Hat Ryanair eigentlich (eigene) Piloten? Das sind doch alles freelancer., bezahlt nach Stunden (Stundenlöhner).
Ryanair sill doch jetzt die Sozialbeiträge für die letzten 10 jahre nachbezahlen.
Urteil des LSG Berlin-Brandenburg: Der Umweg über eine zwischengeschaltete Ltd. zur Begründung von Selbstständigkeit hat im Fall von Piloten für Ryanair nicht funktioniert.
www.haufe.de
Hallo! Ich hab gesehen, dass hier Fragen zu "Europe's favorite airline

" aufgekommen sind, für die ich seit 15 Jahren arbeite. Ich bin hier im Forum eigentlich unter anderem Namen seltenst bei Fachfragen aktiv, lese als Vielflieger und Branchenmensch gerne mit, doch mein Nutzername würde Rückschlüsse auf meinen Crewcode erlauben und ich darf mich per Vertrag ja nicht zu Interna äußern, man möge mir verzeihen. Aber ich denke ich kann hier etwas aufklären, hoffentlich ohne Schönfärberei.
Contracting ("Scheinselbständigkeit") gab und gibt es in der Luftfahrt und ist meines Erachtens nicht per se schlecht, sofern es zur Flexibilisierung eingesetzt wird und nicht, um zu Kampfpreisen zu produzieren (z.B. im Baltikum. Am Ende fliegt ein Indonesier ohne Kapitänsberechtigung als Kapitän für eine dieser Buden als Subcontractor für die LHG... interessiert aber wohl keinen).
Die gutbezahlten Jobs in Asien (Korea, Japan, von mir aus auch Thailand und China), sowie Luxair, Aegean, TUI, Brussels haben alle regelmäßig diese Option. Das ist für beide Seiten flexibler, man verzichtet auf Gehaltsnebenleistungen und bekommt dafür oft deutlich mehr Geld, versichert sich privat und baut sich selbst sein Portfolio zur Altersvorsorge. Bei Ryanair findet es für Mobile Piloten, in Osteuropa und außerhalb der EU (UK, Marokko) noch statt, der Rest ist schon fast 10 Jahre auf Festvertrag, welche es früher ebenfalls gab.
Für das Training auf der 737 hatte ich ~26k€ bezahlt, dann hatte ich 1,5 Jahre Contracting gemacht, wo ich diese Kosten als Aufwand abschreiben konnte. Selbstverständlich habe ich in DE AG&AN Anteil in die RV selbst gezahlt, bin aber trotzdem mit prekären 5-8k€ auf der Hand nachhause gegangen, das ist bei Berufseinsteigern mit Festvertrag heute bei weitem nicht mehr so gut.
Nach 1,5 Jahren wurde mir ein Festvertrag angeboten, der mich zudem in Irland steuerpflichtig machte, das war dann ehrlich gesagt nicht mehr so toll, weil man weniger flexibel (=Auszahlungswirksam) eingesetzt wurde und auf sämtlichen Werbungskosten in DE sitzen blieb.
2017 kamen dann lokale Tarifverträge und eine Gehaltserhöhung, da ging man dann wieder mit einem ganz akzeptablen Netto nachhause und hat mit der Steuer was zurück bekommen ("13. Monatsgehalt").
Dann hab ich den Kapitän gemacht, war noch etwas in DE unterwegs und hab mich nach COVID wieder fürs Contracting gemeldet, das zwei Jahre gemacht und jeden Monat 7k€ in den ETF und vom Rest gut gelebt und ein Haus in Spanien gekauft. Dort bin ich jetzt wieder auf einem Festvertrag, den ich für Spanien als gut, für ganz Westeuropa eher als Middle-of-the-Market bezeichnen würde und leb mit zwei Kindern und Frau vor mich dahin. Mich grüßt zwar nicht jeden Morgen der Ronaldo im Aston Martin, aber bemitleiden muss man mich nicht...mir und den meisten meiner Kollegen geht's gut, wir wollen jetzt 26/27 von der Firma einen Inflationsausgleich für den neuen Vertrag, das ist ja wohl das Mindeste!
Der Ausgewogenheit halber: Bei Ryanair läuft auch so manches schlecht. Personal- und Operationelles Management sind absolutes Minimum, du bist Mädchen für alles, stehst pausenlos unter Druck und musst trotzdem 99,9% abliefern. Die Kollegen auf Linie sind alle nett, aber unerfahren, die Passagiere sind oft fragwürdig und die Firma lässt dich immer wissen, wie egal du ihr bist (...z.B. kurioserweise wissen die nicht mehr, seit wann ich dort arbeite und schreiben mir immer 2 Jahre zu viel auf die Zettel). Was ich gut finde und zu meinem persönlichen Vorteil nutze ist das Merit Based System, der starre Dienstrhythmus mit genug freien Tagen, keine Flüge durch die Kernnacht und das man so viele Basen hat, d.h. heimatnah arbeitet und jeden Tag daheim bei den Kids ist. Alle Pros und Cons sind bekannt und können relativ problemlos von Leuten recherchiert werden, bevor sie für uns arbeiten...
Bin ich ein stolzer, motivierter Ryanair Fan: Nein. Mach ich meinen Job exzellent und hab ein glückliches Leben: Ja.
Ich hoffe, das bringt etwas Licht ins Dunkel. Oft hängts ja an der Kommunikation...
Liebe Grüße, der Typ aus dem Internet