Wenn ich als konkretes Beispiel VW Baunatal heraussuche, habe gerade über die Moovility-App den Ladepunkt DE*GCE*EACCC264231 rausgesucht.
Da steht als preiswertester Anbieter Lichtblick drin, ab 0,44 €/kWh und Blockiergebühr ab 4h.
(..)
Es wird mir außerdem angezeigt, daß da auch der Anbieter ENBW mit mobility+ verfügbar ist. Wenn ich aber in die mobility+-App gehe, wird mir keine Ladesäule auf diesem Parkplatz angezeigt.
Die Geschichte der Ladekarten ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ich habe sie
hier mal versucht zu erklären.
Das Roaming ist ein bisschen wie Codeshare beim Fliegen:
Der Betreiber der Säule (CPO, in dem Fall: Volkswagen Group Charging GmbH, Markenname "Elli") ist sozusagen der operating carrier, der kümmert sich um die Säule und verlangt dafür einen Preis (pro kWh und eine Startgebühr, jedoch keine Zeitkomponente). Die Preise legt der operating carrier selbst fest, üblicherweise nimmt er für Eco weniger als für Business pro Streckenkilometer (also AC günstiger als DC pro kWh)
Dein Ladekarten-Anbieter (EMP) ist der Marketing-Carrier, der verkauft Dir den Ladevorgang und stellt Dir eine Bord- äh Ladekarte bereit, physikalisch oder als App. Und der verlangt von Dir einen Preis (pro kWh, Startgebühr, Blockiergebühr, Treibstoffzuschlag, Gepäckzuschlag, was auch immer).
Die beiden Preise haben gar nichts zwingend miteinander zu tun.
Nun gibt es Marketing-Carrier, die gar nicht nach Reiseklasse unterscheiden (weil sie sowieso zukünftig nur noch Business anbieten wollen), sondern nur nach Airline. Also Singapore z.B. verkauft Flüge auf eigenem SQ-Metall billiger als Flüge auf TAP-Metall. Ein solcher Anbieter ist bei Ladekarten z.B. EnBW mobility+, da kostet Deine TAP-Economy-Säule dann 60ct/kWh, während der EnBW-Schnelllader/SQ-C 15km weiter billiger wäre.
Dann gibt es Marketing-Carrier, da kostet jeder Flug was anderes. Die nehmen einfach das, was der operating carrier verlangt, knallen ihre Phantasie-Zuschläge drauf, packen das evtl. in ein Raster und verkaufen das dann. NewMotion (bevor es zu Shell gehörte) z.B. hatte das früher. Dadurch können die viel mehr Säulen anbieten (denn egal wie ultra teuer die Swiss Langstrecke First ist - Lufthansa als Marketing Carrier nimmt den Preis einfach mal 1.5 und verkauft das Ticket).
Dann gibt es Marketing-Carrier, die bieten generell sehr günstige Preise an. Also bei SAS kosten die Eco-Flüge dann z.B. 45 ct/kWh und Business 60ct/kWh. Wenn Du jetzt aber mit SAS von Zürich nach NYC fliegen willst, und es gibt an dem Tag nur einen Direktflug operated by Swiss, für den Swiss mehr verlangt, dann würde SAS da draufzahlen. Warum machen die das trotzdem? Weil SAS generell an Dir Geld verdient (und wenn Du jeden Tag fliegst, und oft genug auf eigenem Metall, wo der Deckungsbeitrag am größten ist, dann ist "Kunde ist zufrieden" wichtiger als das einzelne Segment, das zu teuer eingekauft wurde). Und vielleicht vergisst Du ja auch am Zielort, Dein Gepäck rechtzeitig vom Band zu nehmen, dann kassiert SAS ja auch noch eine Blockiergebühr von Dir (von der Swiss nichts abbekommt) und holt sich einen Teil des Geldes wieder zurück.
War noch nicht kompliziert genug? Dann lege ich noch einen drauf:
Wenn ein Marketing-Carrier eine bestimmte Verbindung nicht anbietet (also: eine bestimmte Ladekarte nicht an einer bestimmten Ladesäule geht), dann kann das drei Gründe haben:
a) Die beiden "sehen" sich nicht. Die meisten Roaming-Verbindungen laufen über intercharge der Firma Hubject (u.a. eine Tochter von ich glaube BMW, VW, Mercedes). Hubject ist quasi das Amadeus der E-Mobilität. Wenn Du jetzt aber operating carrier hast wie z.B. Ryanair, die über ganz andere Systeme arbeiten, dann kann es auch sein, dass der Marketing-Carrier auf diese Flüge gar keinen Zugriff hat.
b) Die beiden "mögen" sich nicht. Wenn Swiss einfach operating zu teuer ist, und SAS einfach marketing zu günstig, dann entscheidet SAS einfach, dass sie ZRH-NYC nicht auf LX-Metall anbieten, weil sie dabei draufzahlen würden. Und dann bringt dir Deine SAS-App nichts, Du kannst diesen Flug nicht buchen.
das wahrscheinlichste ist aber ganz oft:
c) Es wurde noch keine Codeshare-Flugnummer ausgewürfelt. Wenn Swiss beim nächsten Flugplanwechsel die Preise ändert, oder im laufenden Jahr eine neue Verbindung einführt, dann muss einmal deren Flüge in sein System einlesen und SAS-Flugnummern vergeben, sonst kennt deren System diesen Flug gar nicht. Das passiert bei den großen Airlines automatisch, aber wenn der Ostfriesische Flugdienst eine neue Verbindung Borkum-Helgoland einführt, dann kann es durchaus sein, dass da mal ein Anruf bei den Kollegen des Lufthansa-Ticketing nötig ist, damit die in der Lufthansa-Suchmaske auftauchen (weil es irgendwo gehakt hat und es keinem aufgefallen ist).
Und wo wir bei der Analogie zur Luftfahrt sind, gucken wir uns auch noch die Flugpreis-Suchmaschinen an.
Beim beim Fliegen hängen die auch an Datenbanken wie Amadeus o.ä. dran und bekommen darüber ja nicht nur die eigentlichen Verbindungen (der operating carrier), sondern auch deren Verkaufspreise sowie die angebotenen Codeshare-Flüge samt deren Preisen geliefert.
Beim Laden ist das aber anders. Hubject kennt nur die eigentlichen Verbindungen (Ladesäulen) und deren internen Verrechnungspreis (der bringt aber dem Kunden nix). Hubject weiß aber weder, ob und zu welchem Preis der Ladesäulen-Betreiber direkt seinen Strom verkauft, noch hat Hubject was damit zu tun, zu welchem Preis welcher Ladekartenanbieter/EMP/Marketing carrier das verkauft.
Darum basieren die Angaben von irgendwelchen Preis-Empfehlungs-Webseiten wie Ladefuchs gar nicht auf realen Daten. Sondern die wissen, wer der Betreiber der Ladesäule/Verbindung ist. Sie kennen die Preislisten der großen Ladekartenanbieter. Und ermitteln dann selbst "wenn das 2000km auf Swiss-Metall in C ist, dann verlangt SAS dafür üblicherweise X Euro". Was natürlich dann auch mal falsch oder unvollständig sein kann.
Das alles passiert hinter den Kulissen. Vor den Kulissen passiert folgendes: Du suchst Dir eine Ladekarte, die zu Deinem Ladeprofil passt (in Deinem Fall wäre es eine ohne oder mit geringer Blockiergebühr) und nutzt die. Dann ist es auch egal, ob Du die jetzt an einem VW Werksparkplatz, an einem Freizeitpark oder auf nem Flughafen-Tagesparkplatz nutzt, das ist ja gerade das schöne bei den Ladekarten, dass Du einen Kilometer-Preis mit Deinem Anbieter verhandelt hast und damit jeden beliebigen Flug nehmen, egal welcher operating carrier das ist.
Schreib mir bitte gern was für 8h tagsüber angesteckt sein (Dienstzeit eines normalen Arbeiters) und 65kWh Strommenge preiswerter ist.
da muss ich passen. Ich nutze Thüga (<40ct und keine Blockiergebühr, 5 Euro mtl. Grundgebühr), aber die nehmen z.Zt. keine Neukunden auf. Es wird noch spekuliert, ob es da eine Preisanpassung geben wird, oder ob das nur technische Gründe hat, weil sie ihr Backend (ihre Kunden-/Tarif-/Ladekarten-Verwaltungssoftware) wechseln. Ggf. findest Du in dem
passenden Thread dazu alternative Tipps.