Fragen im Vorstellungsgespräch

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bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
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Aber mein Eindruck hier ist, dass man sich in vielen Einrichtungen einfach gar keine Mühe gibt, die Leute einigermaßen Qualifikationsgemäß zu bezahlen. Ganz krass ist das ja im akademischen Umfeld, wo es die wildesten Konstellationen für höchstqualifizierte Mitarbeiter gibt...
Der Markt ist gross, es wird massiv promoviert. Es ist nicht notwendig, mehr zu zahlen.
 

Weltreisender

Erfahrenes Mitglied
05.04.2009
3.174
496
LEJ
Der Markt ist gross, es wird massiv promoviert. Es ist nicht notwendig, mehr zu zahlen.

Im akademischen Bereich gibt es eine sehr hohe Bandbreite an Gehältern. Leider lernen die meisten beim Studium nicht wie man sein Gehalt richtig verhandelt. Viele glauben das mit ausreichend Zertifikaten auch mehr Geld kommt.
 

bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Im akademischen Bereich gibt es eine sehr hohe Bandbreite an Gehältern. Leider lernen die meisten beim Studium nicht wie man sein Gehalt richtig verhandelt. Viele glauben das mit ausreichend Zertifikaten auch mehr Geld kommt.
Was meinst du mit akademischen Bereich bitte genau? Oeffentlicher Dienst an einer Uni?
Meine Erfahrung ist eine andere, vor allem in Deutschland. Wenn es TVL x ist, dann ist es eben TVL x. Eventuell kann man vielleicht noch die Zwischenstufen verhandeln, aber oft wird z.B. Auslandserfahrung einfach nicht anerkannt, die Zeit zaehlt nicht. Dann kann man noch so gut argumentieren, der Verhandlungspartner bewegt sich nicht.
 

heinz963

Erfahrenes Mitglied
05.05.2014
901
746
HAM
Der Markt ist gross, es wird massiv promoviert. Es ist nicht notwendig, mehr zu zahlen.
Das sehe ich als Beschäftigter an einer Universität aber ganz anders. Alle Kollegen an praktisch allen deutschen Universitäten (selbst in der Provinz, wo es wenige Angebote aus der Industrie gibt) suchen nach Mitarbeitern und können Stellen nicht mit ausreichender Qualität besetzen. Ich würde den Leuten ja sogar mehr zahlen, wenn ich dürfte. Auf Postdoc-Ebene sieht es genauso aus - es ist sehr schwierig, gute Leute zu einem Umzug zu bewegen. Auf Ebene der Professoren ist es dann natürlich etwas anderes, da bewerben sich im Normalfall ausreichend viele sehr gute Leute. (Bin Informatiker).
 
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Weltreisender

Erfahrenes Mitglied
05.04.2009
3.174
496
LEJ
Was meinst du mit akademischen Bereich bitte genau? Oeffentlicher Dienst an einer Uni?
Meine Erfahrung ist eine andere, vor allem in Deutschland. Wenn es TVL x ist, dann ist es eben TVL x. Eventuell kann man vielleicht noch die Zwischenstufen verhandeln, aber oft wird z.B. Auslandserfahrung einfach nicht anerkannt, die Zeit zaehlt nicht. Dann kann man noch so gut argumentieren, der Verhandlungspartner bewegt sich nicht.

Ich meinte damit Menschen mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Promotion. Im übrigen zahlen auch Universitäten mittlerweile AT.
 

Monty_GER

Reagenzglaskellner
21.11.2010
1.383
3
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Niederrhein
Das sehe ich als Beschäftigter an einer Universität aber ganz anders. Alle Kollegen an praktisch allen deutschen Universitäten (selbst in der Provinz, wo es wenige Angebote aus der Industrie gibt) suchen nach Mitarbeitern und können Stellen nicht mit ausreichender Qualität besetzen. Ich würde den Leuten ja sogar mehr zahlen, wenn ich dürfte. Auf Postdoc-Ebene sieht es genauso aus - es ist sehr schwierig, gute Leute zu einem Umzug zu bewegen. Auf Ebene der Professoren ist es dann natürlich etwas anderes, da bewerben sich im Normalfall ausreichend viele sehr gute Leute. (Bin Informatiker).

Ich wollte das auch erst schreiben, aber da ich mich aus dem akademischen Bereich (zum Glück) verzogen habe, war ich mir nicht sicher, ob das immer noch so ist.

Hauptproblem bei diesen Dingen ist das enge Korsett der Tarife und in vielen Fällen die berühmte akademische Sackgasse. Wer ab einem gewissen Punkt den Sprung in eine Professur oder eine unbefristete Mittelbaustelle (die es ja kaum noch gibt) nicht geschafft hat, wird aus dem System geworfen, weil eine weitere befristete Verlängerung nicht möglich ist. Dann steht da ein 45-50jähriger promovierter Top-Spezialist mit Gruppenleitererfahrung, der aber noch nicht eine Minute außerhalb der Uni gearbeitet hat. Diese Leute können dann, wenn Sie Glück haben, eine Einsteigerstelle in der Industrie suchen und nochmal komplett von vorne Anfangen. Ich habe in meinem Kollegenkreis (Pharmaindustrie) mehrere solche Fälle erlebt. Die waren sogar noch die Glücklichen, weil sie relativ gut bezahlte Stellen bekommen haben und wenigstens einige Karriereschritte machen können, bevor sie in die Rente gehen.

Ich komme aus dem Bereich Biologie (vor allem technisch/chemischer Bereich, bioVT, Biochemie) und da ist das mit den Professoren auch nicht so einfach. Zwar gibt es einige Bewerber, aber der Berufungsprozess ist so unglaublich träge und ineffizient, dass die Wunschkandidaten oftmals schon vom Markt sind, bis sich die entsprechenden Gremien und Entscheider entschieden haben. Wenn dann noch die Frauenquote ins Spiel kommt, versandet das sehr schnell. Da bleibt dann eine Professur auch gerne mal zwei/drei Jahre unbesetzt, weil man es nicht auf die Kette kriegt. Diese Erfahrungen habe ich aus erster Hand als Mitglied in mehreren Berufungskommissionen aus der Zeit 2008-2011. Was ich dort erlebt habe, hat mir die Entscheidung die Uni zu verlassen sehr leicht gemacht.
 
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bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Ich meinte damit Menschen mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Promotion. Im übrigen zahlen auch Universitäten mittlerweile AT.
Ich frage mich auch, wen du bitte meinst? Postdocs? Profs? Angestellte? Wissenschaftliche Mitarbeiter?
Ich kenne keine Uni, die ausser Tarif zahlt. Wenn das Budget fuer das Projekt festgesetzt ist, dann kann man oft auch gar nicht mehr das Gehalt verhandeln, da das Gehalt meistens Teil des Fundingbudgets ist. Ein Kollege hat sich extrem unter Wert fuer ein zweijähriges Projekt verkauft, Gott sei Dank, bekommt er nun eine Professur. Gehaltserhoehung fuer ihn in der Zeit: Fehlanzeige. Friss oder wir nehmen jemanden anderes.
 

bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Das sehe ich als Beschäftigter an einer Universität aber ganz anders. Alle Kollegen an praktisch allen deutschen Universitäten (selbst in der Provinz, wo es wenige Angebote aus der Industrie gibt) suchen nach Mitarbeitern und können Stellen nicht mit ausreichender Qualität besetzen. Ich würde den Leuten ja sogar mehr zahlen, wenn ich dürfte. Auf Postdoc-Ebene sieht es genauso aus - es ist sehr schwierig, gute Leute zu einem Umzug zu bewegen. Auf Ebene der Professoren ist es dann natürlich etwas anderes, da bewerben sich im Normalfall ausreichend viele sehr gute Leute. (Bin Informatiker).

Hallo Heinz,
Und warum koennen die Unis keine Mitarbeiter finden? Z.B. gibt es ja neuerdings so Einschraenkungen, wie z.B. 3 Jahre nach Doktorarbeit darf man nur noch als Postdoc arbeiten etc. Umzuege werden erst gar nicht fuer Postdocs bezahlt.
Und warum sollte man wieder zum xten Mal als Postdoc auf einer befristeten Stelle arbeiten? 6-Monatsvertrag, 1-Jahresvertrag, 2-Jahresvertrag? TVL 13 im Schnitt. Auf Dauer befristet - keine guten Zukunftsaussichten.
Wie waere es denn mit festen Stellen an den Unis und zwar nicht als Professor?

Deswegen wird ja auch soviel promoviert. Doktoranden sind die Heinzelmännchen fuer die Professoren. O-Ton eines festangestellten Mitarbeiters: Zwei Doktoranden sind billiger als ein Postdoc, sie arbeiten ja auch mehr.
Forschung wird in Deutschland vor allem von Masterstudenten und Doktoranden gemacht. Der Mittelbau ist sehr ausgeduennt.

Re: Anzahl Bewerber fuer Profs.:
Keine Überraschung, weil das ja endlich eine feste Stelle bedeutet. Aber auch hier gibt es im Ausland das Modell: Prof sein, aber das Gehalt bitte selbst ständig einwerben.

Re: Informatiker:
Die Grossforschungslabore, die ich kenne, finden auch keine guten Informatiker auf Dauer. In der Wirtschaft finden diese bessere Vertraege.

Ich hoffe, ich komme auch sehr bald aus diesem System heraus.
 
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Anonym-36803

Guest
Von meinen Freunden, die nach dem Studium als Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Ziel der Promotion an der Uni geblieben sind, hatten die meisten zwar eine 100% E13-Stelle, diese war aber jeweils auf 6-12 Monate befristet und wurde immer erst kurz vor Ablauf verlängert. Im nicht-technischen Bereich sah es sogar so aus, dass diese nur eine 50-75% Stelle bekamen, die 100%-Stellen gibt es dort erst für PostDocs aufwärts.
 

bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Dann steht da ein 45-50jähriger promovierter Top-Spezialist mit Gruppenleitererfahrung
Ist das Problem nicht hier vor allem die Superspezialisierung? Projektmanagement etc sollte die Person ja koennen.

@John_Rebus: Gerne auch beliebt folgendes Spiel: Sie arbeiten zwei Jahre auf einer Stelle. Das letzte Jahr wird das Gehalt eingespart und der Doktorand wird vom Arbeitsamt bezahlt.

Edit: Wenn jemand Vorschlaege haette, wo ein Physiker mit Instrumentierungserfahrung, Programmiererfahrung, Projektmanagement im Bereich R&D (ggf noch mit X-rays) arbeiten koennte, wuerde ich mich freuen. Reisetaetigkeit waere auch kein Problem.
Gerne auch ausserhalb Deutschlands.
 
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Monty_GER

Reagenzglaskellner
21.11.2010
1.383
3
43
Niederrhein
Ist das Problem nicht hier vor allem die Superspezialisierung? Projektmanagement etc sollte die Person ja koennen.

In manchen Arbeitsbereichen musst Du dich super-spezialisieren, wenn Du akademisch erfolgreich sein willst (natürlich auf Kosten des persönlichen/fachlichen Horizontes). Da sind dann molekulare Biologen/Mediziner Experten für irgendeine bestimmte Gruppe von Genen in der Grundlagenforschung. Die Unis sind häufig gar nicht daran interessiert, die strukturiert für Dinge wie Projektmanagement zu qualifizieren. Da beschränken sich die Skills z.B. auf die reine (zugegeben high-end) Laborarbeit und/oder allgemein-wissenschaftliches Arbeiten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.


@John_Rebus: Gerne auch beliebt folgendes Spiel: Sie arbeiten zwei Jahre auf einer Stelle. Das letzte Jahr wird das Gehalt eingespart und der Doktorand wird vom Arbeitsamt bezahlt.

Ja. Das ist im Bio-Bereich sehr weit verbreitet und müsste meiner Meinung nach unterbunden werden. Ich halte es für skandalös, dass es für Promovierende keine Sicherheit für einen festen Zeitraum der Promotion (3-5 Jahre) geben muss. Diese Form der Erpressung wird dann auch sehr gerne zum Umsetzen eines absurden Arbeitspensums und anderweitiger Abhängigkeit genutzt.
 
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heinz963

Erfahrenes Mitglied
05.05.2014
901
746
HAM
Hallo Heinz,
Und warum koennen die Unis keine Mitarbeiter finden? Z.B. gibt es ja neuerdings so Einschraenkungen, wie z.B. 3 Jahre nach Doktorarbeit darf man nur noch als Postdoc arbeiten etc. Umzuege werden erst gar nicht fuer Postdocs bezahlt.
Und warum sollte man wieder zum xten Mal als Postdoc auf einer befristeten Stelle arbeiten? 6-Monatsvertrag, 1-Jahresvertrag, 2-Jahresvertrag? TVL 13 im Schnitt. Auf Dauer befristet - keine guten Zukunftsaussichten.
Wie waere es denn mit festen Stellen an den Unis und zwar nicht als Professor?
Man sollte das alles ein wenig differenzierter betrachten.

Mal eine Gegenfrage: Was passiert, wenn man jetzt plötzlich 2 Dauerstellen an jedem Lehrstuhl Deutschlands schaffen würde (was finanziell natürlich völlig utopisch ist)? Genau, dann werden die 2 Stellen in 80% der Fälle für die nächsten 35 Jahre von 2 Postdocs besetzt, und der wissenschaftliche Nachwuchs hat wiederum die nächsten 35 Jahre das Nachsehen. Ich bin daher gegen unbefristete Stellen, aber ganz stark für Tenure-Track-Positionen mit klar definierten (und hohen!) Anforderungen für die Verstetigung der Stelle.
Deswegen wird ja auch soviel promoviert. Doktoranden sind die Heinzelmännchen fuer die Professoren. O-Ton eines festangestellten Mitarbeiters: Zwei Doktoranden sind billiger als ein Postdoc, sie arbeiten ja auch mehr.
Forschung wird in Deutschland vor allem von Masterstudenten und Doktoranden gemacht. Der Mittelbau ist sehr ausgeduennt.
Es ist ein Trugschluss, dass Masterstudierende oder Doktoranden ausgezeichnete (wir reden hier von Weltspitze) Forschung machen können; am Besten noch ohne Support durch Postdocs oder den "Ordinarius". Dennoch halten es natürlich einige Leute so, wie du sagst. Das sind im Normalfall aber eher nicht die Leute an der Spitze. Was hat dein Bekannter denn zur Qualität der Arbeit gesagt?

Allerdings ist die Situation in anderen Ländern auch nicht anders, wenigstens in der Informatik.
Ich hoffe, ich komme auch sehr bald aus diesem System heraus.
Viel Erfolg dabei!

@Topic: Es gibt durchaus auch in TVL (und Konsorten) die Möglichkeit, den Leuten aus Drittmitteln oder den "Lehrstuhlersparnissen" den Umzug oder generell mehr zu bezahlen. Das wird bloß sehr selten genutzt. Allerdings glaube ich auch nicht, dass man wg. des Geldes im akademischen Bereich bleibt, der Job hat ganz andere Vorteile, insbesondere die Freiheitsgrade in der täglichen Arbeit.
 
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Flying Lawyer

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
6.979
5.004
Aber mein Eindruck hier ist, dass man sich in vielen Einrichtungen einfach gar keine Mühe gibt, die Leute einigermaßen Qualifikationsgemäß zu bezahlen. Ganz krass ist das ja im akademischen Umfeld, wo es die wildesten Konstellationen für höchstqualifizierte Mitarbeiter gibt...

Und keiner ist gezwungen, den Job zu machen. Die Freunde, die ich im "akademischen Umfeld" habe, genießen ihre Freiheit, wenig Arbeit und wenig Geld
 
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bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Man sollte das alles ein wenig differenzierter betrachten.
Sicherlich gibt es hier verschiedene Betrachtungsweisen, die stark dadurch beeinflusst werden, welchen Vertrag man zur Zeit hat.

Mal eine Gegenfrage: Was passiert, wenn man jetzt plötzlich 2 Dauerstellen an jedem Lehrstuhl Deutschlands schaffen würde (was finanziell natürlich völlig utopisch ist)? Genau, dann werden die 2 Stellen in 80% der Fälle für die nächsten 35 Jahre von 2 Postdocs besetzt, und der wissenschaftliche Nachwuchs hat wiederum die nächsten 35 Jahre das Nachsehen. Ich bin daher gegen unbefristete Stellen, aber ganz stark für Tenure-Track-Positionen mit klar definierten (und hohen!) Anforderungen für die Verstetigung der Stelle.
Ich denke nicht, dass es erstrebenswert ist, dass sich qualifiziertes Personal von befristeter Stelle zu befristeter Stelle hangelt.
Ja, stimmt, die beiden Stellen waeren dann dauerhaft besetzt. Das waere aber ganz normal. Dann leisten diese beiden, hoffentlich guten, Leute die exzellente Arbeit eben ueber 35 Jahre. Aber ob sie dazu auch bereit sind, mehr als 8h/Tag fuer 35 Jahre zu arbeiten?
Es ist leichter, die Postdocs alle paar Jahre auszutauschen.

Es ist ein Trugschluss, dass Masterstudierende oder Doktoranden ausgezeichnete (wir reden hier von Weltspitze) Forschung machen können; am Besten noch ohne Support durch Postdocs oder den "Ordinarius". Dennoch halten es natürlich einige Leute so, wie du sagst. Das sind im Normalfall aber eher nicht die Leute an der Spitze.
Meine Erfahrung: 20 Diplomanden damals noch, einige Doktoranden, ein Postdoc. In der aktuelle Besetzung: 2 Postdocs, 8 Doktoranden, 8 Studenten. Und doch spielt die Gruppe an der Spitze mit.
Wie sieht Euer Betreuungsschluessel aus?

@Topic: Es gibt durchaus auch in TVL (und Konsorten) die Möglichkeit, den Leuten aus Drittmitteln oder den "Lehrstuhlersparnissen" den Umzug oder generell mehr zu bezahlen. Das wird bloß sehr selten genutzt. Allerdings glaube ich auch nicht, dass man wg. des Geldes im akademischen Bereich bleibt, der Job hat ganz andere Vorteile, insbesondere die Freiheitsgrade in der täglichen Arbeit.
Nutzt ihr dies aktiv, um gute Kandidaten anzuwerben? Du schreibst, dass es Probleme gibt. "Alle Kollegen an praktisch allen deutschen Universitäten (selbst in der Provinz, wo es wenige Angebote aus der Industrie gibt) suchen nach Mitarbeitern und können Stellen nicht mit ausreichender Qualität besetzen. Ich würde den Leuten ja sogar mehr zahlen, wenn ich dürfte. Auf Postdoc-Ebene sieht es genauso aus - es ist sehr schwierig, gute Leute zu einem Umzug zu bewegen."

Allerdings glaube ich auch nicht, dass man wg. des Geldes im akademischen Bereich bleibt, der Job hat ganz andere Vorteile, insbesondere die Freiheitsgrade in der täglichen Arbeit.
Das mag zutreffen. Wenn man aber am Ende des Tages keinen Vertrag hat, hat man auch keine Freiheitsgrade bei der täglichen Arbeit bzw. dann hat man ganz andere Freiheitsgrade. Ich hoffe, wir stimmen hier wenigstens ueberein.

@FlyingLawer:
Wenn sie sich langweilen, haette ich fuer sie ein super Jobangebot. Wir suchen immer Leute, die gerne nachts und am Wochenende arbeiten, selbstverständlich ohne Zahlungsausgleich.
 
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heinz963

Erfahrenes Mitglied
05.05.2014
901
746
HAM
Meine Erfahrung: 20 Diplomanden damals noch, einige Doktoranden, ein Postdoc. In der aktuelle Besetzung: 2 Postdocs, 8 Doktoranden, 8 Studenten. Und doch spielt die Gruppe an der Spitze mit.
Wie sieht Euer Betreuungsschluessel aus?
Eine Quote von 1 Postdoc je 4 Doktoranden halte ich für genau richtig, wenn der Prof selbst auch noch Doktoranden (mit-)betreut. Studierende (im Sinne von: schreiben Ihre Masterarbeit bei mir) betreue ich momentan selbst 8, meine Mitarbeiter im Normalfall maximal 2 zur gleichen Zeit, und da schaue ich dann natürlich auch noch mit drauf. Das sind mir persönlich eigentlich zu viele Masterarbeiter, aber ich lehne eh schon mehr als die Hälfte ab, daher kann ich ein wenig Bestenauslese machen und der Aufwand pro Person ist geringer.

Nutzt ihr dies aktiv, um gute Kandidaten anzuwerben? Du schreibst, dass es Probleme gibt. "Alle Kollegen an praktisch allen deutschen Universitäten (selbst in der Provinz, wo es wenige Angebote aus der Industrie gibt) suchen nach Mitarbeitern und können Stellen nicht mit ausreichender Qualität besetzen. Ich würde den Leuten ja sogar mehr zahlen, wenn ich dürfte. Auf Postdoc-Ebene sieht es genauso aus - es ist sehr schwierig, gute Leute zu einem Umzug zu bewegen."
Meine Erfahrung ist, dass dies nicht gerne gesehen wird bzw. die Professoren sich nicht wirklich trauen.
Das mag zutreffen. Wenn man aber am Ende des Tages keinen Vertrag hat, hat man auch keine Freiheitsgrade bei der täglichen Arbeit bzw. dann hat man ganz andere Freiheitsgrade. Ich hoffe, wir stimmen hier wenigstens ueberein.
Klaro, aber es ist ja nicht so, dass man nicht abschätzen kann, ob es für die Professur reichen kann oder nicht. Das ist IMO das größte Problem: Sich an einem irgendeinen Zeitpunkt eingestehen zu müssen, dass es nicht reichen wird, und man am Besten schleunigst in die Industrie wechselt.

Das habe ich übrigens auch schon so gesehen, bevor ich eine Tenure-Track-Stelle erhalten habe. Es gab für mich einen ganz klaren Zeitpunkt in meiner Karriere, bis zu dem ich bestimmte Dinge erreichen wollte. Wenn ich das nicht erreicht hätte, wäre ich mit ~34 Jahren in die Industrie gewechselt. Ich hatte immer Angst davor, mit Anfang 40 erkennen zu müssen, dass es nicht für die Professur reichen wird, von daher sollte man sich da klare Ziele setzen und sich auch am Besten von einer unabhängigen Person coachen lassen.

Edit: Trotz der Karrierplanung gehört dann übrigens immer noch das gewissen Quäntchen Glück dazu, dass es auch funktioniert.
 
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Mr. Tequilla

Erfahrenes Mitglied
03.04.2014
2.698
7
als ehemaliger Exportler kann ich beitragen, dass im Erstgespräch immer die Frage mit reisen auftritt. schliesslich ist es ein Hauptbestandteil der Arbeit. Da steckt man ab, bzw lässt sich für das zweite Gespräch die Reiserichtlinie zusenden um beim zweiten Gespräch zu verhandeln.

Jeder AG der hier blockt ist es nicht wert weiter zu diskutieren. Zeitverschwendung für alle Beteiligten. Wenn der AG sich windet und dreht und mit Phrasen kommt, (könnte, eventuell, eventuell nach der Probezeit) etc, dann wars das.

Die Erfahrung hat gezeigt wenn man darauf einsteigt, unterschreibt und dann das Ende der Probezeit kommt, alles wischi waschi ist und nichts eingehalten wird mit Argumenten wo man mit den Ohren schkackert.

Fazit daraus war leider immer, dass ich dann die 3 Jahre vollgemacht habe und gegangen bin. Ist natürlich mist aber ging oft einher mit anderen Sachen die nicht gepasst haben.

Wenn da geflunkert wurde, dann an anderer Stelle auch.

nichts verwerfliches, und der Arbeitsmarkt gibt es her (für Experten oder Spezialisten, kaum für Anfänger oder junior)
da allgemein die andere Seite immer wenig zu Wort kommt, ist aus Arbeitgeberseite eben zu sagen, dass es auch ... heutzutage vermehrt ... die andere Seite der Medaille gibt.

oder anders gesagt, der Bewerber kommt mit einem ottokatalogdicken Pflichten- und Lastenheft voller Ansprüche daher, was bei Reisen alles an Klasse, Lounges, Hotelkategorie, Nähe zum Einsatzort, Maximalzeiten, Maximalumstiegen, Bauchpinseln, Schnittchen und Champagner, Sänfte und sonstigen Annehmlichkeiten alles vom Betrieb gestellt werden soll, und kaum hat man das als AG alles garantiert, wird das vom AN schamlos ausgenutzt, um am Zielort einen besseren Arbeitsurlaub zu verbringen, mit einer Gegenleistung, dass es der berühmten Sau graut ...

... oder anders gesagt, auch der Arbeitgeber braucht Garantien und Gegenleistungen, und nicht nur wohlfeile Ansprüche ...
das ist alles ein Geben und ein Nehmen
 

Monty_GER

Reagenzglaskellner
21.11.2010
1.383
3
43
Niederrhein
Und keiner ist gezwungen, den Job zu machen. Die Freunde, die ich im "akademischen Umfeld" habe, genießen ihre Freiheit, wenig Arbeit und wenig Geld

Klar. Daher machen ich den Job ja nicht mehr. Aber man darf doch die Situation kritisieren, oder? Im Übrigen ist das mit "wenig Arbeit" gerade in der Wissenschaft eher die Ausnahme. Je nach Forschungsbereich steht man dann auch mal gerne nachts im Labor. Meinen Zellkulturen war die Uhrzeit oder der Feiertag nämlich egal.
 

Flying Lawyer

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
6.979
5.004
Klar. Daher machen ich den Job ja nicht mehr. Aber man darf doch die Situation kritisieren, oder? Im Übrigen ist das mit "wenig Arbeit" gerade in der Wissenschaft eher die Ausnahme. Je nach Forschungsbereich steht man dann auch mal gerne nachts im Labor. Meinen Zellkulturen war die Uhrzeit oder der Feiertag nämlich egal.

Richtig. Und Deine Zellkulturen ruhten dann halt am nächsten Tag. Ich denke gerne an die Zeit an der Uni. Keine Umsatzverantwortung, acht Stunden Lehrverpflichtung, wann man da ist ist egal, kein Leistungsdruck mit Ausnahme der selbst gesetzten Ziele und Aus- bzw Weiterbildung auf Kosten des Steuerzahlers. Und wenn man da durch ist, geht man in den gut bezahlten Job und beklagt sich, wie schlecht die finanzielle Seite an der Uni war.
 

Monty_GER

Reagenzglaskellner
21.11.2010
1.383
3
43
Niederrhein
Richtig. Und Deine Zellkulturen ruhten dann halt am nächsten Tag.

Ich finde, Du trittst hier ein wenig zu überheblich auf. Denn nein, die normale Arbeit ging dann weiter. Ein Stundenkonto oder sowas gab es nicht. Ich streite nicht ab, dass es auch schöne und gute Aspekte dieser Arbeit gab, aber das "wenig Arbeit" ist pauschal einfach Unsinn.

Ich denke gerne an die Zeit an der Uni. Keine Umsatzverantwortung, acht Stunden Lehrverpflichtung, wann man da ist ist egal, kein Leistungsdruck mit Ausnahme der selbst gesetzten Ziele und Aus- bzw Weiterbildung auf Kosten des Steuerzahlers.

Es sei dir versichert, dass dein Alltag nicht identisch ist mit anderen Menschen im Wissenschaftsbetrieb. Bei "kein Leistungsdruck" musste ich dann doch ein bisschen lachen.

Und wenn man da durch ist, geht man in den gut bezahlten Job und beklagt sich, wie schlecht die finanzielle Seite an der Uni war.

Alles klar. Hey Leute, alles ist toll! Es gibt keine Probleme, die man diskutieren sollte. Schließlich hatte Flying Lawyer eine tolle Zeit an der Uni! Stellt euch mal nicht so an!
 

Airsicknessbag

Megaposter
11.01.2010
22.375
17.551
Wenn jemand Vorschlaege haette, wo ein Physiker mit Instrumentierungserfahrung, Programmiererfahrung, Projektmanagement im Bereich R&D (ggf noch mit X-rays) arbeiten koennte, wuerde ich mich freuen. Reisetaetigkeit waere auch kein Problem.

Beratung. Da werden Physiker immer gerne genommen. Dann noch erste Erfahrung im Projektmanagement, und man gehoert schon fast allein damit zu dem Kreis der Kandidaten, die man sich wenigstens mal anguckt (wenn sonst die Papierform stimmt).
 
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bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Richtig. Und Deine Zellkulturen ruhten dann halt am nächsten Tag. Ich denke gerne an die Zeit an der Uni. Keine Umsatzverantwortung, acht Stunden Lehrverpflichtung, wann man da ist ist egal, kein Leistungsdruck mit Ausnahme der selbst gesetzten Ziele und Aus- bzw Weiterbildung auf Kosten des Steuerzahlers. Und wenn man da durch ist, geht man in den gut bezahlten Job und beklagt sich, wie schlecht die finanzielle Seite an der Uni war.
Vorlesungen bereiten sich nicht von alleine vor, wenn man eine gute Vorlesung abliefern will. Man haette keinen Leistungsdruck? Wo warst du denn angestellt? Der Druck kann wirklich enorm sein. Und selbst wenn seine Zellkulturen an einem Tag ruhten, musste er vielleicht andere Proteine aufreinigen.

Klaro, aber es ist ja nicht so, dass man nicht abschätzen kann, ob es für die Professur reichen kann oder nicht. Das ist IMO das größte Problem: Sich an einem irgendeinen Zeitpunkt eingestehen zu müssen, dass es nicht reichen wird, und man am Besten schleunigst in die Industrie wechselt.
Das stimmt, aber selbst dann ist der Wechsel in die Industrie kein Selbstlaeufer, denn die Industrie ist kein Auffangbecken fuer arbeitslose Wissenschaftler.
Man muss ja auch nicht unbedingt promovieren, das ist heutzutage nicht immer hilfreich fuer eine Stelle in der Industrie.
Ich bin trotzdem der Meinung, dass es ausreichend viele gute Kandidaten gibt, aber keine ausreichende Anzahl an Professuren. Was soll man mit den Kandidaten machen?


Das habe ich übrigens auch schon so gesehen, bevor ich eine Tenure-Track-Stelle erhalten habe. Es gab für mich einen ganz klaren Zeitpunkt in meiner Karriere, bis zu dem ich bestimmte Dinge erreichen wollte. Wenn ich das nicht erreicht hätte, wäre ich mit ~34 Jahren in die Industrie gewechselt. Ich hatte immer Angst davor, mit Anfang 40 erkennen zu müssen, dass es nicht für die Professur reichen wird, von daher sollte man sich da klare Ziele setzen und sich auch am Besten von einer unabhängigen Person coachen lassen.
Gute Einstellung.
Ueber so ein coaching wuerden sich sicherlich viele Leute freuen, aber das wurde bei uns ueberhaupt nicht angeboten. Thema, Ausstattung, Supervisor spielen eine ebenso wichtige Rolle. Ob die Wahl gut war, merkt man oftmals zu spaet.
Aber um auf das Thema zurueckzukommen, nutzt ihr die Mittel um bessere Kandidaten zu gewinnen?

Edit: Trotz der Karrierplanung gehört dann übrigens immer noch das gewissen Quäntchen Glück dazu, dass es auch funktioniert.
Siehe Moessbauer. Die Doktorarbeit reichte zum Nobelpreis.
 

bluesaturn

Erfahrenes Mitglied
27.05.2014
3.742
357
Beratung. Da werden Physiker immer gerne genommen. Dann noch erste Erfahrung im Projektmanagement, und man gehoert schon fast allein damit zu dem Kreis der Kandidaten, die man sich wenigstens mal anguckt (wenn sonst die Papierform stimmt).
Ja, das ist sicherlich eine Option, aber zur Zeit denke ich eher ueber R&D etc nach.
 

heinz963

Erfahrenes Mitglied
05.05.2014
901
746
HAM
Gute Einstellung.
Ueber so ein coaching wuerden sich sicherlich viele Leute freuen, aber das wurde bei uns ueberhaupt nicht angeboten. Thema, Ausstattung, Supervisor spielen eine ebenso wichtige Rolle. Ob die Wahl gut war, merkt man oftmals zu spaet.
Ich kenne da auch nur strukturierte Programme für Frauen; ich habe mich selber drum gekümmert. Die meisten Wissenschaftler kümmert es aber nicht und irgendwann kommt das böse Erwachen.
Aber um auf das Thema zurueckzukommen, nutzt ihr die Mittel um bessere Kandidaten zu gewinnen?
Es gibt Dinge, die ich nutze, bspw. Unterstützung beim Umzug, oder auch einen finanziellen Bonus, falls ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde. Letzteres ist aber natürlich eher kein Mittel, um Mitarbeiter zu gewinnen, sondern die sehr gute Arbeit bereits vorhandener Mitarbeiter auch finanziell zu honorieren.

ABER: Ich bin momentan nicht in Deutschland, sondern im deutschsprachigen Ausland. Allerdings waren die Möglichkeiten an meiner letzten Uni in Deutschland identisch - nur genutzt wurde es nicht.