Doch wir können das Ding drehen und wenden wie wir wollen. Sicher finden sich auch noch etliche gegenteilige Studien. Zu einer allseits bedürfnisorientierten Lösung werden wir nie kommen.
Ein wahres Wort.

Ähnlich läuft es ja auch in vielen anderen Bereichen, von der Handystrahlung über kontaminierte Bordluft bis zu Lebensmittelzusatzstoffen. Da wird über Generationen hinweg geforscht, man schlägt sich gegenseitig Studien um die Ohren, und nach 50 Jahren kommt dann hin und wieder raus, dass man das, was alle Welt seit 50 Jahren macht, niemals hätte erlauben dürfen.
Das eigentlich Problem ist doch: Der Großteil der regelmäßigen Raucher ist krank. Suchtkrank. Und als Süchtige sind sie nicht mehr in der Lage, ihr eigenes Verhalten frei zu kontrollieren. Viele MÜSSEN einfach rauchen, sonst geht es ihnen schlecht. Anders lässt sich das rücksichtslose Verhalten ja nicht erklären, ansonsten wären die meisten Raucher aszoiale Egoisten, die sich einen Dreck um ihre Mitmenschen scheren. Das ist natürlich nicht der Fall - sie sind ja im Gegensteil so krank, dass sie sich nicht einmal mehr um die eigene Gesundheit scheren. Sie müssen zur Zigarette greifen, um den aktuellen Notstand zu beseitigen - wohl wissend, dass sie sich damit auf längere Sicht schaden. Das ist psychisch durchaus belastend, nur durch Verdrängungsreaktionen wird man diesem Zustand Herr. Nun ist aber klar: Wer das eigene Gesundheitsrisiko erfolgreich verdrängt, der marginalisiert auch gleichzeitig das Risiko für die anderen - alle andere wäre schizophren. Somit kann man den süchtigen Rauchern tatsächlich nur eine eingeschränkte Schuldfähigkeit an der Misere zugestehen.
Andererseits ist sonnenklar, dass man das Verhalten von Menschen, denen rationales und soziales Handeln aufgrund einer Suchterkrankung gestört ist (das gilt natürlich auch für Alkohol, Drogen etc.), nicht die freie Entscheidung über den Gebrauch des Suchtmittels geben kann, insbesondere wenn diese Gebrauch auch Dritte schädigt oder beeinträchtigt. Somit sind spätestens mit der Erkenntnis, dass Rauchen schädlich ist, Zwangsmaßnahmen (Gesetze) zum Schutz der Nichtraucher unvermeidlich. Wenn man die Kranken schon nicht vor sich selber schützen kann, dann doch wenigstens die Unbeteiligten vor den Kranken.
Die Gruppe der reinen Genussraucher, die Tabak ohne den geringsten Suchteffekt genießen, stellt doch überhaupt kein Problem dar. Niemand von denen käme auf die Idee, im Winter nachts bei Regen vor der Tür eine Zigarette "genießen" zu müssen (während im Lokal das Leben tobt), oder sich im Airport in einen dieser Glaskästen zu stellen. Gäbe es nur Genussraucher, bräuchten wir keine Nichtraucherschutzgesetze. Denn Genussraucher genießen ihren Tabak nur alleine oder zusammen mit Gleichgesinnten. Die allerwenigsten würden es "genießen", dabei unbeteiligte Dritte zu gefährden, denn das wäre hochgradig asozial. Und die allerwenigsten Menschen sind von ihrem Wesen her asozial. Dass sich viele Raucher trotzdem asozial verhalten (und dies natürlich vehement verdrängen, leugnen, relativieren usw., das liegt in der Natur der Sache), beruht schlicht und einfach darauf, dass sie suchtkrank sind.
In Deutschland ist es freilich nicht verboten, krank zu sein. Man darf hierzulande sogar hochgradig geisteskrank und nicht mehr Herr seine Sinne sein - dennoch darf gegen den erklärten Willen dieses Kranken keine Zwangsbehandlung angeordnet werden, solange nicht etwas Schlimmeres passiert. Wenn wir den Menschen jedoch die Freiheit zugestehen, nach verschiedensten Dingen süchtig zu sein und diese Sucht unbehandelt ihr ganzes Leben lang zu pflegen, muss man die Gesunden wenigstens vor den Folgen dieser Krankheit schützen. Das gebietet auch das schon zitierte Grundgesetz.