05. Dez. 2021, 14. Reisetag; Teil 1
Ich war motiviert, denn heute sollten wir aus Tulum abreisen.
Tulum, so schön ich es vor 5 Jahren fand – so schrecklich empfand ich es heute. Die Stadt hat sich komplett verändert, auch die Touristen, die es heute besuchen.
War es vor 5 Jahren noch ein Geheimtipp, ist es heute Mainstream, Backpacker, Globale Nomaden… Die Stadt ist unterteilt in ‚die Stadt‘ mit Pattaya-Style-Touristen mit Stoffrucksack und ungewaschenen Haaren auf Fahrrädern und ‚dem Strand‘, Touristen, die einmal im Jahr auf Teufel komm raus und egal zu welchem Preis ‚die Sau rauslassen‘ wollen, sich leider oft völlig danebenbenehmen. Wer noch nie in Tulum war aber das Treiben im ‚Five Palms‘ in Dubai kennt, der weis wovon ich spreche.
Auch die nächtliche Musik nervte irgendwann, denn sie störte beim Schlafen. Und in Tulum ist es nirgends wirklich ruhig. Wir hatten eine Bar mit sphärischer Musik in der Nähe, die jede Nacht bis 6 Uhr morgens diese schreckliche ‚Down-Musik‘ spielte. Man konnte sich bildlich vorstellen wie irgendwelche zotteligen Typen mit Sonnenbrille sich einen Joint dazu reinzogen und in eine bunte Welt abtauchten. Beim besten Willen nicht unsere.
Nachdem unser Stromverbrauch kontrolliert wurde, gecheckt war, dass die Wohnungseinrichtung komplett und intakt ist, fuhren wir mit unserem Familien-KIA, bei dem aus irgendeinem Grund Apple CarPlay einfach nicht funktionieren will, vom Hof.
Nach knapp 45 Minuten erreichten wir über eine fast kerzengerade, in gutem Zustand befindliche Straße, unser erstes Etappenziel, die Maya-Ruinen von Coba, welche bereits bei Ankunft der Spanier aus einem unbekannten Grund verlassen waren.
Wir bezahlten 60 Pesos fürs Parken plus 100 Pesos/Person Eintritt, bekamen die Temperatur gemessen und wurden aufgefordert Masken zu tragen – draußen im Dschungel.
Natürlich waren 5 Meter nach dem Eingang kaum mehr Masken zu sehen. Bei so wenigen Besuchern unter freiem Himmel auch etwas schwachsinnig, der Mindestabstand betrug gute 10 Meter.
Ich liebe Altertümer, vor allem Römische – war daran liegen mag, dass ich auf einem Humanistischen Gymnasium war, dazu einen Bezug aufgebaut habe. Bei den Maya geht es mir leider nicht so, hier fehlt mir trotz Lektüre die Vorstellung, der Bezug – und damit das Interesse. Ich sehe einfach nur ‚Steine‘ bzw. ‚Steinhaufen‘.
Auch Steintafeln mit Inschriften, die nicht oder kaum mehr zu erkennen sind, interessieren mich nicht sonderlich. Vielleicht bin ich einfach ein Kulturbanause.
Trotzdem versuche ich es immer wieder… erfolglos.
Coba war zu unserer Verwunderung gegen 11 Uhr recht schwach besucht, ein Vorteil.
So liefen wir durch die verschiedenen größeren Steinanhäufungen, sprich Bauten und Pyramiden, fanden eigentlich nur interessant wie sich die Natur ihren Platz zurückerobert hatte.
Somit genossen wir den 4 Kilometer-Spaziergang durch den Urwald, während sich andere, oft Jüngere, mit Fahrradrikschas durch den Dschungel kutschieren ließen. Oft wurde nicht mal abgestiegen, um ein Foto zu machen, man kommandierte den Fahrer das Gefährt so auszurichten, dass man bequem vom Sitz sein Motiv vor Augen hatte.
Wir jedenfalls genossen die Natur, machten ein paar Fotos,
liefen zum Auto zurück und brausten auf der immer noch fast perfekten Straße
in Richtung Valladolid, einer Stadt mit über 50‘000 Einwohnern, welche 1545 von den Spaniern an der Stelle einer Mayastadt errichtet wurde, deren Bauten man niederriss, um das gewonnene Baumaterial für eigene Bauten zu verwenden.
Hier hatte ich für uns ein Zimmer in einem 5*-Boutique-Hotel, dem ‚La Flor Casa Boutique‘, mit nur 2 Zimmern, gebucht.
Die Gegend, wenn auch unweit des Stadtkerns, machte wenig her, das Boutique-Hotel ebenfalls.
Erst als wir von der Eigentümerin ein gelassen wurden, das sehr schöne Innere zu Gesicht bekamen, waren wir beruhigt.
Der Dialekt der Dame machte mich stutzig, und so stellte sich schnell heraus, dass sie aus Süddeutschland stammte, mit ihrem mexikanischen Ehemann einen Bio-Farm in der Nähe betreibt, die Einnahmen des Boutique-Hotels das Projekt finanzierten.
Hier erfuhr ich auch gleich, dass Mexiko DAS Land der ‚Corona-Flüchtlinge‘ ist. Wow, jetzt gibt es also zusätzlich zu politischen- und Wirtschafsflüchtlingen als auch noch Corona-Flüchtlinge. Ich höre sehr schnell heraus, dass ich es mit Aluhut-Trägern zu tun hatte, bog das Thema schleunigst ab, denn sonst hätte ich stante pedes Reißaus genommen.
Wir wurden von der Dame durchs Anwesen geführt, den wunderschönen Innenhof mit Brunnen,
von welchem auch unser Zimmer abging, die Dachterrasse mit Mini-Pool,
um zu guter Letzt in unser Zimmer geführt zu werden.

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05. Dez. 2021, 14. Reisetag; Teil 2
Nachdem wir nur schnell unsere Sachen abgestellt hatten, bekamen wir noch Tipp zu Cenotes, wegen welchen wir nach Valladolid gekommen waren.
Ich hatte bereits bei meiner letzten Mexikoreise in der direkten Umgebung der Stadt eine Cenote besucht, war wenig beeindruckt gewesen, wollte jedoch Maryna dieses Erlebnis ebenfalls zuteil werden lassen.
Die Cenotes um Valladolid wären mittlerweile völlig überlaufen, zudem mit Discobeleuchtung ausgestattet, wir sollten vor allem eine unterirdische und einen ‚oberirdische‘, also mit eingefallenem Dach, ca. 25 Kilometer nördlich besuchen.
Da es noch recht früh am Nachmittag war, Valladolid liegt in einer anderen Zeitzone wie Tulum, wir hatten eine Stunde gewonnen, fuhren wir zuerst in die Altstadt, wo ich feststellen musste, dass die Veränderung der letzten 5 Jahre hier nicht weniger gering als in Tulum ausfiel: aus dem kleinen verschlafenen Nest ist eine touristenüberlaufene Stadt geworden.
An der typischen Kirche vorbei
über den Parque Principal Francisco Canton Rosado mit kitschigem Brunnen
durch Straßen mit kolonialer Bebauung.
Schon fuhren wir durch die 'KÖ' Valladolids, eine kleine Straße mit vielen modernen Geschäften, welche vorwiegend Kunstgegenstände und Kleidung anbieten, und zum Parque Sisal mit ‚Convento de San Bernardino de Siena‘, einem Franziskanerkloster, führt.
Es war heiß und schwül, so dass wir fast umgehend wieder ins klimatisierte Auto flüchteten.
Zuerst ging es nach Ek Balam, mit bedeutenden Maya-Ausgrabungungsstätte. Steine hatten wir jedoch schon genug gesehen, wir sparten uns weitere, fuhren direkt zur angrenzenden Cenote Xcan ché.
Hier entrichteten wir 170 Pesos/Person, schlüpften in Badekleidung und liefen zum riesigen Loch im Boden, welche das eingestürzte Dach hinterlassen hatte, warfen einen Blick nach unten ins kühle Nass.
Was diese Cenote so beeindruckend macht ? Der Bewuchs, welcher sich hinunter zum Wasser schlingt.
Wir nahmen die steile Treppe nach unten, liefen auf dem Holzpfad ums Wasser herum,
und stiegen ins erfrischende, wirklich kühle Wasser.
Schön waren die Podeste in verschiedenen Höhen, von welchem man ins Wasser springen konnte.
Nach 30 Minuten hatten wir genug, gingen nach oben, zogen uns wieder um und fuhren weiter, um 17 Uhr hatten wir einen Termin zur Besichtigung der angeblich eindruckvollsten unterirdischen Cenote.
Als wir um 16:30 an der Cenote ‚Zazil Tunich‘ ankamen waren wir die einzigen Besucher für den 17 Uhr Termin – und so sollte es zu unserem Glück auch bleiben.
300 Pesos/Person entrichtet, wieder in Badekleidung geworfen und von der Führerin, der Tochter des Eigentümers zum Eingang geführt worden.
Sie berichtete uns, dass ihre Eltern das Anwesen vor 11 Jahren erstanden hätten, nicht wegen der Cenote, sondern als Grundstück für ihr Ferienhaus. Die Cenote sei nur nebenbei erwähnt worden, da das Loch als Zisterne für eine alte Mayasiedlung und später eine Farm spanischer Siedler verwendet wurde, um Frischwasser für Mensch und Tier zu erhalten.
Als sie mit ihrem Vater das erste Mal nach unten geklettert sei, habe sie ihm vom Kauf abgeraten, es war dunkel, das Wasser stand hoch und war extrem dreckig.
Ihr Vater habe das Potential allerdings erkannt, über die Jahre die Zu- und Abflüsse der Cenote freilegen lassen, so dass die Verbindung mit den anderen Cenotes wiederhergestellt war, Schlickwasser ab- und Frischwasser zufließen konnte. Nach und nach habe ihr Vater das Innere gereinigt uns später für Touristen und Veranstaltungen, vor allem Mayahochzeiten, ausgebaut.
Das Resultat bekamen wir zu sehen, als wir mit ihr hinuntergestiegen waren.
Atemberaubend !
Decke und Boden waren mit Tropfstein besetzt, der eindrucksvollste mit 12.5 Metern der Größte Yucatans.
Zudem glitzerten einige, was an Kristallen liegt, welche in der Maya-Sprache ‚Zazil Tunich‘ heißen.
Wir sprangen ins Wasser, kühler als bei der offenen Cenote, das Wasser kristallklar.
Interessant auch die Fledermäuse in der Cenote. Diese essen schwarze Früchte, die Überreste fallen ins Wasser und werden von den Barschen gefressen. Ziehen die Fledermäuse ab, ziehen auch die Barsche durch die unterirdischen Verbindungen in andere Cenotes weiter.
Übrigens leben in unterirdischen Cenotes, laut unserer Führerin, nur Barsche – denn diese sind blind und bewegen sich anhand ihrer Fühler fort, brauchen demzufolge kein Tageslicht.
Um 18 Uhr saßen wir wieder im Auto, es war bereits stockdunkel, die Fahrt über die extrem engen, beidseitig stark bewachsenen Straßen, etwas mühsam. Trotzdem kamen wir bereits um 18:40 extrem hungrig (ich hatte seit 2 Tagen außer Keksen und Joghurt nichts mehr gegessen) im Boutique-Hotel an.
So schnell wie möglich frisch gemacht und dem Abendessen entgegengefiebert.
Die Hotelbesitzerin hatte uns zwei Restaurants wärmstens empfohlen, beide fußläufig erreichbar. Das erste wurde kürzlich als bestes italienisches Restaurant der Gegend ausgezeichnet, das Zweite ein Japaner, welches von einem berühmten Japanischen Koch aus Cancun gecoacht wurde, von anderen Hotelgästen sehr geschätzt wurde.
Japanisch ? Klar, das mussten wir ausprobieren, zudem wenn mit 4.6/5 in Google gerated.
Innerhalb von 5 Minuten waren wir dort, mir war schon etwas schwindelig vor Hunger.
Wir traten ein,
bekamen einen ‚Raucher-Tisch‘ zugewiesen, die sehr, sehr umfangreiche Speisekarte auf den Tisch gelegt – nach meiner Erfahrung nicht das beste Zeichen für gute Küche.
Wir wählten 2 Vorspeisen und 2 Rollen – ich dachte nur: bei dem Preis, ca. EUR 5/Rolle, kann das nix werden.
Und so kam es auch wie es kommen musste: es gab kein Sushi und auch keine Sushi-Rollen, es gab zu fest gepressten Reis mit einem Hauch von Fisch.
Es muss eine Kunst sein Fisch und Shrimps so dermaßen dünn zu schneiden, dass ich Maryna durch die Scheiben betrachten konnte. Wenn wir nicht soooo hungrig gewesen wären, wir hätten die Rollen dem Koch an den Kopf geworfen, wobei der bestimmt tot mit Schädelbruch umgefallen wäre.
So aßen wir jeder die Hälfte unserer Rolle, mehr ging trotz Hunger nicht. Ich fragte den Administrator ob Fisch und Shrimps in Mexiko so teuer seien, dass man daran sparen muss. Er schaute verlegen und sagte ‚Sorry‘. Auch die mit Manchego und Peppers gefüllten Shrimps – wow… Shrimps müssen in Yucatan mit Gold aufgewogen werden, denn diese waren kaum vorhanden, dafür massig Panade und Käse.
Wir zahlten sehr enttäuscht, liefen zurück zu unserer Unterkunft, ließen den Tag bei einer Packung Rocher auf dem Zimmer ausklingen.