Berlin-Erlangen sollte es nonstop schaffen. Im Winter jetzt haben die teilweise vier Ladestopps auf der Route gebraucht
das sind laut Google Maps 500km und 5h Fahrzeit. Die schafft kein E-Auto im Winter am Stück. Die schafft aber auch konzentriert(!) und verkehrssicher(!) auch kaum ein Fahrer am Stück.
Man braucht aber bei sinnvoller Anwendung(!) auch keine vier Stopps.
Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Mit Wahrheit meine ich nicht, dass Du, Deine Eltern oder deren Freunde lügen. Sondern dass natürlich so eine Geschichte auch immer mehr Dynamik aufnimmt, je öfter sie weitererzählt wird.
Realistisch nötig sind:
Mit einem Schnellladestopp sollte die Strecke aber mit jedem Auto mit 450km WLTP auch im Winter zu schaffen sein. Wenn man ein Schisser ist und das Auto nicht auf < 10% runterfährt 2 Stopps. Mehr auf gar keinen Fall.
ein bis zwei Stopps. Den zweiten würde ich nicht unbedingt nur bei "wenn man ein Schisser ist" sehen, ist ja auch eine Frage der Geschwindigkeit (wer gerne auch mal >160 fährt, wird mit einem Stopp nicht hinkommen auf der Strecke).
Einen dritten Stopp halte ich auch nicht für komplett abwegig: Von Anfänger-Anwenderfehler (beim vorherigen Ladevorgang auf die Reichweitenanzeige vertraut und zu früh aufgehört? Oder versehentlich vor dem Start nur auf 80% geladen, weil die entsprechende Option aktiviert war) bis hin zu technischen Gründen ist da alles denkbar. Oder vielleicht war der Stopp auch gar nicht nötig, aber man hatte dann am Ende doch Hunger und Angst, zu leer anzukommen, also nochmal nachladen.
Wenn dann noch an einem Rastplatz Ladesäulen nicht will (Technik oder Ladekarten-Scheiße), man den aber (richtigerweise) mitzählt, ist man schnell bei vier Ladestopps. Die sind technisch überhaupt nicht nötig, aber inhaltlich auch nicht gelogen, und wer abgefuckt ist (nachvollziehbar) wird natürlich die Geschichte so erzählen, dass das abfuckende im Vordergrund steht.
Der Punkt war, das E-Autos in der Praxis keineswegs nur begeisterte Nutzer hinterlassen.
Nachvollziehbar. Ich bin nun wirklich nicht derjenige, der sich oft auf Deine Seite schlägt. Aber ich war mit dem KIA letztes Jahr in
Berlin und
München, beides rund 600km einfache Fahrt (also ein bisschen länger als Dein Beispiel), beides mit zwei Ladestopps zu schaffen, beide Male eine völlig stressfreie Hinfahrt, aber beide Male leider eine Rückfahrt, die - wenn ich sie als Anekdote erzähle - niemanden von der E-Mobilität überzeugt.
Das Problem war vermutlich auch bei Euren Bekannten nicht das Auto.
Das Problem ist m.E., dass man sich mit dieser Technik beschäftigen muss. Das gilt für das Handling des Fahrzeugs und dem sinnvollen Laden unterwegs. Das gilt aber auch für die Infrastruktur. Brauchbare und weniger brauchbare Ladekarten, schnelle und weniger Ladesäulen (die aber im Navi als 300KW angezeigt werden). Usw.
Die Bekannten Deiner Eltern haben den Führerschein vermutlich zu einer Zeit gemacht, wo es keine E-Autos gab. Und haben von ihren Eltern oder dem großen Bruder gezeigt bekommen, wie man tankt und worauf man achten muss. Dass man sich bei einem E-Auto gerade in Kombination mit Langstrecken-Ladevorgängen mal erklären sollte, worauf man da achten muss, bedenken die meisten nicht.
(Und erklärt ihnen auch niemand. Ein Bekannter von mir hat letzte Woche seinen Opel Grandland Vollstromer abgeholt und nicht mal Infos zu einer möglichen Opel-Ladekarte dazu bekommen, dem hab ich erstmal Anbieter empfehlen müssen)