Hat zwar nichts mit dem OBC-Thema zu tun und international gibt es sicherlich Schattenseiten.
Denn wo Nachfrage ist ist i.d.R. auch Angebot. Und so wie die Warteliste aussieht, ist das manchmal eine Art Gottesgericht, denn es geht um terminale Erkrankungen.
Bei allen Organen bis auf die Leber gibt es derzeit Überbrückungssysteme (Dialyse, extrakorporale Herzunterstützungssysteme, bei der Lunge zur Not noch ECMO) die begrenzte Zeit funktionieren (das Problem sind da Komplikationen aller Art).. Nur bei Leber ist nach 3 Tagen komplett Feierabend, weil Leber multifunktional ist und man bisher nicht alles ersetzen kann.
Nur ein Teil der Warteliste (bei Leber seit Jahren der kleinere Teil) ist aktiv zur Transplantation gelistet, der inaktive Teil sind Menschen, die aus irgendwelchen Gründen (Infektion, Tumor zu groß, Ortsabwesenheit etc.) gerade nicht transplantiert werden können.
Wenn man auf der Warteliste steht und viel Zeit zur Internet-Recherche hat, so findet man auch graue bis dunkle Angebote.
Und es gibt noch den legalen (!) Weg des Umzugs (6 Monate +) in ein anderes Land wie z.B. Spanien, wo aufgrund der dortigen Regelungen (u.a. Widerspruchsregelung) und Infrastruktur deutlich mehr Organangebote zur Verfügung stehen. Ich möchte nur denjenigen sehen, der das in dem Krankheitszustand alleine durchzieht.
Ansonsten habe ich - auch ohne religiös zu sein - einen gut ausgeprägten ethischen Kompass, der mir eigentlich in Jahrzehnten internationaler Arbeit - auch ohne spezifische oder gar nicht vorhandene Gesetze - immer zuverlässig Orientierung gegeben hat.
Ich persönlich habe selbst - auch in Bewusstsein der potenziellen Folgen für mich - eine mir angebotene Leber-Lebendspende aus der Familie abgelehnt, weil es eine Schädigung einer anderen Person bedeutet hätte.
In Deutschland gibt es im Allgemeinen Splitleber-Transplantationen primär bei Kindern, da geht es auch darum, dass die Größe der Leber passt. In anderen Ländern ist das anders.
Dir wird vielleicht nicht entgangen sein, dass
a) Lebendspende insbesondere bei Nieren in Frage kommt und diese ohnehin nicht (in Deutschland) geflogen werden, weil deren Transplantation chirurgisch vergleichsweise einfach ist (das funktioniert durch einen relativ kleinen Schnitt durch die Seite) und es daher vergleichsweise viele Transplantationszentren für Nieren gibt.
b) es bei Lebern auch Lebendspenden gibt, und zwar in Form von Splitleber-Transplantationen , so ist das dennoch ein hochkomplexer Eingriff mit Teilung des Organs (ursprünglich entwickelt durch Prof. Pichlmayr an der Medizinischen Hochschule Hannover), was erfahrene Teams braucht und nicht den einzelnen Chirurgen - und das ist auch mit 5 Tagen Klinik nicht erledigt, sondern das Organ braucht Wochen um nachzuwachsen, dazu größere OP-Risiken (ich habe bisher nur von einem Chirurgen gehört, der LTX minimalinvasiv macht). Traditionell macht man einen Schnitt von Brustbein bis Bauchnabel und dann nochmal quer von links nach rechts als Hauptzugang und dann noch Inzisionen für Drainageschläuche etc. Das braucht bei Leber Monate, während bei Niere tatsächlich 1 Woche nicht unüblich ist - allerdings dann mit viel Nachsorge (die hier als fehlend bemängelt wird).
Ich befasse mich als Lebertransplantierter aus Betroffenensicht relativ intensiv mit der Thematik (irgendwann wird man Profipatient), lese Studien in verschiedenen Sprachen und nehme auch an ausgewählten ärztlichen Fortbildungen teil (insbesondere wenn "meine" behandelnden Ärzte vortragen oder es um Forschungsthemen geht, an denen ich in den letzten Jahren selbst teilgenommen habe) die CME-Punkte bringen mir aber nur etwas Ego ;-) ), bin auch in der Selbsthilfe aktiv und stehe sicherlich auch dieses Jahr wieder beim Organspende-Tag - diesmal in Leipzig - für Gespräche zur Verfügung.
Aber wir werden hier langsam offtopic, es ging um OBC.