Schluss mit Dumping in Österreich? Kurz führt Mindestpreise für Tickets ein

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nacho.gll

Erfahrenes Mitglied
10.03.2017
713
637
Leoben, AUT
Zu allererst ist es reichlich naiv zu glauben, dass die Löhne der Flugbegleiter mit den Ticketpreisen ansteigen.

Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass das Gesetz irgendwie hält. Was ist mit 9,90 Sparschiene Tickets der ÖBB? 4,99 Tickets von Flixbus? Milch im Supermarkt, oder diese 15 Cent Semmeln, die es Bei Hofer, Lidl, Spar, Billa und Merkur gibt? Keines dieser Produkte deckt seine Kosten, es ist aber auch nicht ihre Aufgabe.

Ich habe mir noch die Arbeit gemacht in den Daten von Wizz zu graben. Die haben 2019 Pro Ticket (=1 Leg) 67,02€ Umsatz gemacht. Davon waren 58,49€ Kosten und 8,53€ Gewinn (vor Steuern). Von den 67,02€ waren durchschnittlich 38,12€ Ticketpreis und 28,90€ Ancillary Revenue. Merkst ihr schon was? Bei einem Mindestpreis von 40€ machen die inkl. den zu erwartenden Anc.Rev. einen überdurchschnittlichen Umsatz wie Gewinn, was bedeutet, dass sie den Markt mit 40€ Tickets fluten könn(t)en. Gleichzeitig muss dann aber die AUA ebenfalls 40€ Tickets auflegen, weil ihnen ansonsten die Urlauber davonrennen. Es gibt zwar keine spezifischen Zahlen für OS, aber die LH Gruppe macht gerade einmal 8€ pro PAX an Zusatzeinnahmen und OS ist mit so einem 40€ Ticket tief in den roten Zahlen. Das Gesetz würde also bei Wizz für überdurchschnittliche Umsätze sorgen, bei OS, die damit eigentlich protegiert werden sollten, für Verluste. Wenn das mal kein Eigentor war.
 

concordeuser

Erfahrenes Mitglied
01.11.2011
5.755
1.816
Hamburg
Statt pauschaler Mindestpreise für Flüge finde ich es viel sinnvoller Mieten zu deckeln für die Jahre der Coronakrise und erst erst einmal eine verbindliche heftige Kürzung vorzunehmen.
 
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F

feb

Guest
Ob die Maßnahme der österreichischen Bundesregierung (nicht:
GrünInnen, Schnapsidee, Melonen-Sozialisten...
danke für die Einblicke in deine geschundene Selle @DerSenator) sinnvoll ist oder nicht, überlasse ich gerne der Debatte hier.

Was mich aber erstaunt: Das Dumping wird nach meinem Eindruck hier weit verbreitet als eine übliche, sinnvolle und segensreiche marktwirtschaftliche Maßnahme angesehen und jede hiergegen gerichtete Maßnahme eher als unerwünschter dirigistischer (gar diktatorischer?) Eingriff angesehen. Dabei ist das Dumping nach den Regeln der WTO seit glaublich mehr als 70 Jahren zweifelsfrei verboten.

Was lehrt man denn akuell so an der BWL/VWL- Lehrstühlen dieser Welt?
 

tisch

Erfahrenes Mitglied
15.11.2017
639
144
Ob die Maßnahme der österreichischen Bundesregierung (nicht: danke für die Einblicke in deine geschundene Selle @DerSenator) sinnvoll ist oder nicht, überlasse ich gerne der Debatte hier.

Was mich aber erstaunt: Das Dumping wird nach meinem Eindruck hier weit verbreitet als eine übliche, sinnvolle und segensreiche marktwirtschaftliche Maßnahme angesehen und jede hiergegen gerichtete Maßnahme eher als unerwünschter dirigistischer (gar diktatorischer?) Eingriff angesehen. Dabei ist das Dumping nach den Regeln der WTO seit glaublich mehr als 70 Jahren zweifelsfrei verboten.

Was lehrt man denn akuell so an der BWL/VWL- Lehrstühlen dieser Welt?
Niedrige Flugpreise sind ja meist kein Resultat aus Dumping, sondern aus niedrigeren Kosten und einem anderen Yield Management. Wenn ich mit nahe 100% Auslastung fliege statt mit 80%, kann ich halt die zusätzlichen Tickets auch knapp über Grenzkosten verkaufen.

Warum würde die Airline denn sonst bei 38€ durchschnittlich so viel Gewinn machen?

Die ganze Diskussion kann man meiner Meinung aus Umwelt oder Ethikgründen führen. Aber das ist kein Dumping.

Viel Ryanair und Wizz gibt es in NL sowieso nicht. Die Auswirkungen dürften minimal werden. Billigflieger können ja auch die Flotte nach belieben verschieben. Dann gibt es halt mehr Flüge zwischen Süd und Osteuropa.
 

tisch

Erfahrenes Mitglied
15.11.2017
639
144
Und das ist der springende Punkt - 9€-Tickets dürften dem wenn überhaupt in den seltensten Fällen entsprechen.
Weil es ja auch eine Mischkalkulation ist. Der eine 9€ Kunde fliegt für 9€ und der andere verpasst den Checkin zahlt 55€ und zahlt 15€ um neben seiner Frau zu sitzen. Vielleicht noch mit einer Strafe fürs Handgepäck.

Bei den meisten Freemium-Modellen bei Apps zahlt auch nur der 100. Kunde. Der aber so richtig.
 
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VS007

Erfahrenes Mitglied
16.05.2019
578
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STR
Was mich aber erstaunt: Das Dumping wird nach meinem Eindruck hier weit verbreitet als eine übliche, sinnvolle und segensreiche marktwirtschaftliche Maßnahme angesehen und jede hiergegen gerichtete Maßnahme eher als unerwünschter dirigistischer (gar diktatorischer?) Eingriff angesehen. Dabei ist das Dumping nach den Regeln der WTO seit glaublich mehr als 70 Jahren zweifelsfrei verboten.

Was lehrt man denn akuell so an der BWL/VWL- Lehrstühlen dieser Welt?
Naja, Dumping findet normalerweise auf internationaler Ebene statt und wird in der Regel mit Zöllen bekämpft, das lässt sich kaum auf den europäischen Flugverkehr übertragen. Und ja, auch Wizz ist selbstverständlich als (EU-)inländisch anzusehen. Ich kenne die Lage in Österreich nicht, aber in Deutschland erlaubt das GWB, unter dem Einstandspreis zu verkaufen wenn es entweder zeitlich begrenzt ist (hier: Billige Tickets als Marketing) und/oder eine sachliche Rechtfertigung vorliegt (traditionell: Ware verdirbt, ist veraltet etc., hier: Yield Management um Plätze verkauft zu bekommen, die sonst leer bleiben). Es ist also definitiv nicht so, dass es keine Situationen gibt, wo es völlig zulässig ist, "zu billige" Tickets rauszuhauen.

Ich weiß nicht, was ich verkehrt mache, aber mein Buchungsverhalten scheint nur sehr selten (STR-VIE ;)) zu offensichtlich zu billigen Tickets zu führen. Für mich ist das reines Marketing analog zum IKEA-Hotdog für 1,50 Euro und damit völlig harmlos. Ich glaube nicht, dass es großen Einfluss auf die gesamte Preisstruktur haben wird, allenfalls könnte die Auslastung leicht sinken.
 
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cockpitvisit

Erfahrenes Mitglied
04.12.2009
5.363
3.064
FRA
Ich weiß nicht, was ich verkehrt mache, aber mein Buchungsverhalten scheint nur sehr selten (STR-VIE ;)) zu offensichtlich zu billigen Tickets zu führen.

STR-VIE-STR war vor Covid-19 manchmal schon für 10€ RT zu haben.

Allerdings nur unter der Woche (Di-Do) - am Wochenende sind die Preise bei Ryanair höher.
 
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Tahooma

Reguläres Mitglied
03.09.2015
64
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Was man so hört geht das nicht durch, da schmeisst sich der EuGH dazwischen. Wie bei so vielem vom Kinderkanzler