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Hier eine lustige Reportage über die tolerante Reaktion der Nikotin-Befürworter auf ihre Niederlage bei der Volksabstimmung: Hexenjagd auf Nichtraucher-Politiker: "Du Schwein, dich bringen wir um!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
Witzige Auszüge:
Witzige Auszüge:
In Bayern eskaliert die Wut der Nikotin-Anhänger. Sebastian Frankenberger, Initiator des Anti-Raucher-Volksentscheids, erhält Kneipenverbote und Morddrohungen.
Der Wirt im "Stadtbeisl" in Passau tritt hinter dem Zapfhahn hervor. "Des is doch? Frankenberger! Raus!" Die Männer am Tisch setzen ihre Bierkrüge ab. Es wird still. Sie brüllen: "Frankenberger, du Schwein, dich bringen wir um!" Sebastian Frankenberger, 28, hebt die Brauen. Der Wirt geht auf ihn zu. "Von dir lass i mir meine Wirtschaft ned kaputt machen." Er schlägt die Tür ins Schloss.
Frankenberger ist Passauer Stadtrat und hat den Nichtraucher-Volksentscheid im Freistaat initiiert. Er hat ihn gewonnen. Er ist Bayerns Ober-Nichtraucher. "Versuchen wir es im Irish Pub", sagt er. Vor der Bar stehen Studenten im Nieselregen und rauchen. Sie kippen Asche auf den Boden. "Nichtraucher-Nazi! Verzieh dich!" Der Kellner packt Frankenberger am Arm: "Wegen dir kehre ich hier jeden Tag Kippen. Hau ab!"
Frankenberger ist verfemt in Bayerns Gaststätten - in Passaus Kneipen hat er Hausverbot. 17.000 Mitglieder haben sich in der Facebook-Gruppe "Lokalverbot für Frankenberger" angemeldet. Sie schreiben: "Wenn's dir nicht passt, dass ich rauche, vergas ich dich." Und: "Ihr Ökofaschisten mit langen Haaren. Ihr gehört daran aufgehängt."
Frankenberger läuft durch die leere Passauer Fußgängerzone. Auf einer Bank sitzen Jugendliche und trinken Bier. Am Boden liegen zertretene Dosen. "Frankenberger, du Missgeburt!", rufen die Teenager. Zwei Frauen wechseln die Straßenseite, als sie ihn sehen. Frankenberger wird gejagt wie eine Hexe. Er erhält Morddrohungen. Seine Gegner beschreiben, wie sie ihn verbrennen möchten. Sie drohen, ihn zu erschießen. In Passau kleben Plakate an den Hauswänden: "Tötet Frankenberger". Der Politiker geht nicht mehr ohne Pfefferspray vor die Tür.
Die Gäste des Deggendorfer Volksfests klatschen und kippen Bier in ihre roten Köpfe hinein. "Oans, zwoa, gsuffa!", ruft der Kapellmeister. Sebastian Frankenberger steigt in eine Lederhose und folgt dem Reporter des Bayerischen Rundfunks. Vor dem Festzelt "Zum Ochsenknecht" versperren ihm Kellnerinnen im Dirndl den Weg. "Raucher-Fuzzi, schleich di'!", rufen sie. Eine rundliche Frau mit kurzen, grauen Haaren und fleischigen Armen geht mit einem Besen auf ihn los. "I hau die zam!"