Selbstanzeige Uli Hoeneß wegen Verdacht der Steuerhinterziehung

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economyflieger

Erfahrenes Mitglied
22.02.2010
4.977
1
Ostsee
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Na ja man muss unterscheiden zwischen wirklichem Depotvermögen und evtl. Hebel - Wirkung von Termin / Futures Geschäften. Das kann man aus dem was so gemeldet wird nicht wirklich exakt herausfiltern. Es gibt zum Beispiel Futures bei denen eine Kursbewegung von 0,01 USD eine Gutschrift oder Belastung von 1.250 USD pro Kontrakt bedeutet. Jetzt kann man das theoretisch hochrechnen. Ein Kontrakt hat einen"Größe "von 125.000 USD... dann braucht man für die 150 Mio Euro / USD Geschäft im Grunde 1.200 Kontrakte. Pro Kontrakt muss man eine Sicherheit hinterlegen das ist dann weitaus weniger . Bei angenommen 5.000 USD pro Kontrakt ist die Sicherheitsleistung dann lediglich 1,8 Millionen...

So muss man sich das vorstellen...

Stimmt alles, aber ändert nichts an dem genannten Höchstsaldo von 150 Mio Euro.
 

unn4m3d

Erfahrenes Mitglied
03.12.2011
282
55
Ich halte es für höchst skandalös das offenbar nicht weiter ermittelt werden soll. Für mich ist es absolut nicht nachvollziehbar wie man jetzt die Ermittlungen auf Eis legen kann und sich um eine "einfache Lösung" bemüht.

Ich weiß, Herr Hoeness hat Prestige und Freunde ohne Ende in München. Aber das nach all den Neuigkeiten in der Causa die ganze Geschichte, allem Anschein nach, jetzt schnell unter den Teppich gekehrt werden soll, lässt mich am deutschen Rechtssystem zweifeln. Ich erinnere nur an den Fall Wulff, dort ging es um 700€ und es gab 11 Prozesstage wenn ich mich nicht irre. Hier geht es wohlmöglich um entgangene Steuereinnahmen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Das ist der dickste Fisch an der Angel in der Geschichte der Steuerfahndung und hier wird der Fisch wieder ins Wasser geworfen. Unverständlich für mich.:-(
 

thbe

Erfahrenes Mitglied
27.06.2013
9.444
9.876
Ich halte es für höchst skandalös das offenbar nicht weiter ermittelt werden soll. Für mich ist es absolut nicht nachvollziehbar wie man jetzt die Ermittlungen auf Eis legen kann und sich um eine "einfache Lösung" bemüht.

Ich weiß, Herr Hoeness hat Prestige und Freunde ohne Ende in München. Aber das nach all den Neuigkeiten in der Causa die ganze Geschichte, allem Anschein nach, jetzt schnell unter den Teppich gekehrt werden soll, lässt mich am deutschen Rechtssystem zweifeln. Ich erinnere nur an den Fall Wulff, dort ging es um 700€ und es gab 11 Prozesstage wenn ich mich nicht irre. Hier geht es wohlmöglich um entgangene Steuereinnahmen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Das ist der dickste Fisch an der Angel in der Geschichte der Steuerfahndung und hier wird der Fisch wieder ins Wasser geworfen. Unverständlich für mich.:-(

Kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung:

Bei den genannten Summe handelt es sich ausschließlich um die nicht bereits verjährten und damit prozessrelevanten Summen.

Zählt man seine Vorteile aus den verjährten Straftaten hinzu, dürfte die Gesamtsumme erheblich höher ausfallen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Gesamtschaden neunstellig ausfällt, es sich also um einen dreistelligen Mio.-Betrag handelt.

Diesen Sachverhalt vermisse ich bei manchen Kommentaren (nicht von Dir, vor allem von außerhalb des Forums), die davon sprechen, er hätte den Schaden wiedergutgemacht. Sorry, aber das hat er nicht. Und mit dem abschließend hinterzogenen Geld hätte man Leben retten können, je nach Einsatzbereich Dutzende bis Tausende.

Als Fußballbegeisterter wünsche ich UH die geringste vertretbare Strafe. Diese kann m. E. jedoch keinesfalls unter 40 Monaten FS liegen.
 

cockpitvisit

Erfahrenes Mitglied
04.12.2009
5.363
3.062
FRA
Und mit dem abschließend hinterzogenen Geld hätte man Leben retten können, je nach Einsatzbereich Dutzende bis Tausende.

Nach dieser Logik darf man UH auf keinen Fall bestrafen (außer der Steuernachzahlung). Denn wenn ihm durch die Strafe wirtschaftliche Nachteile entstehen, zahlt er künftig weniger Steuern, mit denen man ja sonst Leben retten hätte können :D
 

thbe

Erfahrenes Mitglied
27.06.2013
9.444
9.876
Nach dieser Logik darf man UH auf keinen Fall bestrafen (außer der Steuernachzahlung). Denn wenn ihm durch die Strafe wirtschaftliche Nachteile entstehen, zahlt er künftig weniger Steuern, mit denen man ja sonst Leben retten hätte können :D

Nein, dem ist logisch nicht so.

Zum einen geht es natürlich auch um Abschreckung. Würden Steuerhinterzieher aus solchen Gründen keine FS mehr fürchten müssen (solange es "nur" um Geld geht, bleibt es eine geschäftsübliche Nutzen-Risiko-Betrachtung), dürfte das Steueraufkommen insgesamt erheblich sinken, was in Summe erheblich negativere Auswirkungen hätte.

Zum anderen bedeutet ein UH in Haft ja nicht, dass in Summe weniger Steuern gezahlt werden. Seine Wurstfabrik kann auch jemand anderes leiten und selbst wenn die Firma Pleite geht, macht eben jemand anderes zusätzlich diese Umsätze und zahlt dann entsprechend mehr Steuern.
 

Ralf1975

Erfahrenes Mitglied
12.05.2009
6.131
21
Zum anderen bedeutet ein UH in Haft ja nicht, dass in Summe weniger Steuern gezahlt werden. Seine Wurstfabrik kann auch jemand anderes leiten und selbst wenn die Firma Pleite geht, macht eben jemand anderes zusätzlich diese Umsätze und zahlt dann entsprechend mehr Steuern.

Na ja die Fabrik führt ja schon sein Sohn, aber der Präsidentenjob bei Bayern iWork ja nicht ohne Gehalt bewertet sein ;)
 

economy

Erfahrenes Mitglied
21.04.2012
452
0
Für mich wird das ganze immer frecher von seitens des Heiligen vom Tegernsee. Wie ja oben verlinkt wurde hat man wohl eine selbstanzeige über ca 60 Mio eingereicht. Man gibt erst 18,5 Mio zu und hat auch keine Probleme mit 27 Mio. Nach dem Motto mal sehen wieviel sie finden...
 

GoldenEye

Erfahrenes Mitglied
30.06.2012
13.177
516
Und ganz sicherlich ist Hoeness kein Einzelfall was eine bestimmte Art von Steuer-kriminalität der Oberschicht betrifft

Da sind sie schon wieder, die Vorurteile und Pauschalisierungen. Ja, Klein-Handwerker hinterziehen keine Millionen und Millionäre arbeiten nicht bei Schwarz&Samstags. And so what? Jeder macht das, wozu er die Möglichkeit hat. Beides nicht gut, aber eines nicht schlechter als das andere.

Hoeneß-Anwalt Feigen sagt auch, dass die Verteidigung von den Zahlen keineswegs überrascht gewesen sei."Wir sind ja nicht dämlich!", sagte Feigen und betonte zudem: "In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten." Die Zahlen gehen nach Ansicht Feigens auch aus der Selbstanzeige vom 18. Januar 2013 hervor. ....

Ich frage mich , wenn man 18,5 Mio Euro zugibt und sagt es könnte einen "Schnaps" mehr sein und man 2 Tage später 27 Mio als Steuerschuld akzeptiert und dann auch noch sagt, das ergibt sich aus der Selbstanzeige, wie akkurrat wurde da gearbeitet .

Werden die Zahlen von der Verteidigung gewürfelt? Im übrigen wird die Lücke dann zwischen Vorab Zahlung der Steuerschuld (meines Wissens 10 Mio Euro) riesengroß. Die sofortige Nachzahlung muss alle Steuerschulden abdecken.

Also die Unterschiede zwischen den Zahlen sind sehr groß, und die Verteidigung hat nun mehrfach darauf hingewiesen, daß die Selbstanzeige gleichwohl vollständig war. Dieser Aussage wird IMHO zu wenig Beachtung geschenkt. Feigen ist ja - nach eigener Aussage - "nicht doof", und er erzählt auch "keinen vom Pferd". Das macht alles nur dann Sinn, wenn man den von mir weiter oben schon einmal zitierten Auszug aus dem Focus betrachtet. Danach ist es eine offene und zu klärende Rechtsfrage, ob bzw. welche Gewinne steuerpflichtig seien. Mag sein, oder auch nicht. Aber DAS wird das Thema sein, und nicht, ob es 18,5 oder 27 Mio. sind.

Zuviel Bälle an den Kopf bekommen ....

Mit dem Flugzeug abgestürzt trifft es eher. Und daß ihn dieses Ereignis sehr stark geprägt hat, ist wohl unumstritten.

Ich gehe nicht davon aus, dass die Verteidigung tatsächlich auf die befreiende Wirkung der Selbstanzeige setzt.

M. E. geht es ausschließlich darum, im gegebenen Rahmen eine möglich kurze Freiheitsstrafe zu möglichst verträglichen Haftbedingungen zu erreichen. Eine FS <= 24 Monate - und damit bewährungsfähig - kann ausgeschlossen werden.

Das wäre dann alles unspektakuläes Handwerk und eher fleissiges Zusammenzählen aller Milderungsgründe. Kunst wäre dagegen, wenn eine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt würde. Bin gespannt, wann diese Karte offiziell gezogen wird. Prominent genug wäre Hoeneß ja dafür. ;)

IIRC hat er ja bereits im letzten Jahr gesagt, daß er diese Karte NICHT spielen wird.

Für mich wird das ganze immer frecher von seitens des Heiligen vom Tegernsee. Wie ja oben verlinkt wurde hat man wohl eine selbstanzeige über ca 60 Mio eingereicht. Man gibt erst 18,5 Mio zu und hat auch keine Probleme mit 27 Mio. Nach dem Motto mal sehen wieviel sie finden...

Eben nicht. Siehe oben. Mir scheint es eher so, daß man gesagt hat: Hier sind die Fakten. Nach unserer Auffassung resultiert daraus eine Steuerschuld von 3,5 Mio.. (man kann aber aus steuerlicher Sicht auch zu einem anderen Ergebnis kommen).
 
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GoldenEye

Erfahrenes Mitglied
30.06.2012
13.177
516
Schlusssatz aus einem aktuelle SPON Kommentar:

"Gerne wäre man selbst so ein toller Hecht, der viel riskiert und dabei wenig auf Regeln gibt. Der macht, was geht, solange es geht. Und wenn er gegen die Wand fährt, egal - er hat es versucht. "

Das tragische an der Sache ist, mir scheint in der Tat, daß UH's Motive eher in diesem Bereich lagen. Ich glaube nicht, daß es ihm darum ging, sich zu bereichern. Da hätte es ganz andere - auch legale - Möglichkeiten gegeben, seine Steuerschuld zu mindern. Er wäre ja nicht der erste gewesen, der seinen Wohnsitz in die Schweiz oder nach Salzburg verlagerte.
 

AroundTheWorld

Erfahrene Nachgeburt
08.09.2009
3.958
111
Das tragische an der Sache ist, mir scheint in der Tat, daß UH's Motive eher in diesem Bereich lagen. Ich glaube nicht, daß es ihm darum ging, sich zu bereichern. Da hätte es ganz andere - auch legale - Möglichkeiten gegeben, seine Steuerschuld zu mindern. Er wäre ja nicht der erste gewesen, der seinen Wohnsitz in die Schweiz oder nach Salzburg verlagerte.

Er hat in dem Sinne kein kriminelles Motiv gehabt. Er ist einfach ein extremer Narziß. Zwischen sich selbst und Gott hat er allerhöchstens noch den Papst gesehen. Damit war aber auch alles, was er machte, automatisch gerechtfertigt. Die Regeln, die für andere galten, galten für ihn nicht, und er war immer die höchste moralische Instanz. Als oberster Gutsherr hat man niemanden über sich.
 

keynes

Erfahrenes Mitglied
03.04.2011
2.151
1.126
Was in dem ganzen Komplex am Interessantesten ist, das UH sich hinstellt und sagt er will sich "ehrlich" machen und absolut reinen Tisch machen. Am Ende ist er aber offensichtlich nur bereit die Steuern für den nicht verjährten Teil seiner Gewinne nachzuzahlen. Seit wann bemisst sich denn Ehrlichkeit nach Verjährungsfristen? Ich hoffe, er wird in Zukunft jede Art von moralischen Ratschlägen an andere unterlassen. Es ist offensichtlich das UH kein Ehrenmann ist und er selbst in dieser Situation nicht begreift, was Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wirklich sind.
 

GoldenEye

Erfahrenes Mitglied
30.06.2012
13.177
516
Was in dem ganzen Komplex am Interessantesten ist, das UH sich hinstellt und sagt er will sich "ehrlich" machen und absolut reinen Tisch machen. Am Ende ist er aber offensichtlich nur bereit die Steuern für den nicht verjährten Teil seiner Gewinne nachzuzahlen. Seit wann bemisst sich denn Ehrlichkeit nach Verjährungsfristen? Ich hoffe, er wird in Zukunft jede Art von moralischen Ratschlägen an andere unterlassen. Es ist offensichtlich das UH kein Ehrenmann ist und er selbst in dieser Situation nicht begreift, was Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wirklich sind.

Woher weißt Du, welche Gewinne verjährt sind? Mir ist das nicht klar, ich weiß aufgrund der widersprüchlichen Meldungen und der unausgegorenen Halbwahrheiten die die Presse gern in den Raum schmeißt weder, wie hoch die Gewinne insgesamt waren, noch, welche steuerpflichtig sind und welche nicht, noch, was verjährt ist und was nicht. Und wenn ich Verteidigung und Steuerprüferin richtig verstanden habe, wissen die das - jedenfalls auf Anhieb - auch nicht so genau.
Deswegen halte ich mich mit solchen Urteilen noch zurück.
 
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economy

Erfahrenes Mitglied
21.04.2012
452
0
Na ja, wenn man von mehreren Jahren rund 50.000 Blatt Papier innerhalb von 3 Wochen prüfen muss wird es halt schwierig. Welcher Teil seiner spielsucht hat ihn den daran gehindert sich rechtzeitig eine steuerkanzlei zu suchen?

Dafûr hatte er mehrere Jahre zeit. War ihm dann doch nicht so wichtig.

ich sehe es auch so, das man mal einen Schlußstrich ziehen sollte. Die Verantwortung für die nicht mehr Nachvollziehbarkeit und Intransparenz trägt hoeneß selbst. Da bringt es meiner Meinung nach nichts mehr noch weiter zurück zu gehen.

Andere schaffen es auch ordentliche Steuererklärungen abzugeben. Er hat genug Freunde oder auch Geld für eine Steuerkanzlei. Eine steuerkanzlei hätte ihm auch helfen können die Geschäfte zu optimieren in steuerlicher Hinsicht.
 

keynes

Erfahrenes Mitglied
03.04.2011
2.151
1.126
@ GoldenEye
Also nachdem was man so lesen konnte, existierte das Konto bereits vor 2003 aber bisher würde noch von keinem auch nicht UH erwähnt, dass er für die Jahre vor 2003 auch die Steuern nachzahlen wird. Aus seiner bisherigen Darstellung war zu entnehmen, dass er am Anfang hohe Gewinne erzielt hat und dann später sehr hohe Verluste. Aus beiden Beobachtungen ziehe ich meine Schlussfolgerungen. Aber wir können gern noch ein paar Tage warten, vielleicht straft er mich ja lügen.

Ich finde es übrigens auch bezeichnend, das UH es nicht gepackt hat innerhalb von fast 14 Monaten seine Steuerschuld auf Heller und Pfennig ausrechnen zu lassen. So schwierig ist das nun auch wieder nicht und da kann man sich ja auch kompetente Hilfe besorgen. Stattdessen lässt er das zwei Wochen vor dem Prozess schön das Finanzamt machen.

Nach meiner Einschätzung hätte jemand der wirklich reinen Tisch machen will, seiner Bank Dampf unter dem Arsch gemacht, die Steuerschuld ausrechnen lassem (im Zweifel zu seinen Ungunsten) und alles so schnell wie möglich inkl. Verzugszinsen überwiesen. Stattdessen lässt UH alle Fristen verstreichen und stellt sich dann hin und behauptet er wäre geläutert und wolle sich "ehrlich" machen und ca. 18,5 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Einen Tag später muss er dann darauf hingewiesen werden es seien ja wohl eher 27,2 Millionen. Wie schon oben beschrieben, ein Ehrenmann verhält sich aus meiner Sicht anders.
 
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GoldenEye

Erfahrenes Mitglied
30.06.2012
13.177
516
Im Prozess vor dem Münchener Landgericht beschrieb eine Steuerfahnderin, die Hoeneß‘ Bankunterlagen auswertet, wie der im Jahr 2001 mit 20 Millionen Mark anfing zu spekulieren
Millionenwette gegen den Dollar: So funktionieren die Börsen-Tricks des Steuersünders Uli Hoeneß - Millionenwette gegen den Dollar - So funktionieren die Börsen-Tricks des Uli Hoeneß - FOCUS Online - Nachrichten

Also so viel früher als 2003 war das nicht, Wir reden hier über 1-2 Jahre (war 2002 schon verjährt?) maximal.
 

GoldenEye

Erfahrenes Mitglied
30.06.2012
13.177
516
Nachdem ja immer wieder zu lesen war, daß UH vor allem auf einen fallenden Dollar gesetzt hat, hier mal dieses Bildchen (EUR zu USD):

design_large.chart


Wer auch immer ihm den Floh in's Ohr gesetzt hat, daß der Dollar fallen würde, man kann sich hier gut vorstellen, wie er von 2002 bis 2008 hohe Gewinne gemacht hat. War ja praktisch eine Einbahnstraße. Und daß er mit der selben Erwartung danach eher Verluste gemacht haben muß, ist auch offensichtlich.
 

Marc_HH

Erfahrenes Mitglied
08.07.2010
631
2
BER (TXL)
Fassen wir noch mal ein paar Fakten zusammen.

01/2013: Selbstanzeige (angeblich beinhaltet diese bisher nicht deklarierte Gewinne in Höhe von rd. 130 Mio.); Vorauszahlung von 10 Mio. auf Steuerschuld
11/2013: Anklageerhebung (Steuerschuld lt. Anklage 3,2 Mio.)
12/2013: Verpflichtung von RA Hanns Feigen
02/2014: umfangreiche Daten zur Selbstanzeige werden nachgeliefert, die die Finanzverwaltung noch gar nicht vollumfassend aus- und bewerten konnte
10.03.2014: Hoeneß erklärt am ersten Prozesstag, dass die Steuerschuld sich auf 18,5 Mio. belaufe
11.03.2014: eine Steuerfahnderin erklärt am zweiten Prozesstag, dass die Steuerschuld im best case für Hoeneß 27,2 Mio. betrage
12.03.2014: RA Feigen erklärt, dass ihn der Betrag nicht überrasche, er der Berechnung der Steuerfahnderin zustimme und dies im Übrigen in der Selbstanzeige von 01/2013 bereits alles erklärt worden sei; bei den zwei Tagen zuvor erklärten 18,5 Mio. habe es sich um eine Schätzung gehandelt, wodurch die Differenz von fast 9 Mio. erklärt sei

Es gibt keine Formvorschriften für eine Selbstanzeige, aber der BGH hat zur Wirksamkeit bereits Leitsätze vorgegeben (BGH 5 StR 118/05):
Eine wirksame Selbstanzeige nach § 371 Abs. 1 AO setzt voraus, dass der Steuerpflichtige eine gewisse Tätigkeit entfaltet, die zu einer Berichtigung und Ergänzung der bisherigen Angaben führt. Er muss hierdurch einen wesentlichen Beitrag zur Ermöglichung einer zutreffenden nachträglichen Steuerfestsetzung leisten (vgl. BGHSt 3, 373, 375). Durch die Berichtigung und Ergänzung der bisherigen oder die Nachholung von bisher unterbliebenen Angaben durch den Steuerpflichtigen muss das Finanzamt in der Lage sein, ohne langwierige Nachforschungen den Sachverhalt vollends aufzuklären (vgl. BGHSt 49, 136, 139 m.w.N.). Für eine wirksame Selbstanzeige reicht es daher nicht aus, dass der Steuerpflichtige lediglich das von einem Außenprüfer erarbeitete Ergebnis anerkennt oder auf Vorhalt bestimmter auffälliger Sachverhalte die Unrichtigkeit seiner bisherigen Angaben einräumt (vgl. BGHSt 3, 373).

In der Selbstanzeige wurden für das Jahr 2003 52 Mio. Gewinn und für das Jahr 2005 78 Mio. Gewinn (in Summe rd. 130 Mio.) angegeben, woraus die Verteidigung ableitet, die Selbstanzeige sei wirksam und bis zu einer Steuernachzahlung von rd. 60 Mio. vollständig.

Weder Finanzverwaltung noch Staatsanwaltschaft konnten anhand dieser Angaben ermitteln, in welcher Höhe die Gewinne steuerpflichtig gewesen sind (zumindest nicht bis im Februar 2014 weitere Unterlagen nachgereicht wurden). Hoeneß und seine Berater waren dazu offensichtlich auch noch nicht in der Lage, sonst hätten sie wohl kaum am Montag von 18,5 Mio. gesprochen, um sich kurz danach auf 27,2 Mio. korrigieren zu lassen. Wären sie dazu in der Lage gewesen, hätten sie dies ja bereits nach der Anklageerhebung im November 2013 der Finanzverwaltung und der Staatsanwaltschaft mitteilen können, die von 3,2 Mio. ausgegangen war.

Feigens Strategie verstehe ich bisher so: Hoeneß hat vollkommen aus eigenem Antrieb beschlossen, zur Steuerehrlichkeit zurückzukehren. Die Ermittlungen des stern haben lediglich dazu geführt, dass diese Selbstanzeige unter großem Zeitdruck erstellt wurde und nur deswegen unvollständig war. (Kann man glauben, muss man aber nicht)

Nun stellt sich m. E. die Frage, ob die drohende Aufdeckung durch Dritte als Entschuldigung dafür herhalten kann, dass eine Selbstanzeige derart verfasst wird, wie es hier offensichtlich geschehen ist und damit die Leitsätze des BGH aushebelt.
 
Zuletzt bearbeitet:

keynes

Erfahrenes Mitglied
03.04.2011
2.151
1.126
Es ist nicht von ihm, aber früher hat er es immer gerne benutzt, einmal sogar im Zusammenhang mit Telekom Aktien :eek: