Jean Ziegler Gedächtnis Thread

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Alfalfa

Erfahrenes Mitglied
23.01.2022
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6.438
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Von den doitschen Medien weitgehend unbeachtet, starb am 10.06.26 in Genf einer der größten Intellektuellen unserer Zeit, der schweizer Soziologe Jean Ziegler.
"Der Tod zwingt uns zur Bilanz. Seine einzige Überwindung ist die Überzeugung, dass wir am Ende sagen können: Ich habe mit anderen zusammen wenigstens so viel verändert, dass mehr Sinn in diese Welt gekommen ist, mehr Brüderlichkeit und mehr Liebe. Nur das kann der Sinn des Lebens sein. Deshalb müssen wir handeln."
Zu seinem Gedächtnis hier ein Interview aus dem Jahre 2017, so aktuell wie damals:
Alle sind eingeladen, sich mit seinen Ideen zu befassen.
 
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Alfalfa

Erfahrenes Mitglied
23.01.2022
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Daraus:

Die kannibalische Weltordnung kann nur existieren aufgrund dieser Entfremdung, weil es ihr gelungen ist, uns von unserer eigenen Ohnmacht zu überzeugen.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das ein Identitätsbewusstsein hat, also sich selbst im Anderen erkennt. Wenn ein Hund einen anderen Hund sieht, der geschlagen wird, passiert nichts. Wenn ein Mensch, egal aus welchem Kulturkreis, sozialer Klasse etc. er kommt, sieht, wie ein Kind vor seinen Augen gequält wird, bricht etwas in ihm zusammen, weil er sich selbst unmittelbar in diesem Kind erkennt.

Das Identitätsbewusstsein ist heute verschüttet von der neoliberalen Wahnidee. Diese besagt: Den Menschen als historisches Subjekt gibt es gar nicht mehr. Es gibt nur eine historische Kraft, nämlich die unsichtbare Hand des Marktes. Und die folgt Naturgesetzen.

Das will uns die neoliberale Wahnidee weismachen. Sie sagt uns: Alles, was der Mensch tun kann, ist, sich diesen Marktkräften funktionell zu unterwerfen, das heißt, die Funktionen auszuführen, die die Oligarchien ihm zuweisen. Aber die Singularität des Menschen, seine Solidarität gibt es nicht mehr. Diese Entfremdung hat unser Identitätsbewusstsein regelrecht zubetoniert.