermentation)), bervor ich zurück ins Hotel ging und ins Bett fiel.
 
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Biohazard

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29.10.2016
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Blick aus dem Hotelzimmer auf die Festung.

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Am Montagmorgen war weitaus weniger am Frühstücksbuffet los und so konnte ich jetzt auch ein paar Fotos machen. ;)

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Ich ließ mir Zeit, denn mein Zug nach Wien war erst für halb 12 geplant. Auf dem Zimmer packte ich die letzten Sachen, checkte anschließend aus und ging in entspanntem Tempo zum Bahnhof. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Die Zeit bis zum Eintreffen des Zuges verbrachte ich im Bahnhof - mangels Lounge oder Warteraum im Stehen. Mit ~15 Minuten Verspätung begann die knapp 1,5-stündige Fahrt, die ansonsten störungsfrei verlief. Aufgrund der aufgerufenen Preis verzichtete ich auf die 1. Klasse, hatte aber Glück und der Nebenplatz blieb frei.

In Wien angekommen verließ ich den Bahnhof über den südlichen Ausgang und hatte das Motel One Wien-Hauptbahnhof innerhalb weniger Minuten erreicht.

Nein, kein Déjà-vu. ;)

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Mein letzter Besuch in Wien war 2022, den dazugehörigen TR findet ihr hier, weswegen ich die "Hauptspots" nicht mehr auf meiner Liste hatte. Zu Fuß ging es zuerst zum Schloss Belvedere, welches das Museum Österreichische Galerie Belvedere beherbergt.

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Ich schlenderte bei schönstem Wetter durch den angeschlossenen Schlossgarten und setzte mich auf einer Bank in die Sonne. Dort verbrachte ich einige Zeit, bis sich ein jüngeres Pärchen auf die Bank neben mir setzte und dort TikTok- oder Instagram-Videos schaute - ohne Kopfhörer natürlich. Da es trotz Sonne aber dennoch schnell kühl wurde, machte ich wieder auf den Weg die Stadt zu erkunden.

Das Johann Strauss Denkmal im Stadtpark.

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Der Vogeltränkebrunnen ein paar Meter weiter. Niedlich. 🐧

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Am nördlichen Ende des Parks angekommen bog ich gen Westen ab und kam an einem stark beschmierten Denkmal vorbei.

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Das Denkmal ist Karl Lueger gewidmet, ehemaliger Bürgermeister von Wien (1897-1910) und bekennender Antisemit - deswegen auch die Farbanschläge. Laut Wikipedia-Artikel "werden die Stimmen für die Entfernung des Ehrenmals sowie die Umbenennung des Platzes immer lauter".

Als nächstes steuerte ich die Ankeruhr sowie den Vermählungsbrunnen (kein Foto) an.

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Direkt nebenan befindet sich der Flagshipstore BILLA Corso mit Fokus auf Spezialitäten und Feinkost (Champagner, Kaviar, etc.). Ich nutzte die Gunst der Stunde und durchlief schnellen Schrittes alle drei Stockwerke und kaufte eine kleine Tüte Chips (für den Abend) sowie ein Wasser (für den direkten Gebrauch).

Da das Römermuseum gegenüber leider nicht geöffnet hatte, musste ich den Besuch leider verschieben.

Über den Stephansplatz ging es an der Domkirche St. Stephan vorbei - der letzte Besuch war ja gerade erst zwei Jahre her.

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Ich lief weiter durch die Innenstadt, kam am Café Sacher sowie der Wiener Staatsoper vorbei und erreichte irgendwann das Mozartdenkmal im Burggarten.

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Es schien, als hätten die beiden Frauen ein privates Fotoshooting am Denkmal gebucht. Links und rechts von mir standen etwa zwei Dutzend weiterer Touristen und Fotografen, die darauf warteten, dass die Frauen das Denkmal verließen, um ungestörte Fotos machen zu können. Doch anstatt zu gehen, änderten die Frauen ständig ihre Posen und wechselten ihre Smartphones. Schließlich hatten einige spanische Touristinnen genug und riefen mehrmals "MOVE!!! JUST MOVE!!!", was die Frauen offensichtlich in Unruhe versetzte und dazu brachte, sich langsam zu entfernen.

Mein nächstes Ziel, das Computer und Gaming Museum Wien, war ca. 1,5km entfernt.

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Ich bezahlte den Eintritt (9,50 EUR) und startete den Rundgang.

WASD ist auch mein bevorzugter Standard zum Bewegen des digitalen Ichs.

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Meine erste eigene Konsole - vom Taschengeld in einem Quelle-Warenhaus gekauft.

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Die einzelnen Abschnitte des Museums erklärt die Geschichte der Computer- und Arcadespiele und ermöglicht auch das Spielen mit den Computern, Konsolen und Arcade-Spielautomaten. Am Empfang gibt es noch USK18 Spiele zum Ausleihen, ansonsten sind alle Konsolen bereits mit Spielen ausgestattet und warten nur darauf gespielt zu werden. :)

Auch wenn ich heute nicht mehr so viel spiele wie früher, bin ich im Herzen weiterhin ein Gaming-Nerd und erinnere mich positiv an die vielen tausenden Stunden zurück, die ich als Kind, Schüler und junger Erwachsener damit verbracht habe.

Nach ca. einer Stunde war ich wieder draußen und lief in Richtung Naschmarkt. An der U-Bahnhof Kettenbrückengasse stieg ich ein und fuhr bis zum Schottenring, von wo aus ich die letzten Meter zu meinem Ziel lief.

Um den Donaukanal zu über- bzw. unterqueren ging es noch ein paar Stockwerke hinunter.

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Am Karmelitermarkt angekommen stellt ich mich in die kurze Warteschlange vor das Ugis - einer Dönerbude die sehr leckeren Dönerkebab zubereiten soll. Als ich meine Bestellung in der Hand hielt, waren leider alle Sitzplätze vergriffen, sodass ich mir einen notdürftigen Sitzplatz ein paar Ecken weiter suchen musste. Der Döner (5,90 EUR) war sehr lecker, Hähnchenfleisch mit gegrilltem Gemüse, Fetakäse und ein paar Spritzern frischer Limette in einem selbstgebackenen Brot.

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Am Donaukanal ging es wieder zurück in Richtung Hotel. Unterwegs machte ich noch ein paar Fotos, wobei die meisten leider nichts wurden (ohne Stativ bei Dunkelheit ist einfach nicht gut).

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Das Frühstück am nächsten Tag kaufte ich mir in Form eines Käse-Schinken-Krautsalat-Croissants bei einem Kettenbäcker in der Nähe des Hotels.

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Am U-Bahnhof Keplerplatz wollte ich mir dann das "1 Tag WIEN"-Ticket für den ÖPNV via Website buchen, was leider nur mit einem Benutzerkonto möglich ist...

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Der Automat hingegen bot nur das 24-Stundenticket für 8 EUR an. Richtig ätzend, dass es diese Einschränkungen gibt - das macht den ÖPNV nicht unbedingt attraktiver!

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Mit der roten Linie ging es nach Norden zum Karlsplatz.

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Die blühenden Kirschblüten zogen diverse Menschen in ihren Bann...

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Ich schaute mir die Karlskirche an und verbrachte etwas Zeit auf einer der vielen Parkbänke. Da ich meine Sonnenbrille im Hotel vergessen hatte, musste ich noch einmal zurück und fuhr anschließend mit Tram und Bus zur Haltestelle Anschützgasse, von wo aus ich die letzten Meter zum Technisches Museum Wien lief.

Das Tagesticket schlug mit 16 EUR zu Buche.

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Das erste Thema war "Energiewende", wo u.a. auch die Frage zum Atomendlager samt möglicher Probleme oder Herausforderungen angesprochen wurde.

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Wie kennzeichnet man ein Atomendlager und wie gibt man das Wissen um diese Stätten weiter (hier wurde z.B. eine "Atompriesterschaft" ähnlicher einer Religionsgemeinschaft erwähnt)? Da sich Sprache ja auch wandelt, ist dies meiner Meinung ein valider Punkt.

Weiter ging es mit Ölförderung und eingesetzter Techniken und Werkzeuge. Ein "Rollenmeißel" zum Durchbohren weicher Gesteinsschichten.

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Dampfmaschinen und Verbrennungsmotoren wurden ebenfalls ausgestellt, hier z.B. ein Naphtalinmotor, entwickelt um das Jahr 1910.

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Dieses Modell zeigt die "Hebung des vatikanischen Obelisken" im Jahr 1586.

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Besonders gut hat mir die Ausstellung "Die 12.10" gefallen, die "größte, schwerste, stärkste und schnellste Dampflokomotive, die jemals in Österreich gebaut wurde".

Ein paar Fakten: gebaut im Jahr 1936, insgesamt 22,6 Meter lang und 138 Tonnen schwer. Die Maximalgeschwindigkeit von 154km/h wird durch 2.700 PS erreicht.

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Bei 120km/h verbrauchte die 12.10 pro Minute 26kg Kohle sowie 120 Liter Wasser und erzeugte 26kg CO2. Die Animation fand ich besonders gut und habe sie mir mehr als nur einmal angeguckt.

Ein ordentlicher Brummer!

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Im Erdgeschoss des Museums verbrachte ich bestimmt zwei Stunden, bevor es eine Etage höher ging.
 

Biohazard

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Die Ausstellung "Alltag" befasst sich mit alltäglichem, z.B. Haushaltsgeräte, Müllentsorgung, Baustoffe oder auch Nahrungsmittel.

"Jedem sein Waschbecken!" wurde für Bergleute ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine einfache Waschgelegenheit, um sich Schmutz und Schweiß notdürftig abzuwaschen. Nach Benutzung wurde das Waschbecken gekippt und damit entleert.

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Links ein "aufklappbarer Waschtisch aus Eichenholz mit Marmorinnenfläche und Handtuchhalter, 2. Hälfte 19. Jh.", daneben ein "aufklappbares Bademöbel mit Sitzbadewanne, Auslaufarmatur und Heizung, ca. 1960".

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Dass das rechte Möbel gerade einmal 20 Jahre älter ist als ich, finde ich sehr faszinierend! Hier im Forum gibt es womöglich den einen oder anderen, der dieses Badmöbel wirklich genutzt hat.

Der Rundgang führte mich noch durch andere interessante Ausstellungen, bis ich noch einmal einen guten Blick in die Haupthalle mit der 12.10 sowie einem alten Tiegel zur Stahlerzeugung.

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Ein Vergleich zwischen konventionellem und fair gehandeltem Kaffee.

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Ich verstehe bis heute nicht, woher der große Unterschied bei dem blauen Tortenstück (Steuern, Zölle, Transport) stammt...

Schiebel CAMCOPTER® S-100 Drohne, ein voll autonomes unbemanntes Helikopter-System.

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Ein MB Silberpfeil aus dem Jahr 1954/55.

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Das vermutlich erste Brennstoffzellenmotorrad der Welt: Puch MS 25

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"Der Werdegang einer Jeans".

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Am Ende der Reise hat die Jeans 64.000km auf der Uhr - das ist sechsmal die Strecke FRA-SIN!

Ein Blick in die nahe Vergangenheit - ich hatte damals einen Scall Pager der Telekom, kurze Zeit später kaufte ich mir dann mein erstes Handy. Lang lang ist es her...

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Ich schaute mir noch die restlichen Ausstellungen an, die eine intensiver, eine andere weniger intensiv. Insgesamt hat mir das Museum sehr gut gefallen, es war modern aufgebaut und die Ausstellungen konnten überzeugen.

Für einen kurzen Zwischenstopp ging es zurück ins Hotel, bevor es zum Prater ging. Aufgrund des guten Wetters war viel los, es hatten jedoch noch nicht alle Fahrgeschäfte geöffnet.

Liebesorakel. :D

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Ich schlenderte über den Prater und durch den nahen Park und genoss einfach das Nichtstun.

Der 117m hohe Prater Turm.

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Das Wiener Riesenrad vom U-Bahnhof Praterstern aus gesehen.

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Mit einer Regionalbahn ging es im vollen Feierabendverkehr weiter gen Norden; an der Haltestelle Handelskai stieg ich aus und lief den letzten halben Kilometer.

Am Imbiss Kurze Pause angekommen musste ich mich in die Warteschlange stellen.

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Es dauerte etwas bis ich meine Bestellung Kebab Sandwich Kalb (5,90 EUR) aufgeben konnte, da die Produktion von frischen Broten durch mehrere Familienpizzen ins Stocken geraten ist. Als die Pizzen dann aus den drei Pizzaöfen raus waren ging es plötzlich sehr schnell. Im Gegensatz zu gestern konnte ich mir hier einen Sitzplatz ergattern und genoss den Döner im frischen Brot. Damit hatte ich zwei sehr gute Döner in Wien gegessen - ich war zufrieden.

Der nächste Morgen war dann im Zeichen der Abreise. Ich lag länger als die Tage zuvor im Bett, duschte und packte anschließend meinen Koffer. Der Check-out beim MotelOne war schnell erledigt und die paar Meter bis zum Hauptbahnhof ebenso schnell geschafft.

Beim Leberkas-Pepi bestellte ich mir dann ein spätes Frühstück.

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"Pepi"-Gonzales mit Jalapeno, Mais und Gemüse in einem Laugenbrötchen (4,17 EUR, da das Fleisch abgewogen und nach Gewicht bezahlt wird).

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Das Leberkäse-Laugenbrötchen war ganz ok, die vielen Lobesworte im Internet kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Vielleicht bestelle ich mir beim nächsten Besuch mal einen Pferde-Leberkäse...

Übrigens sehr sportlich von einigen anderen Gästen, morgens um kurz nach 10 Uhr schon ein Bier zum Leberkäse zu trinken. Ich sage auch selten nein, aber das wäre mir etwas zu früh.

Für die doch längere Heimfahrt kaufte ich mir noch eine Käsebrezel und suchte dann die ÖBB Lounge auf.

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Zeitig zur Abfahrt meines Zugs verließ ich die Lounge und konnte in den bereits wartenden ICE einsteigen. Der Zug setzte sich pünktlich in Bewegung - die weitere Fahrt verlief ereignislos. Beim Aufenthalt in Nürnberg kaufte ich mir noch einen kleinen Snack und wurde relativ pünktlich von der Bahn in Leipzig abgesetzt.

Damit war meine kleine Bahn-Rundreise abgeschlossen.