Auch die deutsche Regierung ist von diesem alten Denken geprägt, nicht zuletzt die Kanzlerin. Sie hat auf die Atomkraft stets als Physikerin geschaut, das gab ihr die Aura des Objektiven. Auch jetzt, in der Stunde ihrer politischen Not, sieht sie die Lösung wieder in der Wissenschaft. »Sicherheit steht über allem«, sagte sie, um ihren Kurswechsel, den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg, zu begründen. Aber das stimmt nicht, in Deutschland so wenig wie in Japan. Die Atomkraftwerke dort waren ausgelegt für Erdbeben bis zur Stärke 8, sie wurden erwischt von Stärke 9.
Nur, warum hat die japanische Politik sich mit diesem Sicherheitsstandard begnügt? Weil ein Erdbeben der Stärke 9 zehn Mal so stark ist wie eines der Stärke 8 und weil die Kosten für eine entsprechende Sicherheitstechnik exponenziell gestiegen wären. Das hätte den Atomstrom teurer gemacht als andere Energien und die Profite der Betreiber einschneidend verringert. Deshalb kann bei der nun versprochenen Prüfung der deutschen AKWs alles Mögliche herauskommen, nur so sicher dürfen sie niemals sein, dass sie zu teuer werden. Sicherheit steht also nicht ganz oben, sie steht allenfalls gleichauf mit ökonomischem Kalkül. Restrisiko und Profit sind aneinander gekoppelt, das eine steigt mit dem anderen.