Die legale Lücke im System
Ich kaufe für die kommende Woche ein Ticket für eine Strecke, die ich irgendwann fahren will. Der Trick: Ich steige gar nicht in den Zug ein. Kommt es bei der gebuchten Verbindung dann zu einer Störung – etwa weil am Ziel mindestens 20 Minuten Verspätung zu erwarten sind, ein Halt entfällt oder ein Anschluss nicht erreicht wird –, wird die Zugbindung für mein Ticket aufgehoben. Entscheidend ist nach DB-Darstellung nicht, ob ich schon eingestiegen bin, sondern ob bei meiner gebuchten Reise eine Störung vorliegt. Wichtig: Es geht dabei nicht um eine Entschädigung wegen Verspätung. Dafür müsste ich tatsächlich gereist sein. Es geht nur darum, dass die Zugbindung meines noch ungenutzten Tickets entfällt. Das Ticket wird dadurch nicht zu einem echten Flexticket, kann aber einmalig wie eines genutzt werden – auf derselben Strecke und laut Bahn bis zu ein Jahr nach dem ursprünglichen Reisetag. Ich nenne es dann mein „Goldenes Ticket“.
Dieser Trick hat bei mir in sieben von acht Fällen funktioniert. Im Juni 2026 war
im Fernverkehr nur gut jeder zweite Zug pünktlich. Legal ist es auch: „Selbstverständlich gelten auch für Last-Minute-Sparpreise die europäischen Fahrgastrechte uneingeschränkt“, bestätigt mir eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Die Fahrt könne bei einer Verspätung ab 20 Minuten zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
So zahlte ich 14,99 Euro für ein 133,99-Euro-Ticket
Ein Beispiel: An einem Sonntagmorgen buche ich für 14,99 Euro ein Ticket von Berlin nach Köln Messe/Deutz. Wenige Tage später fährt der Zug, für den ich das Ticket gekauft habe, um 8.00 Uhr morgens in Berlin los – doch ich bleibe zu Hause. Gegen 12 Uhr erreicht mich in der Bahn-App auf meinem Handy dann die gute Nachricht: Der Halt in Köln Messe/Deutz entfällt, der Zug wurde zum Hauptbahnhof Köln umgeleitet. Die erlösenden Worte „Zugbindung aufgehoben“ erscheinen auf dem Display. Jetzt kann ich mein noch ungenutztes Ticket einmalig zu einem späteren Zeitpunkt für die Strecke Berlin–Köln nutzen. Der Preisvergleich: Wenn ich jetzt ein Ticket für den Zug am kommenden Freitag buchen würde, müsste ich 133,99 Euro bezahlen. Besonders gut funktioniert der Ticket-Trick bei Verbindungen mit knappen Umstiegszeiten, weil Anschlüsse oft verpasst werden. Für alle Nachahmer: Diese Methode ist ein Glücksspiel. Wenn der Zug pünktlich ist, sind das Ticket und auch das Geld verloren.