Also von den hier genannten sind eigentlich alle gut für ein Wochenende. Im Baltikum sind Tallinn, Riga und Kleipeda erste Wahl (da ist halt schwieriger hinzukommen), Vilnius aus meiner Sicht vielleicht knapp dahinter. Das schöne ist, man kann sich die baltischen Städte auf mehrere Arten zu Gemüte führen. Es gibt etwa in Riga sehr viel Jugendstil (auch außerhalb der Altstadt), Riga und Tallinn (Reval) sind alte Hansestädte, es gibt in allen drei Hauptstädten die klassischen russischen "Prunkbauten" und die aktuellen "back-to-sowjet" Attraktionen fehlen auch nicht (inkl. so Dinge wie Fahrt in einem russischen Militärtransporter mit verkleideten Soldatinnen und Soldaten). Vilnius hat sehr viele orthodoxe Kirchen. Tallinn eine nett angelegte Stadtarchitektur (inkl. der obligaten Alexander Newski Kathedrale). In Tallinn kann man darüber hinaus auch einfach zusehen, wie angetrunkene Finnen im Hafen vom Boot kommen, um sich an den dortigen Kiosks mit Alkohol zu versorgen, um sich komplett dem Erdboden gleichzumachen. Die meisten schaffen es aber nicht in die Altstadt und stören daher das Stadtbild nicht.
Sibiu bietet meiner Ansicht nach als Stadt eher weniger, die Umgebung ist ganz nett - aber als Ziel für einen Tripp in die Stadt und wieder zurück eher weniger interessant. Vlad Tepes war in der Gegend aktiv, daraus schlägt man ein bißchen Kapital. Man spricht im fortgeschrittenen Alter noch deutsch und man kann in der Nähe die Umgebung zu einer ehemaligen Rußfabrik besichtigen > dort sieht es aus wie auf dem Mond (alles grau vom Ruß).
Ljubljana ist auf jeden Fall eine (mehrere) Reisen wert. Vor allem wenn man gerne gut ist. Ähnlich wie die Ungarn bekommt man dort noch immer gut (selbst) gekochtes zu vernünftigen Preisen. Gibanica, Kaarst-Schinken (ok, der ist aus Kroatien), diverse Braten, tw. italienischer Einschlag (wobei dafür wäre dann Piran noch besser) ... da muss man gar nicht viel Sightseeing machen, die Zeit kann man auch so rumbringen. Nachtleben ist auch ok, aber nicht in die Ljubljanica fallen, wobei im Mai wird man dort auch nicht gleich erfrieren ...
Danzig hat halt seinen ganz eigenen Flair. Die "alles was zerbomt wurde, haben wir wieder aufgebaut" Kulisse wirkt teilweise "unecht". Man hat anhand von Fotos gearbeitet, und den Gebäudefronten fehlt es daher oftmals an Tiefenstruktur - und das sieht eben "unecht" aus. Aber natürlich kann man dort ebenfalls verschiedene Themen verfolgen. Hansestadt, 2. Weltkrieg, Solidarność/Lech Wałęsa, Johannes Paul II, Sowjet-Nostalgie. Nachtleben typisch polnisch - man hackt sich schnell und strikt um. Ich bin gerne in Soppot, aber eher im Sommer.
Belgrad, Sofia und Bukarest liegen meiner Ansicht nach deutlich hinter Danzig, Ljubljana und den baltischen Städten. Im Sommer ist Belgrad schon sehr interessant, vor allem wegen der Lokale an den Flüssen und dem Nachtleben. Aber insgesamt trotzdem eher etwas für die nächste Runden ...