Und ich denke, da bin ich nicht der Einzige.
Da ist viel Psychologie im Spiel.
Zu einem Friseur, der 10 Euro für den Haarschnitt und dann für ein Glas Wasser noch einmal 2 Euro nimmt, gehe ich wohl kein zweites Mal. Zu einem, der 15 Euro nimmt, mir den Mantel abnimmt und mir beim Hinsetzen gleich ein kostenloses Getränk anbietet, gehe ich vermutlich eher wieder.
Der Witz dabei: Auch wenn beide Friseure exakt gleich gut arbeiten und Friseur 1 im Endeffekt 3 Euro günstiger war, ist es wahrscheinlich so, dass ich Arbeit von Friseur 2 gelungener empfinden würde: Erstens, weil er teurer war und man vom Bauchgefühl bei zwei Produkten stets erst einmal das teurere für das bessere hält. Zweitens weil ich mich dort wohlgefühlt habe und nicht ausgenommen (2 EUR für ein Glas Wasser?!).
Übrigens: Permanent Kaufentscheidungen treffen zu müssen, ist Stress, denn wenn's ums Geld geht, muss man aufpassen. Eine Flugreise ist für die meisten Menschen aber auch so schon stressig genug, da kommt es nicht gut, wenn man von der Gepäckaufgabe über die Sitzplatzauswahl bis zum Check-in, der Bezahllounge und dem Essensangebot am Flughafen und an Bord ständig gefordert wird, das richtige Angebot zu wählen oder abzulehnen, zu entscheiden, ob man das wirklich braucht oder nicht, ob das Angebot fair ist oder nicht, ob man etwas übersehen hat oder nicht. Genau deshalb buchen viele Menschen all-inclusive – sie wollen sich genau diesen Stress im Urlaub ersparen, und sie wollen (unangenehme) Überraschungen vermeiden.
Kundenzufriedenheit ist ein wichtiger Faktor, und den stellen Airlines (und andere Anbieter) leichtfertig aufs Spiel, wenn sie jeden Handgriff und jedes Detail nur noch gegen optionale Zuzahlung freigeben. Das erzeugt bei vielen Kunden kognitive Dissonanz. Der Preis eines Produkts besteht eben nicht nur aus dem Eurowert, den der Anbieter verlangt. Er besteht auch darin, was dem Kunden an Arbeit, Nachdenken und Aufwand zugemutet wird, damit er das Produkt sinnvoll nutzen kann. Wer für jedes eigentlich selbstverständliche "Extra" (zum Beuspiel Check-in bei einer lebenden Person, Wasser an Bord, Handgepäck mitnehmen, Sitzplatz auswählen, Gepäck aufgeben usw.) einen Aufpreis verlangt, braucht sich nicht wundern, wenn er am Ende nur noch Maximiererkunden hat, die sich ihrerseits einen Sport daraus machen, das Aufpreissystem zu schlagen (etwa, indem sie mit 7 Schichten Klamotten am Körper boarden). Normalen Kunden, gerade auch Gelegenheitskunden, ist das ständige Bezahlen und vergleichen und entscheiden zu stressig, die gehen mit keiner guten Erfahrung aus der Sache raus, sind also grundsätzlich bereit, etwas anderes auszuprobieren, das ihnen mehr "peace of mind" verspricht – sofern es etwas anderes gibt.