Luftfahrt in Deutschland im Niedergang

ANZEIGE

CarlD

Erfahrenes Mitglied
03.04.2022
945
1.426
ANZEIGE
Er sprach von TXL und da hat er doch recht..;)

Ich stimme ihm tatsächlich zu, denn wer hat Lust mit dem Zug um 22 Uhr von BER nach Berlin zu fahren.
Wenn wir beim ÖPNV bleiben: Nach 22:00 Uhr in einem häufig überfüllten TXL oder X9 durch die Straßen zu gondeln, war auch nicht immer ein Zuckerschlecken, selbst bei absolut gesehen natürlich weitaus geringerer Distanz. Die ganz große Schwäche von TXL war die komplett fehlende Schienenanbindung. Nicht mal die U-Bahn von Jungfernheide hat man in all den Jahrzehnten hinbekommen.
 

geos

Erfahrenes Mitglied
23.02.2013
15.091
9.037
Ich kenne zugegebenermaßen die Flugpläne nicht auswendig; ich weiß nicht, ob das für jeden Tag gilt. Ich kann nur sagen dass ich selbst vorletztes Jahr in der Situation war und deswegen eine Übernachtung extra in NRW eingelegt habe, wo ich früher noch problemlos mit dem Flieger nach Berlin gekommen wäre.
Unstrittig dürfte sein dass der Flugplan massiv ausgedünnt ist. Ab einem bestimmten Grad, und den haben wir längst erreicht, ist es dann auch ein selbstverstärkender Effekt: es gibt kein passendes Angebot (und die wenigen, die fliegen, sind extrem teuer geworden), daher verzichten immer mehr Leute auf den Flug (sei es im touristischen Bereich, indem sie, z.B. als ausländische Besucher, sich ein anderes Zielland auswählen, oder als Geschäftsreisender, indem sie mehr und mehr Vor-Ort-Termine in Videokonferenzen umwandeln oder alternative Verkehrsmittel wie Auto oder Bahn verwenden.
Es ist sicher ebenso unstrittig, dass das genau auch politisch gewollt ist (OK, abgesehen von der Reiserei mit dem Auto natürlich).
Die Unternehmen und ihre Kunden, zumal wenn sie damit auch Kosten sparen können, passen sich der veränderten Situation an. Innereuropäische Tourismusströme verlagern sich zu anderen Zielen. Fluggesellschaften, einschließlich der LH, schauen nach profitableren Märkten und finden sie in anderen Ländern.
Nüchtern betrachtet kann man eben nicht gleichzeitig sowohl eine signifikante Reduzierung des Flugverkehrs und einen Wirtschaftsboom in den Branchen, die davon direkt oder indirekt abhängen (und sei es nur durch den Standortfaktor der bequemen internationalen Erreichbarkeit), haben.

Ich empfehle allen mal den Besuch des schönen Luftfahrtmuseums direkt am Flughafen Malaga. Dort wird sehr anschaulich dargestellt, wie der (Aus-) Bau des Flughafens dort ab den 1950ern die Grundlage für den bis heute andauernden Wirtschaftsaufschwung der gesamten Region dort war.

Anderes eher anekdotisches Beispiel: man sagt, dass ein signifikante Grund der Verlagerung von Sonys Europazentrale von Berlin nach London nach dem Ausscheiden des CEOs, der zu Berlin eine besondere Beziehung hatte, weil er dort studiert hatte, die Erkenntnis der japanischen Manager war, dass es keinerlei Direktflüge nach Japan gab.

Man darf davon ausgehen, dass die Wirtschaftsleistung der Rhein-Main-Region ohne FRA mit seinem Angebot deutlich geringer wäre. Ähnliches gilt (in geringerem Umfang) für München.
 

Ed Size

Erfahrenes Mitglied
16.03.2009
9.997
762
Wenn wir beim ÖPNV bleiben: Nach 22:00 Uhr in einem häufig überfüllten TXL oder X9 durch die Straßen zu gondeln, war auch nicht immer ein Zuckerschlecken, selbst bei absolut gesehen natürlich weitaus geringerer Distanz. Die ganz große Schwäche von TXL war die komplett fehlende Schienenanbindung. Nicht mal die U-Bahn von Jungfernheide hat man in all den Jahrzehnten hinbekommen.
Taxi 11€ = 15€ "stimmt so", jetzt 90€ - 120€ Taxi oder Uber.
 

CarlD

Erfahrenes Mitglied
03.04.2022
945
1.426
Taxi 11€ = 15€ "stimmt so", jetzt 90€ - 120€ Taxi oder Uber.
Das stimmt natürlich (bei mir wohl eher so 80-100 €), deswegen bin ich ja über den FEX glücklich, der jetzt endlich, wie versprochen und sinnvoll, über Südkreuz fährt. Ansonsten habe ich, wenn ich mit viel Gepäck fliege, Gott Sei Dank auch die Möglichkeit gehabt. mich abholen zu lassen.

Nur: Was kostet wohl eine Taxifahrt von Erding West zum Stachus oder von Schwechat zum 1. Bezirk?
 
  • Like
Reaktionen: Münsterländer

Femminello

Erfahrenes Mitglied
08.05.2012
9.120
5.746
Ja, bei Ankunft am späten Abend wirkt BER wirklich total wie ein Dorfflughafen. Lande da öfter gegen 22:20 Uhr, da sind keinerlei Abflüge mehr, Airside alles komplett dicht, auch um Ankunftsbereich fast nichts mehr offen. Und das ist der Flughafen der größten Stadt der EU...
 
  • Like
Reaktionen: CarlD

geos

Erfahrenes Mitglied
23.02.2013
15.091
9.037
Wenn wir beim ÖPNV bleiben: Nach 22:00 Uhr in einem häufig überfüllten TXL oder X9 durch die Straßen zu gondeln, war auch nicht immer ein Zuckerschlecken,
m.W. fuhr der X9 bis mindestens 23 Uhr alle 10 Minuten. Das einzige Problem war, dass die Busse nicht wirklich auf Reisende mit Gepäck ausgelegt waren, aber insgesamt hat es eigentlich gut funktioniert

selbst bei absolut gesehen natürlich weitaus geringerer Distanz. Die ganz große Schwäche von TXL war die komplett fehlende Schienenanbindung. Nicht mal die U-Bahn von Jungfernheide hat man in all den Jahrzehnten hinbekommen.
Das stimmt, vermutlich weil es auch so einigermaßen funktioniert hat.

Das ganze ist allerdings wirklich kein auch nur annäherend relevanter Faktor für den unbetreitbaren Rückgang im deutschen Flugverkehr.
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Ja, bei Ankunft am späten Abend wirkt BER wirklich total wie ein Dorfflughafen. Lande da öfter gegen 22:20 Uhr, da sind keinerlei Abflüge mehr, Airside alles komplett dicht, auch um Ankunftsbereich fast nichts mehr offen. Und das ist der Flughafen der größten Stadt der EU...
Das ist nicht erstaunlich, wenn flugtechnisch nicht mehr viel los ist.
Die reine Größe der Stadt Berlin ist übrigens nicht der relevante Faktor. FRA lebt auch nicht von der Anzahl der Einwohner in den Stadtgrenzen Frankfurts, für Paris gilt ähnliches. Aber das dürfte praktisch allen Lesern hier bewusst sein.
 

Biohazard

Erfahrenes Mitglied
29.10.2016
7.944
10.545
EDWH
Man darf davon ausgehen, dass die Wirtschaftsleistung der Rhein-Main-Region ohne FRA mit seinem Angebot deutlich geringer wäre. Ähnliches gilt (in geringerem Umfang) für München.
Berlin hat aufgrund der Geschichte keine großen Player. Westliche Firmen haben sich lieber in den alten Bundesländern angesiedelt, als eine Zentrale im geteilten Berlin aufzubauen.
image-49.png
Quelle: https://www.landkartenblog.de/deuts...nd-bekannte-firmen-und-unternehmen-herkommen/

Das ist ein Nachteil der bis heute nachwirkt, weswegen Vergleiche mit London oder anderen europäischen Hauptstädten schwierig sind. Dazu kommt noch die allgemein größere Stadt (London) im Vergleich zu Berlin, insbesondere auf den Rest des Landes bezogen. In London leben knapp 14% der Einwohner des UK, in Berlin gerade einmal 4% der Deutschen.
 

Mucy

Erfahrenes Mitglied
22.08.2024
360
477
MD
Ich stimme ihm tatsächlich zu, denn wer hat Lust mit dem Zug um 22 Uhr von BER nach Berlin zu fahren.
Lust nicht unbedingt aber ich mach den Trip von verschiedenen Orten in Berlin inkl. BER nach Magdeburg regelmäßig um die Uhrzeit.

Nach Mitternacht anzukommen kenne ich zu gut.
 

weltfahrer

Erfahrenes Mitglied
07.09.2018
356
167
Ich kann ja die von mir mit dem Verweis auf MUC zusätzlich angefachte Antipathie gegen jwd-Flughäfen ein Stück weit verstehen, .
Diese jwd Flughäfen schaden auch dem Flugverkehr. In MUC brauche muss ich 4 Stunden vorher zum Flughafen aufbrechen, um nicht in Hetze zu geraten. Da bleibt eigentlich als Inlandsziel nur noch HAM über. Auch im nahen Ausland lohnt sich ein Flug nur noch bedingt.

Auch beim BER musste ich 3h30 vorher das Hotel verlassen. Da bleibt eigentlich nur noch STR als Inlandsziel über.

Gruss, Fastrider
 

weltfahrer

Erfahrenes Mitglied
07.09.2018
356
167
BER-DUS 3xtäglich in der Woche Abflug Freitag z.B.9:10, 13:10, 18:00, zurück 7:10, 15:10, 16:10., Preis 300 €, das Angebot ist unbrauchbar, wie fast alles Innerdeutsch. Der politische Schutz von LH war ein gravierender Fehler der Vergangenheit, für die Wirtschaft fatal.
Das Lufthansa Fast-Monopol (inkl. Eurowings) ist auch ein Grund für den Niedergang. Seit der AB Pleite bin ich privat nicht mehr innerdeutsch geflogen, weil mir das Angebot des Monopolisten nicht gepasst hat. Leider wurde die Lücke, die AB Pleite gerissen hat, nicht geschlossen.

Auch für beruflich Reisende sieht es schlechter aus. In meiner alten Firma haben schon Anfang der 10er Jahre die Controller auf die Reisekosten geschaut und Corona hat gezeigt, dass viele Diensteeisen gar nicht notwendig sind.
 

N140SC

Erfahrenes Mitglied
01.01.2024
1.275
1.145
In MUC brauche muss ich 4 Stunden vorher zum Flughafen aufbrechen, um nicht in Hetze zu geraten.

In MUC hat man sich eben entschieden, das schlechteste aus beiden Welten zu kombinieren: manchmal heisst es "weit vom Schuss, dann dafür als Gegenleistung aber kein Nachtflugverbot". MUC ist (anders als FRA, HAM oder DUS) jwd und trotzdem stark eingeschränkt (anders als NUE, CGN, HAJ und LEJ). Politisch-gesellschaftlich offenbar genau so gewollt.
 

Langstrecke

Erfahrenes Mitglied
31.08.2013
12.131
11.684
LEJ
In MUC hat man sich eben entschieden, das schlechteste aus beiden Welten zu kombinieren: manchmal heisst es "weit vom Schuss, dann dafür als Gegenleistung aber kein Nachtflugverbot". MUC ist (anders als FRA, HAM oder DUS) jwd und trotzdem stark eingeschränkt (anders als NUE, CGN, HAJ und LEJ). Politisch-gesellschaftlich offenbar genau so gewollt.
Nein, Stoiber wollte am Hbf München die Leute "sozusagen ins Flugzeug einsteigen lassen".
 

pemko

Erfahrenes Mitglied
03.03.2015
2.912
2.389
TXL
Nein, Stoiber wollte am Hbf München die Leute "sozusagen ins Flugzeug einsteigen lassen".
Zwei Gedanken:
1. Passt das nicht so richtig zum Vorpost mit Bezug Nachtflug.
2. Stoiber war mit seiner - im Ergebnis erfolglosen - Idee lange nach Planung und Bau des heutigen MUC... der Geburtsfehler von MUC ist geblieben.
 
  • Like
Reaktionen: Langstrecke

CarstenS

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
4.212
6.090
Zum Thema 'zu AB Zeiten' war es besser und heute heute gibt es innerdeutsch keine preislichen akzeptablen Angebote mehr

In dieser Aussage liegt ja auch ein Widerspruch - AB ist am Ende über die Wupper gegangen, weil sie letztlich nicht ausreichend (und ausdauernd) Geld verdient haben.

Wenn aber einige Kunden der innerdeutschen Flüge nur fliegen, wenn es günstig (genug) ist, dann geht das Puzzle nicht auf.

Die politischen Rahmenbedingungen helfen dem innerdeutschen Verkehr sicher auch nicht.

Und durch die Bahn Neubaustrecken der letzten knapp 50 Jahre sind bei allen Mängeln und Unzulänglichkeiten der Bahn letztlich die Bahnreisezeiten im Großen und Ganzen auf vielen Hauptachsen in Deutschland gesunken (ja, es gibt immer noch Strecken, auf denen sich nix getan hat - ich beziehe mich aber auf große Bild). Während Flugzeiten seit Einführung der Jets unverändert sind - wenn nicht sogar über die Jahrzehnte leicht gestiegen, um die Rollzeiten der gewachsenen Flughäfen zu reflektieren.
Und die geänderten Arbeitsgewohnheiten seit Corona (remote und damit die Erkenntnis, dass persönliche Meetings nicht immer erforderlich sind), haben bei Geschäftsreisen eine bleibende Delle hinterlassen. Insegsamt verschiebt sich der Luftverkehr mehr zu Privatreisen - da ist aber der Preis viel entscheidender und nicht die Reisezeit
Ich finde es da nicht verwunderlich, dass der innerdeutsche Verkehr geschrumpft ist.

Und die breite Masse nimmt es ja entsprechend an.

Bleiben die übrig, die aus Prinzip nicht oder ungern Bahnfahren (will das gar nicht bewerten) und Leute, denen es im eng getakteten Terminplan wirklich auf 30 Minuten oder 1 Stunde ankommt.
Die haben aber nun das Pech, dass ohne das Grundrauschen an Passagieren sich innerdeutsche Flüge mit A320/ B737 nicht mehr lohnen.

Daher bin ich der Überzeugung, der innerdeutsche Luftverkehr ist bis auf Zubringer und Routen, auf denen die Landreisezeit (noch) nicht konkurrenzfähig ist, vorbei.
Und das auch, wenn steuerlich wieder alles zurückgedreht werden würde.

Denn die große Lenkungswirkung ist der Ausbau der Bahn und veränderte Geschäftsreisen-Gewohnheiten, nicht Steuern etc.

Carsten
 

Airsicknessbag

Megaposter
11.01.2010
22.689
18.388
Die haben aber nun das Pech, dass ohne das Grundrauschen an Passagieren sich innerdeutsche Flüge mit A320/ B737 nicht mehr lohnen.

Und dass alles, was kleiner ist, aufgrund hoher Fixkosten, insbesondere personalseitig, die dann entsprechend auf weniger Passagiere verteilt werden müssen, dann noch (ggf. prohibitiv) teurer wird.
 

CarstenS

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
4.212
6.090
Und dass alles, was kleiner ist, aufgrund hoher Fixkosten, insbesondere personalseitig, die dann entsprechend auf weniger Passagiere verteilt werden müssen, dann noch (ggf. prohibitiv) teurer wird.
Genau!
Und das mittlere Segment (preislich), dass früher geholfen hat, die kleinen Maschinen zu füllen - in Ergänzung zu den teuren Tickets der Passagiere, bei denen die Reisezeit die höchste Priorität hat, wandert zu der LCC Konkurrenz ab, die deutlich günstiger sind, wenn auch weniger flexibel in Sachen Flugplan.
Aber da überwiegt die Preissensitivität dann eben doch...
Ergo sind die auch weg.

Daher kommen auch die Regionalflieger nicht mehr zurück.
 
  • Like
Reaktionen: weltfahrer

slutz

Erfahrenes Mitglied
06.10.2016
2.710
2.472
also ich fliege 1x monatlich BER-CGN/DUS-BER, meist Freitag abend bis Sonntag abend..

Mit etwas Vorlauf zahle ich für den Return keine 100€
 

weltfahrer

Erfahrenes Mitglied
07.09.2018
356
167
und Leute, denen es im eng getakteten Terminplan wirklich auf 30 Minuten oder 1 Stunde ankommt.
[...]

Daher bin ich der Überzeugung, der innerdeutsche Luftverkehr ist bis auf Zubringer und Routen, auf denen die Landreisezeit (noch) nicht konkurrenzfähig ist, vorbei.
Und das auch, wenn steuerlich wieder alles zurückgedreht werden würde.
Und bei denen passt dann wieder der dünne Flugplan nicht. Und die Relationen mit langer Landreisezeit fallen mir eigentlich nur München Hamburg und Berlin Stuttgart ein. München Rostock ist die Nachfrage zu gering.

Wobei bei den beiden genannten Relationen auch noch Bahnsusbauten geplant sind
 

Mucy

Erfahrenes Mitglied
22.08.2024
360
477
MD
also ich fliege 1x monatlich BER-CGN/DUS-BER, meist Freitag abend bis Sonntag abend..

Mit etwas Vorlauf zahle ich für den Return keine 100€
Und bei den Preisen, die die Bahn häufig dann schon aufruft ist man mittlerweile günstiger dran zu fliegen und dann auch noch schneller am Ziel wenn man nicht gerade Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof / Ostbahnhof fährt.