Wenn man vom Tiger spricht, dann kommt er...

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UniformSierra1

Erfahrenes Mitglied
06.02.2022
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HAM
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...sagt man zumindest in Südkorea.
Moment! Südkorea und freilebende Tiger? Schon seit 100 Jahren nicht mehr. Das Sprichwort ist also dort wohl deutlich aus der Zeit gefallen. Gut, dass es in diesem Bericht nicht um die koreanische Halbinsel gehen soll dafür aber um den Tiger. Nun bitte chronologisch und mit System, damit der beflissene Leser in der immer komplexeren Welt rafft worum es hier geht.

Es begab sich zu einer Zeit als ich einmal mehr darüber sinnierte was mir noch fehlte. Der Verstand sollte es nicht sein, zumindest bilde ich mir dies bis zum heutigen Tage ein, wenngleich das nicht jeder Außenstehende meines Umfelds uneingeschränkt bestätigen wollen würde - who cares if life is brilliant ?
Meine vom Home Office geschundenen Augen waberten an jenem Tag über die seinerzeit eigens erstandenen vier Wände und prüften die dort angehängten, selbstgeknippsten Fotografien aus aller Welt - Zeugnisse meines bescheidenen kleinbürgerlichen Lebens vor den Toren der Stadt, was vom Großteil der Bevölkerung wahrscheinlich eher als superlativ beneidenswert oder abgehoben klassifiziert werden würde. Egal. Bär, Bison, Löwe, Giraffe, Nashorn, Kroko, Leopard, Elefant und noch einige andere - alle waren sie da. Fast alle. Ich konnte nämlich ums verrecken keinen Tiger finden. Warum? Weil er mir schlichtweg bisher nicht über den Weg gelaufen is, simple as that. Wo könnte man den jetzt in freier Wildbahn erwischen?

Die Suche began dem Zeitgeist entsprechend online und ich blieb bei einer Liste indischer Nationalparks hängen. Als mathematisch schwer unterbelichteter Vielfachgescheiterter tippte ich auf dem Taschenrechner die verfügbaren Zahlen ein um mir die Tigerdichte in den jeweilien Parks auszurechnen und daraus einen ungefähren Indikator für Sichtungswahrscheinlichkeiten zu generieren. Reichte das um sich einzig und allein darauf zu verlassen? Irgendwie nicht.
Bummelig 2.366 Wochen sollen es noch bis zu meinem statistischen Lebensende sein. Zu kostbar, zu unersetzbar und zu knapp ist die Zeit. Die Zeitknappheit wird ein lebenslanges, unverzeihliches Defizit bleiben. Ich wollte daher nix verschwenden und den Trip nicht unnötig in die Länge ziehen. Mir schwebte natürlich ein Hit-and-go vor. Also irgendwie kurz nach Delhi, Jaipur oder sonstwo fliegen, einen Abstecher in einen Park für zwei, drei Tage und wieder weg, so meiner initialer Gedanke. Nur wenn man dann keinen vor die Linse bekäme, wäre das Geschrei groß. Je länger man bliebe umso größer die Wahrscheinlichkeit, logisch, gell ? Hmm, das Unternehmen wurde komplexer. Wo andere eine polierte Glatze haben, standen mir die Haare zu Berge. Zumal man auch Permits im vorwege beantragen musste, damit man zur bestimmten Zeit in der gewissen Gegend überhaupt eine Safari machen konnte. Durchatmen. Gedanken sortieren. Kopf freischalten. System in die Sache bringen.

Also, dank frei zugänglicher Onlinequellen schien mir zunächst der März/April von der Wetterlage her am besten geeignet mit wenig grün in der Walachei. Zum anderen könnte man so gleich noch das Holi-Festival Delhi mitnehmen. Das ganze Thema kam kurz darauf am Familienstammtisch zur Sprache. Schwesterherz war per se Feuer und Flamme, ihr Terminkalender hingegen weniger. Sie konnte also leider nicht mit. Bei den Herren Eltern war noch etwas mehr Überzeugungsarbeit notwendig bezüglich der zu erwartenden Ausbeute. Wir entschieden uns für Subcontracting und übergaben unsere groben Pläne an das Reisebüro unseres Vertrauens. Eine sehr weise Entscheidung, welche uns später viel Nerven und Aufwand ersparte.

Der Plan für die nun 2,5 Wöchige Tour anfang März sah nun so aus: HAM-DXB-DEL by EK - mit privaten Fahrer weiter über Agra, Jaipur zum Ranthambore National Park für einige Safaris - Nachtzug zum Bandavgarh NP, dort wieder Safaris - Domestic Leg opr by IndiGo von Jabalpur nach Mumbai, und dann wieder BOM-DXB-HAM by EK. In dem Fall entschieden wir uns primär aufgrund der Flugzeiten zu passablen Tageszeiten für das EK Routing, da LH und Co meist nachts in Indien landen bzw starten. Zumal die Flüge ja recht kurz sind, wollten wir uns im Skinflint Modus mit Eco-Tickets begnügen.

Einen Tag vor Abflug begann dann das geopolitische Gewitter sich über dem Iran zu entladen. Das mobile Endgerät des Familienoberhauptes machte sich bemerkbar, da das Reisebüro über Draht kam. EK via DXB ist nun natürlich keine Option mehr, man wäre aber zuversichtlich, dass man uns mit einer europäischen Airline hinbringen könne. Wir sollen uns gedulden, auf den Rückruf warten und die Koffer gepackt lassen wie sie sind. Hört man gerne hehe.

Um 2100 dann endlich der erlösende Anruf: Carsten hat drei Plätze Sonntag früh um 1000 mit LH13 von HAM nach FRA und dann weiter nach DEL. Wollen Sie das Leg FRA-DEL für 1.000€ upgraden auf C ? Yes! Frontbencher, here we go!
Wir haben für Sie auch gleich Flex Tickets ex BOM für den Rückweg reserviert, falls sich die Lage für EK nicht bessern sollte, vernahmen wir zum Ende des Gesprächs. Vorbildlich! Wir machten tausend Kreuze, dass wir den gesamten Trip übers Reisebüro gebucht haben und uns bei all dem Terror nicht selbst drum kümmern mussten. Nun gab es eine weitere Nacht im heimischen Bett und wir würden einige Stunden später als ursprünglich geplant in DEL angekommen. Der Trip fiel damit also nicht gänzlich ins Wasser.

Ereignisloser als ereignislos gings dann wie geplant mit der D-AIRX ins sonnige FRA. Nach versüßter Zeit in der Lounge wartete dann die D-ABVY auf uns. Gerne genommen, da meine letzte und bisher einzige 747-400 Erfahrung 2018 mit Qantas auf HKG-SYD stattfand. Schön, dass man die Queen hier nochmal fliegen konnte.
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Es ging in Reihe 1, dank der spitz zulaufenden Nase hat man eine gewisse Sicht in Flugrichtung.
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Für mich gibts den Avionic als Signature Drink vor Abflug.
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Und die motivierte, charmante Crew verteilt die Menükarten für das siebenstündige Leg.
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Um 1400 verlassen wir das Gate und taxeln zur 07C. Hinter uns der Help Alliance Flieger.
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Einen Intersection Take-off im halbwegs getankten Jumbo vor einem Longhaul hat man auch nicht alle Tage. Das Aviatik-Herz schlägt höher.
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Der Abflug eignet sich tatsächlich auch für Air-to-ground-shots.
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Als wir in den Himmel schießen verfolge ich wie ein Tigerauge unseren eigenen Schatten.
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Mainhatten - wer kennt es nicht?
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Kurz nach dem Climb out gibts dann etwas Beruhigung für geschundenen Körper, Geist und Seele.
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Vorspeise Thunfisch Tataki.
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Der Hauptgang wird bei mir der Heilbutt.
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Zum Digestif bzw Käffchen wird es turbulent. Die Neuhäuser Pralinen treffen meinen Geschmack.
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Über der Türkei verschwindet die Sonne hinter der Erdkrümmung und ich springe kurz auf die andere Seite für den klassischen Wingview.
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Kurz vor der planmäßigen Landung um 0120 lt. gibts erneut Essen.
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Und die fabelhaften Pralinen noch dazu.
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Auf Piste 29 setzen wir auf. Hansens hat geliefert, Carstens Mitarbeiter haben einen tollen Job gemacht, es blieb kein Wunsch offen. Wir sind halbwegs zügig durch die Immigration und am Bag Reclaim vorbei, werden dann von unserem Fahrer mit Blumenkränzen begrüßt, ziehen noch ein paar Rupien vom Automaten und kommen dann um 0245 im Hotel Colonels Retreat an.
Viel Zeit zum Rasten bleibt nicht, bereits um 0730 sitzen wir erfrischt auf der Dachterasse am Frühstückstisch. Danach beginnen wir die City Tour an der Freitagsmoschee.
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Unser nächster Programmpunkt ist eine Rikschafahrt durch Chandui Chowk.
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Bald steigen wir ab und lassen uns vom Guide durch den Wirrsaal aus Gerüchen, Menschen, Geräuschkulisse und bizarren Ständen führen.
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Gewiss nicht jedermanns Sache, uns allen gefällt es jedoch gut.
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Für uns Pioniere gibt es viele Details zu entdecken während um uns herum der Alltag seinen Gang geht. Die Bilder sagen hier mehr als Worte.
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Am Shop seines Vertrauens gibts dann endlich einen langersehnten Masala Chai im Tonbecher auf die Tatze.
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Von der Rikscha zurück ins klimatisierte Auto und dann ab zum Red Fort, lichttechnisch eher ungünstig, aber was solls.
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Einige Monate zuvor gab es hier in der Nähe einen Anschlag.
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Von hier aus gehts zum Akshardhan und danach zum Humagan Mausoleum. Allerdings ist fotografieren nicht überall gestattet, sodass es nur zwei Impressionen von außen gibt. 029.jpg

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Am frühen Nachmittag gibts einen Walkaround um das Gate of India.
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Unweit davon der Regierungssitz.
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Einen Tempel nehmen wir noch mit: Sri Banglu Sahib Gurudhara. Danach ist endgütlig Brainoverflow angesagt bei all den historischen und kultuerellen Infos die man im Tagesverlauf entgegen genommen hat.
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Einigermaßen geschafft erreichen wir zur Tea Time das Hotel und lassen uns auf der Dachterrasse nieder. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen.
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Zeit für einen Aviatik-Einschub! Wir liegen in der Einflugschneise und ich schaue träumend den Fliegern hinterher.
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Zeit fürs Dinner welches vorzüglich mundet.
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Im Hotel erfahren wir von anderen Gästen, dass sie teils die wahnwitzigsten Preise zahlen für alternative Heimflüge, weil durch die UAEs nix geht. Gut, dass wir unser Reisebüro haben.
Zeitig gehts zu Bett, morgen steht das Holi-Festival an.