Ich versuche es mal nach Betrachtung der Ereignisse ein wenig mit Einordnung:
Das Problem mit lokalen Ausgangssperren ist, dass sie unberechenbar sind und vermutlich viel sichtbaren Aktionismus der Verantwortlichen produzieren aber nichts an den sozialen Ursachen ändern, die da heißen: Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut, Bildungsarmut, Abgehängtsein.
Die Kritik geht des Justiziministers an der französische Polizei+Genfarmerie+Militär ist, dass sie wohl seit Bataclan und Charlie Hebdo ganz versiert in Terrorismusbekämpfung sind aber nicht genauso gegen das Volk auf der Straße vorgeht. Und der Innenminister ist nur noch gegen seinen Rücktrittswillen im Amt.
Das bedeutet, dass da entweder schon etwas passiert ist, was den Rücktritt erforderlich macht (das scheint mir bisher nicht der Fall zu sein). Oder er soll etwas verantworten, was vorbereitet wird, was er aber nicht verantworten will und ggf. nur noch Statist ist und sich andere Strategen durchsetzen.
Demnach soll er nun auf Anweisung von Macron offiziell "Pläne zur Verhinderung von Plünderungen" ausarbeiten - das wiederum kann sehr weitreichend sein.
Terrorismusbekämpfung in Frankreich sah lange Zeit viele Personenkontrollen, vielen bewaffneten Vierer-Streifen vor.
Ausnahmezustand bedeutet Einstellung öffentlicher Verkehrsmittel, Checkpoints für den Individualverkehr, sicherlich ein Tick anders als eine Verkehrskontrolle.
Angesichts dessen, dass ganze Gegenden in Banlieus quasi nur mit Einverständnis mit den dort herrschenden Banden durch die Polizei zu betreten sind, habe ich so eine Ahnung was kommt. Und es wird mehr law and Order als Le Pen jemals versprochen hat geben. Zur Not auch mit Mitteln der asymmetrischen Kriegsführung in urbanen Gebieten. Gibt es immer mal wieder, hat aber mit normaler Politik nichts zu tun.
Ein paar ältere Beiträge. Die Namen ändern sich, das Thema bleibt:
Drei Wochen lang brannte es vor zehn Jahren in Frankreichs Vorstädten: Jugendliche zündeten Autos an und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Der ganze Frust, der sich in der Banlieue angestaut hatte, brach sich Bahn. Auslöser war am 27. Oktober 2005 der Tod zweier Jugendlicher.
www.deutschlandfunkkultur.de
Die südfranzösische Großstadt Nîmes kämpft seit einiger Zeit gegen eine ausufernde Drogengewalt. Dealer machen mit Kalaschnikows Jagd auf ihre Konkurrenten. ...
www.youtube.com
Und es ist trotzt Abschaffung 1946 ein Unterschied zwischen citoyen und sujet.
Und wer deshalb seinen Frankreich-Urlaub nicht mehr so kommod findet, darf gerne zuhause bleiben. Das hätte er aber auch schon im letzten Jahr und vor über 20 Jahren. Irgendwas ist halt immer. Lebt damit oder steht dagegen auf.
Und nein, es geht nicht mehr nur um Schülerproteste. Das war ein Anlass, keine Ursache.
Da haben auch nicht mehrere 100.000 Menschen gebrandschatzt und geplündert.
Aber die Proteste sind für interessierte Kreise eine Gelegenheit.
Es sind sicherlich AUCH jüdische Geschäfte geplündert worden - aber irgendwas sagt mir, da hat spontan niemand im Handelsregister nachgeschlagen wem der Laden gehört. Sondern es ging um nacktes Plündern und Gewalt als Machtdemonstration der Banden.
DIe Läden werden nicht etwa kaputtgeschlagen, das Ziel sind Luxusgeschäfte, die Waren sollen OVP weiterverkauft werden.