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Aber bei knapp 18,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern kann man beim Strafmaß durchaus von einer vier oder fünf vor der Jahreszahl ausgehen. Das ist weit jenseits des bewährungsfähigen Bereichs. Und es noch nicht mal übertrieben hart.
Mutmaßlich hat Hoeneß sogar noch bei seiner Selbstanzeige gelogen in der Hoffnung, dass man ihm andere Taten nicht nachweisen kann. Nun, kurz vor dem Prozess, zog er dann die Notbremse.
Nicht auszudenken, wenn sich nun noch die eine oder andere Million zur Schadenssumme dazu gesellt.
Und wie schon von feb angemerkt:
Eine Selbstanzeige wirkt auch nur strafbefreiend, wenn der Straftäter die hinterzogenen Steuern im Rahmen der Selbstanzeige vollständig offenbart und die Steuern innerhalb angemessener Zeit nachzahlt. An beidem fehlt es hier. Die Selbstanzeige war weder vollständig, noch gab es die erforderliche Nachentrichtung.
Vor dem Prozess hab ich mit einem Kollegen gewettet, dass sie U.H. niemals einbuchten werden; ergo Bewährungsstrafe. Mittlerweile muss man sagen, dass eine solche unter Juristen nicht mehr vorstellbar ist. M.E. reden wir hier von vielen Jahren Knast; mit Promibonus natürlich weniger.
Was mich an dem Fall ziemlich schockt, ist, wie unglaublich unprofessionell Hoeneß vorgeht. Angefangen damit, dass man mit 500 Mio € auf dem Konto keine Steuerhinterziehung begehen muss, sondern mit Offshore-Gesellschaften, Stiftungen usw. ein komplett legales Steuersparmodell aufziehen kann, was, wenn es auffliegt, vielleicht moralisch verwerflich ist, aber keine Strafverfolgung nach sich zieht.
Dann die Wahnsinnsidee, nur drei Bekannte in einer Nacht die Selbstanzeige durchführen zu lassen. Spätestens da hätte man zum Telefonhörer greifen und eine Anwaltsfirma beauftragen müssen, die erstmal herauskriegt, was der Stern veröffentlichen wird, entsprechende Connections hat, und auch kurzfristig eine fehlerfreie Abgestufte Selbstanzeige hinkriegt, mit entsprechender Überzahlung.
Und nun so ein Prozessauftakt. Er gesteht eben mal so weitere 15+ M€, die den Behörden in den vier Prozesstagen vielleicht gar nicht aufgefallen wären, da nicht angeklagt, und seine Ausreden sind so billig, dass ihm sogar sein eigener Anwalt zweimal in die Parade fahren muss. Also offensichtlich auch keine Vorbereitung mit dem Anwalt. Spätestens hier hätte man sich professionell briefen lassen müssen mit klaren Absprachen, was wie gesagt wird, Prozesssimulationen usw. Dass erst kurz vor knapp die 15+ M€ angezeigt wurden, ist auch kein Ausweis, dass Hoeneß zügig professionell mit Experten die Selbstanzeige aufgearbeitet hat.
Ich bin sehr gespannt, wie der Prozess weiterlaufen wird. Erstaunlich, dass der Haftbefehl heute nicht wieder in Kraft gesetzt wurde.