Gründe für den Personalmangel?

ANZEIGE

LH88

Erfahrenes Mitglied
08.09.2014
10.071
3.157
ANZEIGE
Ja, Hauptmann Fuchs. Vermutlich einiges wahres dran.
Ich konnte jedenfalls keine offiziellen Daten finden, welche Personen aus- bzw. einwandern.
Beim Auswandern werden es sicherlich zum großen Teil die Wohlhabenden sein, beim Einwandern vermutlich eher das Gegenteil. Vielleicht findet ja jemand konkrete Daten/Informationen dazu.
Meiner Meinung nach ist D jedenfalls für viele Akademiker eher kein lukratives Land zum Einwandern, denn woanders findet man (deutlich) bessere Bedingungen vor. Bürokratie, Steuerlast, Neidgesellschaft, teilweise der Umgang mit Kindern, um nur einige Punkte zu nennen.
Naja du hast zumindest in Berlin, meiner Wahrnehmung nach eine recht hohe Zuwanderung in lukrative Berufe, alleine bei n´mir im Haus wohnen Spanier, Südafrikaner, Polen und Koreaner. Ingenieur, Softwarefuzzi, Banker und Arzt.

Ähnliches nehme ich an vielen Orten wahr.

Gleichzeitig bei REWE an der Kasse:
Elektro Ingenieur, Englisch Lehrer und Übersetzer - alle studiert, alle deutsch.
 

Tupolew

Erfahrenes Mitglied
27.09.2012
1.173
111
Gegenüber steht natürlich eine mobile Elite die international lebt, vielleicht in der Wissenschaft tätig ist (so um die 50% der wissenschaftliche Mitarbeiter an niederländische Universitäten kommen aus dem Ausland), oder schlicht sich für die internationale expat Lifestyle entschieden hat. Schön dass es so etwas gibt für wen es mag.

Sind aus den Statistiken denn schon die Studenten rausgerechnet? Für ein Erasmussemester meldet man sich in DE vielleicht nicht unbedingt ab, aber gibt genügend die auch im Ausland mehrere Jahre studieren und dann keinen Wohnsitz mehr in Deutschland haben.
Bin nach meinem Studium auch ins Ausland gegangen, bin aber wiedergekommen (und hab dabei sogar noch eine "Ausländerin" mitgeschleppt, die übrigens mehr Steuern zahlt als der Durchschnitt). Für das Amt (insbesondere Finanzamt) ist es halt einfach nur eine Abmeldung des Wohnsitzes mit Umzug ins Ausland, die können gar nicht wissen, ob permanent oder temporär, die Gründe wissen die erst recht nicht.
 
  • Like
Reaktionen: juliuscaesar und LH88

Hauptmann Fuchs

Erfahrenes Mitglied
06.04.2011
3.535
1.496
GRQ
@Tupolew @Seemann: bestimmt nicht, die Quelle war ja wie angegeben unseriös. Mir ist den erwähnten Brain-Drain egal, darüber kann ich mich nicht aufregen, künstlich oder intrinsisch - ich stehe zu einer offenen Gesellschaft.

Ihr (sowie @LH88) zeigt aber sehr schön, wie komplex manche Probleme sind, und dass es nicht die einfache Lösungen gibt wie immer wieder dargestellt werden. Dieses Muster sieht man mitterweile überall im öffentlichen Diskurs, und ich hoffe ich habe immer wieder Energie um es Paroli zu bieten.
 

Biohazard

Erfahrenes Mitglied
29.10.2016
5.402
2.091
EDWH
Meiner Meinung nach ist D jedenfalls für viele Akademiker eher kein lukratives Land zum Einwandern, denn woanders findet man (deutlich) bessere Bedingungen vor. Bürokratie, Steuerlast, Neidgesellschaft, teilweise der Umgang mit Kindern, um nur einige Punkte zu nennen.
Der wichtigste Kritikpunkt ist doch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). #IchBinHanna
 

juliuscaesar

Erfahrenes Mitglied
12.06.2014
7.848
4.348
FRA
Ich kenne mehrere Russen, die mit Frau (und mittlerweile Kindern) als IT-Experten und mit „Blue Card“ in Berlin leben.
Sie sagen, dass die Bürokratie der Einwanderung ziemlich einfach war, da die großen deutschen Konzerne eine sehr große Nachfrage an solchen Experten haben, die keineswegs mit deutschen/europäischen Absolventen gedeckt ist.
„Fünf Experten werden benötigt, drei sind vorhanden.“
 
  • Like
Reaktionen: unseen_shores

Fee44

Aktives Mitglied
22.04.2022
106
62
Darf ich aus dem Interview zitieren? Falls nicht, löscht einfach den Beitrag:

"In Berlin verstehen sogar manche Kellner nur Englisch. Das stört Sie nicht, anders als den früheren Gesundheitsminister Jens Spahn?

Nein! Das ist in vielen Bereichen längst Realität. Ich habe selbst in einem überwiegend englischsprachigen Unternehmen gearbeitet, einer internationalen Anwaltskanzlei. Wir schreiben niemandem vor, wie er in einem privaten Unternehmen kommunizieren soll. An der Amtssprache will niemand etwas ändern, aber die Realitäten in international aufgestellten Unternehmen müssen wir doch zur Kenntnis nehmen."

Sie vergleicht ein "international aufgestelltes Unternehmen" mit einem Cafe/Restaurant um die Ecke!? Wenn meine Eltern in einen gastronomischen Betrieb in DE gehen und bestellen dort Schnitzel oder Käse-Sahne-Torte und der Kellner versteht die nicht, gehen die rückwärts wieder raus. Wie soll sowas funktionieren? Wer eine solche Tätigkeit ausübt und mit dem "normalen Menschen von der Straße" zu tun hat (Gastro, Einzelhandel, Arzpraxen, etc.) muss deutsch sprechen. Oder? Wie seht ihr das?
 
  • Like
Reaktionen: juliuscaesar

Airsicknessbag

Erfahrenes Mitglied
11.01.2010
17.083
3.886
Der Markt regelt. Wenn der Betrieb von Hipstern und Touristen leben und auf Deine Eltern verzichten kann, wird er nicht-deutschsprachiges Personal einstellen. Wenn nicht, nicht. Ich bin da entspannt.
 
  • Like
Reaktionen: juliuscaesar

Hauptmann Fuchs

Erfahrenes Mitglied
06.04.2011
3.535
1.496
GRQ
Wenn meine Eltern in einen gastronomischen Betrieb in DE gehen und bestellen dort Schnitzel oder Käse-Sahne-Torte und der Kellner versteht die nicht, gehen die rückwärts wieder raus. Wie soll sowas funktionieren? Wer eine solche Tätigkeit ausübt und mit dem "normalen Menschen von der Straße" zu tun hat (Gastro, Einzelhandel, Arzpraxen, etc.) muss deutsch sprechen. Oder? Wie seht ihr das?
Das letzte Mal als ich bei Van der Valk an der A4 ("Schiphol") war, gab es ausser ein paar Studenten und dem Restaurantchef überhaupt kein Personal dass niederländisch konnte. Hat auch bei ihren Publikum (70% niederländische Normalos, darunter auch meine Eltern von 70+, 30% internationale Gäste) prima geklappt, daran hat sich auch keiner gestört.

Die Erwartung, in der Gastronomie immer bedient zu werden in der eigenen Sprache ist m.E. einfach nicht mehr realistisch, und dann lieber so als in irgendwelchem Kauderwelsch angesprochen zu werden. Einzelhandel ist eh passe und beim (Zahn)Arzt kann alles passieren, obwohl auch hier B2 gefordert wird.
 

unseen_shores

Erfahrenes Mitglied
30.10.2015
3.443
2.886
Trans Balkan Express
Sie vergleicht ein "international aufgestelltes Unternehmen" mit einem Cafe/Restaurant um die Ecke!? Wenn meine Eltern in einen gastronomischen Betrieb in DE gehen und bestellen dort Schnitzel oder Käse-Sahne-Torte und der Kellner versteht die nicht, gehen die rückwärts wieder raus. Wie soll sowas funktionieren? Wer eine solche Tätigkeit ausübt und mit dem "normalen Menschen von der Straße" zu tun hat (Gastro, Einzelhandel, Arzpraxen, etc.) muss deutsch sprechen. Oder? Wie seht ihr das?

Aktuelles Problem, knapp 1 Millionen Ukrainerinnen im Land seit März (tatsächlich fast alles Frauen).

Bislang lediglich 38.000 in Lohn und Brot:


Hier sehe ich das Problem, dass es an Integrationskursen hapert. Wenn die iHK und andere schlau wären, würden sie hier für ihre Mitglieder, die einstellen, Sprachangebote für das neue Personal anbieten. Solche Angebote gibt es leider nur vereinzelt. Die Frage ist halt, ob ohnehin gebeutelte Wirte bereit wären hier Deutschkurse zu bezahlen.
 
  • Like
Reaktionen: juliuscaesar

Tupolew

Erfahrenes Mitglied
27.09.2012
1.173
111
Darf ich aus dem Interview zitieren? Falls nicht, löscht einfach den Beitrag:

"In Berlin verstehen sogar manche Kellner nur Englisch. Das stört Sie nicht, anders als den früheren Gesundheitsminister Jens Spahn?

Nein! Das ist in vielen Bereichen längst Realität. Ich habe selbst in einem überwiegend englischsprachigen Unternehmen gearbeitet, einer internationalen Anwaltskanzlei. Wir schreiben niemandem vor, wie er in einem privaten Unternehmen kommunizieren soll. An der Amtssprache will niemand etwas ändern, aber die Realitäten in international aufgestellten Unternehmen müssen wir doch zur Kenntnis nehmen."

Sie vergleicht ein "international aufgestelltes Unternehmen" mit einem Cafe/Restaurant um die Ecke!? Wenn meine Eltern in einen gastronomischen Betrieb in DE gehen und bestellen dort Schnitzel oder Käse-Sahne-Torte und der Kellner versteht die nicht, gehen die rückwärts wieder raus. Wie soll sowas funktionieren? Wer eine solche Tätigkeit ausübt und mit dem "normalen Menschen von der Straße" zu tun hat (Gastro, Einzelhandel, Arzpraxen, etc.) muss deutsch sprechen. Oder? Wie seht ihr das?
Da es um das Thema Willkommenskultur geht, kann man es auch genau andersrum sehen:
Die Realität sieht nun mal so aus, dass gerade große Unternehmen, in Städten wie Berlin aber auch die ganze Startup Szene, international aufgestellt sind. Um den ausländischen Angestellten dieser Firmen eine Willkommenskultur zu bieten, wäre ein Weg, die Sprachbarriere zu minimieren.
Das widerspricht natürlich dem Integrationsgedanken, aber da ist unser Ausländerrecht eh schon so aufgestellt, dass die Sprachanforderungen an Fachkräfte deutlich niedriger sind als für die Arbeiterklasse ("verminderter Integrationsbedarf").
Wie so oft sehe ich persönlich Bildung als Lösung des Dilemmas. Wir müssen die Menschen in Deutschland so gut ausbilden, dass es für die in der Praxis egal ist, ob man englisch oder deutsch spricht. Dann kann man nämlich alle versorgen, die ältere einheimische Bevölkerung, als auch internationale Fachkräfte und Arbeiter.
 

Vollzeiturlauber

Erfahrenes Mitglied
27.11.2012
7.377
689
Corona-Land
kein Personal dass niederländisch konnte. Hat auch bei ihren Publikum (70% niederländische Normalos, darunter auch meine Eltern von 70+, 30% internationale Gäste) prima geklappt
gut, die scheinen ja noch eine "Nederlandse Menukaart" zu haben.
Wenn meine Eltern in einen gastronomischen Betrieb in DE gehen und bestellen dort Schnitzel oder Käse-Sahne-Torte und der Kellner versteht die nicht, gehen die rückwärts wieder raus. Wie soll sowas funktionieren?
Das scheint in Berlin nicht mehr so zu sein, oder?
 

Leon8499

Erfahrenes Mitglied
24.08.2019
2.929
3.080
Zum Thema "Kellner sprechen kein Deutsch" möchte ich diesen Artikel und vor allem seine Schlusspointe empfehlen:

Und vielleicht ist all das eine Art späte Rache. Eine Rache der englischsprachigen Einheimischen für die Ansagen der Deutschen Bahn. Eine Rache der Gäste aus aller Welt für das, was die Deutschen seit Jahrzehnten in den Tourismushochburgen Spaniens und Italiens anrichten und wo sie wie selbstverständlich davon ausgehen, dass auf einer spanischen Insel nun einmal Deutsch gesprochen wird.

Sicher wiegt das nicht auf, wenn in Deutschland das Personal die Landessprache nicht beherrscht, aber die zweite angesprochene Situation habe ich im letzten Jahr genauso auf Mallorca erlebt. Deutscher Tourist, ca. 60, palavert den offensichtlich nicht deutschsprachigen Kellner (Spanisch konnten wohl beide nicht) auf Deutsch voll, und macht keine Anstalten (vermutlich aus Unfähigkeit), irgendeine andere Sprache zu verwenden. Der Kellner hat sich fast schon gefreut, als er merkte, dass ich Englisch beherrsche, und mir im Ausland auch nicht zu fein dazu bin, diese Sprache zu benutzen. Ich habe mich in meinem Leben selten so sehr fremdgeschämt.
 

Fee44

Aktives Mitglied
22.04.2022
106
62
Oh ja, Deutsche, die im Ausland nur Deutsch sprechen. Das ist allerdings auch peinlich, muss ich zugeben. Meine oben schon erwähnten Eltern wissen immerhin um ihre (fehlende) Sprachkompetenz und bleiben in D-A-CH... Zuletzt habe ich mich für meine Landsleute geschämt, als ein älterer Deutscher den philippinischen Kellner auf dem Schiff im Buffet-Restaurant auf Deutsch anblaffte (anders kann man es wirklich nicht ausdrücken): "2 Kaffee, 2 Orangensaft! An DEN Tisch dort!" :oops: