Nur die allerschlichtesten Gemueter glauben, dass dieses Vermoegen irgendwo auf Tagesgeld-Konten herumliegt. Der weitaus groesste Teil liegt - gerade in Deutschland mit seinen "hidden champions" im Mittelstand - in selbst aufgebauten Unternehmen. Rufe in Deutschland den Bolschewismus aus, und es gibt nichts zu verteilen, weil diese "Vermoegen" ueber Nacht nichts mehr Wert sind.
Der zweitgroesste Effekt liegt darin, dass bei diesen "Vermoegens-Verteilungsrechnungen" Rentenansprueche nicht beruecksichtigt werden. Der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer hat mit Mitte 50 Rentenansprueche, die - wenn man sie finanzmathematisch kapitalisiert - zwischen 500.000 und 1.000.000 EUR Wert sind. Das hat der Unternehmer und Freiberufler nicht. Der muss naemlich im Alter von seinem phoesen Vermoegen leben.
Mich stoert eine ungleichmaessige Vermoegensverteilung in einer Gesellschaft ehrlich gesagt ueberhaupt nicht. Was mich stoert, ist, wenn eine Gesellschaft nicht durchlaessig ist. Wenn sie dagegen durchlaessig ist, dann kann man aus eigener Kraft aufsteigen. Das gelingt nicht jedem, aber die Moeglichkeit ist da. Wo es Aufsteiger gibt, gibt e zwangslaeufig auch Absteiger. Verstaendlich, dass das den Betroffenen nicht gefaellt. Ist aber gesamtgesellschaftlich ein gutes Zeichen, nicht ein schlechtes. Dass die Besitzstandswahrer das anders sehen, ist klar. Aber die Moeglichkeiten, sich aus eigenem Koennen etwas aufzubauen sind heute besser als vor 40 Jahren. Anders als vor 40 Jahren muss man allerdings am Ball bleiben. Vor 40 Jahren konnte man sich mit Betreten einer Universitaet bereits zuruecklehnen. Wenn aber 45% eines Jahrgangs studieren (aber das gilt ja als erstrebenswert, nicht wahr?) muss man sich eben nicht nur bis zum Studium, sondern auch noch danach anstrengen.