Ich habe mir den Spass gemacht das 17 Minuten Video anzugucken. Als 30+ Jaehriger will man ja von der Business-Frau lernen wie social media geht.
Sie stellt sich als Opfer da. Die Welt (zumindest die Generation 30+) haette nicht verstanden wie social media geht. Sie fuehre selbst ein erfolgreiches Business, bla bla bla.
Und gleichzeitig stellt sie sich als '22 year old female' Opfer dar und drueckt auf die Traenendruese. Das ist natuerlich sehr professionell und ueblicher Business-Knigge.
Sie erwaehnt die Zusammenhaenge zwischen Publishern und Advertisern nicht - wahrscheinlich weil sie die nicht komplett verstanden hat. Sie glaubt wahrscheinlich wirklich, dass sie etwas ganz tolles selbst gebaut hat und dass sie alleine auf diese Idee gekommen ist.
Ohne ihren Content zu kennen glaube ich nicht, dass sie mehr gemacht hat als einen bekannten Pfad zu nehmen und ggf. eine bestimmte Nische (travel und beauty ist jetzt nicht wirklich neu) zu fuellen.
Natuerlich haben grosse Firmen (B2B) verstanden wie social media geht. Wenn grosse Firmen es nicht verstehen, dann kaufen sie eben kleine Startups.
Subjektiv gesehen muessen die Software-Anbieter ihren Kunden (Hotels, Airlines, Autovermietungen, Restaurants, Beauty-sonstwas, ...) erklaeren wie das ganze social media Zeug funktioniert (also Geld abwirft). Horden von Beratern verkaufen dann Werbeplaetze bei Groupon, Eatigo und Co oder haben in anderen Branchen auch riesige Projekte von denen man als Kunde nichts mitbekommt.
Beispiel: in Brasilien muessen die Telekommunikationsanbieter saftige Strafen zahlen, wenn die Leistung nicht korrekt erbracht wird. Die Kunden haben zum Teil herausgefunden, dass sie das (wie in Deutschland damals angeblich die AG-Hopper) ausnutzen koennen und die Kompensation kassieren koennen.
Als Telco geht man dann eben zu den grossen Consulting-Buden und sagt 'loest das Problem'. Diese haben einfach diverse interne Datenbanken mit dem national registry fuer besagte Beschwerden sowie social media gebuendelt. Heraus kommt ein System bei dem Kundenbeschwerden auf Twitter proaktiv behandelt werden, um Kompensationszahlungen zu verhindern. Gleichzeitig konvertiert man die Twitter-Nutzer zu 'influencern', weil sie dann positiv ueber den Laden reden (Net Promoter Score). Hier wissen die Influencer nicht mal, dass sie ausgenutzt werden.
Hyatt hat mir - offensichtlich aus Versehen - mal meine Daten zugeschickt, die sie ueber Twitter und Co haben. Ich habe bei Twitter nach meeting rooms gefragt und ueber deren 'lead generation' wurde das an einen Bearbeiter weitergeleitet. Der hat die interne Email in seiner Antwort an mich weitergeleitet. Da steht genau drin was Hyatt von einem haelt und wie rentabel es ist jemandem etwas zu spendieren.
Ich unterstelle vielen Influencern, dass sie einfach einen bekannten Pfad nehmen und Teil einer grossen Maschinerie sind. Einige bekommen gar nicht mit, dass sie Spielball der grossen Firmen sind.
Wer Zeit (und Geld dafuer) hat, sollte sich mal eine Forrester Customer Experience Konferenz antun. Da sieht man wie orchestral man Dinge praesentieren kann und wie Kundendaten genutzt werden (customer experience, retention loyalty, enrichment, advocacy, ..).
Aber hey, die 22 Jaehrige weiss das sicher alles besser.