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Thema: Jenseits von oder voll zum Thema ‚Dark Tourism‘: Eine Winterreise nach Syrien

  1. #61
    Erfahrenes Mitglied Avatar von globetrotter11
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    Es begab sich aber vor einigen Jahren, dass ein guter Buchhändler mir ein Buch mit den Geschichten von Rafik Schami empfahl und in die Hand drückte. Genauer gesagt: Im Jahr des Herrn 2011.

    Bei meiner Suche nach neuer Lektüre verliere ich mich gerne in der Ecke mit der Reiseliteratur, dort habe ich schon sehr viele Anregungen für meine Reisen gefunden.

    So auch bei den wunderschön fabulierten Werken von Rafik Schami. Wenn ich mir vorstelle, das dieser Schriftsteller solche Meisterwerke der Erzählkunst abliefert, die nicht in seiner Muttersprache verfasst wurden, so kann man kaum erahnen, welche Wortgewalt er erst in seiner Muttersprache entfaltet.

    Kurzum, ich habe das Buch, und danach alle anderen von diesem Autor, regelrecht verschlungen.

    Mein Interesse an einer Reise nach Syrien war schon immer latent vorhanden. Aber nach dem Buch "Damaskus, der Geschmack einer Stadt" war es völlig klar, dass ich sofort dorthin reisen werde. In diesem Buch beschreibt Rafik Schami in seiner blumigen Sprache Spaziergänge durch die Altstadt von Damaskus, besucht Händler, Bäcker, Konditoreien. Märkte und Restaurants. Und zwar so real, dass man meint mit ihm durch die Stadt zu streifen.

    Kurz entschlossen wurden Flüge gebucht. Für eine Woche mitten in der Altstadt von Damaskus ein kleines Boutique Hotel gebucht. Kontakt mit lokalen Reiseagenturen für die Planung von einer Woche individueller Rundreise durchs Land aufgenommen. Und zur Entspannung ein Urlaubsdomizil auf Zypern gebucht. Voller Vorfreude in die Planung aller Details gestürzt.

    Und dann brach das ganze, unsägliche Leid über das Land und insbesondere über die Zivilbevölkerung herein.

    Konsequenz: Reisewarnung, Flüge wurden gestrichen und aus Syrien und Zypern wurden triviale drei Wochen Zypern.


    Dieser, in vieler Hinsicht außergewöhnliche Tripreport, hat meine alte Liebe zu Damaskus aus dem Dornröschenschlaf erweckt und neu entfacht. Und dafür bin ich Hene ganz besonders dankbar.
    Geändert von globetrotter11 (18.02.2020 um 18:57 Uhr)
    MANAL und Hene sagen Danke für diesen Beitrag.
    Bonum vinum laetificat cor hominis!

  2. #62
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    Vielen Dank für den Bereicht.
    Als Kind hatten wir oft ein 2-3 Tage Stop in Damaskus, wenn wir nach Pakistan geflogen sind. Gerade weil mein Vater PIA mied, wie der Teufel das Weihwasser und er dort gute Freunde hatte.
    Schade die Stadt so zusehen, aber ich merke das es mich wieder reizt es mit eigenen Augen zusehen.
    Hene sagt Danke für diesen Beitrag.

  3. #63
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    Zitat Zitat von globetrotter11 Beitrag anzeigen
    Es begab sich aber vor einigen Jahren, dass ein guter Buchhändler mir ein Buch mit den Geschichten von Rafik Schami empfahl und in die Hand drückte. Genauer gesagt: Im Jahr des Herrn 2011.

    Bei meiner Suche nach neuer Lektüre verliere ich mich gerne in der Ecke mit der Reiseliteratur, dort habe ich schon sehr viele Anregungen für meine Reisen gefunden.

    So auch bei den wunderschön fabulierten Werken von Rafik Schami. Wenn ich mir vorstelle, das dieser Schriftsteller solche Meisterwerke der Erzählkunst abliefert, die nicht in seiner Muttersprache verfasst wurden, so kann man kaum erahnen, welche Wortgewalt er erst in seiner Muttersprache entfaltet.

    Kurzum, ich habe das Buch, und danach alle anderen von diesem Autor, regelrecht verschlungen.

    Mein Interesse an einer Reise nach Syrien war schon immer latent vorhanden. Aber nach dem Buch "Damaskus, der Geschmack einer Stadt" war es völlig klar, dass ich sofort dorthin reisen werde. In diesem Buch beschreibt Rafik Schami in seiner blumigen Sprache Spaziergänge durch die Altstadt von Damaskus, besucht Händler, Bäcker, Konditoreien. Märkte und Restaurants. Und zwar so real, dass man meint mit ihm durch die Stadt zu streifen.

    Kurz entschlossen wurden Flüge gebucht. Für eine Woche mitten in der Altstadt von Damaskus ein kleines Boutique Hotel gebucht. Kontakt mit lokalen Reiseagenturen für die Planung von einer Woche individueller Rundreise durchs Land aufgenommen. Und zur Entspannung ein Urlaubsdomizil auf Zypern gebucht. Voller Vorfreude in die Planung aller Details gestürzt.

    Und dann brach das ganze, unsägliche Leid über das Land und insbesondere über die Zivilbevölkerung herein.

    Konsequenz: Reisewarnung, Flüge wurden gestrichen und aus Syrien und Zypern wurden triviale drei Wochen Zypern.


    Dieser, in vieler Hinsicht außergewöhnliche Tripreport, hat meine alte Liebe zu Damaskus aus dem Dornröschenschlaf erweckt und neu entfacht. Und dafür bin ich Hene ganz besonders dankbar.
    Dank dir für das Feedback. Rafik Schami's kulinarisches Buch hatte ich übrigens auch im Gepäck und habe es auch selektiv gelesen und genossen
    globetrotter11 sagt Danke für diesen Beitrag.

  4. #64
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    Epilog

    Nachdem nun doch wieder einige Monate ins Land gezogen sind und diese merkwürdige Zeit doch einigen Raum fürs Nachdenken lässt, will ich mich nun doch noch an einen Epilog wagen, wenn auch einen kurzen. Im Nachhinein betrachtet und auch vor dem Hintergrund der jetzigen Corona-Pandemie mutet diese Reise inzwischen fast surreal and und scheint auch schon ziemlich weit weg zu sein.

    Tatsächlich bin ich aber immer noch in Kontakt zu einigen Leuten in Damascus und bekomme durch diese mit, wie sich dort der Lockdown in der Hauptstadt auswirkt. Man hat fast den Eindruck, dass die Parallelrealität dort stärker ins Wanken kommt durch Corona als durch die Kriegshandlungen im Norden. Für viele Kleinhändler ist es eine Katastrophe.

    Eine syrische Freundin, die in Aleppo ein Fernstudium absolviert und dort im Dezember und Januar (also inmitten der Idlib-Kampfhandlungen) einige Wochen für Prüfungen war, hat mich auch von dort mit Eindrücken versorgt. Syrische Alltagsnormalitäten sind angesichts latenter Gewalt für viele Syrer so stark relativiert worden, wie es für uns junge Europäer kaum vorstellbar ist. So ist es wahrscheinlich kein Wunder, dass ich auf während der Reise immer mal wieder heftig schlucken musste, als mein Guide vor dem Hintergrund zerschossener Häuserwände oder beim Spazieren durch die Burgruine von Krac des Chevaliers oder sogar beim Fahren durch die Wüste nach Palmyra wieder mit seinem Normalitätsdiskurs anfing.

    Rückblickend bin ich sehr froh und dankbar, diese Reise gemacht zu haben. Nicht nur angesichts der Corona-Pandemie, die jegliches Reisen für längere Zeit massiv erschweren wird. Auch angesichts der Dynamiken in Syrien wird es mutmaßlich nicht leichter werden, dort in absehbarer Zeit wieder hinzukommen. Tourismusentwicklung wie sie für Palmyra antizipiert war, wird es aus meiner Sicht über viele Jahre nicht geben. Dazu ein sehr spannender Debattenbeitrag heute im FAZ-Feuilleton: https://zeitung.faz.net/faz/feuillet...en/458377.html (Scheint leider hinter der Paywall zu sein).

    Dennoch hoffe ich für uns alle, dass es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft, wenn sicherlich auch unter anderen Rahmenbedingungen, mit dem Reisen weitergehen kann. Bis dahin zehren wir von, dank der TR hier im Forum auch von fremden, Erinnerungen.
    MANAL, genius, netrocker und 16 Andere sagen Danke für diesen Beitrag.

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