WIRTSCHAFT
Flucht nach vorn
Von Ulrich Friese
Ein Platzhirsch wie British Airways scheiterte vor Jahren kläglich mit dem Aufbau einer eigenen Billigfluggesellschaft. Die Kulturen in den beiden Unternehmenswelten vertragen sich nicht und sind auch unter separater Führung in einem Konzern unvereinbar, hieß es damals in London. Vor diesem Hintergrund ist der Lufthansa mit dem Aufbau einer eigenen Billigflug-Plattform bislang ein Achtungserfolg gelungen.
Dank des regen Zuspruchs von Urlaubern im Europa-Verkehr brilliert Eurowings gegenwärtig mit zweistelligem Wachstum, während die Muttergesellschaft in Frankfurt nur einen dürftigen Zuwachs vorweisen kann.
Dabei trägt der harte Sparkurs im Lufthansa-Konzern vor allem bei der neuen Tochtergesellschaft Früchte: Immerhin liegen die Stückkosten von Eurowings bereits um bis zu 40 Prozent unter dem Niveau des Mutterkonzerns.
Doch um gegenüber Easyjet und Ryanair auf Dauer zu bestehen, reichen diese Erfolge nicht. Vor allem die britische Easyjet zeigt sich durch die Folgen des „Brexits“ bei ihrer ehrgeizigen Expansion kaum gestoppt. Trotz eines schwachen Pfund-Kurses wird die Fluggesellschaft aus London auf dem Festland wohl stärker als bislang Flagge zeigen, um ihre Einnahmen im Euroraum zu erhöhen. Sie könnte für die Lufthansa ein noch stärkerer Gegner oder ein attraktiver Partner werden.