Danke für eure vielen Antworten. Die Meinungen sind sehr einseitig

Ich bin total 3 Nächte dort und möchte hauptsächlich Sightseeing Machen.
Mich ärgern diese Pauschalurteile über Los Angeles. L.A. Bashing ist immer noch total angesagt, weil sich da offensichtlich die meisten Klischees über Kalifornien bestätigen lassen. Und das gleiche Klischee gilt auch für die ach so heile Welt in "The City".
L.A. hat einen riesigen, chaotischen Flughafen - stimmt. Das neue Tom Bradley Terminal ist aber wirklich sehr schön geworden und die Senator Lounge (darauf legen wir hier ja gesteigerten Wert) eine der besten in den USA.
L.A. kann man nur mit dem Auto machen und man steht nur im Stau - stimmt weitestgehend. Man kann aber auch ein paar Tage problemlos in Venice/Santa Monica verbringen und komplett auf den Mietwagen verzichten bzw. am Strand entlang spazieren und zurück per Uber fahren. Und allein am Abbot Kinney Blvd. könnte ich mindestens eine Woche lang jeden Abend woanders Essen. Ich kenne kaum eine Ecke in den USA, wo ich auf einem Quadratkilometer eine so vielseitige, spannende und für jeden Geldbeutel geeignete Küche vorfinde wie hier.
L.A. ist ein stinkender Moloch: Wenn ich die meiste Zeit im Auto verbringe, um die vermeintlichen Sehenswürdigkeiten wie den Hollywood Blvd abzuklappern, und dann hauptsächlich auf abgasverseuchten Interstates herumstehe, stimmt das sicherlich. L.A. hat aber auch einen der größten "Stadtparks" der USA (Griffith Park - fünf mal größer als der Central Park), in dem man problemlos einen ganzen Tag wandern kann.
L.A. hat kein Zentrum - stimmt. Dafür hat es überall spannende und vielseitige Ecken. Und die wenigsten kennen das "historische" Downtown mit dem Bradbury Building, der Central Library und v.a. dem Food Market - das ist immer noch sehr authentisch.
Und San Francisco: Die Zahl der Obdachlosen nimmt stetig zu. San Francisco hat nach New York die prozentual größte Anzahl an Obdachlosen. Und diese Obdachlosen sind größtenteils nicht "zugereist", sondern kommen aus San Francisco und Umgebung (über 70 Prozent haben als Bewohner dieser Stadt ihr Zuhause "verloren"). Was sagt uns das über die Stadt?
Haight Ashbury und Castro: Die Regenbogen-Straßenübergänge sind ja sehr witzig - aber inzwischen laufen hier mehr Leute mit einem Stadtplan in der Hand herum als Männer mit einem anderen Mann an der Hand. Und an jeder zweiten Ecke gibt es einen Starbucks, einen Walgreens oder eine CVS Pharmacy. Und Sexspielzeug im Schaufenster? Das war in den 90ern vielleicht noch spektakulär.
In Downtown San Francisco sind zu jeder Tages- und Nachtzeit vermutlich 95 % Touristen unterwegs. Warum? Kein Einheimischer stellt sich eine Stunde beim Cable Car an, um auf die andere Seite des Hügels zu kommen - dafür gibt es MUNI. Und die meisten Bewohner werden inzwischen sowieso morgens mit dem Bus in die Bay Area gekarrt, um ihren nonterritorialen Working Space bei einem der DotCom Unternehmen einzunehmen, wo sie im Zweifel eh alles vorfinden, was sie sonst mühsam am Abend besorgen müssten - Lebensmittel, Wäscherei, Cafés, ggf. sogar ein Bett, damit sie möglichst wenig ihrer Energie und Zeit "verschwenden".
Bitte nicht falsch verstehen: Ich lasse jedem seine Meinung, die in einigen Fällen sicher auch auf persönlichen Erfahrungen beruht - aber ich wünsche mir da einfach ein differenziertes Bild.
Trotzdem in einem Satz: San Francisco ist eine Stadt zum Besichtigen, Los Angeles eine Stadt zum Erleben.
Wenn Du nur drei Tage Zeit hast, das erste Mal an der Westküste bist und hauptsächlich Sehenswürdigkeiten besuchen möchtest: Auf nach San Francisco. Es ist schon einfach cool, all die Dinge, die einem ständig in Filmen, auf Bildern und in Reiseberichten begegnen (Golden Gate Bridge, America Pyramide, Chinatown, Sausalito, usw.) einmal live und in Farbe zu sehen. Das ist - bei etwas Vorausplanung - einigermaßen stressfrei und entspannend. L.A. läuft dir sicher nicht davon...